Viele Menschen in Deutschland leiden unter Depressionen und den damit verbundenen Herausforderungen im Alltag, im Beruf und im Umgang mit ihrer Krankenversicherung. Dieser Artikel soll Betroffenen helfen, sich in der komplexen Situation zurechtzufinden und bietet einen Überblick über verschiedene Aspekte wie Krankengeld, den Wechsel zu einem Neurologen, Erfahrungen mit Antidepressiva und sozialrechtliche Fragen.
Ein persönlicher Erfahrungsbericht
Ein 49-jähriger Mann, nennen wir ihn "Herr B.", schildert seine Erfahrungen mit Depressionen, die ihn seit etwa 20 Jahren begleiten. Nach einer anfänglichen Phase der Unsicherheit und einer mehrjährigen Leidenszeit suchte er schließlich ärztliche Hilfe und begann eine Therapie. Phasenweise ging es ihm gut, doch belastende Ereignisse wie Jobverlust, Stress oder Trennungen führten immer wieder zu Rückfällen. Ein Suizidversuch vor etwa 10 Jahren hatte für ihn eine heilende Wirkung, sodass er heute nicht mehr an solche Dinge denkt.
Eine Trennung vor sechs Jahren mit den damit verbundenen finanziellen Schwierigkeiten (Verlust einer Immobilie, Anwaltskosten etc.) stürzte Herrn B. erneut in ein tiefes Tief. Seit vier Wochen ist er nun krankgeschrieben und hat seit zwei Wochen einen ambulanten Therapieplatz. Die Angst vor der bevorstehenden Arbeitswoche und möglichen negativen Reaktionen seiner Kollegen ("Wie geht's? Wieder gesund?") ist groß. Er befürchtet, seinen Job zu verlieren, da er sich nicht mehr akzeptiert fühlt, wie er ist. Hinzu kommt, dass er in einem großen Konzern arbeitet, in dem ständig umorganisiert wird, und er oft unbeliebte Aufgaben erledigen muss.
Ein weiteres Problem ist der Ausschluss psychischer Erkrankungen aus dem Krankentagegeld seiner privaten Krankenversicherung. Dies bedeutet, dass er nach sechs Wochen Krankschreibung kein Geld erhält. Eine stationäre Behandlung in einer Klinik ist somit finanziell nicht möglich. Auch seine beiden Katzen, die ihm sehr am Herzen liegen, bereiten ihm Sorgen, da er niemanden hat, der sich während eines Klinikaufenthalts um sie kümmern könnte.
In seiner Verzweiflung hat Herr B. zahlreiche Dokumentationen über Depressionen auf YouTube angesehen und das Forum der Deutschen Depressionshilfe gefunden. Dabei stellte er fest, dass viele biologische/körperliche Symptome von Depressionen bekannt sind, ihm aber nie entsprechende Untersuchungen angeboten wurden. Stattdessen erhielt er nach nur einem Termin ein Antidepressivum verschrieben.
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Krankentagegeld und private Krankenversicherung
Der Ausschluss von psychischen Erkrankungen aus dem Krankentagegeld ist ein Problem, mit dem viele privat Versicherte konfrontiert sind. Es ist ratsam, die Versicherungsbedingungen genau zu prüfen und gegebenenfalls eine Zusatzversicherung abzuschließen, die auch psychische Erkrankungen abdeckt.
Herr B. ist privat versichert, was ihm bis auf die Problematik mit dem Krankentagegeld immer zugute kam. Er fühlt sich manchmal eher über- als unteruntersucht.
Was tun bei Ablehnung des Krankengeldes?
Wenn das Krankengeld abgelehnt wird, sollten Sie folgende Schritte unternehmen:
- Widerspruch einlegen: Legen Sie innerhalb der Widerspruchsfrist (in der Regel ein Monat) schriftlich Widerspruch gegen den Ablehnungsbescheid ein.
- Begründung: Begründen Sie Ihren Widerspruch ausführlich und legen Sie gegebenenfalls ärztliche Atteste und Gutachten bei.
- Beratung: Suchen Sie sich rechtlichen Rat bei einem Anwalt für Sozialrecht, der Verbraucherzentrale oder einer anderen Beratungsstelle.
- Sozialgericht: Wenn der Widerspruch abgelehnt wird, können Sie Klage vor dem Sozialgericht erheben.
Antidepressiva: Erfahrungen und Alternativen
Herr B. hat bereits mehrfach Citalopram eingenommen, ohne eine positive Wirkung zu verspüren. Zudem wurde ihm das Medikament beim ersten Termin ohne Dosierungsangabe verschrieben, sodass er eine ganze Tablette (20mg) statt einer halben einnahm.
Es ist wichtig zu wissen, dass Antidepressiva nicht bei allen Menschen wirken und gerade zu Beginn Nebenwirkungen wie Übelkeit auftreten können. Bei etwa 40 Prozent der Betroffenen haben Antidepressiva leider überhaupt keine Wirkung. Es ist ratsam, die Behandlung mit dem Arzt zu besprechen und gegebenenfalls andere Medikamente oder Therapieformen auszuprobieren.
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Alternativen zu Antidepressiva
Neben Antidepressiva gibt es verschiedene andere Behandlungsmöglichkeiten für Depressionen:
- Psychotherapie: Eine Psychotherapie, insbesondere eine kognitive Verhaltenstherapie oder eine tiefenpsychologisch fundierte Therapie, kann helfen, die Ursachen der Depression zu erkennen und zu bewältigen.
- Lichttherapie: Bei saisonal abhängigen Depressionen (Winterdepression) kann eine Lichttherapie helfen, den Lichtmangel auszugleichen.
- Sport und Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Stimmung verbessern und depressive Symptome lindern.
- Entspannungsverfahren: Entspannungsverfahren wie Yoga, Meditation oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen und die Entspannung zu fördern.
- Naturheilverfahren: Einige Naturheilverfahren wie Johanniskraut oder bestimmte Aminosäuren können bei leichten bis mittelschweren Depressionen unterstützend wirken.
Der Neurologe: Wechsel und Kommunikation
Herr B. hat Bedenken, dass sein Neurologe ihn nach nur einem Termin noch nicht richtig kennen kann und ihm dennoch direkt eine N3-Packung Citalopram verschrieben hat. Es ist wichtig, ein gutes Vertrauensverhältnis zum Arzt aufzubauen und offen über die eigenen Beschwerden und Bedenken zu sprechen.
Wann ist ein Wechsel des Neurologen sinnvoll?
Ein Wechsel des Neurologen kann sinnvoll sein, wenn:
- Sie sich nicht ernst genommen oder nicht gut beraten fühlen.
- Sie das Gefühl haben, dass der Arzt nicht auf Ihre individuellen Bedürfnisse eingeht.
- Sie Zweifel an der Diagnose oder der Behandlung haben.
- Sie ein besseres Vertrauensverhältnis zu einem anderen Arzt aufbauen möchten.
Kommunikation mit dem Neurologen
Um eine optimale Behandlung zu gewährleisten, ist eine offene und ehrliche Kommunikation mit dem Neurologen wichtig. Sprechen Sie Ihre Beschwerden, Ängste und Bedenken offen an und stellen Sie Fragen, wenn Ihnen etwas unklar ist.
Herr B. sollte mit seinem Neurologen über seine Erfahrungen mit Citalopram, die fehlende Dosierungsangabe und seine Bedenken bezüglich weiterer Untersuchungen sprechen. Er sollte auch erwähnen, dass er sich über die biologischen/körperlichen Symptome von Depressionen informiert hat und sich entsprechende Untersuchungen wünscht.
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Soziale Unterstützung und Schwerbehindertenausweis
Herr B. hat keine Freunde und nur wenige Bekannte, die seine Situation verstehen. Es ist wichtig, sich ein soziales Netzwerk aufzubauen und Unterstützung zu suchen. Dies kann durch den Beitritt zu einer Selbsthilfegruppe, die Teilnahme an Freizeitaktivitäten oder die Suche nach einem Therapeuten geschehen.
Ein Schwerbehindertenausweis kann ebenfalls hilfreich sein, um Nachteilsausgleiche zu erhalten und den Kündigungsschutz zu verbessern. Es empfiehlt sich, einen Antrag bei der zuständigen Behörde zu stellen und alle relevanten Krankheiten und Beeinträchtigungen anzugeben.
Antrag auf Schwerbehindertenausweis
Um einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen, müssen Sie einen Antrag beim zuständigen Versorgungsamt oder der zuständigen Gemeindebehörde stellen. Dem Antrag sind ärztliche Gutachten und Befunde beizufügen, die die gesundheitlichen Beeinträchtigungen belegen.
Die Behörde prüft den Antrag und stellt gegebenenfalls einen Schwerbehindertenausweis aus. Der Grad der Behinderung (GdB) wird in Zehnergraden von 20 bis 100 festgestellt. Ab einem GdB von 50 gilt man als schwerbehindert.
Angst vor dem Arbeitsplatzverlust
Die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust ist ein häufiges Problem bei Menschen mit Depressionen. Es ist wichtig, offen mit dem Arbeitgeber über die Erkrankung zu sprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Offenes Gespräch mit dem Arbeitgeber
Ein offenes Gespräch mit dem Arbeitgeber kann helfen, Vorurteile abzubauen und Verständnis für die Situation zu schaffen. Es ist ratsam, sich vor dem Gespräch gut vorzubereiten und sich über die eigenen Rechte und Pflichten zu informieren.
Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)
Im Rahmen des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) können Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam Maßnahmen entwickeln, um die Arbeitsfähigkeit des erkrankten Mitarbeiters zu erhalten oder wiederherzustellen. Das BEM ist ein freiwilliges Angebot des Arbeitgebers und setzt die Zustimmung des Arbeitnehmers voraus.
Alkohol als Bewältigungsstrategie
Herr B. gibt an, seine Angst im Alkohol zu ertränken. Dies ist jedoch keine geeignete Bewältigungsstrategie und kann die Depression langfristig verschlimmern. Es ist wichtig, sich professionelle Hilfe zu suchen, um den Alkoholkonsum zu reduzieren oder ganz einzustellen.
Hilfe bei Alkoholproblemen
Es gibt verschiedene Anlaufstellen für Menschen mit Alkoholproblemen:
- Suchtberatungsstellen: Suchtberatungsstellen bieten kostenlose und anonyme Beratung und Unterstützung für Betroffene und Angehörige.
- Selbsthilfegruppen: In Selbsthilfegruppen können sich Betroffene austauschen und gegenseitig unterstützen.
- Therapie: Eine Therapie kann helfen, die Ursachen des Alkoholkonsums zu erkennen und zu bewältigen.
Weitere Ratschläge und Informationen
- Deutsche Depressionshilfe: Die Deutsche Depressionshilfe bietet Informationen, Beratung und Unterstützung für Menschen mit Depressionen und ihre Angehörigen.
- Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD): Die UPD bietet kostenlose und unabhängige Beratung zu allen Fragen rund um das Thema Gesundheit.
- Sozialverband VdK: Der Sozialverband VdK berät und vertritt seine Mitglieder in sozialrechtlichen Fragen.
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