Schlaganfall: Eine umfassende neurologische Betrachtung

Der Schlaganfall ist eine plötzliche zerebrovaskuläre Minderdurchblutung, die oft zu langandauernden Funktionseinschränkungen führt. Er ist eine zeitkritische Erkrankung des Gehirns, die mit einer plötzlich auftretenden Schädigung von Hirngewebe aufgrund eines Gefäßverschlusses (ischämischer Insult) oder einer Hirnblutung (hämorrhagischer Insult) assoziiert ist. Abhängig von der Lokalisation und dem Ausmaß des unterversorgten Hirnareals kommt es zu kognitiven, sensorischen und motorischen Funktionsstörungen. Der Schlaganfall (Apoplex) gehört zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland.

Einleitung

Ein Schlaganfall ist ein gefürchtetes, plötzliches Ereignis, das schwere Behinderungen zur Folge haben kann. Es handelt sich um eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen, die jährlich weltweit Millionen Menschen betrifft. In Deutschland erleiden jährlich etwa 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Das frühzeitige Erkennen von Schlaganfall-Symptomen, das sofortige Handeln und die optimale Diagnostik und Therapie sind die Grundvoraussetzungen, um die verheerenden Folgen nach einem Schlaganfall entscheidend zu reduzieren.

Definition und Arten des Schlaganfalls

Der Begriff Schlaganfall, auch Apoplex, Gehirnschlag oder Hirninsult genannt, ist ein Oberbegriff, der verschiedene Erkrankungen bezeichnet, etwa den Hirninfarkt oder die Hirnblutung. Ursächlich werden zwei Schlaganfall-Formen unterschieden: ein ischämischer Insult infolge eines thromboembolischen Gefäßverschlusses und ein hämorrhagischer Insult aufgrund einer intrazerebralen Blutung (ICB) oder Subarachnoidalblutung (SAB). Bei der ICB handelt es sich um Blutungen in das Hirnparenchym, bei der SAB um Blutungen in den Subarachnoidalraum. Entsprechend der Statistik der Heart and Stroke Association sind von allen Schlaganfällen rund 87% ischämische Hirninfarkte und 10% intrazerebrale hämorrhagische Schlaganfälle; die restlichen 3% entstehen als Folge einer Subarachnoidalblutung.

Ischämischer Schlaganfall

Der ischämische Hirninfarkt wird umgangssprachlich als „weißer Schlaganfall“ bezeichnet. Die plötzliche Minderdurchblutung resultiert in der Regel aus Stenosen oder Verschlüssen hirnversorgender Arterien. Hierdurch erhalten die Nervenzellen des Gehirns zu wenig Blut und Sauerstoff. Folgende Situationen können eine ischämische Ursache bedingen:

  • Makroangiopathie
  • Mikroangiopathie
  • kardiale Embolie
  • andere Erkrankungen

Hämorrhagischer Schlaganfall

Der hämorrhagische Schlaganfall wird umgangssprachlich als „roter Infarkt“ bezeichnet. Bei dieser Form geht Hirngewebe infolge einer Einblutung - meist aufgrund eines intrazerebralen Hämatoms - zugrunde. Ursache ist in der Regel ein rupturiertes Blutgefäß. Die Subarachnoidalblutung hat als extrazerebrales Hämatom eine Sonderstellung. Dabei rupturiert ein Gefäß im Subarachnoidalraum und komprimiert das Hirngewebe von außen.

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Ursachen und Risikofaktoren

Ein Schlaganfall wird in mehr als 80% der Fälle durch einen Verschluss einer Arterie im Gehirn ausgelöst. Seltener liegt dem Schlaganfall eine Hirnblutung durch Einriss eines Gefäßes im Gehirn zugrunde. Generell gehen 87% der Schlaganfälle zu Lasten definierter Risikofaktoren. Unterschieden wird zwischen modifizierbaren und nicht beeinflussbaren Faktoren.

Modifizierbare Risikofaktoren

In einer GBD-Studie (Global Burden of Diseases) aus dem Jahr 2021 wurden 19 Risikofaktoren für das Auftreten von Schlaganfällen benannt und gewichtet. Der Hauptrisikofaktor für Schlaganfälle ist demnach ein hoher Blutdruck, der für 80 Millionen DALYs bzw. 55,5% aller DALYs verantwortlich war.

Als weitere Risikofaktoren folgten:

  • erhöhter Body-Mass-Index (BMI) bzw. Übergewicht (24,3% aller Schlaganfall-bedingten DALYs)
  • Diabetes (20,2%)
  • Umwelt- bzw. Luftverschmutzung (20,1%)
  • Rauchen (17,6%)
  • hoher Salzkonsum (12,3%)

Andere, mit einem erhöhten Schlaganfall-Risiko assoziierte Risikofaktoren sind:

  • Bewegungsmangel
  • Hyperlipidämie
  • Vorhofflimmern
  • Stress
  • Alkoholkonsum
  • Arteriosklerose
  • Karotisstenose
  • Ovulationshemmer
  • Polyglobulie
  • Endometriose

Nicht modifizierbare Risikofaktoren

Zwei der bedeutsamsten nicht modifizierbaren Risikofaktoren für einen Schlaganfall sind das Alter und das Geschlecht. Die meisten apoplektischen Insulte betreffen Menschen über 60 Jahre. Zudem haben Frauen ein höheres Schlaganfall-Risiko als Männer. Genetische Faktoren haben einen wichtigen Einfluss auf das Schlaganfallrisiko. Bis jetzt wurden 89 Schlaganfall-Risikogene ermittelt. Dazu gehören Gene, die für den Stoffwechsel von Lipiden, die Blutdruckregulation und Gerinnungsfaktoren verantwortlich sind. Die Risikogene korrelieren mit der Herkunft der PatientInnen und der Art des Schlaganfalls (ischämisch/hämorrhagisch).

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Symptome und Diagnose

Ausfallserscheinungen durch einen Schlaganfall beginnen meist plötzlich, innerhalb von Sekunden bis Minuten. Typische Anzeichen des Schlaganfalls sind (einzeln oder in Kombination):

  • Plötzlich einsetzende Schwäche oder ein Gefühl von Taubheit auf einer Körperseite (vollständig oder teilweise)
  • Plötzlich einsetzende Gesichtslähmung wie z.B. hängende Mundwinkel
  • Unverständliche oder undeutliche Sprache
  • Sehstörungen wie z.B. Blindheit auf einem Auge, halbseitige Sehstörungen, Doppeltsehen
  • Plötzliche sehr starke Kopfschmerzen

Bei Verdacht auf einen Schlaganfall muss für die anschließende Therapie herausgefunden werden, ob es sich um eine Blutung oder einen Verschluss handelt. Diese Unterscheidung ist am besten mit einer kranialen Computertomographie (cCT) möglich. Weitere diagnostische Möglichkeit ist die kraniale Magnetresonanztomographie. Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine Schnitt-Bildgebung des Kopfes.

Therapie

Patienten werden auf einer Spezialstation, der Stroke Unit, behandelt. Als Erstes steht die Wiederherstellung der Durchblutung des Gehirns im Vordergrund. Hierfür wird sich einer Lyse-Therapie bedient. Mit bestimmten Substanzen, bevorzugt mit dem rekombinanten Gewebsplasminogenaktivator rtPA, wird das Blutgerinsel aufgelöst. Für diese Methode ist ein Zeitfenster von maximal 4,5 Stunden nach Eintritt des Schlaganfalls vorgesehen. Nach diesem Zeitfenster ist eine Lyse-Therapie nicht mehr sinnvoll. Sollte ein großes hirnversorgendes Gefäß verschlossen sein, kann auch eine mechanische Rekanalisation erfolgen.

Prognose und Rehabilitation

Der Krankheitsverlauf und die Chancen auf eine Heilung hängen beim Schlaganfall in erster Linie vom Ort und der Größe der dauerhaften Hirnschädigungen ab. Je älter Patienten sind, und je schwerer die Behinderungen nach dem Schlaganfall, desto schlechter ist die Prognose. Jüngere Patienten haben bessere Chancen, dass sich die eingetretenen Behinderungen weitgehend zurückbilden. An einen Krankenhausaufenthalt schließt sich in den meisten Fällen eine Rehabilitation nach Schlaganfall an. Ziel der Rehabilitation ist es mit bleibenden Beeinträchtigungen zu leben und sich damit im Alltag zurechtzufinden.

Prävention

Die besten Tipps zur Prävention eines Schlaganfalls sind letztendlich immer die Vermeidung von Risikofaktoren. Das heißt: Maßnahmen, die effektiv einem Bluthochdruck, Übergewicht, Bewegungsmangel und letzten Endes auch Diabetes vorbeugen und verhindern. Dazu gehört im ersten Schritt, dass man sich vernünftig ernährt, das heißt eine balancierte, ausgewogene zum Beispiel mediterrane Diät zu sich führt. Und natürlich ist ausreichende Bewegung sehr wichtig. Wenn Risikofaktoren wie Diabetes oder Bluthochdruck vorliegen, sollte man die natürlich auch behandeln.

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