Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die oft als "Krankheit mit 1.000 Gesichtern" bezeichnet wird, da sie sich bei jedem Betroffenen anders äußert. Die Symptome sind vielfältig und können im Laufe der Zeit variieren. Innere Unruhe, Spastik und das Restless-Legs-Syndrom (RLS) können besonders nachts auftreten und den Schlaf erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen MS, innerlichem Vibrieren, Spastik und RLS, insbesondere im Hinblick auf nächtliche Beschwerden, und gibt einen Überblick über mögliche Ursachen und Behandlungsansätze.
Multiple Sklerose: Eine Einführung
Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung, bei der Entzündungen im Gehirn und Rückenmark auftreten. Die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, aber genetische Veranlagung und Infektionen scheinen eine Rolle zu spielen. Die ersten Symptome treten meist im Alter von 20 bis 40 Jahren auf und können sich innerhalb von Stunden oder Tagen entwickeln. MS ist nicht heilbar, aber es gibt Therapien, die den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen und die Symptome lindern können.
Symptome der Multiplen Sklerose
Die Symptome der MS sind vielfältig und können je nach betroffenem Bereich des Nervensystems variieren. Häufige Symptome sind:
- Motorische Störungen: Kraftlosigkeit, erhöhte Muskelsteifigkeit, Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen, unsicherer Gang, Lähmungserscheinungen (Spastik), Zittern (Tremor).
- Empfindungsstörungen: Kribbeln, "Ameisenlaufen", Taubheitsgefühle, Missempfindungen, Überempfindlichkeit auf Wärme und Kälte, Schmerzen.
- Sehstörungen: Verschwommenes Sehen, eingeschränkte Farbwahrnehmung, Sehnerventzündung (Optikusneuritis).
- Weitere Symptome: Blasenstörungen, Müdigkeit (Fatigue), Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme, Depressionen, Schwindel, Sprachstörungen.
Spastik bei MS
Spastik ist eine häufige Begleiterscheinung der MS, die vor allem die Beine betrifft. Sie äußert sich durch erhöhte Muskelspannung, Steifigkeit und unkontrollierte Muskelverkrampfungen. Spastik kann das Gehen erschweren und Schmerzen verursachen. Viele MS-Patienten berichten, dass sich die Spastik nachts verstärkt und den Schlaf stört.
Innerliches Vibrieren und Missempfindungen
Empfindungsstörungen sind oft frühe Anzeichen von MS. Sie können sich als Kribbeln, "Ameisenlaufen", Taubheitsgefühle oder Missempfindungen äußern. Einige Betroffene beschreiben ein innerliches Vibrieren oder Zittern, das besonders in Ruhephasen und nachts auftritt. Diese Missempfindungen können sehr unangenehm sein und den Schlaf beeinträchtigen.
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Restless-Legs-Syndrom (RLS) und MS
Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) ist eine neurologische Erkrankung, die durch einen starken Bewegungsdrang in den Beinen gekennzeichnet ist, oft begleitet von unangenehmen Empfindungen wie Kribbeln, Ziehen oder Schmerzen. Die Symptome treten vor allem in Ruhephasen und nachts auf und werden durch Bewegung vorübergehend gelindert. Studien haben gezeigt, dass RLS bei Menschen mit MS häufiger vorkommt als in der Allgemeinbevölkerung.
Mögliche Symptome und Empfindungen beim Restless-Legs-Syndrom
- Starker Bewegungsdrang in den Beinen
- Unangenehme Empfindungen wie innere Unruhe, Druck, Spannungsgefühl, Kribbeln, Ameisenlaufen, Juckreiz, Schmerzen oder Hitzegefühl
- Symptome treten vor allem in Ruhephasen und nachts auf
- Vorübergehende Besserung durch Bewegung
- Unkontrollierte Bewegungen im Schlaf
Ursachen des Restless-Legs-Syndroms
Die genaue Ursache des RLS ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass ein veränderter Eisenstoffwechsel im Gehirn und ein gestörter Dopamin-Stoffwechsel eine Rolle spielen. Auch genetische Veranlagung, chronische Nierenschwäche, Migräne, Parkinson, Reizdarmsyndrom, bestimmte Medikamente (z. B. Betablocker, Antidepressiva) und Schwangerschaft können RLS begünstigen. Bei Menschen mit MS ist das Risiko für RLS erhöht.
Schlafstörungen bei MS
Schlafstörungen sind ein häufiges Problem bei MS-Patienten. Sie können durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter:
- Spastik: Muskelkrämpfe und Steifigkeit können den Schlaf stören.
- Innerliches Vibrieren und Missempfindungen: Unangenehme Empfindungen in den Beinen können das Einschlafen erschweren.
- Restless-Legs-Syndrom (RLS): Der Bewegungsdrang und die unangenehmen Empfindungen in den Beinen können den Schlaf erheblich beeinträchtigen.
- Schmerzen: Chronische Schmerzen können den Schlaf stören.
- Blasenstörungen: Häufiger Harndrang in der Nacht kann den Schlaf unterbrechen.
- Depressionen: Depressionen können zu Schlafstörungen führen.
- Medikamente: Einige Medikamente können den Schlaf beeinträchtigen.
Diagnose
Die Diagnose von MS ist oft komplex, da die Symptome vielfältig und unspezifisch sein können. Die Diagnose basiert in der Regel auf einer Kombination aus:
- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und der aktuellen Symptome.
- Neurologische Untersuchung: Prüfung der Nervenfunktionen, Reflexe, Koordination und des Gleichgewichts.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Darstellung von Entzündungsherden im Gehirn und Rückenmark.
- Liquoruntersuchung: Analyse des Nervenwassers, um Entzündungsmarker nachzuweisen.
- Ausschluss anderer Erkrankungen: Um sicherzustellen, dass die Symptome nicht durch andere Ursachen verursacht werden.
Behandlung
Die Behandlung von MS zielt darauf ab, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen, Schübe zu reduzieren und die Symptome zu lindern. Die Behandlung umfasst in der Regel:
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- Schubtherapie: Kortisonpräparate zur Eindämmung von Entzündungen bei akuten Schüben. In schweren Fällen kann eine Blutwäsche (Plasmapherese oder Immunadsorption) erforderlich sein.
- Verlaufsmodifizierende Therapie: Medikamente, die den Krankheitsverlauf langfristig beeinflussen und die Schubfrequenz reduzieren sollen.
- Symptomatische Therapie: Medikamente und nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Linderung der Symptome.
Behandlung von Spastik
- Medikamente: Muskelrelaxantien (z. B. Baclofen, Tizanidin), Botulinumtoxin-Injektionen.
- Physiotherapie: Dehnübungen, Kräftigungsübungen, Verbesserung der Beweglichkeit.
- Hilfsmittel: Orthesen, Gehhilfen.
Behandlung von innerlichem Vibrieren und Missempfindungen
- Medikamente: Antikonvulsiva (z. B. Gabapentin, Pregabalin), Antidepressiva (z. B. Amitriptylin, Duloxetin).
- Physiotherapie: Desensibilisierungstraining, Wechselbäder, Eisbehandlung.
Behandlung von Restless-Legs-Syndrom (RLS)
- Medikamente: Dopaminagonisten (z. B. Pramipexol, Ropinirol), Eisenpräparate (bei Eisenmangel), Antikonvulsiva (z. B. Gabapentin, Pregabalin).
- Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Regelmäßige Bewegung, Vermeidung von Alkohol und Nikotin, Entspannungstechniken, warme oder kalte Bäder, Massagen.
Behandlung von Schlafstörungen
- Schlafhygiene: Regelmäßige Schlafzeiten, entspannende Abendroutine, Vermeidung von Koffein und Alkohol vor dem Schlafengehen, angenehme Schlafumgebung.
- Medikamente: Schlafmittel (nur in Absprache mit dem Arzt), Antidepressiva (bei Depressionen), Medikamente gegen Spastik oder RLS.
- Kognitive Verhaltenstherapie: Erlernen von Strategien zur Verbesserung des Schlafs.
Weitere Tipps und Empfehlungen
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken. Es gibt zwar keine spezielle MS-Diät, aber viele Betroffene profitieren von einer veganen oder antientzündlichen Ernährung oder einer Ernährung mit wenig Kohlenhydraten und vielen Proteinen.
- Vitamin D: Hochdosierte Vitamin-D-Gaben können MS-Schübe vermindern.
- Sport und Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann die körperliche und psychische Gesundheit verbessern. Geeignete Sportarten sind z. B. Wassergymnastik, Radfahren oder Yoga.
- Psychologische Unterstützung: MS kann die Psyche belasten. Psychologische Unterstützung und der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen können helfen, mit der Erkrankung umzugehen.
- Patientenverfügung: Eine Patientenverfügung stellt sicher, dass Ihre medizinischen Wünsche auch in unerwarteten Situationen respektiert werden.
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