Japanische Enzephalitis Impfung: Schutz vor einer gefährlichen Viruserkrankung

Die Japanische Enzephalitis (JE) ist eine durch Mücken übertragene Viruserkrankung, die das Gehirn betrifft. In schweren Fällen kann sie bleibende Schäden verursachen oder sogar zum Tod führen. Das Virus ist besonders in ländlichen Gebieten Asiens verbreitet, vor allem während der Regenzeit. Die Impfung gegen Japanische Enzephalitis ist die wichtigste Maßnahme zur Vermeidung einer Infektion.

Was ist Japanische Enzephalitis?

Die Japanische Enzephalitis ist eine schwere Virusinfektion, die über Culex-Arten (Moskitos) von Haustieren (Wasservögel oder Schweine) auf den Menschen übertragen wird. Es handelt sich um eine Infektionskrankheit, die durch Stechmücken übertragen wird, wobei das Virus in seltenen Fällen eine Entzündung des Gehirns, eine sogenannte Enzephalitis, auslösen kann. Das Virus ist mittlerweile auch in Gebieten wie dem äußersten Südosten Russlands, Teilen Australiens oder auf der Pazifikinsel Guam aktiv. Genauere Informationen zu JEV-Risikogebieten stellt unter anderem das Robert Koch-Institut bereit. Schätzungen zufolge treten in den Risikogebieten jährlich rund 67.900 Fälle mit Krankheitssymptomen auf. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) könnte die Dunkelziffer, also nicht gemeldete Fälle, aber um das Zehnfache höher sein.

Symptome der Japanischen Enzephalitis

Die meisten Menschen, die sich mit dem JE-Virus angesteckt haben, bleiben symptomfrei oder haben nur leichte, grippeähnliche Beschwerden. In den meisten Fällen gelingt es dem Immunsystem, die Erreger so weit abzuwehren, dass sie nicht die Blut-Hirn-Schranke überwinden können. Weniger als ein Prozent aller Infizierten entwickeln neurologische Symptome, die auf eine Gehirnbeteiligung hinweisen.

Die Symptome der Japanischen Enzephalitis zeigen sich nicht direkt nach der Infektion, sondern erst nach einer Inkubationszeit von 5 bis 15 Tagen. Die Erkrankung beginnt meist mit grippeähnlichen Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen. Nach einigen Tagen treten dann psychische Veränderungen und neurologische Beschwerden auf, unter anderem:

  • Meningismus (Nackensteifigkeit)
  • Verwirrtheit
  • Verhaltensauffälligkeiten
  • Bewusstseinsstörungen
  • Zittern und Muskelsteifigkeit
  • Lähmungen
  • Krampfanfälle

Etwa ein Viertel der von der Enzephalitis betroffenen Menschen stirbt an der Erkrankung. Von den Überlebenden leiden 30 bis 50 Prozent auch nach überstandener akuter Erkrankung noch an langfristigen neurologischen oder psychischen Folgen wie:

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  • motorischen Defiziten
  • kognitiven und sprachlichen Defiziten
  • wiederkehrenden Krampfanfällen

Diagnose und Behandlung

Besteht der Verdacht auf eine Japanische Enzephalitis, kann die Diagnose durch den Nachweis von Antikörpern im Liquor (Hirnwasser) oder Blut erfolgen. Spezifische Antikörper deuten auf eine JEV-Infektion oder auf eine bereits erfolgte Impfung hin. Finden sich Antikörper im Liquor, spricht das für eine kürzliche Infektion des zentralen Nervensystems.

Auch eine Virus-Isolierung oder der Nachweis von Virus-RNA aus Liquor oder Blut eignen sich als Diagnosemöglichkeiten. Diese Tests liefern aber trotz bestehender Infektion nicht immer positive Befunde. Grund hierfür ist, dass charakteristische Symptome in der Regel erst nach mehreren Tagen auftreten. Dann liegt meist bereits eine hohe Konzentration neutralisierender Antikörper vor, die in Kombination mit der mittlerweile rückläufigen Viruslast den Nachweis erschwert.

Gegen die Japanische Enzephalitis gibt es keine spezifischen Medikamente. Die Behandlung konzentriert sich daher auf folgende Aspekte:

  • Überwachung des Hirndrucks
  • Maßnahmen zur Aufrechterhaltung einer zerebralen Durchblutung
  • frühzeitiges Eingreifen bei drohenden Krampfanfällen
  • Vorbeugung von Komplikationen
  • Linderung der Symptome durch Schmerzmittel

Zudem sind Ruhe und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig.

Impfung gegen Japanische Enzephalitis

Die Impfung gegen Japanische Enzephalitis ist die wichtigste Maßnahme zur Vermeidung einer Infektion. Seit April 2009 ist ein Impfstoff in der Europäischen Union und seit Sommer 2010 auch in der Schweiz zugelassen. Für die Impfung gegen Japanische Enzephalitis steht der in Europa zugelassene Impfstoff IXIARO® zur Verfügung.

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Für wen wird die Impfung empfohlen?

Eine Impfung wird Personen empfohlen, die sich über einen längeren Zeitraum in Endemiegebieten aufhalten (Südost-Asien, weite Teile von Indien, Korea, Japan, China, West-Pazifik, Nordaustralien), vor allem während der Übertragungszeit. Sinnvoll erscheint die Impfung laut jüngsten Angaben der Ständigen Impfkommission vom August 2020 vor allem bei Aufenthalten in den Endemiegebieten Südostasiens, Indien, Korea, Japan, China und im West-Pazifik sowie Nordaustralien.

Auch Menschen mit engem Kontakt zu Tieren (z. B. Landwirte) und Labormitarbeiter, die mit vermehrungsfähigen JEV-Wildtypstämmen arbeiten, sollten sich impfen lassen.

Wichtig für die Entscheidung ist außerdem das Alter der reisenden Person, wie lange sie sich im Endemiegebiet aufhalten möchte, in welcher Jahreszeit die Reise stattfindet und um welche Reiseroute es sich handelt. Bei einer kurzen Städtetour ist die Gefahr einer Infektion beispielsweise geringer als bei einem mehrwöchigen Aufenthalt auf dem Land. Auf dem Land ist die Infektionsgefahr höher, weil dort Schweine gehalten werden und Wildvögel leben. Sie sind Wirte beziehungsweise das natürliche Reservoir des Virus. Eine Impfung schützt Sie davor.

Impfschema und Ablauf

Der Impfstoff enthält komplette, abgetötete Japanische-Enzephalitis-Viren zur intramuskulären Injektion. Die Grundimmunisierung besteht für alle Altersklassen aus zwei Impfstoffdosen, die Auffrischungsimpfung erfolgt mit einer Impfstoffdosis. Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Impfungen im Abstand von 28 Tagen. Für kurzfristige Reisen ist ein Schnellimpfschema möglich: zwei Impfungen im Abstand von 7 Tagen.

  • Für Patienten ab 3 Jahre: Das Impfschema besteht aus 2 Dosen (je 0,5 ml) im Abstand von 4 Wochen.
  • Für die Altersklasse 2 Monate bis 3 Jahre: Bitte die Fachinformation beachten. 2 Impfstoffdosen mit 0,25 ml im Abstand von 4 Wochen, ab dem 3. Lebensjahr sind es 0,5 ml im Abstand von 4 Wochen.
  • Erwachsene: 2 Impfungen mit 0,5 ml Impfstoff im Abstand von 4 Wochen. Ersatzweise kann der Abstand bei Personen im Alter von 28 bis 65 Jahren auch auf eine Woche verkürzt werden.

Eine Auffrischimpfung (dritte Dosis) sollte innerhalb von 12-24 Monaten nach der Grundimmunisierung erfolgen. Personen, die dem Risiko einer JE-Infektion dauerhaft ausgesetzt sind (Labormitarbeiter oder Personen, die sich langfristig in einem Endemiegebiet aufhalten), sollten eine Auffrischimpfung 12 Monate nach der empfohlenen Grundimmunisierung erhalten. Falls erneutes Expositionsrisiko besteht ist eine weitere Auffrischimpfung nach 10 Jahren zu bedenken.

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Bei einem entsprechenden Infektionsrisiko empfiehlt das RKI eine erste Auffrischung frühestens nach 12 Monaten, danach frühestens alle 10 Jahre. Menschen, die wiederholt in Endemiegebiete reisen, wird ein bis zwei Jahre nach der Grundimmunisierung eine Auffrischungsimpfung empfohlen. Wer langjährig oder nach vielen Jahren erneut in Endemiegebiete reist, sollte zehn Jahre nach der ersten Auffrischung eine zweite Auffrischungsimpfung erhalten.

Sowohl beim Standard- als auch beim Schnellimpfschema sollte die Grundimmunisierung mindestens eine Woche vor Reiseantritt abgeschlossen sein.

Schutzdauer und Wirksamkeit

Vier Wochen nach der 2. Impfdosis betrug die Serokonversionsrate in den Zulassungsstudien 96,4 % (bei Personen ab 65 Jahren jedoch nur ca. 65%), nach 6 Monaten waren es noch ca. 95 % und nach 12 Monaten 83 %. Die Schutzdauer ist noch nicht bekannt, die Ergebnisse von Studien zur Bestimmung des Zeitpunkts und der Wirkung weiterer Auffrischimpfungen müssen abgewartet werden.

Mögliche Nebenwirkungen

Die Impfung ist in der Regel gut verträglich. Passagere, leichte lokale und systemische Erscheinungen (und somit mögliche Nebenwirkungen der Impfung) wie Kopfschmerzen und Temperaturerhöhung sind in den ersten Tagen nach den Impfungen relativ häufig (ca. 20 %), ohne weitere Zunahme bei den nachfolgenden Impfdosen.

Erwachsene:

  • Sehr häufige Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Myalgie, Reaktionen an der Injektionsstelle wie Schmerzen und Druckgefühl, Müdigkeit.
  • Häufige Nebenwirkungen: Nausea, grippeähnliche Beschwerden, Fieber, Reaktionen an der Injektionsstelle wie Rötung, Verhärtung, Schwellung und Juckreiz.
  • Gelegentliche Nebenwirkungen: Lymphadenopathie, Vertigo, Migräne, Schwindelgefühl, Dyspnoe, Emesis, Diarrhoe, Abdominalschmerzen, Ausschlag, Pruritus, Hyperhidrose, muskuloskelettale Steifigkeit, Arthralgie, Schüttelfrost, Unwohlsein, Asthenie, erhöhte Leberenzymwerte.
  • Seltene Nebenwirkungen: Thrombozytopenie, Parästhesie, Neuritis, Dysgeusie, Augenlidödem, Palpitationen, Tachykardie, Urtikaria, Erythem, Schmerzen in einer Extremität.

Kinder:

  • Nebenwirkungen ohne Häufigkeitsangabe: Lymphadenopathie, Inappetenz, Kopfschmerzen, Husten, Diarrhoe, Nausea und Emesis, Abdominalschmerzen, Hautausschlag, Myalgie, Fieber, grippale Symptome, erhöhte Reizbarkeit, Müdigkeit, Reaktionen und Symptome an der Injektionsstelle wie Rötungen, Schmerzen, Druckgefühl, Schwellungen, Verhärtungen und Pruritus, Anstieg der Leberenzymwerte.

Kontraindikationen (Impfverbote)

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, sonstige Bestandteile oder gegen die herstellungsbedingten Verunreinigungen Protaminsulfat, Formaldehyd, Rinderserumalbumin, Wirtszell-DNA, Natriummetabisulfit und Wirtszellproteine.
  • Überempfindlichkeitsreaktionen nach der ersten Impfung
  • akute ernsthafte, fieberhafte Infektionen.
  • Der Impfstoff darf unter keinen Umständen intravaskulär verabreicht werden.

Impfstoff

In Europa und den USA wird vor allem ein neuerer Totimpfstoff verwendet. Das Präparat mit dem Handelsnamen IXIARO gilt im Vergleich mit älteren Seren als besser verträglich, weil es weniger allergen ist. Der Impfstoff wird in die Muskulatur von Oberarm oder Oberschenkel injiziert. Er enthält inaktivierte Japanische Enzephalitis-Viren (VERO-Zellen), Stamm SA 14-14-2.

Kostenübernahme

Reiseschutzimpfungen sind in der Regel keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Sie tragen die Kosten dafür also zunächst selbst. Reiseschutzimpfungen wie die gegen die Japanische Enzephalitis sind bei touristischen Reisen keine Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen. Sie übernehmen die Kosten aber, wenn der Auslandsaufenthalt beruflich bedingt ist und die Kriterien der Schutzimpfungsrichtlinie erfüllt sind. Sofern Sie Fragen zu einer Kostenübernahme haben (beispielsweise zu den beruflich bedingten Indikationen), wenden Sie sich bitte vor Durchführung der Schutzimpfung an Ihre Krankenkasse.

Weitere Schutzmaßnahmen

Neben der Impfung gibt es weitere Maßnahmen, um sich vor Mückenstichen und somit vor einer Infektion mit der Japanischen Enzephalitis zu schützen:

  • Moskitonetze an den Fenstern und über dem Bett
  • Mückenschutzmittel
  • geschlossene Kleidung wie lange Hosen und Hemden. Die Kleidung sollte hell sein, weil dunkle Farben Mücken anziehen.

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