Die Diagnose Hirntumor stellte das Leben des Handball-Nationalspielers Jens Tiedtke auf den Kopf. Dieser Artikel beleuchtet seine Krankheitsgeschichte, die Behandlungen und sein beeindruckendes Comeback.
Die Schockdiagnose
Im Jahr 2006 erhielt Jens Tiedtke, damals Handball-Nationalspieler beim TV Großwallstadt, eine niederschmetternde Diagnose: Hirntumor. Bei einer Kernspintomographie wurde die Geschwulst entdeckt. Die Nachricht schockierte die gesamte TVG-Familie. Großwallstadt-Trainer Michael Roth sicherte Tiedtke die volle Unterstützung des Vereins zu: „Die gesamte TVG-Familie wird Jens nun mehr denn je zur Seite stehen. Wir müssen und werden ganz eng zusammenrücken, um Jens im Team die nötige Unterstützung und Kraft zukommen zu lassen.“
Zwei Neurochirurgen, die Tiedtke untersuchten, gingen übereinstimmend „von einem großen gutartigen Tumor aus“. In den nächsten Tagen sollte über den Zeitpunkt und das Ausmaß der Behandlung entschieden werden. Großwallstadt-Vorstand Georg Ballmann zeigte sich optimistisch: „Wir gehen davon aus, dass unser Jens wieder vollkommen gesund wird. Sein Heilungsprozess steht jetzt absolut im Vordergrund. Wir werden ihm die nötige Zeit und Unterstützung dafür geben, die er braucht.“
Operation und Rehabilitation
Nach intensiven Voruntersuchungen wurde Jens Tiedtke erfolgreich an seinem Hirntumor operiert. Der Eingriff fand im Universitätsklinikum in Frankfurt/Main statt und dauerte acht Stunden. Die leitenden Neurochirurgen bezeichneten die Operation als "Erfolg". Der 27-jährige Nationalspieler überstand den Eingriff sehr gut.
Bereits in Absprache mit seinen Ärzten schmiedete Tiedtke Pläne für die Rehabilitation. Er rechnete damit, in etwa zwei Wochen mit dem Lauftraining beginnen zu können und in etwa drei Monaten in die Bundesliga zurückzukehren.
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Solidarität und Unterstützung
Die Diagnose und die Operation lösten eine Welle der Solidarität aus. Die Ultras Flensburg starteten eine Sammelaktion für den an Krebs erkrankten Jens Tiedtke. Sie erinnerten sich an die Saison 2004/2005, als Christian Berge an Krebs erkrankte und viel Unterstützung aus der Handballwelt erhielt. Die Ultras wollten etwas davon zurückgeben.
Auch wenn einige die Notwendigkeit einer solchen Sammelaktion in Frage stellten, da Tiedtke während seiner Genesungszeit weiterhin Gehalt vom TV Großwallstadt oder der Berufsgenossenschaft beziehen würde, betonten die Ultras, dass es sich um einen symbolischen Akt handele. Jens Tiedtke sollte selbst entscheiden, was mit dem Geld passiert.
Das Comeback
Trotz der schweren Erkrankung kämpfte sich Jens Tiedtke zurück in den Handball. Nach der riskanten Operation musste er lernen, in kleinen Schritten den Weg zurück ins Leben zu finden. Laufen, Fahrrad fahren - alles langsam, bei Puls 120. Positive Gedanken, aber auch Zweifel begleiteten ihn.
Doch er kämpfte weiter, unterstützt von seiner Freundin Nadja. Mit Erfolg. Er spielte die WM. "Ich gehe lockerer an Dinge heran. Ich weiß, wie schnell es vorbei sein kann. Wer fragt nach Spielen und Toren, wenn du in der Kiste liegst?", sagte Tiedtke.
Das frühe Ende
Der ehemalige deutsche Handball-Nationalspieler Jens "Tito" Tiedtke starb wenige Tage vor seinem Geburtstag im Alter von nur 39 Jahren nach schwerer Krankheit. Das erklärte sein ehemaliger Verein TV Großwallstadt. Man verliere "nicht nur ein Aushängeschild des TVG und einen außergewöhnlich erfolgreichen Handballer, sondern vielmehr einen ganz besonderen und einzigartigen Menschen", hieß es in dem Eintrag weiter. Bereits 2006 war bei einer Untersuchung ein Hirntumor bei Tiedtke gefunden worden, der durch eine Operation erfolgreich entfernt werden konnte.
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Der deutsche Handball trauerte um den früheren Nationalspieler Jens Tiedtke. Wie sein ehemaliger Verein TV Großwallstadt mitteilte, ist der ehemalige Bundesligaprofi im Alter von nur 39 Jahren „nach schwerer Krankheit verstorben“. Tiedtke, der in 64 Länderspielen 92 Tore erzielte, wäre am heutigen Donnerstag 40 Jahre alt geworden.
Hirntumore und Sport: Ein wichtiger Zusammenhang
Der Fall Jens Tiedtke lenkte die Aufmerksamkeit auch auf den Zusammenhang zwischen Hirntumoren und Sport. PD Dr. med. Dorothee Wiewrodt, Fachärztin für Neurochirurgie und Psychoonkologin, beschäftigte sich intensiv mit diesem Thema. Sie vermisste begleitende Therapieangebote für ihre Patienten und startete eine klinische Studie.
Dr. Wiewrodt leitet heute am Hirntumorzentrum am Universitätsklinikum in Münster den Schwerpunkt Psychoonkologie und bietet seit 2010 ein psychoonkologisches Gesprächsangebot an. Finanziert durch Spenden wurde im Jahr 2011 ein persönliches Trainingsprogramm dazu genommen. Sportwissenschaftler und Diplom-Trainer Ralf Brandt trainierte seitdem zahlreiche schwerkranke Patienten individuell.
Frau Dr. Wiewrodt betont: „MMH ist erst die erste Studie, die zeigt, das Hirntumor-Patienten systematisch trainierbar sind. In einem zweiten Schritt möchten wir in einer randomisiert kontrollierten Studie zeigen, welchen Einfluss das intensive Training im Vergleich zu Nicht-Trainierenden auf Lebensqualität, Gedächtnisleistung und Überlebenszeit hat.“
Vermächtnis
Jens Tiedtke hinterlässt ein Vermächtnis des Kampfgeistes und der Lebensfreude. Seine Geschichte macht Mut und zeigt, dass man auch nach einer schweren Diagnose nicht aufgeben sollte. Seine sportlichen Erfolge und sein Engagement für andere werden unvergessen bleiben. Der TV Großwallstadt würdigte Tiedtke als Vorbild und sprach seiner Familie tief empfundenes Beileid aus.
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