Die Meningitis, auch Hirnhautentzündung genannt, ist eine Entzündung der Hirnhäute und der umgebenden Strukturen. Sie kann durch verschiedene Krankheitserreger ausgelöst werden, wobei Viren und Bakterien die häufigsten Ursachen sind. In der Schwangerschaft ist es wichtig, sich über die Risiken, Ansteckungswege und Präventionsmaßnahmen im Zusammenhang mit Meningitis zu informieren, um die Gesundheit von Mutter und Kind zu schützen.
Was ist Meningitis?
Bei einer Meningitis handelt es sich um eine Entzündung der Hirnhäute (Meningen) und umgebenden Strukturen. Die Meningen sind die Gewebehüllen, die zum Beispiel zwischen Gehirn und Schädeldecke liegen oder das Rückenmark umgeben. Die Entzündung wird durch Krankheitserreger ausgelöst, die sich meist zuerst in anderen Regionen des Körpers ansiedeln und dann über die Blutbahn die Hirnhäute erreichen.
Es gibt verschiedene Formen der Meningitis, die sich in ihren Ursachen und Schweregraden unterscheiden:
- Virale Meningitis: Verursacht durch Viren wie Enteroviren (z.B. Coxsackieviren, Auslöser der Hand-Fuß-Mund-Krankheit) oder Herpesviren (Herpes simplex, die Erreger von Lippen- oder Genitalherpes). Verläuft im Normalfall relativ mild und heilt nach zwei bis drei Wochen von allein aus.
- Bakterielle Meningitis: Wird durch Bakterien wie Meningokokken, Pneumokokken oder Streptokokken ausgelöst. Stellt eine wesentlich größere Gesundheitsgefahr dar und muss häufig im Krankenhaus intensivmedizinisch behandelt werden. Jeder Verdachtsfall ist ein Notfall, da sie meist plötzlich auftritt und sich rasant verschlechtern kann.
- Meningoenzephalitis: Eine kombinierte Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute.
- Myelitis: Eine Infektion, die die Rückenmarkshäute allein betrifft.
Meningitis-Erreger und Ansteckung
Die Krankheitserreger werden per Tröpfcheninfektion übertragen. Das heißt, wenn eine erkrankte Person in der Nähe hustet oder niest und man die erregerhaltigen Tröpfchen einatmet - oder beim Küssen. Auch die Übertragung per Schmierinfektion ist möglich, wenn man Dinge berührt, auf denen sich diese Tröpfchen abgesetzt haben und sie über den Mund oder andere Schleimhäute in den Körper gelangen.
Risikogruppen und Gefährdung in der Schwangerschaft
Menschen mit einem noch nicht voll entwickelten oder einem geschwächten Immunsystem sind anfälliger für eine Hirnhautentzündung - Säuglinge, Kleinkinder, alte Menschen und chronisch Kranke. Sie haben den Erregern eine nicht ausreichend schlagkräftige Abwehr entgegenzusetzen. Auch Jugendliche tragen ein erhöhtes Risiko, weil sie in dem Alter eine besonders hohe Zahl von Sozialkontakten haben und mehr Menschen treffen, die möglicherweise Erreger wie Meningokokken in sich tragen, ohne selbst erkrankt zu sein.
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Schwangere Frauen gehören aufgrund der physiologischen Veränderungen in ihrem Immunsystem ebenfalls zu den Risikogruppen für bestimmte Infektionen, die Meningitis auslösen können. Einige dieser Infektionen und ihre potenziellen Auswirkungen auf die Schwangerschaft werden im Folgenden näher erläutert:
Listeriose
Die Listeriose wird durch das Bakterium Listeria monocytogenes verursacht. Die Erkrankung Listeriose bringt sehr unspezifische Symptome mit sich. Da die Symptome einer Listerien-Infektion meist nicht eindeutig sind, zeigt erst eine Blutuntersuchung ein klares Ergebnis. Während bei der Mutter selbst meist nur milde Symptome auftreten, kann eine Infektion mit Listerien für das Baby sehr gefährlich sein und eine Früh- oder sogar Totgeburt verursachen. Vom Darm aus können die Bakterien über das Blut zur Plazenta und zum Kind gelangen.
Die beste Behandlung ist eine Vorbeugung, denn das Tückische an diesem Bakterium ist, dass es sich auch bei Kühlschranktemperaturen vermehren kann.
Cytomegalie (HCMV)
Das Zytomegalie-Virus (HCMV) gehört zur Familie der Herpesviren und bleibt nach einer Infektion lebenslang im Körper. Eine erstmalige Infektion in der Schwangerschaft, besonders in den ersten drei Monaten, kann problematisch sein. Viele Frauenärzt:innen führen in der Schwangerschaft einen oder mehrere HCMV-Antikörpertests im Blut durch. Manchmal zeigen sich in einer Ultraschalluntersuchung des Kindes Auffälligkeiten, wodurch der Verdacht einer kindlichen Infektion entsteht. Es besteht auch die Möglichkeit, etwas Fruchtwasser zu entnehmen und damit einen PCR-Test durchzuführen. So kann das Virus verlässlich nachgewiesen werden.
Ringelröteln (Parvovirus B19)
Etwa die Hälfte der Schwangeren hatte vor der Schwangerschaft noch nie eine Infektion mit dem Parvovirus. Erzieherinnen im Kindergarten, Grundschullehrerinnen und Mütter mit älteren Kindern, die in den Kindergarten oder die Grundschule gehen, haben ein höheres Infektionsrisiko. Problematisch für das Ungeborene ist eine Infektion vor allem in den Monaten, in denen das Kind in hohem Tempo Blutzellen produziert, sprich vom 4. bis zum 7. Schwangere haben meistens keine Symptome. Manchmal klagen sie etwa drei Wochen, nachdem sie sich infiziert haben, über Gelenksbeschwerden.
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Toxoplasmose
Toxoplasmose wird hervorgerufen durch einzellige Parasiten, auch Toxoplasma gondii genannt. Katzen stellen den Hauptwirt dar: Wenn die Katze durch das Fressen von anderen Säugetieren eine Toxoplasma-Infektion erlangt, scheidet sie den Parasiten im Urin und im Kot aus. Schwangere können sich über das Reinigen der Katzentoilette oder durch Gartenarbeiten ohne Handschuhe infizieren. Schätzungen zufolge sind etwa 50 Prozent der Frauen bereits vor der Schwangerschaft immunisiert.
Eine Erstinfektion in der Schwangerschaft kann sehr gefährlich sein, da der Erreger über den Blutweg direkt in den kindlichen Organismus gelangen kann. Infiziert sich die Mutter in der Schwangerschaft, kann dies daher zu Totgeburten oder kindlichen Schädigungen führen.
Streptokokken der Gruppe B (GBS)
Streptokokken sind Bakterien, deren Untergruppen verschiedene Erkrankungen auslösen können. In der Geburtsmedizin sind vor allem die Streptokokken der Gruppe B relevant, da diese gefährlich für das Baby werden können. Diese Gruppe B Streptokokken (GBS) kommen beim Menschen in der natürlichen Darmflora vor, auch im Analbereich. Von dort werden sie durch eine Schmierinfektion auf die Scheide übertragen. Bei der Geburt kann es dazu kommen, dass Streptokokken-Bakterien von der Mutter auf das Kind übertragen werden. Wenn sich Streptokokken während der Geburt auf das Baby übertragen, kann das Kind eine Hirnhautentzündung entwickeln.
Masern, Mumps, Röteln, Windpocken und Hepatitis
Auch wenn die Wahrscheinlichkeit einer Mumpserkrankung in der Schwangerschaft gering ist, da die meisten Frauen bereits gegen den Erreger immun sind, kann eine Ansteckung während des ersten Drittels das Fehlgeburtsrisiko leicht erhöhen. Masern sind eine schwere Infektionskrankheit, die in der Schwangerschaft zu problematischen Komplikationen wie hohem Fieber und schwerer Lungenentzündungen führen kann. Im Rahmen einer Ansteckung mit Masern während der Schwangerschaft kommen bis zu 25% der Babys zu früh zur Welt.
Eine Windpockeninfektion kann in seltenen Fällen zum sogenannten angeborenen Varizellensyndrom (CVS) führen. Wenn nicht zwei Rötelnimpfungen oder Röteln-Immunität nachgewiesen werden kann, wird zu Beginn der Schwangerschaft der Röteln-Titer durch eine Blutuntersuchung geprüft.
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Es ist zu unterscheiden zwischen Hepatitis A, B und C. Bei Reisen in entsprechende Gebiete wird eine kombinierte Impfung gegen A und B empfohlen. Es liegen Hinweise auf eine Erhöhung des Frühgeburtsrisikos vor, insbesondere bei schweren Verläufen von Hepatitis A im letzten Drittel der Schwangerschaft. Die beiden anderen Hepatitis-Formen (B und C) sind durch Austausch von Körperflüssigkeiten (ungeschützter Geschlechtsverkehr; gemeinsam benutzte Injektionsnadeln, Verletzungen) übertragbar. Eine Erkrankung zieht meist eine chronische Erkrankung der Leber nach sich. Es besteht die Gefahr der Ansteckung des ungeborenen Kindes während Schwangerschaft (über die Plazenta) oder der Geburt (Blutaustausch).
Symptome einer Meningitis
Die Symptome einer Meningitis können je nach Erreger und Alter variieren. Bei Erwachsenen und älteren Kindern sind typische Symptome:
- Fieber
- Starke Kopfschmerzen
- Nackensteifigkeit (Schwierigkeiten, den Kopf nach vorne zu beugen)
- Lichtempfindlichkeit
- Übelkeit und Erbrechen
- Bewusstseinsstörungen
Bei Babys und Kleinkindern können die Symptome weniger spezifisch sein:
- Fieber
- Erbrechen
- Reizbarkeit oder Schläfrigkeit
- Schwierigkeiten beim Trinken
- Vorgewölbte oder harte Fontanelle (weiche Stelle am Kopf)
- Krämpfe
Es ist wichtig zu beachten, dass die Symptome einer Meningitis anfangs denen einer Grippe ähneln können. Bei Verdacht auf Meningitis sollte daher umgehend ein Arzt aufgesucht werden.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose einer Meningitis erfolgt in der Regel durch eine körperliche Untersuchung und eine Lumbalpunktion (Entnahme von Nervenwasser aus dem Rückenmarkskanal). Das Nervenwasser wird dann im Labor auf Krankheitserreger untersucht.
Die Behandlung der Meningitis richtet sich nach dem Erreger. Eine bakterielle Meningitis wird mit Antibiotika behandelt, während eine virale Meningitis in der Regel symptomatisch behandelt wird (z.B. mit Schmerzmitteln und fiebersenkenden Mitteln). In schweren Fällen kann eine intensivmedizinische Betreuung erforderlich sein.
Prävention von Meningitis in der Schwangerschaft
Um das Risiko einer Meningitis während der Schwangerschaft zu verringern, können folgende Maßnahmen ergriffen werden:
- Impfungen: Gegen einige Meningitis-Erreger gibt es Impfungen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt bestimmte Impfungen im Rahmen der Kinderschutzimpfungen. Auch für Erwachsene gibt es Impfempfehlungen, insbesondere für Risikogruppen und Reisende.
- Hygienemaßnahmen: Häufiges Händewaschen, insbesondere nach dem Kontakt mit potenziell kontaminierten Oberflächen oder Personen, kann die Ausbreitung von Krankheitserregern reduzieren. Frauen können das Risiko einer Infektion durch Hygienemaßnahmen erheblich senken. Diese zielen darauf ab, direkten Kontakt mit Nasensekret und Urin von kleinen Kindern zu vermeiden. Also, Plastikhandschuhe beim Windeln wechseln, häufiges Händewaschen.
- Vermeidung von Risikolebensmitteln: Schwangere sollten bestimmte Lebensmittel meiden, die ein erhöhtes Risiko für Listeriose bergen, wie z.B. Rohmilchprodukte, rohes Fleisch und geräucherte Fischprodukte.
- Kontakt zu Erkrankten meiden: Schwangere sollten den Kontakt zu Personen mit ansteckenden Krankheiten meiden, insbesondere wenn die genaue Erkrankung nicht bekannt ist.
- Gesunde Lebensweise: Eine gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und regelmäßige Bewegung können das Immunsystem stärken und die Abwehrkräfte gegen Infektionen verbessern.
Meningokokken-Impfung
Um die Gefahr einer Hirnhautentzündung zu bannen, gibt es gegen einige Meningitis-Erreger Impfungen. Sie sind zum größten Teil im Rahmen der Kinderschutzimpfungen von der Ständigen Impfkommission des Robert Koch Instituts (STIKO) empfohlen und werden von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt.
In Deutschland und Europa werden mit 61 Prozent die meisten Fälle einer Meningokokken-Infektion von den Bakterien der Serogruppe B ausgelöst (insgesamt existieren 12 Untergruppen von Meningokokken).
Mittlerweile liegt die STIKO-Empfehlung auch für den vor allem für Babys und Kleinkinder gefährlichen Serotyp B vor.
Meningokokken und Schwangerschaft
In der Schwangerschaft sollte „so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig" geimpft werden. Sogenannte „Totimpfstoffe“ sind in der Schwangerschaft bei Notwendigkeit erlaubt. Sprich am besten direkt deine Ärztin oder deinen Arzt an.
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