Infusionen zur Schmerzbehandlung bei Neuralgien: Ein umfassender Überblick

Neuralgien, gekennzeichnet durch heftige Nervenschmerzen, können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Die Behandlung von Neuralgien erfordert oft einen multimodalen Ansatz, der sowohl konventionelle als auch komplementäre Therapien umfasst. Infusionen mit verschiedenen Wirkstoffen haben sich als wertvolle Option zur Schmerzlinderung und Verbesserung der Lebensqualität von Patienten mit Neuralgien erwiesen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Arten von Infusionen, die in der Schmerztherapie bei Neuralgien eingesetzt werden, ihre Wirkungsweisen, Anwendungsgebiete und potenziellen Vorteile.

Die Bedeutung eines ausgeglichenen Säure-Basen-Haushaltes

Ein ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt ist für alle Stoffwechselprozesse im Körper von entscheidender Bedeutung. Der pH-Wert im Blut wird durch eine komplizierte basale Funktion im Organismus in extrem engen Grenzen stabil gehalten. Unter gesunden Bedingungen sind nahezu alle Körpergewebe sowie das Blut, die Lymphe, der Speichel und das Hirnwasser leicht basisch (pH = 7,4). Die Verwendung von Energie (oxidative Prozesse) geht immer mit der Produktion von Säure einher, durch die der pH-Wert gesenkt wird. Normalerweise ist der Organismus sehr gut dazu in der Lage, anfallende Säuren schnell aus dem Blut zu entfernen. Dafür sind basische Stoffe verantwortlich, die saure Stoffwechselendprodukte abpuffern. Bei der Entstehung von chronischen Schmerzen, chronischen Krankheiten und Krebs spielt die Übersäuerung des Gewebes eine entscheidende Rolle. Verschiebt sich das Gleichgewicht von Säuren und Basen im Organismus, weil die anfallenden Säuren nicht mehr durch basische Stoffe abgepuffert werden können, entstehen Entzündungen, Schmerzen, zelluläre Veränderungen und möglicherweise Krebserkrankungen. Infolge anfallender Säuren in der Mikroumgebung von durchblutungsgestörtem Gewebe oder chronisch entzündetem Gewebe entsteht ein saures Milieu, wodurch dort liegende Schmerzrezeptoren leichter aktiviert und Reparaturvorgänge behindert werden.

Baseninfusionen zur Entsäuerung des Gewebes

Zur Behandlung einer krankhaften Blut- und Gewebeübersäuerung hat sich seit jeher die Einnahme von Natronsalz (reines Natriumhydrogenkarbonat) bewährt. So zählt die Baseneinnahme bei chronischen Erkrankungen, Entzündungen, Verdauungsbeschwerden und im Rahmen der biologischen Krebstherapie zur Basisbehandlung. Durch die Entwicklung einer Baseninfusion für die Praxis konnte gezeigt werden, dass eine Entsäuerung der Gewebe mittels Infusion einer Natriumhydrogenkarbonat-Lösung sehr viel effektiver möglich wird.

Procain-Basen-Infusionen: Eine Kombinationstherapie

Procainhydrochlorid wurde bereits 1905 als Arzneimittel zugelassen und hat aufgrund der ausgezeichneten Wirksamkeit und guten Verträglichkeit nach über 100 Jahren nicht an Bedeutung verloren. Procainhydrochlorid wurde zunächst als Lokalanästhetikum zur örtlichen Betäubung verwandt. Später wurden weitere hervorragende Wirkungen von Procainhydrochlorid im Körper entdeckt und mit vielen wissenschaftlichen Studien belegt. Als Hauptwirkstoff der Neuraltherapie wirkt Procain direkt schmerzbetäubend auf die Schmerzrezeptoren und Nerven, muskelentspannend, entzündungshemmend und vegetativ ausgleichend, was zu einer Stresslinderung führt ("Sympathikusberuhigung").

Die Procain-Basen-Infusion verbindet die biologischen Eigenschaften von Procainhydrochlorid (Procain) mit der wichtigsten Körperbase Natriumhydrogenkarbonat. Procain, das im sauren Milieu entzündeter Regionen nur unzureichend wirken könnte, gelangt infolge der gesteuerten Alkalisierung durch Natriumhydrogenkarbonat zu einer deutlich verbesserten Wirksamkeit und Wirkverlängerung. Die Kombination beider Substanzen verbessert das Durchdringen von Zellmembranen und verzögert den körpereigenen Abbau des Procains. Chronisch schmerzhafte und entzündlich veränderte Gewebe sind über einen sehr langen Zeitraum schlecht durchblutet und übersäuert. Durch die gleichzeitige Verabreichung des biologisch wirksamen Procain mit der den Säurehaushalt regulierenden körpereigenen Substanz Natriumhydrogencarbonat wird die Durchblutung angeregt und die Entsäuerung des Gewebes eingeleitet, wodurch der Stoffwechsel wieder normalisiert und Heilungsprozesse ermöglicht werden.

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Ablauf einer Procain-Basen-Infusion

Vor der Infusion erfolgt ein Test auf Procainunverträglichkeit, da sehr selten allergische Reaktionen auf Procain auftreten können. Anschließend wird ein Venentropf angelegt und während der Infusion erfolgt eine angemessene Überwachung durch Messung von Blutdruck, Puls und Sauerstoffsättigung. Eine Infusion dauert bis zu 90 Minuten. Es ist wichtig zu beachten, dass die Procain-Basen-Infusion zu den individuellen Gesundheitsleistungen zählt und in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird.

Ketamin-Midazolam-Infusionen: Eine Option bei chronischen Schmerzen

Ketamin wurde erstmals in den 1960er Jahren als Narkosemittel entwickelt. Aufgrund seiner einzigartigen Eigenschaften, wie schnelle Wirkung und relative Sicherheit bei der Aufrechterhaltung der Atmung und Kreislauffunktionen, gewann es schnell an Popularität in der Anästhesie. Im Laufe der Zeit begannen Forscher und Ärzte jedoch, das Potenzial von Ketamin in der Behandlung chronischer Schmerzen zu erkennen. Die Verwendung von Ketamin in Kombination mit Midazolam in der Schmerztherapie ist ein Beispiel für den sogenannten "Off-Label-Use".

Ketamin wirkt als NMDA-Rezeptor-Antagonist und kann so die Schmerzwahrnehmung signifikant reduzieren. Midazolam, ein kurzwirksames Benzodiazepin, wird beigefügt, um angstlösende und sedierende Effekte zu erzielen.

Überwachung und mögliche Nebenwirkungen

Während der Infusionstherapie ist eine sorgfältige Überwachung der Vitalparameter des Patienten unerlässlich. Dies umfasst regelmäßige Kontrollen des Blutdrucks, der Herzfrequenz und der Sauerstoffsättigung. Zudem wird ein Elektrokardiogramm (EKG) durchgeführt, um die Herzaktivität kontinuierlich zu überwachen.

Allerdings sind auch Nebenwirkungen möglich. Dazu gehören unter anderem Schwindel, Übelkeit, Verwirrtheit und in seltenen Fällen halluzinogene Effekte, vermehrter Speichelfluss, Blutdruckanstieg bzw. Blutdruckschwankungen. Ein wichtiger Aspekt, den es zu betonen gilt, ist die möglicherweise eingeschränkte Verkehrstauglichkeit nach der Infusionstherapie.

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Weitere Infusionen zur Schmerztherapie

Neben Procain-Basen- und Ketamin-Midazolam-Infusionen gibt es noch weitere Infusionen, die in der Schmerztherapie eingesetzt werden können:

  • Magnesiuminfusionen: Magnesium ist besonders wichtig für die Funktion von Muskeln und Nerven. Eine intravenöse Magnesium-Gabe kann bei Muskelschmerzen, Stresszuständen und nervöser Erschöpfung hilfreich sein.
  • Infusionen mit Analgetika und Entzündungshemmern: Bei diesen Infusionen werden Kombinationen gut wirksamer Analgetika und entzündungshemmender Medikamente, teilweise ergänzt mit Muskelrelaxantien und Vitamin-B- und Vitamin C-Präparaten verabreicht.

Komplementärmedizinische Verfahren bei Neuralgien

Zusätzlich zu Infusionen können auch komplementärmedizinische Verfahren bei der Behandlung von Neuralgien eingesetzt werden. Dazu gehören:

  • Physiotherapie: Durch Mobilisierung und Muskelaufbau können Schwächen in der Muskulatur und Instabilitäten kompensiert werden.
  • Hydrothermotherapie: Kalte oder wechselwarme Güsse können zur Linderung der Symptomatik verordnet werden.
  • CO2-Bäder: Der CO2-Kontakt führt zu einer peripheren Stimulation des Gewebes mit Gefäßerweiterung und verbesserter Hautdurchblutung mit einer milden Kreislaufanregung.
  • Elektrotherapie: Neben 2- und 4-Zellenbädern kommt gerade auch die transkutane elektrische Nervenstimulation, die sog. TENS-Behandlung in Betracht.
  • Ätherische Öle: Ätherische Öle können über eine Anregung der Kälterezeptoren der Haut kühlend wirken und somit die Schmerzweiterleitung vermindern.
  • Johanniskrautöl: Warme Johanniskrautölauflagen können bei Trigeminusneuralgie oder atypischem Gesichtsschmerz appliziert werden.
  • Capsaicin: Der Wirkstoff Capsaicin aus Cayennepfefferfrüchten wirkt lokal hyperämisierend und analgetisch.

Orthomolekulare Medizin bei Neuropathien

Die Neuropathie ist ferner eine Domäne der orthomolekularen Medizin. Hierbei werden hochdosierte neurotrope B-Vitamine (B1, B2, B6, B12 und Nicotinamid) über einen Zeitraum von ca. drei Monaten verabreicht. Als neurotropes Antioxidans spielt auch Vitamin E eine wichtige Rolle in der Behandlung von Neuropathien. Auch Vitamin C, Alpha-Liponsäure und Omega-3-Fettsäuren können unterstützend eingesetzt werden.

Weitere komplementäre Verfahren

  • Ganzkörperhyperthermie: Über die passagere Erhöhung der Körperkerntemperatur in den Fieberbereich bis max. 40,5 °C kommt es zu einer starken Stoffwechselsteigerung, sodass regenerative und regulative Prozesse angestoßen werden.
  • Schröpfen oder Blutegeltherapie: Bei Polyneuropathien der unteren Extremitäten kann durchaus eine segmentale Therapie mit Schröpfen oder Blutegeln im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule erwogen werden.
  • Neuraltherapie: Neuraltherapeutisch kann an einen Einsatz der Neuraltherapie als Segmenttherapie gedacht werden.

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