Regelbeschwerden sind ein häufiges Problem bei Mädchen und Frauen. Etwa 10 Prozent der Frauen leiden während der Menstruation so stark, dass sie ihren normalen Tagesablauf nicht bewältigen können, und einige sind sogar arbeitsunfähig. Schmerzhafte Regelblutungen, auch Dysmenorrhö genannt, äussern sich meistens durch Krämpfe und Schmerzen im Unterbauch an den ersten Tagen der Periode.
Symptome von Regelbeschwerden
Regelbeschwerden können bereits kurz vor der Menstruation beginnen und einige Tage andauern. Am stärksten sind sie jedoch meist am ersten Tag der Regelblutung. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Schmerzhafte Krämpfe im Unterleib, die bis in den Rücken oder die Beine ausstrahlen können
- Kopfschmerzen oder Migräne
- Verdauungsbeschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall
- Unwohlsein, Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen
Die Beschwerden treten oft schon mit der ersten Regelblutung bei Mädchen und jungen Frauen auf und können über Jahre anhalten, bei manchen Frauen bis zum Eintritt der Wechseljahre. Viele Frauen haben nach der ersten Entbindung deutlich weniger Beschwerden.
Ursachen von Regelschmerzen
Während der ersten 21 Tage des Zyklus baut der weibliche Körper im Uterus eine Schleimhaut auf. Diese fungiert im Falle einer Befruchtung als Nährboden für die Eizelle. Wenn sich keine befruchtete Eizelle eingenistet hat, wird die aufgebaute Schleimhaut wieder abgebaut. Während dieses Prozesses werden Schmerzbotenstoffe, sogenannte Prostaglandine, ausgeschüttet. Infolgedessen zieht die Gebärmutter sich zusammen. Die Kontraktionen des Uterus lösen Periodenschmerzen aus, die unterschiedlich stark wahrgenommen werden.
Dysmenorrhö: Die Tage unterscheiden sich von Frau zu Frau
Für manche Frauen geht die Periode mit einem leichten Ziehen oder ganz symptomfrei vorüber, für andere sind die monatlichen Schmerzen kaum auszuhalten.
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Bei etwa jeder zehnten Frau im gebärfähigen Alter führt die Heftigkeit der Regelbeschwerden zu einer zeitweisen Arbeitsunfähigkeit. Die Unterleibsschmerzen sind so stark, dass die Frauen in ihrem Alltag eingeschränkt werden.
Mit dem Alter nimmt die Beeinträchtigung durch die krampfartigen Unterleibsschmerzen immerhin ab. Epidemiologischen Studien zufolge wird die Häufigkeit der Regelschmerzen auf insgesamt 25 % geschätzt, unter den jungen und heranwachsenden Frauen dagegen auf 67-90 %. Im Einzelfall kann sich das Leiden allerdings auch bis zur letzten Periode, der Menopause, unvermindert hinziehen. Menstruationsschmerzen können Sie also einen großen Teil Ihres Lebens begleiten und während Ihres Zyklus belasten. So oder so - sich stillschweigend daran gewöhnen und die Plage tatenlos hinnehmen müssen Sie nicht: Erfreulicherweise können geeignete Maßnahmen und Medikamente Regelschmerzen lindern und dazu beitragen, dass allgemeine Wohlbefinden zu verbessern.
Primäre Regelschmerzen
Primäre Regelschmerzen spüren vor allem Mädchen und Frauen, die noch kein Kind geboren haben. Sie treten ab der ersten Regelblutung bis zu den Wechseljahren mehr oder weniger stark ausgeprägt auf, beginnen für gewöhnlich kurz vor der Menstruation und dauern ca. 2-3 Tage an. Bei primären Regelschmerzen spielen vor allem die Prostaglandine als Schmerzbotenstoffe eine Rolle. Werden zu viele Prostaglandine freigesetzt, können sie zum Teil krampfartige Unterleibsschmerzen hervorrufen. Über die Blutbahn gelangen die Botenstoffe auch zu anderen Organen und können dort weitere Menstruationsbeschwerden - wie z.B. Übelkeit, Durchfall oder Kopfschmerzen bewirken.
Risikofaktoren von primären Regelschmerzen im Überblick:
- Genetische Veranlagung
- Junges Alter
- Geringes Gewicht (BMI unter 20) oder starkes Übergewicht
- Psychische und emotionale Belastung: Stress und Ängste
- Rauchen und Alkohol(konsum)
Sekundäre Regelschmerzen
Sekundäre Regelschmerzen betreffen Frauen ab 30 Jahren, die zuvor keine Menstruationsschmerzen hatten. Sie treten oft später, manchmal erst nach Jahren schmerzfreier Monatsblutungen, neu auf. In vielen Fällen sind sie durch eine Endometriose bedingt. Dabei siedelt sich die Gebärmutterschleimhaut auch außerhalb der Gebärmutter an. Zusätzlich können auch Polypen, gutartige Gebärmuttergeschwulste (Myome), eine Eileiterentzündung oder Verhütungsmittel wie die Spirale eine sekundäre Dysmenorrhö auslösen. Diesen sekundären Regelschmerzen können aber auch andere Ursachen zugrunde liegen. Ein Besuch beim Frauenarzt ist hier unerlässlich und kann Klarheit schaffen.
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Ursachen von sekundären Regelschmerzen im Überblick Z.B.:
- Endometriose
- Myome und Polypen
- Verhütungsmittel (Spirale)
Wann zum Arzt?
Vor allem neu auftretende, ungewöhnlich starke oder gar extreme Schmerzen sowie sich verändernde Regelschmerzen sollten Sie unbedingt von Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt abklären lassen und dabei nicht zu viel Zeit verstreichen lassen. Eventuell ist die Ursache der Menstruationsschmerzen behandelbar.
Diagnose von Regelschmerzen
Der Frauenarzt oder die Frauenärztin erkundigen sich zunächst nach der Krankengeschichte (Anamnese) sowie nach den aktuellen Beschwerden. Dabei wird nach früheren gynäkologischen Erkrankungen, dem Zyklusverlauf und der Art der Schmerzen gefragt. Hilfreich dabei kann ein Zykluskalender sein, in dem die Blutungen und begleitende Beschwerden sowie Medikamente eingetragen werden. Weiterhin wird eine körperliche Untersuchung durchgeführt, bei der Gebärmutter, Scheide, Eierstöcke und Brüste abgetastet werden.
Besteht der Verdacht auf sekundäre Regelschmerzen, also eine krankhafte Ursache der Beschwerden, werden weitere Untersuchungen durchgeführt, zum Beispiel eine Ultraschalluntersuchung von Gebärmutter und Eierstöcken oder Blutuntersuchungen. Bei speziellen Fragestellungen können auch eine Hysteroskopie (Untersuchung der Gebärmutter mit einer Kamera), Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) zum Einsatz kommen. Mithilfe einer Bauchspiegelung (Laparoskopie) kann geprüft werden, ob eine Endometriose vorliegt.
Behandlung von Regelschmerzen
Regelschmerzen gänzlich zu verhindern, ist meist nicht möglich. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass ein gesunder Lebensstil mit einer ausgewogenen Ernährung und regelmäßiger Bewegung das Ausmaß der Beschwerden eingrenzen kann.
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Hausmittel und natürliche Heilmittel
- Wärme: Periodenschmerzen werden durch eine verkrampfte Muskulatur ausgelöst, die sich gut mithilfe von Wärme entspannen lässt. Durch Auflegen von Wärmflaschen oder Kirschkernkissen helfen Sie Ihrem Körper beim Abbau der Anspannung und können so leichte Schmerzen lindern.
- Heilpflanzen: Heilpflanzen versprechen bei vielen Beschwerden eine sanfte Linderung - so auch bei Regelbeschwerden. Bekannt für ihre gute Wirkung sind Tees oder Extrakte folgender Kräuter:
- Schafgarbe
- Himbeerblätter
- Frauenmantel
- Gänsefingerkraut
- Mönchspfeffer
- Aromatherapie: Daneben eignen sich auch Thymian und Lavendel als ätherische Öle zur Aromatherapie. In Duftlampen gegossen, auf das Kopfkissen gesprüht oder ins warme Badewasser geträufelt, können die freigesetzten Stoffe helfen, die Intensität der Schmerzempfindung einzudämmen.
- Sport: Die sportliche Betätigung regt den Kreislauf an, lockert die Muskulatur und sorgt für eine gute Durchblutung des gesamten Körpers. Davon profitieren vor allem die Becken- und Bauchmuskulatur. Zudem sorgt Sport für die Ausschüttung der Glückshormone Serotonin, Endorphin und Dopamin und baut gleichzeitig das Stresshormon Cortisol ab - dadurch kann das generelle Wohlgefühl gesteigert und die Schmerzintensität verringert werden. Leichter Sport wie Wandern, Fahrradfahren, Yoga oder Joggen fördern und normalisieren die Durchblutung in der Gebärmutter und lockern die Muskulatur.
- Ernährung: Ernähren Sie sich ballaststoffreich und achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr von Vitaminen in Form von Obst und Gemüse.
- Akupunktur und Akupressur: Akupunktur und Akupressur können dazu beitragen, Regelschmerzen zu lindern. Ein dafür wichtiger Akupressurpunkt befindet sich eine Handbreit unterhalb des Knies an der Beininnenseite. Drücken oder massieren Sie diesen mehrmals täglich für jeweils ca. fünf Minuten.
Medikamentöse Behandlung
Sind organische Ursachen für die Schmerzen ausgeschlossen, geht es bei der Behandlung im Wesentlichen darum, die Schmerzen zu lindern.
Schmerzmittel: Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) wie zum Beispiel Ibuprofen oder Diclofenac hemmen die Bildung der Schmerzbotenstoffe, die die wehenähnlichen Krämpfe auslösen. Werden NSAR schlecht vertragen, kann auch der Wirkstoff Paracetamol bei Regelschmerzen zum Einsatz kommen. Der Wirkstoff Dexibuprofen wirkt entzündungshemmend und schmerzstillend und ist der aktive Teil von Ibuprofen, deswegen reicht eine niedrigere Wirkstoffmenge für eine effektive Schmerzlinderung aus.
- IBU-LYSIN-ratiopharm® 400 mg: Kurzzeitige symptomatische Behandlung von leichten bis mäßig starken Schmerzen wie Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Regelschmerzen sowie Fieber und Schmerzen bei Erkältung. Kurzzeitige symptomatische Behandlung von akuter Kopfschmerzphase bei Migräne mit od. ohne Aura.
- Dexibu-ratiopharm® 200 mg Filmtabletten: Zur Behandlung von Schmerz und Entzündung bei Reizzuständen degenerativer Gelenkerkrankungen (aktivierte Arthrosen); Schmerzen während der Regelblutung; leichten bis mäßig starken Schmerzen, wie Schmerzen des Bewegungsapparates und Zahnschmerzen.
- Paracetamol-ratiopharm®: Leichte bis mäßig starke Schmerzen. Fieber.
Hormonelle Verhütungsmittel: Oft lassen sich schmerzhafte Regelblutungen oder ein unregelmäßiger Zyklus durch die Einnahme der Anti-Baby-Pille oder anderer Hormonpräparate normalisieren. Auch die Einlage der Hormonspirale kann starke Blutungen reduzieren. Manchmal sind die Schmerzen, aber auch verstärkte Blutungen, eine Nebenwirkung der (Kupfer-)Spirale.
Weitere Behandlungsmöglichkeiten
- Eisenpräparate: Bei Blutarmut aufgrund von Eisenmangel werden entsprechende Eisenpräparate verordnet. Manchmal reicht auch eine Ernährungsumstellung mit eisenreicher Kost, wie z. B. rotes Fleisch, Nüsse und Hülsenfrüchte.
- Krampflösende Medikamente: Bei Unterbauchschmerzen können Medikamente gegen Schmerzen und Krämpfe die Symptome lindern.
- Entspannungstechniken: Aber auch Entspannungstechniken wie autogenes Training, eine Akupunktur oder einfache Hausmittel wie eine Wärmflasche oder Fußbäder und gymnastische Übungen können vielen Frauen helfen, die unangenehmen Schmerzen zu lindern. Probieren Sie am besten selber aus, was Ihnen bei Regelschmerzen guttut.
- Operation: Auch körperliche Ursachen von Regelschmerzen und unregelmäßigen oder starken Blutungen, wie zum Beispiel Myome, lassen sich in einigen Fällen mit Medikamenten behandeln. In manchen Fällen kann ein operativer Eingriff erforderlich sein, um die Beschwerden zu lindern.
Prämenstruelles Syndrom (PMS)
Neben gewöhnlichen Regelschmerzen gibt es noch weitere Beschwerden, von denen nur Frauen betroffen sind.
PMS = Prämenstruelles Syndrom
- Symptomkomplex, der in der zweiten Hälfte des Monatszyklus vor Einsetzen der Periodenblutung auftritt
- Symptome:
- Stimmungsschwankungen
- Allgemeine Reizbarkeit
- Verdauungsprobleme
- Heißhunger
- Wassereinlagerungen
- Unreine Haut
- Kopfschmerzen
- Bauchschmerzen
- Rückenschmerzen
- Verlauf:
- Tritt während der letzten vier bis vierzehn Tage des Zyklus auf
- Endet mit Einsetzen der Menstruation
- Risikofaktoren:
- Stress, Partnerschaftsprobleme, unausgewogene Ernährung oder eine familiäre Vorbelastung begünstigen PMS
- Behandlungsmöglichkeiten:
- Änderung im Lebensstil: Sport, ausreichend Schlaf, ausgewogene Ernährung
- Anwendung von traditionell eingesetzten Kräutern wie Frauenmantel, Schafgarbe, Johanniskraut, Mönchspfeffer
Wechseljahrsbeschwerden
In den Wechseljahren bzw. der Menopause - etwa um das 50. Lebensjahr - sinkt der Spiegel der weiblichen Geschlechtshormone Progesteron und Östrogen im Blut immer weiter ab. Die Hormonumstellung ist ausschlaggebend für zahlreiche körperliche Veränderungen, die sich auch seelisch bemerkbar machen können.