Infektiöse Myositis mit Neuropathie: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Myositis ist eine seltene Muskelerkrankung, bei der sich die Muskulatur entzündet. Dies führt oft zu Schmerzen und Kraftverlust in den betroffenen Muskeln. In einigen Fällen kann die Myositis auch andere Organe wie Haut, Speiseröhre, Herz oder Lunge betreffen. Wenn Nerven ebenfalls betroffen sind, spricht man von infektiöser Myositis mit Neuropathie.

Was ist Myositis?

Der Begriff "Myositis" setzt sich aus den griechischen Wörtern "myo" (Muskel) und "itis" (Entzündung) zusammen. Myositiden führen zu Muskelschwäche und Kraftverlust. Es gibt verschiedene Formen von Myositis, die sich in ihren Ursachen, Symptomen und ihrem Verlauf unterscheiden.

Ursachen der infektiösen Myositis mit Neuropathie

Infektiöse Myositiden werden durch äußere Erreger wie Viren, Bakterien, Parasiten und selten durch Pilze ausgelöst. Bei diesen Formen der Myositis kann der Krankheitserreger nachgewiesen werden, und die Behandlung zielt auf die Bekämpfung dieses Erregers ab.

Einige der häufigsten Erreger, die infektiöse Myositis verursachen können, sind:

  • Viren: Coxsackie-B-Virus, Influenza-Virus, Epstein-Barr-Virus
  • Bakterien: Staphylococcus aureus, Streptococcus pyogenes, Clostridium perfringens
  • Parasiten: Trichinella spiralis, Toxoplasma gondii

Neuropathie, also eine Schädigung der Nerven, kann im Zusammenhang mit einer infektiösen Myositis auftreten, entweder als direkte Folge der Infektion oder als Begleiterscheinung der Entzündungsprozesse im Körper. Erkrankungen, welche sowohl die Nerven als auch die Muskeln betreffen, sind zum Beispiel HIV, Sprue, mitochondriale Erkrankungen, Amyloidose, Vaskulitiden und Sarkoidose.

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Formen der Myositis

Es gibt sechs Hauptformen der Myositis:

  • Dermatomyositis: Betrifft Muskeln und Haut, typischerweise im Schulter- und Beckenbereich.
  • Polymyositis: Betrifft ausschließlich die Skelettmuskulatur.
  • Einschlusskörpermyositis: Tritt vor allem bei Menschen über 45 Jahren auf und ist durch Eiweißablagerungen in den Muskelzellen gekennzeichnet.
  • Immunvermittelte nekrotisierende Myopathie: Betrifft vor allem die Arm- und Beinmuskulatur und kann zu schweren Muskelschäden führen.
  • Anti-Synthetase-Syndrom: Betrifft Gelenke und Organe, oft die Lunge.
  • Overlap-Myositis: Tritt in Verbindung mit anderen Autoimmunerkrankungen auf.

Häufiger treten parainfektiöse Myositiden auf, die indirekt durch einen Infekt ausgelöst werden. Sie heilen meist rasch spontan ab.

Symptome der infektiösen Myositis mit Neuropathie

Die Symptome einer infektiösen Myositis mit Neuropathie können je nach Art des Erregers und der betroffenen Muskeln und Nerven variieren. Einige der häufigsten Symptome sind:

  • Muskelschwäche: Das Hauptsymptom aller Myositiden ist Kraftlosigkeit aufgrund der Muskelschwäche. Die Kraft kann schleichend oder plötzlich nachlassen.
  • Muskelschmerzen: Oftmals kommt es bei einer Myositis oft zu Schmerzen in den Muskeln.
  • Muskelschwund: Bei einer Muskelatrophie bzw. einem Muskelschwund bilden sich Muskeln nach und nach zurück.
  • Einschränkung in der Mobilität: Treppensteigen oder das Aufstehen aus einem tiefen Stuhl bereitet Patientinnen und Patienten häufig Probleme.
  • Schluckstörungen (Dysphagie): Sie treten besonders oft bei Einschlusskörpermyositis auf.
  • Weitere Symptome: Atemnot, Herzbeschwerden, Magen-Darm-Probleme, Gelenkschmerzen, Verfärbung und Schmerzen in den Fingern und den Zehen (Raynaud-Syndrom), Hautausschlag.

Diagnose der infektiösen Myositis mit Neuropathie

Die Diagnose einer infektiösen Myositis mit Neuropathie kann schwierig sein, da die Symptome unspezifisch sein können und es auch andere Erkrankungen gibt, die ähnliche Symptome verursachen können. Wenn Ihr Hausarzt oder Ihre Hausärztin nach Abklärung Ihrer Beschwerden eine Myositis vermuten, werden Sie an eine fachärztliche Praxis überwiesen.

Zur Diagnose einer Myositis können folgende Untersuchungen durchgeführt werden:

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  • Körperliche Untersuchung: Ein Neurologe kann durch eine körperliche Untersuchung feststellen, ob eine Myopathie vorliegt.
  • Blutuntersuchungen: Bestimmte Blutwerte, darunter die Konzentration des Enzyms Kreatinkinase, das von zerstörten Muskelfasern freigesetzt wird, weisen auf eine Myositis hin. Auch zum Nachweis von Autoantikörpern im Blut (bei Polymyositis gibt es keinen typischen Autoantikörpernachweis).
  • Elektromyographie (EMG): Hierbei wird die elektrische Aktivität in Ihren Muskeln gemessen. Das ENMG dient bei Patienten mit Verdacht auf eine Muskelerkrankung dem Ausschluss möglicher Differenzialdiagnosen. Besonders wertvoll ist es zum Ausschluss neuromuskulärer Erkrankungen, die eine Myopathie imitieren können, wie beispielsweise einer Motoneuron­erkrankung, einer motorischen Neuropathie, einer spinalen Muskelatrophie, einer neuromuskulären Übertragungsstörung wie Myasthenia gravis oder einer Ionenkanalerkrankung. Ausserdem können mittels ENMG myopathietypische Potenziale gesucht werden.
  • Elektroneurografie: Bei diesem Verfahren wird überprüft, ob die Nerven richtig funktionieren, indem ihnen elektrische Reize zugeführt werden. So können neuromuskuläre Erkrankungen erkannt oder ausgeschlossen werden.
  • Muskelbiopsie: Durch die Entnahme einer Gewebeprobe des Muskels kann eine gezielte Untersuchung der Gewebestruktur sowie der Stoffwechselvorgänge vorgenommen werden.
  • Bildgebende Diagnostik: Ultraschall und Magnetresonanztomografie (MRT) macht eine Analyse der Gewebestruktur möglich.
  • Molekulargenetische Diagnostik: Kongenitale bzw. genetisch bedingte Myopathien können anhand von Untersuchungen der Gene nachgewiesen werden.

Die Elektroneuromyografie (ENMG) im Detail

Die Elektroneuromyografie (ENMG) ist eine wichtige Methode zur Diagnose von Myopathien und zur Abgrenzung von anderen neuromuskulären Erkrankungen. Sie umfasst zwei Hauptkomponenten: die Neurografie und die Myografie.

Neurografie

Bei der Neurografie werden elektrische Antwortpotenziale analysiert, die durch elektrische Reizung eines Nerven ausgelöst und mittels Oberflächenelektroden von einem dazugehörigen Muskel abgeleitet werden. Typischerweise werden bei Verdacht auf eine Myopathie je ein motorischer und ein sensibler Nerv von Arm und Bein abgeleitet. Die neurografischen Parameter sind bei Myopathien meistens normal, da die distalen Muskeln ausgespart bleiben.

Myografie

Die aussagekräftigste Untersuchung zur Unterscheidung einer Myopathie von einer anderen neuromuskulären Erkrankung ist die Nadel-EMG-Untersuchung. Mit dem EMG können mehrere Muskeln in verschiedenen Extremitäten untersucht werden. Während der EMG-Untersuchung werden die Insertionsaktivität beim Nadeleinstich, die Spontanaktivität, die Potenziale motorischer Einheiten (PME) und deren Rekrutierungsverhalten bzw. das Interferenzmuster beurteilt.

  • Insertionsaktivität und pathologische Spontanaktivität: Erhöhte Insertionsaktivität reflektiert eine gesteigerte Irritabilität der Muskelfasern. Eine pathologische Spontanaktivität (pSA) findet sich beispielsweise in Form von Fibrillationspotenzialen oder positiven scharfen Wellen.
  • Potenziale motorischer Einheiten: Die mit der Nadelelektrode abgeleiteten Summenaktionspotenziale motorischer Einheiten (PME) lassen Schlüsse auf Morphologie und Funktion der anatomischen motorischen Einheiten zu.
  • Interferenzmuster: Die Zahl der aktivierten motorischen Einheiten und deren Entladungsrate bestimmen beim Menschen die Kontraktionskraft eines Muskels.

Behandlung der infektiösen Myositis mit Neuropathie

Die Behandlung der infektiösen Myositis mit Neuropathie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei infektiösen Myositiden steht die Bekämpfung des Erregers im Vordergrund. Bei Autoimmunerkrankungen kommen Medikamente zum Einsatz, die das Immunsystem unterdrücken.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind:

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  • Medikamentöse Therapie: Glukokortikoide (Kortison), immunsuppressive Medikamente, Immunglobulintherapie mit Antikörpern aus Blutspenden, Schmerzmittel.
  • Physiotherapie: Regelmäßige Physiotherapie, um die Muskelkraft zu verbessern.
  • Ergotherapie:
  • Logopädie: Bei Schluckbeschwerden und mündlichen Verständigungsproblemen bei fortgeschrittener Muskelschwäche.
  • Hilfsmittel: Gehhilfen, Rollstühle, Greif- oder Schreibhilfen.
  • Behandlung von Begleiterkrankungen: Behandlung von Erkrankungen anderer Organe, zum Beispiel bei Haut-, Lungen-, Herz- oder Magen-Darm-Krankheiten.

Prognose

Die Prognose einer infektiösen Myositis mit Neuropathie hängt von der Art der Myositis, der Schwere der Erkrankung und dem Zeitpunkt der Diagnose und Behandlung ab. Bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung können die Beschwerden in der Regel gelindert und der Krankheitsverlauf kontrolliert werden.

Leben mit Myositis

Eine Myositis kann das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren und sich von Ärzten, Therapeuten und Selbsthilfegruppen unterstützen zu lassen.

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