Inkasso Unternehmen und die 1-Cent-Masche: Ein Überblick über Risiken und Schutzmaßnahmen

Das Girokonto ist heutzutage eine Selbstverständlichkeit. Gehalts- und Lohnzahlungen erfolgen in der Regel bargeldlos, was ohne Girokonto kaum möglich wäre. Doch die Bequemlichkeit des bargeldlosen Zahlungsverkehrs birgt auch Risiken, die Kriminelle auszunutzen versuchen. Eine dieser Methoden ist die sogenannte "1-Cent-Masche", die darauf abzielt, Kontodaten zu verifizieren und anschließend unberechtigte Abbuchungen vorzunehmen.

Die Funktionsweise der 1-Cent-Masche

Die Betrüger generieren zunächst zufällige Zahlenkombinationen, die als Kontonummern dienen. Mit einer 1-Cent-Überweisung testen sie, ob diese Kontonummern tatsächlich existieren. Wenn die Überweisung erfolgreich ist und keine Fehlermeldung zurückkommt, wissen die Betrüger, dass das Konto existiert und erreichbar ist. In einem nächsten Schritt erfinden sie einen Grund für eine Abbuchung, beispielsweise einen angeblichen Gewinnspielvertrag, einen Produktkauf oder einen erteilten Dienstleistungsauftrag, und beginnen mit unberechtigten Abbuchungen vom betroffenen Konto.

Warum ist die 1-Cent-Masche erfolgreich?

Der Erfolg dieser Masche beruht auf der Tatsache, dass es nach der Ermittlung einer existierenden Kontonummer relativ einfach ist, Abbuchungen per Lastschrift vorzunehmen. Viele Kontoinhaber überprüfen nicht, ob der auf einer Lastschrift angegebene Kontoinhaber tatsächlich mit dem Inhaber des belasteten Kontos übereinstimmt. Zudem schenken viele Menschen einer Überweisung von nur einem Cent keine große Beachtung, was den Betrügern in die Hände spielt.

Was tun bei einer 1-Cent-Überweisung?

Wenn Sie eine 1-Cent-Überweisung auf Ihrem Konto feststellen, sollten Sie umgehend Ihre Bank informieren. Die Bank ist in der Regel über das Problem informiert und kann den Betrag mit dem Vermerk "Konto existiert nicht" an den Absender zurücksenden. Dies verhindert, dass die Betrüger Ihr Konto als aktiv markieren.

Authentifizierung durch seriöse Unternehmen

Es ist wichtig zu erwähnen, dass nicht jede 1-Cent-Überweisung betrügerisch ist. Einige seriöse Unternehmen nutzen diese Methode zur Authentifizierung von Konten, beispielsweise Onlinebezahldienste oder Inkassofirmen. Die 1-Cent-Überweisung ist in diesem Fall eine kostengünstige Alternative zu einem Brief. Auch Spendenorganisationen nutzen diese Methode, um Kontakt zu Spendern aufzunehmen, wenn eine Summe ohne Adresse eingegangen ist.

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Inkasso Unternehmen und unberechtigte Forderungen

Neben der 1-Cent-Masche gibt es auch andere Risiken im Zusammenhang mit Inkassounternehmen. Einige unseriöse Unternehmen versuchen, Schuldner durch gekonnte und wiederholte Drohungen zu Zahlungen zu bewegen, unabhängig davon, ob die Forderung berechtigt ist oder nicht.

Schutzmaßnahmen bei Inkassoforderungen

Um sich vor unberechtigten Forderungen zu schützen, sollten Sie folgende Maßnahmen ergreifen:

  • Original Vollmacht/Abtretungserklärung verlangen: Fordern Sie immer das Original der Vollmacht bzw. der Abtretungserklärung an, um die Legitimität des Inkassounternehmens zu überprüfen.
  • Registrierung prüfen: Jedes Inkassobüro muss registriert sein. Ob ein Unternehmen zugelassen ist, können Sie kostenfrei im Rechtsdienstleistungsregister nachprüfen. Das Inkassounternehmen muss seinerseits auf die Registrierung hinweisen.
  • Widerspruch einlegen: Gegen unberechtigte Forderungen sollten Sie Widerspruch einlegen. Aus der Begründung des Widerspruchs sollte ersichtlich sein, warum die Forderung nicht berechtigt ist. Auch wenn Sie bereits der Forderung widersprochen haben, sollten Sie an dieser Stelle zumindest auf den bereits erklärten Widerspruch hinweisen.
  • Nicht zahlen: Ist die Forderung nicht berechtigt, zahlen Sie auf keinen Fall, auch keinen Teilbetrag oder Raten.

Weitere Betrugsmaschen im Online-Bereich

Neben der 1-Cent-Masche und unseriösen Inkassounternehmen gibt es eine Vielzahl weiterer Betrugsmaschen im Online-Bereich, vor denen Verbraucher gewarnt werden:

  • Phishing: Betrügerische E-Mails oder SMS, die dazu auffordern, persönliche Daten preiszugeben.
  • Quishing: Phishing-Angriffe via QR-Code, bei denen Betrugsopfer auf gefälschte Webseiten gelockt werden, um dort Bankdaten abzufischen.
  • Dreiecksbetrug: Betrügerische Angebote auf Online-Verkaufsplattformen, bei denen sowohl Käufer als auch seriöse Online-Shops geschädigt werden.
  • Fake-Gewinnspiele: Lockangebote mit vermeintlichen Gewinnen, die dazu dienen, persönliche Daten zu sammeln und für weitere Betrugszwecke zu missbrauchen.
  • Betrügerische Ticketangebote: Vorsicht bei Angeboten für EM-Tickets, die nicht über die offiziellen Vertriebskanäle laufen.

Schutzmaßnahmen gegen Online-Betrug

Um sich vor Online-Betrug zu schützen, sollten Sie folgende Tipps beachten:

  • Kontoauszüge regelmäßig prüfen: Kontrollieren Sie Ihre Kontoauszüge regelmäßig und sorgfältig auf ungewöhnliche Transaktionen.
  • Sichere Zahlungsmethoden wählen: Verwenden Sie sichere Zahlungsmethoden mit Rückbuchungsmöglichkeit oder Käuferschutz.
  • Misstrauisch sein: Seien Sie skeptisch bei Angeboten, die zu gut erscheinen, um wahr zu sein.
  • Absenderadresse überprüfen: Überprüfen Sie die Absenderadresse, wenn Sie eine Lieferung erhalten.
  • Keine persönlichen Daten preisgeben: Geben Sie auf keinen Fall Ihre Konto- oder Kreditkartendaten auf unbekannten Webseiten oder in verdächtigen E-Mails preis.
  • Passwörter schützen: Verwenden Sie sichere Passwörter und ändern Sie diese regelmäßig.
  • Software aktualisieren: Halten Sie Ihre Software und Ihr Betriebssystem auf dem neuesten Stand, um Sicherheitslücken zu schließen.
  • Auf Links nicht klicken: Klicken Sie nicht auf Links in verdächtigen E-Mails oder SMS.
  • QR-Codes mit Vorsicht scannen: Scannen Sie QR-Codes nur von vertrauenswürdigen Quellen.
  • Anzeige erstatten: Haben Sie den Verdacht, dass es sich um Betrug handeln könnte, erstatten Sie eine Anzeige bei der Polizei.

Unbekannte Abbuchungen vom Konto: Was tun?

Unbekannte Abbuchungen vom Konto sind ärgerlich, aber kein Grund zur Panik. Handeln Sie schnell und ergreifen Sie folgende Maßnahmen:

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  • Bank informieren: Wenden Sie sich umgehend an Ihre Bank und lassen Sie gegebenenfalls Konto und Karte sperren.
  • Zahlung stoppen/zurückbuchen: Versuchen Sie, die Zahlung zu stoppen oder zurückzubuchen. Unrechtmäßige Kreditkartenzahlungen lassen sich mit einem sogenannten Chargeback rückbuchen. Genehmigte Lastschriften können Sie innerhalb von acht Wochen widerrufen und von Ihrer Bank rückbuchen lassen. Bei nicht genehmigten oder bereits widerrufenen Lastschriften haben Sie sogar 13 Monate Zeit, Ihr Geld zurückzufordern.
  • Klärungsversuch mit dem Unternehmen: Nehmen Sie Kontakt mit dem Unternehmen auf, von dem die Abbuchung stammt, und versuchen Sie, den Sachverhalt zu klären.
  • Abonnements prüfen: Denken Sie an Ihre Abonnements. Einige Abos verlängern sich nach einem Jahr automatisch.
  • App-Benachrichtigungen aktivieren: Richten Sie in den App-Einstellungen Ihres Online-Bankings Push-Benachrichtigungen ein, um bei jeder Abbuchung eine Nachricht zu erhalten.

Wo gibt es Hilfe?

Wenn Sie Probleme mit einem Unternehmen aus einem anderen EU-Land, Island oder Norwegen haben, können Sie sich an das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) wenden. Das EVZ bietet kostenlose Beratung und Unterstützung bei der Lösung von grenzüberschreitenden Streitigkeiten. Im Streitfall mit Ihrer Bank, oder wenn diese das Chargeback-Verfahren ablehnt, können Sie sich an eine Banken-Schlichtungsstelle wenden. Für ausländische Banken ist das FIN-Net zuständig.

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