Die Behandlung von Krebs hat sich in den letzten Jahren durch den Einsatz von Immuntherapien, insbesondere Checkpoint-Inhibitoren, erheblich weiterentwickelt. Diese Therapien haben vielversprechende Ergebnisse gezeigt, insbesondere bei der Behandlung des fortgeschrittenen malignen Melanoms. Allerdings ist es wichtig, die potenziellen Nebenwirkungen und Komplikationen dieser Behandlungen zu verstehen, insbesondere im Zusammenhang mit Chemotherapie und Meningitis.
Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren: Ein Überblick
Checkpoint-Inhibitoren wie Ipilimumab, Nivolumab und Pembrolizumab haben die Behandlung des fortgeschrittenen malignen Melanoms revolutioniert. Diese Medikamente wirken, indem sie die natürlichen Bremsen des Immunsystems lösen und es so ermöglichen, Krebszellen effektiver anzugreifen. Seit 2016 ist die Immuntherapie mit der Kombination der Checkpoint-Inhibitoren Nivolumab und Ipilimumab für die Behandlung des metastasierten Melanoms zugelassen.
Eine retrospektive Studie mit 92 Melanompatienten zeigte, dass ältere Patienten (über 65 Jahre) unter Immuntherapie mit PD-1-Inhibitoren (Nivolumab, Pembrolizumab) sogar ein besseres progressionsfreies Überleben und Gesamtüberleben hatten als jüngere Patienten.
Nebenwirkungen der Immuntherapie: Ein wachsendes Problem
Obwohl die Immuntherapie insgesamt als gut verträglich gilt, ist es wichtig, auf seltene und schwere Nebenwirkungen zu achten. Immuncheckpoint-Inhibitoren können autoimmune Nebenwirkungen in allen Organsystemen auslösen, einschließlich kardialer, hämatologischer, neurologischer und renaler Nebenwirkungen. Schwere und tödliche Nebenwirkungen können verringert werden, wenn diese durch ein engmaschiges Monitoring frühzeitig erkannt werden.
Immunbedingte Nebenwirkungen im zentralen Nervensystem (ZNS-irAE)
Aufgrund der immunstimulierenden Wirkung kann es bei Checkpoint-Inhibitoren zu überschießenden Reaktionen des Immunsystems kommen, auch im zentralen Nervensystem. Diese Komplikation ist problematisch, da die hervorgerufene Neuroinflammation unvorhersehbar auftritt.
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Forschende haben gezeigt, dass Checkpoint-Inhibitoren wie Antikörper gegen PD-1/PD-L1 oder CTLA4 schwere Nebenwirkungen im zentralen Nervensystem verursachen können. In Tierversuchen führte die Verabreichung von Anti-PD-1-Antikörpern zu kognitiven Defiziten, die nicht durch klassische Komponenten des Immunsystems verursacht wurden, sondern durch eine abnormale Aktivierung von Mikroglia.
Meningitis als seltene Nebenwirkung
In der oben erwähnten Studie entwickelten 7,8 % der älteren Patienten unter Immuntherapie eine Meningitis, während bei den jüngeren Patienten keine Fälle von Meningitis auftraten. Dies deutet darauf hin, dass ältere Patienten möglicherweise anfälliger für diese seltene Nebenwirkung sind.
Autoimmunenzephalitis, eine akute entzündliche Erkrankung des Gehirns, kann ähnliche Symptome wie Meningitis verursachen, darunter Gedächtnisprobleme, Stimmungsschwankungen oder Krampfanfälle. Die Erkrankung ist gut behandelbar, vor allem, wenn sie früh erkannt wird. Die Ursache ist eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems, bei der sich Autoantikörper bilden, die bestimmte Rezeptoren oder Ionenkanäle auf der Oberfläche von Nervenzellen angreifen.
Chemotherapie und Immunsuppression: Ein erhöhtes Infektionsrisiko
Chemotherapie ist eineStandardbehandlung für viele Krebsarten. Sie wirkt, indem sie schnell wachsende Zellen abtötet, einschließlich Krebszellen. Allerdings schädigt die Chemotherapie auch gesunde Zellen, insbesondere solche im Immunsystem. Dies kann zu einer Immunsuppression führen, wodurch Patienten anfälliger für Infektionen werden.
Impfungen als wichtiger Bestandteil des Behandlungskonzepts
Durch eine Krebserkrankung und die damit einhergehenden Therapien ist das Immunsystem geschwächt. Impfungen sind daher ein wichtiger Teil des Behandlungskonzeptes bei Krebs. Impfungen helfen, das Immunsystem zu stärken und den Körper vor Infektionen zu schützen.
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Es gibt verschiedene Arten von Impfstoffen, darunter Totimpfstoffe und Lebendimpfstoffe. Totimpfstoffe enthalten abgetötete Erreger oder Teile davon, die sich im Körper nicht weiter vermehren können. Lebendimpfstoffe enthalten abgeschwächte Erreger, die nicht sehr krankheitserregend sind.
Wichtig dabei zu sagen ist aber, dass Lebendimpfungen in verschiedenen Situationen nicht gegeben werden dürfen, besonders dann, wenn das Immunsystem geschwächt ist, weil sich eben dieses Impfvirus im Körper vermehrt. Und wenn das Immunsystem geschwächt ist, dann kann es nicht eine entsprechende Gegenabwehr aufbauen. Daher muss man vorsichtig sein, wenn Patienten Krebstherapien durchführen oder eine dauerhafte Immuntherapie haben, dass eine Lebendimpfung in den meisten Fällen kontraindiziert ist.
Vorbereitung auf eine Impfung
Die Vorbereitung auf eine Impfung oder ein Impfprogramm beginnt ganz einfach mit der Kontaktaufnahme mit dem Impfarzt. Der erinnert einen meistens, dass man zum Impfgespräch auch alle alten Impfausweise, die man hat, auch wenn sie von der Kindheit noch her sind, unbedingt mitnehmen soll.
Man soll immer dann zum Arzt für die Impfungen kommen, wenn man sich wohlfühlt, wenn man sich gesund fühlt, wenn man keine Erkrankung hat, vor allem keine fieberhafte Erkrankung hat, keine Infektion hat. Es kann manches Mal sein, dass man z.B. schon länger eine Infektion hinter sich hat, aber noch Antibiotika nimmt, weil man Antibiotikagaben oftmals über eine Woche, manches Mal 14 Tage einnehmen muss, sich aber sonst schon wohlfühlt.
Das Hodgkin-Lymphom und Spätfolgen der Behandlung
Die Behandlung eines Hodgkin-Lymphoms ist mit einem erhöhten Risiko verbunden, zu einem späteren Zeitpunkt eine weitere bösartige Erkrankung zu bekommen. Am häufigsten unter den Zweitkrebserkrankungen nach Morbus Hodgkin sind solide Tumoren, insbesondere Brust- und Schilddrüsenkrebs.
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Chemotherapie und Strahlentherapie haben grundsätzlich auch eine schädigende Wirkung auf Spermien und Eizellen. Bestrahlungen im Hals- und Brustbereich können zu Funktionsstörungen der Schilddrüse oder zu anderen Schilddrüsenerkrankungen führen. Das Medikament Vincristin kann das Nervensystem, insbesondere die peripheren Nerven schädigen.
Nachsorgeuntersuchungen
Um Spätfolgen der Therapie möglichst frühzeitig zu erkennen, empfiehlt das Behandlungsteam die Wahrnehmung regelmäßiger Nachsorgeuntersuchungen.
HLH und MAS-HLH: Hyperinflammationssyndrome
Die Hämophagozytische Lymphohistiozytose (HLH) und das Makrophagenaktivierungssyndrom (MAS-HLH) sind hyperferritinämische Hyperinflammationssyndrome. Sie sind gekennzeichnet durch einen Zytokinsturm aberrant aktivierter Makrophagen und T-Zellen. Die Erkrankung ist lebensbedrohlich und macht eine rasche Diagnosestellung und Therapieeinleitung erforderlich.
Ursachen und Risikofaktoren
Ursachen der HLH sind angeborene oder erworbene Fehlsteuerungen auf verschiedenen Ebenen des Immunsystems. Im Gegensatz zur hereditären HLH sind bei der erworbenen HLH die Ursachen, die zu einer beeinträchtigten und unkontrollierten Immunantwort führen, multifaktoriell. Sie umfassen eine vorbestehende Autoinflammation, Immuninkompetenz nach immunsuppressiver oder zytostatischer Therapie und Zytokinausschüttung z.B. durch Tumoren. Infektionen können bei allen Formen der HLH eine auslösende Triggerfunktion haben.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose basiert auf klinischen Symptomen, Laborveränderungen und dem Nachweis von Hämophagozytose in Knochenmark, Liquor oder Lymphknoten. Das Ziel der Therapie ist es, die fehlgeleitete Immunreaktion schnell zu stoppen. In der Anfangsphase wird häufig Cortison eingesetzt, ergänzt durch therapeutische Apherese (Blutwäsche) oder intravenöse Immunglobuline. Bei fortbestehenden Symptomen kommen stärkere Immunsuppressiva zum Einsatz, etwa Rituximab oder Cyclophosphamid.
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