Das Thema Impfungen hat nicht erst seit der globalen Suche nach einem Vakzin gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 (COVID-19) hohe Relevanz. Besonders für Patienten mit chronischen Erkrankungen wie dem Parkinson-Syndrom stellt sich die Frage nach dem Nutzen und den Risiken einer Impfung immer wieder neu. Dieser Artikel beleuchtet die Thematik der Impfung bei Parkinson, insbesondere im Hinblick auf Influenza und COVID-19, und gibt einen Überblick über aktuelle Empfehlungen.
Influenza und Parkinson: Eine mögliche Verbindung
Die Hypothese, dass Influenza die Entstehung der Parkinson-Krankheit fördern könnte, ist nicht neu. Aktuelle Forschungsergebnisse aus Dänemark liefern neue Hinweise auf diese Verbindung. Eine Forschungsarbeit aus dem Frühjahr 2020 zeigte, dass Influenzaviren bestimmte Abbauvorgänge in Hirnzellen hemmen können. Dadurch kommt es zur Anhäufung von Eiweißklümpchen, die auch mit der Parkinson-Krankheit in Verbindung stehen. Bei gesunden Menschen verhindert das Immunsystem normalerweise das Eindringen dieser Viren in das zentrale Nervensystem. Bei aggressiven Virusstämmen oder immungeschwächten Patienten kann dieser Abwehrmechanismus jedoch durchbrochen werden.
Für Patienten mit Parkinson-Syndromen stellt die Influenza eine besondere Gefährdung dar. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt daher eine Grippeschutzimpfung für Personen ab 60 Jahren, chronisch Kranke aller Altersstufen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen. Im Herbst steht die Impfung gegen die jährliche Influenza zur Verfügung. Allein in der Saison 2018/19 gab es in Deutschland rund 182.000 labordiagnostische Grippe-Fälle.
Parkinson-Impfung: Hoffnung auf neue Therapieansätze
Bisher können Mediziner nur die Symptome von Parkinson lindern. Studien machen jedoch Hoffnung, dass eine Impfung mit Antikörpern die Nervenkrankheit aufhalten kann. Dieser Ansatz kommt zur rechten Zeit, da die Zahl der Parkinson-Patienten stetig steigt.
Die Parkinson-Impfung setzt hier an: Die maßgeschneiderten Antikörper sollen die Alpha-Synucleine abfangen, sobald sie eine Zelle verlassen, und so verhindern, dass sie weitere Zellen befallen. Zwar können die Antikörper keine vorhandenen Schäden rückgängig machen, aber sie können das Fortschreiten der Nervenzerstörung stoppen.
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Aktuell gibt es viel Dynamik bei der Entwicklung von Therapien, die über die reine Behandlung von Symptomen hinausgehen. Ein Ansatz aus Österreich regt den Körper selbst an, Antikörper gegen das schädliche Eiweiß zu bilden.
COVID-19-Impfung bei Parkinson: Empfehlungen und Überlegungen
Sollten Patienten mit Parkinson-Syndromen sich gegen SARS-CoV-2 impfen lassen? In Deutschland und in der EU sind bisher mehrere Impfstoffe zugelassen, die in Studien eine hohe Effektivität bei der Prävention einer SARS-CoV-2-Infektion zeigten.
Die bisherigen Studien, Anwendungsbeobachtungen und Erfahrungen mit den Impfstoffen lassen folgende Schlüsse zu:
- Die Impfung hat keine Auswirkung auf den neurodegenerativen Prozess bei Parkinson-Syndromen.
- Das Nebenwirkungsprofil nach Impfung unterschied sich bei Parkinson-Patienten nicht von dem Nebenwirkungsprofil der gesunden Probanden.
- Es gibt keine Hinweise für eine Interaktion der parkinson-spezifischen Medikation und der Impfung gegen SARS-CoV-2.
- Im Rahmen einer Infektion mit SARS-CoV-2 kann es dagegen zu einer deutlichen Verschlechterung der Symptome des Parkinson kommen.
Zusammenfassend wird empfohlen, dass sich Parkinsonpatienten impfen lassen sollten, da die Vorteile einer Impfung deutlich überwiegen.
Spezifische Empfehlungen und Maßnahmen
Grundsätzlich müssen Parkinson-Betroffene keine besonderen Maßnahmen ergreifen. Es ist jedoch dringend erforderlich, die Bedeutung von Maßnahmen zum Schutz vor einer Infektion für alle Patienten mit Parkinson zu betonen und dringend zu empfehlen, die allgemeinen Maßnahmen und Vorgaben einzuhalten, um eine Exposition gegenüber dem Virus zu vermeiden. Zusätzlich zu den grundlegenden Empfehlungen an die Allgemeinbevölkerung wird empfohlen, den Austausch mit den behandelnden Ärzten für konkrete Empfehlungen zu suchen, die auf die individuellen Umstände zugeschnitten sind.
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Notwendige Arzttermine sollten wahrgenommen werden. Wenn gesundheitliche Bedenken oder Symptome einer Atemwegsinfektion bestehen, sollte der behandelnde Arzt angerufen werden, bevor die Praxis aufgesucht wird. Die aktivierenden Therapien sollten unter Beachtung der Hygiene- und Schutzmaßnahmen wahrgenommen werden. Längere Unterbrechungen sollten vermieden werden, um eine mittelfristige und oft dann nicht mehr vollständig reversible Verschlechterung von Symptomen, die nicht auf die medikamentöse Therapie ansprechen, zu verhindern.
Parkinson-Betroffene können sich auch von Therapeuten in der Praxis beraten lassen, welche Übungen sie zu Hause als Heimübungsprogramm absolvieren können und ob diese ggf. Kurz nach Weihnachten 2020 wurde der erste Impfstoff gegen COVID-19 in Deutschland zugelassen. Gemäß der Impfverordnung gehören Parkinson-Patienten zur Gruppe mit der dritthöchsten Priorität, es sei denn, sie fallen aus anderen Gründen in Gruppe 1 oder 2. Das Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf ist bei Parkinson-Patienten sehr differenziert zu betrachten. Weitere Faktoren, wie Alter, Begleiterkrankungen oder bestimmte medikamentöse Therapien spielen eine Rolle. Eine pauschale Beratung ist daher nicht möglich. Bislang gibt es keine verlässlichen Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffs für Parkinson-Patienten.
Wirkprinzip der mRNA-Impfstoffe
Es handelt sich um neuartige mRNA-Impfstoffe. Der mRNA-Impfstoff enthält die Bauanleitung für ein bestimmtes Protein des SARS-VoV2-Virus, das sogenannte Spike-Protein. Die mRNA wird in liposomale Nanopartikel verpackt, die nach der Impfung in Körper- und Immunzellen aufgenommen werden. In ihnen wird dann das entsprechende Protein hergestellt. Als „Fremdprotein“ wird es vom Immunsystem erkannt, das gezielt Antikörper und Immunzellen gegen den Erreger bildet. Wichtig zu wissen, die Impfstoff-mRNA wird in den Körperzellen nach kurzer Zeit wieder abgebaut. Sie wird nicht in die eigentliche Erbinformation (DNA) umgewandelt und auch nicht in die menschliche DNA eingebaut.
Statistisch gesehen treten Nebenwirkungen selten oder sehr selten auf. Parkinson-Patienten haben nach einer aktuellen Studie ein um 30 Prozent erhöhtes Risiko, an einer Covid-19-Infektion zu sterben. Menschen mit Morbus Parkinson und ähnlichen neurologischen Erkrankungen sollten sich daher in jedem Falle gegen Covid-19 impfen lassen. Wer geimpft ist, wird selbst bei einem Viruskontakt zu 95 Prozent nicht an Corona erkranken.
Es gibt derzeit keine spezifischen Gründe, warum Patienten mit Parkinson Syndrom die COVID-19 Impfung mit den zugelassenen Impfstoffen weniger gut vertragen sollten, oder die Impfung weniger gut wirken sollte, als bei Gesunden gleichen Alters. Nach dem Priorisierungsplan der Bundesregierung gehören Parkinson-Erkrankte in die Impfgruppe 3 (erhöhte Priorität), wenn Sie nicht aufgrund Ihres Alters oder anderer Erkrankungen einer höheren Priorität zugeordnet werden.
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Prävention und Lebensstil bei Parkinson
Vor allem zwei Dinge hat jeder selbst in der Hand, erklärt eine Neurologin. Wer moderaten Ausdauersport betreibt, kann das Risiko für Parkinson um bis zu 60 Prozent senken. Bewegung hat eine sehr starke antientzündliche Wirkung und ist eigentlich das beste Medikament, das wir in uns tragen. Insbesondere für Menschen im mittleren Alter wäre eine Stunde Sport am Tag ideal, kombiniert mit einer entsprechenden Ernährung. Dabei seien viel Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte vorteilhaft. Ballast- und Pflanzenstoffe wirken sich positiv auf das Darmmikrobiom aus - und seit einiger Zeit wissen wir, dass es eine Verbindung zwischen Darm und Gehirn, die Darm-Gehirn-Achse, gibt.