Die Hemiplegie, oder Halbseitenlähmung, ist ein Zustand, der durch eine vollständige Lähmung einer Körperhälfte oder einer Gliedmaße gekennzeichnet ist. Sie ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom einer zugrunde liegenden Schädigung oder Erkrankung des Gehirns. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Therapiemöglichkeiten der Hemiplegie, um Betroffenen und ihren Angehörigen ein umfassendes Verständnis dieser komplexen neurologischen Erkrankung zu ermöglichen.
Was ist Hemiplegie?
Die Hemiplegie ist die Lähmung einer Körperhälfte, die vollständig (Hemiplegie) oder unvollständig (Hemiparese) ausgeprägt sein kann. Sie ist immer Symptom einer Grunderkrankung wie z. B. eines Schlaganfalls oder einer Schädigung des Gehirns aufgrund anderer Ursachen. Im Gegensatz zur Hemiparese, bei der eine unvollständige Lähmung vorliegt, bezeichnet eine Hemiplegie immer eine vollständige Lähmung einer Körperhälfte oder einer Gliedmaße. Die Hemiplegie kann sowohl links als auch rechts auftreten. Entscheidend ist, welche Hirnhälfte geschädigt wurde. Je nach Schwere der Schädigung können einzelne Körperteile, wie der Arm, das Gesicht oder das Bein, oder eine ganze Körperhälfte betroffen sein.
Ursachen der Hemiplegie
Eine Hemiplegie wird durch eine Schädigung der Gehirnareale verursacht, die für die Steuerung der Motorik auf der betroffenen Körperseite zuständig sind. Da das Gehirn in zwei Hälften organisiert ist, steuert die rechte Gehirnhälfte die linke Körperseite und umgekehrt. Eine Schädigung der rechten Gehirnhälfte oder des rechten Stammhirns führt zu einer Lähmung der linken Körperhälfte. Ist die linke Gehirnhälfte oder das linke Stammhirn geschädigt, tritt die halbseitige Lähmung rechts auf. Selten kann eine halbseitige Schädigung des Rückenmarks die Ursache sein.
Die häufigste Ursache einer Halbseitenlähmung (Hemiplegie) ist der Schlaganfall oder Apoplex. Er entsteht in bis zu 85 % der Fälle durch eine verminderte Blutversorgung (Ischämie) eines begrenzten Gehirnbereiches, wobei die Ischämie dann zum Untergang von Hirngewebe führt (Hirninfarkt). In den übrigen 15 % der Fälle wird der Schlaganfall durch das Platzen einer Hirnarterie mit nachfolgender Blutung in das Gehirn ausgelöst. Häufig lässt sich eine Hirnblutung auf jahrelang erhöhten Blutdruck zurückführen. Ursachen können aber auch Gefäßfehlbildungen (Aneurysmen) oder Kopfverletzungen sein.
Weitere mögliche Ursachen sind:
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- Schädel-Hirn-Verletzungen: Unfälle können zu Schädigungen des Gehirns führen, die eine Hemiplegie verursachen.
- Bakterielle oder virale Gehirnentzündungen: Entzündungen des Gehirns können die Gehirnareale schädigen, die für die Motorik zuständig sind.
- Hirntumore: Tumore im Gehirn können auf die umliegenden Gehirnareale drücken und diese schädigen.
- Genetische Erkrankungen: In seltenen Fällen kann eine Hemiplegie aufgrund genetischer Erkrankungen angeboren sein.
- Verletzungen bei der Geburt: Verletzungen während der Geburt können das Gehirn des Babys schädigen und zu einer Hemiplegie führen.
- Multiple Sklerose: Diese neurologische Erkrankung kann ebenfalls zu Hemiplegie führen.
- Komplikationen während der Schwangerschaft: Kommt es beim Embryo zu Entzündungen oder Blutungen, kann es ebenfalls zu einer einseitigen Lähmung kommen. Auch ein Sauerstoffmangel bei der Geburt kann für eine Hemiparese verantwortlich sein.
Symptome der Hemiplegie
Eine Hemiplegie kann viele Symptome nach sich ziehen. Darunter:
- Verlust der Bewegungsfähigkeit: Ein Verlust der Bewegungsfähigkeit von Arm und Bein auf einer Körperseite.
- Muskelschwäche oder Muskelsteifheit: Muskelschwäche oder Muskelsteifheit, auch spastische Hemiplegie genannt.
- Beeinträchtigte Feinmotorik: Eine beeinträchtigte Feinmotorik sowie Koordination.
- Sensibilitätsstörungen: Des Weiteren Sensibilitätsstörungen. Die Wahrnehmung von Reizen (Temperatur, Schmerz, Berührung) ist gestört, vermindert oder nicht mehr vorhanden.
- Seh- und Hörstörungen: Seh- und Hörstörungen.
- Sprachstörungen: Sprachstörungen, sogenannte »Aphasien«, bei denen sowohl die Fähigkeit, sich sprachlich auszudrücken, als auch das Sprachverständnis selbst in Mitleidenschaft gezogen sein kann.
- Gesichtslähmung (Faszialparese): Bei einer vollständigen Halbseitenlähmung (Hemiplegie) sind häufig auch die Gesichts- und Zungenmuskulatur (Faszialparese) der gelähmten Seite betroffen. Lähmungen einer Gesichtshälfte führen häufig zu eingeschränkter Mimik und Sprachstörungen.
- Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen: Häufig erschweren jedoch Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen die eigenständige Fortbewegung.
- Neuropsychologische Störungen: Eine Reihe neuropsychologischer Störungen wie der Verlust der emotionalen Kontrolle sein.
- Inkontinenz: Stuhl- und Urininkontinenz.
Die Symptome können je nach Schweregrad der Lähmung und der zugrunde liegenden Ursache variieren. Typische Anzeichen einer Hemiplegie sind Schwierigkeiten beim Bewegen, Greifen und Koordinieren der betroffenen Körperhälfte. Dies kann zu Problemen bei alltäglichen Aktivitäten wie Anziehen, Essen, Gehen und Sprechen führen. Zusätzlich zur motorischen Beeinträchtigung können Patienten auch sensorische Veränderungen wie Taubheit oder Kribbeln in der betroffenen Körperhälfte erfahren.
Diagnose der Hemiplegie
Eine plötzlich auftretende Halbseitenlähmung ist immer ein Notfall und muss umgehend untersucht werden, um die ursächliche Erkrankung festzustellen. Auch bei einer Halbseitenlähmung, die sich schleichend über einen längeren Zeitraum entwickelt, suchen Experten zunächst nach der Ursache.
Die Diagnose umfasst in der Regel:
- Anamnese: Eine ausführliche Untersuchung ermitteln wir mit Ihrer Hilfe die Vorgeschichte (Anamnese).
- Körperliche Untersuchung: Prüfung unter anderem Kraft, Reflexe und Spannung einzelner Muskelgruppen sowie Ihre Feinmotorik.
- Laboruntersuchungen: Laboruntersuchungen, Blutbild und eine Untersuchung des Nervenwassers (Lumbalpunktion) geben uns weitere Hinweise.
- Bildgebende Verfahren: Mit bildgebenden Verfahren wie der Computer (CT)- oder der Magnetresonanztomografie (MRT) können wir die Hirnschädigung detailliert darstellen.
- Computertomografie (CT): Darstellung der normalen Struktur und krankhafter Veränderungen oder Verletzungen im Schädelbereich
- Magnetresonanztomografie/Kernspintomografie (MRT): Darstellung von Struktur und krankhaften Veränderungen im Hirngewebe und im Schädelbereich
- Funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT): Darstellung der Durchblutung und Stoffwechselaktivität in bestimmten Gehirnregionen während einer Aufgabe
- Elektroenzephalografie (EEG): Darstellung der elektrischen Hirnaktivität mit hoher zeitlicher Auflösung
Behandlung der Hemiplegie
Bei einer Verletzung oder Erkrankung des Gehirns, ist die Kommunikation zu den einzelnen Gliedmaßen gestört. Ziel der Therapie ist es, diese Kommunikation so gut wie möglich wiederherzustellen. Das Problem bei einer Hemiplegie sind daher nicht verletzte Muskeln, sondern eine fehlende Signalsteuerung. Je nach Ursache und Schweregrad der Hemiplegie, können verschiedene Therapiemöglichkeiten zum Einsatz kommen.
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Die Behandlung einer Hemiparese hängt von der Ursache, dem Schweregrad und dem Zeitpunkt der Schädigung ab. In manchen Fällen können die Lähmungserscheinungen spontan zurückgehen oder sich verbessern, in anderen Fällen bleiben sie dauerhaft bestehen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Sie bei Verdacht auf einen Schlaganfall sofort in die Notaufnahme gehen, jede Sekunde zählt! Auch langanhaltende Taubheitsgefühle im Körper sollten Sie ernst nehmen und frühzeitig abklären lassen. Ist eine Hemiparese angeboren, können bei einigen Betroffenen dauerhafte Lähmungen bestehen bleiben. In diesem Fall ist es wichtig, die Einschränkung zu akzeptieren und nicht zu versuchen, gegen sie zu arbeiten. Investieren Sie Ihre Kraft besser für die Suche nach geeigneten Strategien und Hilfsmitteln wie Rollstühle, Treppenlifte oder Lagerungsschienen.
Die Therapie einer Hemiparese kann Physiotherapie, Medikamente oder andere Maßnahmen umfassen. Am Anfang steht jedoch immer die Frage, wodurch die Muskeleinschränkungen ausgelöst wurden. Bei Unfällen steht die notfallmedizinische Versorgung im Zentrum, bei einem Schlaganfall versuchen Ärzte bzw. Ärztinnen, das blockierte Hirngefäß wieder freizubekommen. Im Anschluss an die Akutbehandlung steht die Rehabilitation im Zentrum, um die Bewegungsfähigkeit der Betroffenen zu verbessern. Mit den genannten Behandlungsmaßnahmen machen Betroffene in der Regel innerhalb weniger Monate gute Fortschritte.
Rehabilitation
In erster Linie wird dabei auf die Neuroplastizität des Gehirns zurückgegriffen. Diese Fähigkeit des Gehirns, sich selbst zu heilen, wird genutzt, um neue Nervenzellenverbindungen herzustellen. Das bedeutet, dass Funktionen von gesunden Bereichen des Gehirns übernommen werden, die beispielsweise aufgrund eines Schlaganfalls beschädigt wurden. Die Neuroplastizität muss dafür jedoch aktiviert werden. Dies geschieht mittels wiederholten Bewegungen und Abläufen, sodass das Gehirn stimuliert wird und neue Verbindungen herstellen kann. An dieser Stelle ist Kontinuität gefragt.
Die Rehabilitation beginnt bereits in der Akutphase im Krankenhaus, wenn der Allgemeinzustand des Betroffenen stabilisiert und die Behandlung des Schlaganfalls entsprechend der Ursachen eingeleitet worden ist. Die im Krankenhaus begonnene Rehabilitation wird idealerweise direkt an den Krankenhausaufenthalt im Sinne einer Anschlussheilbehandlung in stationären oder ambulanten Rehabilitationseinrichtungen fortgesetzt. Die Reha dauert etwa drei Wochen, dann muss das Leben zuhause wieder erlernt werden.
Wie im Krankenhaus und in der Reha ist die Rehabilitation auch zu Hause eine Team-Aufgabe: Dr Hausarzt, professionelle Fachkräfte aus der ambulanten, Physio- und Sprachtherapeuten sowie die Familie bzw. der Ehe- oder Lebenspartner werden gut zusammenarbeiten müssen, um dem Patienten wieder zu Lebensqualität zu verhelfen.
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Wenn Sie also in der Situation sind, Ihrem Angehörigen mit Halbseitenlähmung eine Fortsetzung seiner Reha zuhause zu ermöglichen, dann erstellen Sie zuallererst mit dem Hausarzt einen Plan, was an Rehamaßnahmen erforderlich ist, welche Berufsgruppe dies leisten kann und wer die Finanzierung übernimmt.
Abhängig von den Einschränkungen und den betroffenen Körperbereichen stützt sich die Behandlung auf physiotherapeutische, ergotherapeutische und logopädische Maßnahmen. Das ganzheitliche und interdisziplinäre Bobath-Konzept ist heute die Therapieform erster Wahl. Es bewirkt bei vielen Patienten eine Anbahnung angepasster beidseitiger Bewegungsabläufe, eine Normalisierung des Muskeltonus und der Wahrnehmung der eigenen Körperfunktionen sowie die Wiederherstellung einer intakten Mund-, Schluck-, Zungen- und Gesichtsmotorik.
In vielen Fällen zeigt eine Bewegungstherapie vor allem nach Schlaganfällen bereits innerhalb einiger Monate deutliche Erfolge. Die Betroffenen lernen durch gezielte Übungen, die Muskulatur im Rahmen alltäglicher Bewegungen bewusst zu trainieren. Auch die Forced Used Therapie und die Anwendung von Orthesen haben sich in der Behandlung von Hemiparesen erfolgreich bewährt. In der Ergotherapie steht das Trainieren der Feinmotorik im Vordergrund, damit alltägliche Handlungen geübt und dadurch ein gewisses Maß an Selbständigkeit wiedererlangt werden. Eine intensive logopädische Betreuung ermöglicht den Patienten, die Lippen- und Zungenmuskulatur wieder gezielt zu nutzen, um Laute zu bilden und sich sprachlich verständigen zu können.
Eine Hemiparese, die von einer Spastik begleitet wird, erfordert eine besonders enge Zusammenarbeit zwischen Therapeuten und Medizinern. Zusätzlich zum individuell erarbeiteten Therapie-Konzept können die behandelnden Ärzte Botox in die betroffenen Muskelregionen injizieren. Dies führt zu einer Entspannung der Muskulatur, bewirkt eine Linderung der spastischen Schübe und erleichtert die Arbeit der Ergotherapeuten.
Menschen, die aufgrund einer Hemiparese Depressionen oder Ängste entwickeln, werden zusätzlich psychotherapeutisch betreut. Dies ist nicht nur für die Wiederherstellung der seelischen Gesundheit notwendig, sondern fördert auch die Motivation der Patienten und beeinflusst dadurch den Erfolg des interdisziplinären Therapie-Konzeptes.
Weitere Therapieansätze
- MyoPro® Orthese: Wiederholende Bewegungsabläufe lassen sich mit der MyoPro® Orthese ebenso umsetzen. Diese für den Alltag entwickelte myoelektrische Orthese unterstützt Arm und Hand dabei, Bewegungen und Funktionen mit dem gelähmten oder spastischen Arm wieder auszuführen. Durch die Unterstützung der Myoelektrik, wird der Arm während der Nutzung gezielt vom betroffenen Anwender bewegt, sodass neue Verbindungen im Gehirn geknüpft werden können.
- NOVAFON Schallwellengeräte: Die sanften Vibrationen der NOVAFON Schallwellengeräte tragen dazu bei, Schmerzen zu reduzieren sowie die Folgen eines Schlaganfalls zu lindern. Sowohl bei altersbedingten Gelenkerkrankungen als auch bei muskulären Problemen schafft die lokale Vibrationstherapie Abhilfe.
Anpassung des Wohnraums
Wichtig für die Erfolgsaussichten der Rehabilitation ist die richtige Lagerung des Kranken als passive Bewegungsübung von Anfang an. Praktiziert wird dazu im allgemeinen eine Lagerung nach der Bobath-Methode mit der Spasmen (Verkrampfungen der Muskulatur) gehemmt, normale Bewegungsmuster vorbereitet und die Wahrnehmung gefördert wird. Eine sachgerechte Lagerung dient aber auch der Bequemlichkeit und Schmerzvermeidung und hilft, Kontrakturen, Dekubiti und Lungenentzündungen vorzubeugen.
Bei älteren, multimorbiden Schlaganfall-Patienten ist allerdings eine korrekte Bobath-Lagerung vor allem in der 90°-Seitenlage nicht immer möglich. Keineswegs sollte aber dann nur eine Rückenlage durchgeführt, sondern auch eine modifizierte, z. B. 30°-Seitenlage vorgenommen werden. Sehr zu empfehlen ist, Sie erarbeiten sich mit einer dafür speziell ausgebildeten Fachkraft ein individuelles Lagerungskonzept, das den Bedürfnissen und therapeutischen Erfordernissen Ihres kranken Angehörigen am besten entspricht.
Die Durchführung der Lagerung wird durch spezielle Lagerungskissen, die über bessere Stütz- und Polstereigenschaften verfügen als Federkissen, sehr erleichtert.
Bei den hier abgebildeten Lagerungen wird von einer Schädigung der rechten Körperseite ausgegangen. Liegen auf der geschädigten Seiteverbessert das Gefühl des Patienten für diese Seite und sollte möglichst oft durchgeführt werden: Bett flach stellen. Der Kopf liegt gerade auf einem Kissen. Geschädigte Schulter nach vorne ziehen, damit sie nicht schmerzt. Der Ellbogen ist gestreckt, die Handfläche schaut mit geöffneten Fingern nach oben. Rücken mit einem dicken Kissen abstützen. Geschädigte Bein im Hüftgelenk strecken, im Kniegelenk leicht beugen. Liegen auf der gesunden Seite erfolgt im Wechsel mit der Lagerung auf der geschädigten Seite und der Rückenlagerung, anfangs möglichst alle zwei Stunden, bis der Patient seine Stellung wieder selbstständig verändern kann: Der Kopf liegt gerade auf einem Kissen. Geschädigt Schulter nach vorne ziehen, Arm mit gestreckten Ellbogenauf einem Kissen lagern, Rücken abstützen. Gesundes Bein normal gestreckt lagern, geschädigtes Bein mit leicht gebeugtem Knie nach vorne auf ein weiches Kissen legen. Schulter und Arm der geschädigten Seite mit gestrecktem Ellbogen auf einem Kissen lagern, Hand und Finger sind geöffnet (eventuell durch eine Greifkugel offen halten). Zugleich mit diesem Kissen Gesäß und Oberschenkel der geschädigten Seite so unterstützen, dass eine Außenrotation des geschädigten Beines verhindert wird. Fersen frei lagern, um Druckstellen (Dekubitus) zu verhindern. Der Rücken wird mit so vielen Kissen abgestützt, dass der Ober körper des Kranken geradegehalten wird. Das Bett bleibt dazu flachgestellt, damit sich keine halb liegende Stellung ergibt. Es gelten die allgemeinen Leitlinien der Grundpflege - immer unter der Berücksichtigung, dass der Patient soviel wie möglich selbst ausführen soll, auch wenn alles länger dauert und einiges danebengeht.
Ein Hauptproblem von Hemiplegie-Patienten besteht darin, dass ihr Körpergefühl für die geschädigte Seite mehr oder weniger stark beeinträchtigt ist. Dadurch besteht die Neigung, alle Gegenstände, Personen oder Ereignisse, die auf dieser Seite stattfinden, zu ignorieren. Dies ist bereits bei der Raumaufteilung und Anordnung der Einrichtungsgegenstände zu beachten. Das Bett ist so zu stellen, dass alle Aktivitäten bzw. die für den Kranken wichtigen Gegenstände (z.B. Nachttischkästchen, Fernseher usw.) auf der Seite der geschädigten Körperseite stehen und sich die Personen von dieser Seite nähern. Um mit den Dingen oder Personen in Blickkontakt treten zu können, muss der Kranke seinen Kopf zur geschädigten Seite drehen. Dadurch lernt er, seinen Kopf wieder frei zu bewegen und auszubalancieren, was eine wichtige Voraussetzung für die späteren Gehübungen ist. Ist der Patient sehr immobil und behindert und größtenteils bettlägerig, sollte ein höhenverstellbares Pflegebett ausgeliehen werden.
Als Sitzgelegenheit sind Polstermöbel ungeeignet. Stabile Stühle mit Rückenlehne geben mehr Sicherheit.Wichtig ist vor allem ein Tisch vor der Sitzgelegenheit, der groß genug ist, damit der Patient den von der Lähmung betroffenen Arm darauf lagern bzw. abstützen kann.
Auch für die Anpassung des Bades und der Toilette steht eine Reihe praktischer Hilfsmittel bereit, die dem Kranken gegebenenfalls eine selbstständige sichere Körperhygiene ermöglicht bzw.
Unterstützung im Alltag
Bei Gesichtslähmung ist besonders auf die Mundhygiene zu achten, weil die geschädigte Seite oft vernachlässigt wird. Zudem kann durch die Bewegungseinschränkungen der Zunge diese Seite weniger gut von Speiseresten gesäubert werden. Deshalb sollte nach jeder Mahlzeit eine sorgfältige Reinigung der Mundhöhle erfolgen.
Häufig sitzt durch die Lähmung auch die Zahnprothese nicht mehr gut genug und stört beim Essen und Sprechen. Bestehen am Anfang durch die Lähmung Schluckbehinderungen, werden pürierte Speisen verabreicht. Bei Halbseitenlähmung besteht anfangs häufig Inkontinenz, die jedoch durch ein gezieltes Toilettentraining im Laufe der Zeit meist beherrscht werden kann. Der Kranke wird dazu in regelmäßigen Zeitintervallen zur Blasen- und Darmentleerung angehalten.
Der Patient soll so früh wie möglich den Toilettenstuhl oder die Toilette benutzen, weil durch die sitzende Haltung die Funktionen wieder leichter in Gang kommen.
Verstopfung ist unbedingt zu vermeiden, da starkes Pressen den Kranken erneut gefährden kann. Vielfach werden die Pflegenden gefordert sein, den Patienten dahingehend zu unterstützen und zu überwachen, dass die Anweisungen des Arztes auch befolgt werden. Dazu zählen vor allem die Sicherstellung der vorschriftsmäßigen Einnahme von Medikamenten, die Blutdruckkontrolle, bei Diabetikern die Blutzuckerkontrolle oder die Einhaltung einer Diät.
Ziel aller Maßnahmen ist es, den Patienten so rasch wie möglich wieder aus dem Bett zu bringen und ihm größtmögliche Selbständigkeit zurückzugeben. Die Mobilisation beginnt mit Sitzübungen im Bett. Dann folgen Sitzen und Essen außerhalb des Bettes sowie Gleichgewichts- und Gehübungen. Für die Gehübungen empfiehlt sich aus Sicherheitsgründen anfänglich ein Gehwagen, bis der Gleichgewichtssinn wieder besser ausgebildet ist. Außerdem ist gutes Schuhwerk unerläßlich.
Für den Aufenthalt außerhalb des Bettes sollte der Kranke trotz aller Mühen beim Anziehen seine normale Kleidung tragen.
Auch ist anzustreben, den Kranken weitgehend am normalen Familienleben teilnehmen zu lassen und ihm wenn möglich, sogar kleinere Aufgaben im Haushalt zu übertragen.
Sprachstörungen, sog. Aphasien, bei denen sowohl die Fähigkeit, sich sprachlich auszudrücken, als auch das Sprachverständnis selbst in Mitleidenschaft gezogen sein kann, sind wohl die schwerste Belastung für den Kranken und seine Mitmenschen. Im Idealfall stehen Sprachpädagogen zur Verfügung, vielfach bleibt es jedoch Familienangehörigen überlassen, nach Anweisungen des Therapeuten mit dem Betroffenen zu üben. Ein paar wichtige Grundsätze sind dabei: in kurzen, einfachen Sätzen langsam mit dem Aphasiker zu sprechen und ihn zum Sprechen anzuregen. Vor allem hat man sich bewusst zu sein, dass der Betroffene durch seine Sprachstörung nicht automatisch geistig beeinträchtigt ist.
Hemiplegie bei Kindern
Kindliche Schlaganfälle können sich sowohl in der Großhirnrinde als auch in tieferliegenden Strukturen ereignen. Dadurch kann der Schlaganfall ein breites Spektrum neurologischer und neuropsychologischer Ausfälle verursachen. Typischerweise präsentiert sich der kindliche Schlaganfall mit Symptomen der Hemiparese oder der Hemiplegie. Die Hemiparese beschreibt eine halbseitige Lähmung der Extremitäten, die Hemiplegie die vollständige Lähmung einer Muskelgruppe oder der Extremitäten einer Körperseite. Bei 90% der betroffenen Kinder gehört die Hemiparese zu den typischen Beeinträchtigungen. Oftmals entwickelt sich daraus im weiteren Verlauf eine Spastik in den betroffenen Gliedmaßen. Sind die Basalganglien im Gehirn betroffen kann es zu einer Hemichorea kommen. Die Basalganglien bilden ein Kerngebiet unterhalb der Großhirnrinde, das unter anderem für wichtige motorischer Aufgaben von großer Bedeutung ist. Wenn der vertebrobasiläre Kreislauf betroffen ist, leiden die Kinder unter einer Ataxie. Der vertebrobasiläre Kreislauf beschreibt dabei die Sauerstoff-versorgung über Arterien im hinteren Teil des Gehirns. Beim hämorrhagische Schlaganfall (s.o.) sind die klinischen Zeichen Bewusstseinsverlust, Schmerz und Verwirrtheit. Zu etwa 60% ereignen sich Schlaganfälle in der linken Hirnhälfte. Diese ist unter anderem für unsere Sprache zuständig. So zeigt sich, dass viele Betroffene Einschränkungen im Spracherwerb, Sprachausfälle oder langfristige Sprach-defizite erleiden. Jedoch können auch Spontanremissionen auftreten. Das heißt, dass eine plötzliche Symptomfreiheit eintritt. Möglich ist dies, wenn die rechte Hirnhälfte den Sprachprozess übernommen hat oder gesunde Areale der linken Hirnhälfte „eingesprungen“ sind. Im weiteren Lebensverlauf zeigen die betroffenen Kinder Schwierigkeiten im Erwerb von Lese- und Rechtschreibfertigkeiten.
Ergotherapie bei Hemiplegie
Ergotherapie ist eine entscheidende Komponente bei der Behandlung von Hemiplegie. Ergotherapeuten arbeiten eng mit jedem Patienten zusammen, um einen individuellen Behandlungsplan zu entwickeln, der auf ihre spezifischen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Durch gezielte Übungen, Rehabilitationstechniken und Anpassungen des Alltags unterstützen sie Patienten dabei, ihre motorischen Fähigkeiten zu verbessern, die Muskelfunktion wiederherzustellen und alltägliche Aktivitäten wieder zu erlernen.
Ergotherapie kann auch dabei helfen, die sensorischen Fähigkeiten zu verbessern und emotionale Herausforderungen anzugehen, die mit einer Hemiplegie einhergehen können. Eine ergotherapeutische Behandlung bei Hemiplegie umfasst eine Vielzahl von gezielten Interventionen, um die Lebensqualität und Unabhängigkeit der Patienten zu verbessern. Ziel ist es, die Funktionsfähigkeit der betroffenen Körperhälfte zu verbessern und alltägliche Aktivitäten wie Anziehen, Essen und Hygiene wieder zu erlernen. Durch regelmäßige Überwachung und Anpassung des Behandlungsplans stellen wir sicher, dass unsere Patienten kontinuierliche Fortschritte machen und ihre Ziele erreichen.
Fallbeispiel: Maria und ihre Ergotherapie
Maria, 54 Jahre alt, erlitt vor sechs Monaten einen Schlaganfall, der eine Hemiplegie auf ihrer rechten Körperseite verursachte. Nach ihrem Krankenhausaufenthalt begann sie mit der ergotherapeutischen Behandlung in der Praxis.
Bei ihrer ersten Sitzung führten die Therapeuten eine gründliche Bewertung durch, um Marias spezifische Bedürfnisse und Ziele zu verstehen. Maria hatte Schwierigkeiten beim Greifen und Halten von Gegenständen sowie beim Anziehen und Bewegen. Sie war frustriert über die Verluste, die der Schlaganfall mit sich brachte, und war entschlossen, ihre Unabhängigkeit zurückzugewinnen.
Die Therapeuten entwickelten einen individuellen Behandlungsplan für Maria, der Übungen zur Stärkung der betroffenen Muskeln, Techniken zur Verbesserung der Beweglichkeit und Strategien zur Anpassung des Alltags umfasste. Maria besuchte regelmäßig Ergotherapie-Sitzungen und erhielt Übungspläne für zu Hause.
Im Laufe der Behandlung machte Maria stetige Fortschritte. Sie konnte ihre Greif- und Haltefähigkeiten verbessern, was ihr half, alltägliche Aktivitäten wie das Anziehen und Essen eigenständig durchzuführen. Durch den Einsatz spezieller Hilfsmittel und Anpassungen im häuslichen Umfeld konnte sie ihre Selbstständigkeit weiter steigern.
Nach mehreren Monaten intensiver Therapie war Maria in der Lage, viele ihrer vorherigen Aktivitäten wieder aufzunehmen und ein hohes Maß an Unabhängigkeit zurückzugewinnen. Marias Fall zeigt, wie effektiv Ergotherapie bei Hemiplegie sein kann.
Leben mit Hemiplegie
Ein Leben mit Hemiplegie bringt verschiedene Herausforderungen mit sich. Sie sind jedoch nicht alleine! Sich mit anderen Betroffenen auszutauschen hilft, neue Lösungen und Perspektiven zu finden.
Von der Lähmung ist immer die Körperhälfte betroffen, die der Seite mit dem geschädigten Hirnbereich gegenüberliegt. Sitzt der Defekt also in der linken Gehirnhälfte, ist die rechte Körperseite gelähmt und umgekehrt.
Die gelähmten Gliedmaßen weisen meist eine typische Haltung auf: Der Arm ist mit angewinkeltem Ellbogen an den Körper gezogen und einwärts gedreht. Die Finger sind zur lockeren Faust geschlossen. Das Bein ist abgestreckt, und der Fuß zeigt eine Spitzfußstellung.
Wichtiger Hinweis: Ein Hauptproblem von Hemiplegie-Patienten besteht darin, dass ihr Körpergefühl für die geschädigte Seite mehr oder weniger stark beeinträchtigt ist. Dadurch besteht die Neigung, alle Gegenstände, Personen oder Ereignisse, die auf dieser Seite stattfinden, zu ignorieren.
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