Die Nervenwurzelentzündung, auch Radikulopathie genannt, ist eine Reizung der spinalen Nervenwurzeln, die aus dem Rückenmarkskanal austreten. Je nach Lokalisation dieser Wurzeln spricht man von einer zervikalen, lumbalen oder thorakalen Nervenwurzelreizung. Die häufigste Ursache ist ein Druckschaden, der durch arthrotisch bedingte Verknöcherung des Zwischenwirbellochs, eine Verschiebung der Wirbelkörper oder eine Bandscheibenvorwölbung verursacht wird.
Was ist eine Nervenwurzelentzündung?
Die Nervenwurzelentzündung, medizinisch als Radikulopathie bekannt (von lateinisch "radicula" = kleine Wurzel und griechisch "pathia" = Erkrankung), bezeichnet eine Reizung der spinalen Nervenwurzeln, die aus dem Rückenmarkskanal austreten. Diese Nervenwurzeln entstehen durch die Vereinigung von sensiblen (hinteren) und motorischen (vorderen) Nervenfasern auf Höhe der Wirbelkörperzwischenräume, jeweils links und rechts.
Lokalisation der Nervenwurzelreizung
Je nach dem Ort, an dem die Nervenwurzeln gereizt sind, unterscheidet man:
- Zervikale Nervenwurzelreizung: Betrifft den Bereich der Halswirbelsäule.
- Lumbale Nervenwurzelreizung: Betrifft den Bereich der Lendenwirbelsäule.
- Thorakale Nervenwurzelreizung: Betrifft den Bereich der Brustwirbelsäule (weniger häufig).
Ursachen der Nervenwurzelreizung
Die häufigste Ursache für eine Nervenwurzelreizung ist ein Druckschaden, der durch verschiedene Faktoren verursacht werden kann:
- Arthrotisch bedingte Verknöcherung des Zwischenwirbellochs (Foramen intervertebrale): Dies ist der Bereich, durch den der Spinalnerv aus dem Rückenmarkkanal austritt.
- Verschiebung der Wirbelkörper: Eine Verschiebung kann Druck auf die Nervenwurzel ausüben.
- Bandscheibenvorwölbung: Eine Vorwölbung der Bandscheibe kann ebenfalls auf die Nervenwurzel drücken.
- Kombination mehrerer Ursachen: Es ist möglich, dass mehrere Faktoren gleichzeitig vorliegen und zur Reizung beitragen.
Symptome der Nervenwurzelentzündung
Die Symptome einer Nervenwurzelentzündung variieren je nach Lokalisation der Reizung.
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Zervikale Nervenwurzelentzündung
Bei einer zervikalen Nervenwurzelentzündung sind die Beschwerden im Bereich der Arme lokalisiert. Die Symptome können einseitig, beidseitig oder wechselnd auftreten, je nachdem, welche Nervenwurzeln betroffen sind. Mögliche Symptome sind:
- Schmerzen: Können von leicht bis stark variieren.
- Gefühlsstörungen: Kribbeln, Taubheitsgefühle oder ein brennendes Gefühl.
- Muskelschwächen (Lähmungen): In schweren Fällen kann es zu Muskelschwächen oder sogar Lähmungen kommen.
Durch eine Untersuchung wird abgeklärt, welche Bereiche betroffen sind (Finger, Unterarm, Oberarm).
Lumbale Nervenwurzelreizung
Bei einer lumbalen Nervenwurzelreizung sind die Symptome im Bereich der Beine ähnlich wie im Bereich der Arme. Jede Nervenwurzel versorgt bestimmte Körperareale mit Gefühl und Muskelkraft. Für den Bereich der Haut spricht man von Dermatomen, im Bereich der Muskeln von Myotomen.
- Schmerzen: Können in das Bein ausstrahlen.
- Gefühlsstörungen: Kribbeln, Taubheitsgefühle oder ein brennendes Gefühl.
- Muskelschwächen (Lähmungen): In schweren Fällen kann es zu Muskelschwächen oder sogar Lähmungen kommen.
Durch eine Untersuchung der Hautbereiche mit Gefühlsstörungen und der Muskeln mit Schwäche kann festgestellt werden, welche Nervenwurzeln betroffen sind.
Diagnose der Nervenwurzelentzündung
Die Diagnose einer Nervenwurzelentzündung umfasst mehrere Schritte:
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- Anamnese: Der Arzt befragt den Patienten ausführlich zu seinen Beschwerden, deren Beginn, Dauer und Verlauf.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Reflexe, Muskelkraft, Empfindung und Bewegungsumfang. Durch die Untersuchung der Hautbereiche mit Gefühlsstörungen und der Muskeln mit Schwäche kann festgestellt werden, welche Nervenwurzeln betroffen sind.
- Bildgebende Verfahren:
- Röntgen: Zur Beurteilung der knöchernen Strukturen der Wirbelsäule.
- Kernspintomographie (MRT): Zur Darstellung von Weichteilgewebe wie Bandscheiben, Nervenwurzeln und Rückenmark.
- Neurologische Untersuchung: Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, um die Funktion der Nerven zu überprüfen.
Behandlung der Nervenwurzelentzündung
Die Behandlung einer Nervenwurzelentzündung zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Entzündung zu reduzieren und die Funktion der betroffenen Nerven wiederherzustellen.
Konservative Behandlung
Die Nervenwurzelreizung, verursacht durch eine Kompression der Nervenwurzel an der Wirbelsäule, wird am Anfang konservativ behandelt. Dies umfasst in der Regel:
- Schmerzmittel: Zur Linderung der Schmerzen. Hier kommen zum Beispiel Antidepressiva oder Opioide zum Einsatz.
- Entzündungshemmende Medikamente: Zur Reduzierung der Entzündung.
- Physiotherapie: Nach der konservativen Behandlung kann dann relativ zügig eine Physiotherapie durchgeführt werden. Hierbei kommt eine manuelle Therapie mit vorsichtigen Traktionen zum Einsatz. Faktoren, die eine Nervenwurzelreizung auslösen können, wie zum Beispiel überwiegend sitzende Tätigkeiten, Übergewicht und Fehlbelastungen durch mangelhafte Rückenmuskulatur usw.
- Weitere Maßnahmen: Faktoren, die eine Nervenwurzelreizung auslösen können, wie zum Beispiel überwiegend sitzende Tätigkeiten, Übergewicht und Fehlbelastungen durch mangelhafte Rückenmuskulatur usw.
Operative Behandlung
Bei Therapieresistenz oder Auftreten von Lähmungen müssen weitere diagnostische Maßnahmen wie Kernspintomographien eingesetzt werden, um abzuklären, ob nicht doch eine operative Behandlung ansteht. Im Fall einer knöchernen Einengung besteht die Behandlung im Bereich der Lendenwirbelsäule aus einer mikrochirurgischen (mit dem OP-Mikroskop) Entlastung des Nervenkanals. Im Bereich der Halswirbelsäule, da meistens in diesem Bereich von vorne operiert wird, muss zuerst die Bandscheibe entfernt werden, um an den Nervenkanal zu kommen.
Sport und Bewegung bei Nervenwurzelentzündung
Die Rolle von Sport und Bewegung bei einer Nervenwurzelentzündung ist komplex und hängt von der Ursache, dem Schweregrad der Erkrankung und dem individuellen Zustand des Patienten ab. Generell gilt:
- Bewegung ist wichtig: Bewegungsmangel kann die Beschwerden verschlimmern, da er zu Verspannungen und einer Degeneration der Gelenke führen kann.
- Die richtige Sportart wählen: Sportarten, die die Wirbelsäule schonen, sind empfehlenswert. Dazu gehören Radfahren, Schwimmen, Spazierengehen und Walken.
- Belastung vermeiden: Sportarten mit abrupten Stoppbewegungen oder Stauchungen sollten vermieden werden.
- Aufwärmen: Vor dem Sport sollte man sich ausreichend aufwärmen, insbesondere den Hüftbeuger.
- Körperhaltung beachten: Auf eine gute Körperhaltung achten, um Fehlbelastungen zu vermeiden.
- Anpassen des Trainings: Das Training sollte so angepasst werden, dass es möglichst schmerzfrei absolviert werden kann.
- Ergänzende Übungen: Korrigierende Übungen können helfen, Verspannungen zu lösen und die Wirbelsäule zu stabilisieren.
- Bei akuten Schmerzen: Bei akuten Schmerzen sollte man den Rücken entlasten und Sport vermeiden.
Empfohlene Übungen
- Dehnübungen:
- Seitliche Rumpfbeuge: Stehend, mit den Händen in die Seite gestützt, langsam nach links und rechts beugen, bis man eine leichte Spannung spürt.
- Sitzende Dehnung: Auf einer Matte sitzen, die Beine ausstrecken und dann die gestreckten Beine parallel leicht nach oben heben.
- Liegende Dehnung: Auf den Rücken legen, das linke Bein aufstellen, nach links rollen und mit dem Oberkörper versuchen, sich auf die entgegengesetzte Seite zu drehen.
- Kräftigende Übungen:
- Beinheben im Stehen: Hinstellen und das Bein hochziehen, um zu versuchen, die gegenüberliegende nach vorne gehaltene Hand mit dem Knie zu erreichen.
- Bauchlage mit Oberkörperheben: Auf einer Matte auf den Bauch legen, die Arme hinter dem Kopf verschränken und dann mit der Rückenmuskulatur den Oberkörper einige cm vom Boden abheben und halten.
- Bauchlage mit Arm- und Beinheben: Auf den Bauch legen, die Arme nach vorne und die Beine nach hinten strecken. Dann den rechten Arm und das linke Bein parallel leicht anheben.
- Faszienrolle: Mithilfe einer Blackroll kann man vor allem verklebte Faszien lockern.
Übungen, die vermieden werden sollten
- Übungen, die schnell und reißend durchgeführt werden.
- Übungen mit Gewichten oder in Kraftgeräten.
- Übungen, die ohne vorheriges Aufwärmen durchgeführt werden.
Weitere Ursachen für Nervenschmerzen
Eine Nervenentzündung (Neuritis) kann grundsätzlich alle Nerven im Körper betreffen, sodass Nervenschmerzen prinzipiell in jeder Region des Körpers denkbar sind. Die Ursachen für Nervenschmerzen sind vielfältig und können unter anderem sein:
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- Infektionen: Verschiedene Erreger wie Viren oder Bakterien können Nervenentzündungen verursachen.
- Medikamente: Einige Medikamente können als Nebenwirkung Nervenschädigungen verursachen.
- Erkrankungen: Bestimmte Erkrankungen wie Diabetes oder Multiple Sklerose können Nervenschäden verursachen.
- Alkoholmissbrauch: Übermäßiger Alkoholkonsum kann Nervenzellen schädigen.
- Mechanischer Druck: Druck auf einen Nerv, z.B. durch einen Bandscheibenvorfall, Tumoren oder das Karpaltunnelsyndrom, kann zu einer Entzündung führen.
- Verletzungen: Schnittverletzungen, starke Überdehnung oder Knochenbrüche können Nerven schädigen.
Vorbeugung von Nervenentzündungen
Um Nervenentzündungen und damit verbundenen Schmerzen vorzubeugen, sollten Sie in erster Linie auf eine gesunde Lebensweise achten. Das heißt:
- Stress vermeiden: Stress kann sich negativ auf die Nerven auswirken. Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga können helfen, Stress abzubauen.
- Alkohol in Maßen: Übermäßiger Alkoholkonsum kann Nervenzellen schädigen.
- Ausreichend Erholung und Schlaf: Ausreichend Schlaf ist wichtig für die Regeneration der Nerven.
- Regelmäßig Sport treiben: Regelmäßiger Sport kann helfen, Stress abzubauen und die Durchblutung zu fördern.
- Ernährung: Eine Ernährung mit vielen Vitaminen, Rohkost, Obst sowie Milchprodukte und wenig Fleisch kann helfen, einen Vitaminmangel vorzubeugen.