Inkomplette Tetraplegie C6: Ursachen und Therapieansätze

Die inkomplette Tetraplegie C6 ist eine Form der Querschnittslähmung, die durch eine Schädigung des Rückenmarks im Bereich des sechsten Halswirbels (C6) verursacht wird. Diese Schädigung führt zu motorischen und sensorischen Beeinträchtigungen in Armen, Händen, Beinen und Rumpf. Im Gegensatz zur kompletten Tetraplegie bleiben bei der inkompletten Form einige Nervenverbindungen erhalten, was zu unterschiedlichen Ausprägungen der Lähmung und somit zu unterschiedlichen Rehabilitationspotentialen führt.

Grundlagen der Querschnittslähmung

Unter einem Querschnitt versteht man die (teilweise) Durchtrennung des Rückenmarks. Die Folge ist in der Regel ein Verlust an Motorik und Sensibilität. Körperliche Behinderungen haben oft Auswirkungen auf die Gehfähigkeit, und manche Organe, wie z. B. die Blase, können dadurch ihre Funktionen verlieren.

Komplette vs. Inkomplette Querschnittslähmung

Bei einer kompletten Querschnittslähmung ist das Rückenmark vollständig durchtrennt, was zu einem vollständigen Verlust der motorischen und sensorischen Funktionen unterhalb der Verletzungsstelle führt. Im Gegensatz dazu bleibt bei einer inkompletten Querschnittslähmung ein Teil der Reizleitung über den Spinalkanal erhalten. Dies bedeutet, dass einige Nervenverbindungen intakt bleiben, was zu unterschiedlichen Graden an motorischer und sensorischer Funktion unterhalb der Verletzungsstelle führen kann.

Es ist wichtig zu beachten, dass das Ausmaß der motorischen und sensorischen Funktionen nicht zwingend in direktem Zusammenhang stehen muss. So kann es durchaus vorkommen, dass ein inkomplett querschnittgelähmter Mensch seine Beine noch bewegen, aber nicht fühlen kann oder umgekehrt. Deswegen ist es Betroffenen mit einer inkompletten Querschnittlähmung unter Umständen sogar möglich, weiterhin ihre Beine zur Fortbewegung zu nutzen, wenn auch oft unterstützt von Gehhilfen wie Stöcken oder Rollatoren. Eine inkomplette Lähmung wird auch Parese genannt (komplette Lähmung: Plegie).

Ursachen einer Querschnittssymptomatik

Ursachen für eine Querschnittssymptomatik können sein:

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  • Trauma (v. a. Unfälle)
  • Kompressionen (v. a. (Hämorrhagien)
  • Neurodegenerative Erkrankungen (Amyotrophe Lateralsklerose, etc.)
  • Stoffwechselstörungen (Vitamin B12 Mangel)

Wird die Wirbelsäule beispielsweise bei einem Sturz erschüttert, kann das ebenfalls eine inkomplette Querschnittlähmung verursachen. Oft gehen diese Ausfallerscheinungen mit der Zeit wieder zurück - man spricht hierbei von sogenannten beleidigten Nerven.

Die Tetraplegie C6 im Detail

Die Tetraplegie C6 betrifft spezifisch das Rückenmarkssegment C6. Dies bedeutet, dass die Nervenwurzeln, die aus diesem Segment austreten, geschädigt sind. Diese Nerven sind verantwortlich für die Steuerung bestimmter Muskeln in Armen und Händen.

Typische Symptome einer inkompletten Tetraplegie C6

Die Symptome einer inkompletten Tetraplegie C6 können vielfältig sein und hängen vom Ausmaß der Schädigung des Rückenmarks ab. Typische Symptome sind:

  • Schwäche oder Lähmung in Armen und Händen: Betroffene können Schwierigkeiten haben, ihre Arme zu heben, Gegenstände zu greifen oder feine motorische Aufgaben auszuführen. Die Kraft in den Händen kann reduziert sein, was das Greifen und Festhalten erschwert.
  • Schwäche oder Lähmung in Beinen und Rumpf: Die Beine können schwach oder steif sein, was das Gehen erschwert. Die Rumpfmuskulatur kann ebenfalls betroffen sein, was zu Problemen mit dem Gleichgewicht und der Stabilität führt.
  • Sensibilitätsstörungen: Betroffene können ein vermindertes oder verändertes Gefühl in Armen, Händen, Beinen und Rumpf haben. Dies kann sich als Taubheit, Kribbeln oder Schmerzen äußern. Durch Schädigung der sensiblen Nerven empfindet der Betroffene keine Berührung mehr, außerdem werden auch Schmerzen oft nicht weitergeleitet. Dadurch besteht die Gefahr, dass lebensbedrohliche Erkrankungen wie z. B. eine Blinddarmentzündung nicht bemerkt werden.
  • Probleme mit der Blasen- und Darmkontrolle: Die Kontrolle über Blase und Darm kann beeinträchtigt sein, was zu Inkontinenz oder Schwierigkeiten beim Entleeren von Blase und Darm führen kann. Besondere Bedeutung hat auch die Schädigung der vegetativen Nerven: Typische Folgen der Nervenschädigung sind Störungen der Blasenfunktion, die sich entweder in Urinverhalt (d. h. der Patient kann spontan kein Wasser lassen), in Inkontinenz (der Betroffene kann den Urin nicht halten) oder auch in einer Kombinationen aus beidem äußert. Außerdem verliert der Patient meist die Kontrolle über den Stuhlgang.
  • Spastik: Eine erhöhte Muskelspannung (Spastik) kann in Armen und Beinen auftreten, was zu Steifheit und unwillkürlichen Muskelkrämpfen führen kann.

Diagnose der inkompletten Tetraplegie C6

Die Diagnose einer inkompletten Tetraplegie C6 basiert auf einer umfassenden neurologischen Untersuchung und bildgebenden Verfahren.

  • Neurologische Untersuchung: Der Arzt untersucht die Muskelkraft, Sensibilität, Reflexe und Koordination des Patienten. Dabei wird festgestellt, welche Muskeln betroffen sind und in welchem Ausmaß die Sensibilität beeinträchtigt ist.
  • Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen, Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) dienen der Darstellung von Wirbelsäulen- und Rückenmarkverletzungen. Diese Untersuchungen können helfen, die Ursache der Lähmung zu identifizieren und das Ausmaß der Schädigung des Rückenmarks zu beurteilen.

Therapieansätze bei inkompletter Tetraplegie C6

Die Therapie der inkompletten Tetraplegie C6 zielt darauf ab, die verbleibenden Funktionen zu erhalten und zu verbessern, Komplikationen zu vermeiden und die Lebensqualität des Patienten zu erhöhen.

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Akuttherapie

Bei Verdacht auf eine Rückenmarkverletzung laufen Diagnose und Behandlung fast gleichzeitig ab. Zuerst steht die Sicherung von Herz-Kreislauf- und Atemfunktion im Vordergrund, denn eine gute Sauerstoffversorgung ist auch bei Rückenmarkverletzungen für das Überleben von Nervenzellen wichtig. Gerade beim spinalen Schock ist der Herzschlag jedoch oft zu langsam und der Blutdruck zu niedrig, was kontrolliert behandelt werden muss. In der Phase des spinalen Schocks muss der Verletzte oft auf einer Intensivstation betreut werden. Er ist extrem komplikationsgefährdet, da er nicht nur gelähmt ist, sondern auch viele vegetative Funktionen wie etwa die Gefäß- und Temperaturregulation ausfallen. Um einem Wundliegen vorzubeugen, wird der Patient regelmäßig umgelagert, was wegen der knöchernen Wirbelsäulenverletzungen oft nur mit Spezialbetten möglich ist. Die Atmung ist lähmungsbedingt oft beeinträchtigt (bis hin zur Beatmungsnotwendigkeit), es drohen Herzrhythmusstörungen.

Besteht noch eine Chance, das Rückenmark durch eine Entlastung, in der Fachsprache Dekompression genannt, zu retten, erfolgen die Eingriffe mit hoher Dringlichkeit zum ersten vertretbaren Zeitpunkt. Das ist besonders bei instabilen Wirbelbrüchen der Fall, das heißt, wenn Bruchstücke des Wirbels auf das Rückenmark drücken und weitere Schäden hervorrufen können. Ist das Rückenmark jedoch unwiederbringlich zerstört, dient ein Eingriff nur der Herstellung der Stabilität und ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Rehabilitation.

Konservative Therapie

Die konservative Therapie umfasst verschiedene Maßnahmen, die darauf abzielen, die Symptome zu lindern und dieFunktionen zu verbessern.

  • Physiotherapie: Eine Physiotherapie kann oft hilfreich sein. Dort werden mit den Betroffenen verschiedene Körperbewegungen durchgeführt, die diese bei einem Therapieerfolg am Ende dann auch selbst ausführen können. Ziel der Physiotherapie ist es, die Muskelkraft zu stärken, die Beweglichkeit zu verbessern, die Koordination zu schulen und dieSpastik zu reduzieren.
  • Ergotherapie: Die Ergotherapie konzentriert sich darauf, die Selbstständigkeit des Patienten im Alltag zu fördern. Dies beinhaltet das Erlernen vonKom pensationsstrategien für alltägliche Aufgaben wie Essen, Anziehen, Waschen und Kochen.
  • Logopädie: Bei Schluck- oder Sprachstörungen kann eine logopädische Behandlung erforderlich sein.
  • Medikamentöse Therapie: Medikamente können zur Behandlung von Schmerzen, Spastik, Blasenfunktionsstörungen und anderenKomplikationen eingesetzt werden.
  • Psychologische Betreuung: Eine psychologische Betreuung ist wichtig, um den Patienten bei der Bewältigung der emotionalen und sozialen Folgen der Lähmung zu unterstützen. Von großer Bedeutung ist die psychische Betreuung der Betroffenen, deren Leben sich schlagartig drastisch verändert hat.

Funktionelle Elektrostimulation (FES)

Die funktionelle Elektrostimulation (FES) ist eine Therapieform, bei der elektrische Impulse verwendet werden, um gelähmte Muskeln zu aktivieren. Die FES kann helfen, die Muskelkraft zu verbessern, die Beweglichkeit zu erhöhen und dieFunktionen von Armen und Beinen zu unterstützen. Informieren Sie sich, wie die funktionelle Elektrostimulation mit dem STIWELL® bei der Therapie einer inkompletten Querschnittslähmung eingesetzt werden kann!

Hilfsmittel

Verschiedene Hilfsmittel können den Alltag von Patienten mit inkompletter Tetraplegie C6 erleichtern. Dazu gehören:

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  • Rollstühle: Rollstühle ermöglichen dieFortbewegung und erhöhen dieMobilität.
  • Gehhilfen: Stöcke, Rollatoren oder Orthesen können das Gehen unterstützen.
  • Adaptierte Geräte: Spezielle Geräte für den Haushalt, die Arbeit oder die Freizeit können die Selbstständigkeit fördern.
  • Kommunikationshilfen: Bei Sprachstörungen können Kommunikationshilfen die Verständigung erleichtern.

Verlauf und Prognose

Eine generelle Prognose der Rehabilitationschancen bei einer inkompletten Querschnittlähmung lässt sich jedoch nur schwer stellen, da es bei den Folgen einer Rückenmarksverletzung buchstäblich um jeden Millimeter geht. Die Heilungschancen sind unterschiedlich, in Abhängigkeit von der Ursache. Symptomatik verschwindet. Ist das Rückenmark durch den Druck der Bandscheibe bereits geschädigt worden, können auch Restsymptome bleiben. Kann die Ursache nicht behoben werden, ist die Schädigung also permanent, gibt es derzeit noch keine Aussicht auf Heilung.

Mit zunehmender Stabilisierung seines Zustands lernt der Betroffene in spezialisierten Kliniken und unter Einsatz von Hilfsmitteln, seine Restfunktionen bestmöglich zu nutzen. Möglicherweise ist es sinnvoll, bewegungsfähige Muskeln operativ "umzusetzen", damit sie wichtige ausgefallene Funktionen übernehmen können. Manchmal kann die Hand-, Atem- oder Blasenfunktion durch elektrische Stimulationsgeräte unterstützt werden. Bislang gelingt es aber nicht, das Rückenmark, z. B.

Komplikationen und Folgeerscheinungen

Abhängig von der Art und Ausprägung der Querschnittssymptomatik treten unterschiedliche Symptome und Folgen auf.

Langzeitschäden bzw. Abhängig von der Art und Ausprägung der Querschnittssymptomatik treten unterschiedliche Symptome und Folgen auf. (schmerzhafte Versteifung von Gelenken) durch die Spastik (übersteigerte Spannung der Muskulatur). Ob die Lebenserwartung beeinträchtigt ist, hängt ebenfalls stark von der Ausprägung und vor allem von der Höhe des Querschnitts ab. 2005). Treten mehrere Begleiterscheinungen auf, z.B.

Weitere Komplikationen bzw. Folgeerscheinungen:

  • Harnwegsinfekte: Bei gestörter Blasenfunktion, vor allem wenn die Blase nicht vollständig entleert werden kann, können vermehrt Harnwegsinfekte auftreten.
  • Druckgeschwüre (Dekubitus): Durch den verminderten Gefühlsempfinden und die eingeschränkte Beweglichkeit können Druckgeschwüre entstehen.
  • Thrombose: Durch die eingeschränkte Beweglichkeit kann es zu Thrombosen kommen.

Leben mit inkompletter Tetraplegie C6

Eine inkomplette Tetraplegie C6 stellt Betroffene und Angehörige vor große Herausforderungen. Es ist wichtig, sich realistische Ziele zu setzen und die Therapie aktiv mitzugestalten. Mit der richtigen Unterstützung undTherapie können Patienten mit inkompletter Tetraplegie C6 ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben führen.

Unterstützung und Anlaufstellen

Es gibt zahlreiche Organisationen und Selbsthilfegruppen, die Patienten mit Querschnittslähmung und ihre Angehörigen unterstützen. Diese bieten Informationen, Beratung und die Möglichkeit zumAustausch mit anderen Betroffenen.

  • Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten in Deutschland e. V.: www.fgq.de
  • Die deutschsprachige Gesellschaft für Paraplegie (DMGP): www.dmgp.de
  • Bundesverband Rehabilitation BDH: www.bdh-reha.de/de

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