Joghurt, ein fermentiertes Milchprodukt, erfreut sich weltweit großer Beliebtheit. Doch neben seinem angenehmen Geschmack und seiner vielseitigen Verwendung in der Küche, rückt Joghurt zunehmend aufgrund seiner potenziellen positiven Auswirkungen auf die Gesundheit in den Fokus, insbesondere auf die Funktion unseres Gehirns. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Wirkungsweisen von Joghurt auf das Gehirn, basierend auf aktuellen Forschungsergebnissen und wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Die Darm-Hirn-Achse: Eine bidirektionale Verbindung
In den letzten Jahren hat die Forschung die enge Verbindung zwischen unserem Darm und unserem Gehirn immer deutlicher herausgestellt. Diese sogenannte Darm-Hirn-Achse beschreibt eine bidirektionale Kommunikationsstraße, über die Darmbakterien und das Gehirn in ständigem Austausch stehen. Der Darm kann über Hormone und Nervenverbindungen mit dem Gehirn kommunizieren und damit Ängste, Lernverhalten, das Verlangen nach bestimmten Stoffen (Cravings) und Gefühle mitsteuern.
Die Darmflora, auch Mikrobiom genannt, spielt dabei eine entscheidende Rolle. Sie besteht aus Billionen von Mikroorganismen, die unseren Verdauungstrakt besiedeln und eine Vielzahl von Aufgaben übernehmen. Dazu gehören die Verarbeitung der Nahrung, die Produktion von Vitaminen, Hormonen und Nervenbotenstoffen wie Serotonin, das für unsere Stimmung wichtig ist.
Joghurt als Quelle für probiotische Bakterien
Joghurt, insbesondere probiotischer Joghurt, enthält lebende Milchsäurebakterien, die eine positive Wirkung auf die Zusammensetzung und Funktion unserer Darmflora haben können. Diese Bakterien können dazu beitragen, das Gleichgewicht im Darm wiederherzustellen oder zu verbessern, was sich wiederum positiv auf die Darm-Hirn-Achse und somit auf unsere Gehirnfunktion auswirken kann.
Im Jahr 2007 bewiesen Forscher vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig die positive Wirkung von Bakterien auf den Darm. Sie experimentierten mit Mäusen, die an einer akuten Darmentzündung litten. Nach der Gabe des Bakterienstamms Escherichia coli Nissle, der auch in vielen Joghurtsorten enthalten ist, verbesserte sich der Zustand der Mäuse schlagartig. Die Zellen wurden offenbar dazu angeregt, Proteine zu bilden, die die Stabilität erhöhen.
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Joghurt bei Depressionen und Angstzuständen
Einige Studien deuten darauf hin, dass der Konsum von Joghurt, insbesondere von probiotischem Joghurt, die Stimmung verbessern und Symptome von Depressionen und Angstzuständen lindern kann. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass die im Joghurt enthaltenen Milchsäurebakterien die Produktion von Nervenbotenstoffen wie Serotonin im Darm anregen, die dann über die Darm-Hirn-Achse ins Gehirn gelangen und dort ihre stimmungsaufhellende Wirkung entfalten.
Joghurt zur Stressbewältigung
Forschende haben herausgefunden, wie ein Bakterium, das in fermentierten Lebensmitteln und Joghurt vorkommt, dem Körper bei der Stressbewältigung hilft - und möglicherweise Depressionen und Angstzuständen vorbeugt. Studien zeigen, dass Laktobazillen einer bestimmten Familie den Spiegel eines speziellen Immun-Botenstoffes namens Interferon gamma aufrechterhalten. Dieser reguliert die Reaktion des Körpers auf Stress und trägt zum Schutz vor Depressionen bei.
Joghurt und kognitive Funktion
Es gibt auch Hinweise darauf, dass Joghurt die kognitive Funktion verbessern kann. Eine Studie der University of California in Los Angeles fand heraus, dass der regelmäßige Genuss probiotischer Joghurts bei gesunden Frauen Veränderungen in dem Teil ihres Gehirns bewirkte, der Gefühle verarbeitet. Dies deutet darauf hin, dass Joghurt möglicherweise einen Einfluss auf die Art und Weise hat, wie unser Gehirn Informationen verarbeitet und Emotionen reguliert.
Joghurt bei Alzheimer-Erkrankung
Eine europäische Forschergruppe untersuchte die Wirkung von „Fortasyn Connect“ auf Alzheimer-Patienten im Prodromalstadium. Die Hälfte der Patienten nahm die Nährstoffkombination einmal täglich in Form eines Trinkjoghurts à 125 ml zu sich, die Kontrollgruppe erhielt ein Getränk, das im Geschmack sowie in der Konsistenz und Farbe identisch war, aber keine Wirkstoffe enthielt. Die Patienten mit Nährstoffbehandlung zeigten keine statistisch signifikanten Unterschiede zu der Kontrollgruppe. Die Forscher beobachteten allerdings, dass Fortasyn Connect deutlich positive Wirkungen im Hinblick auf die alltäglichen Herausforderungen der Patienten hatte. Die klinische Einschätzung des Schweregrades der Demenz ging mit einer 44 Prozent geringeren Verschlechterung einher. Die Wissenschaftler stufen diese Untersuchung als besonders bedeutend ein, weil sie den Krankheitsverlauf des Patienten anhand seiner Leistungen im alltäglichen Leben bewertet. Sie stellten außerdem fest, dass der Hippocampus um 26 Prozent bei den Patienten, die den Trinkjoghurt zu sich nahmen, weniger schrumpfte.
Joghurt und Parkinson
Das Problem, von dem bei Parkinson alles ausgeht, sind höchstwahrscheinlich geschädigte Mitochondrien, das sind die Kraftwerke jeder Zelle. Bei Erkrankten leisten die Mitochondrien in bestimmten Nervenzellen im Gehirn immer weniger, bis sie ihre Arbeit ganz einstellen und die Zellen absterben. Das von bestimmten Bakterien im bulgarischen Joghurt produzierte D-Laktat verhindert das offenbar ein Stück weit. Im menschlichen Körper könnte es über die Darmschleimhaut und den Blutkreislauf ins Gehirn gelangen und dort auf die angeschlagenen Mitochondrien wirken. In einem Experiment konnte gezeigt werden, dass die Substanzen dazu führen, dass die Zellkraftwerke sich wieder erholen und leistungsfähiger werden.
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Joghurt als Brainfood
Unter dem Begriff "Brainfood" versteht man nichts anderes als „Futter fürs Gehirn“. Wer also effektiv lernen möchte, sollte seinem Gehirn, neben Traubenzucker und Wasser, noch mehr Nähr- und Zusatzstoffe gönnen. Lebensmittel wie Käse, Milch und Joghurt sind reich an Calcium, das die Funktion deiner Nerven unterstützt.
Joghurt und Probiotika: Was ist zu beachten?
Joghurt ist allerdings nicht gleich Joghurt. Die Konzentration an Milchsäurebakterien ist von Marke zu Marke unterschiedlich, manche Joghurts sind sogar künstlich angereichert mit Bakterien und werden als „probiotisch“ beworben, andere enthalten kaum Mikroorganismen. Leider ist auf den Joghurts bislang nicht aufgedruckt, wie viele Milchsäurebakterien darin enthalten sind. Mit einer verzehrüblichen Portion probiotischen Joghurts nimmt man normalerweise einige Milliarden Milchsäurebakterien zu sich, normaler Joghurt enthält dagegen oft nur mehrere Hundert Millionen.
Es ist auch wichtig zu beachten, dass nicht alle Menschen gleich auf Probiotika reagieren. Einige Menschen können von einer erhöhten Zufuhr von Probiotika profitieren, während andere möglicherweise keine oder sogar negative Auswirkungen erfahren. In seltenen Fällen kann die Einnahme von Probiotika zu Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfall führen.
Joghurt und D-Laktat-Azidose
In seltenen Fällen kann der Konsum von Probiotika, einschließlich Joghurt, zu einer D-Laktat-Azidose führen, insbesondere bei Menschen mit einem Kurzdarmsyndrom oder einer Dünndarmfehlbesiedelung. Bei dieser Stoffwechselstörung reichert sich D-Laktat im Körper an, was zu neurologischen Symptomen wie Verwirrung, „Nebel im Kopf“, eingeschränkter Urteilsfähigkeit, schlechtem Kurzzeitgedächtnis und Konzentrationsstörungen führen kann.
Joghurt mit Honig: Eine gesunde Kombination
Die Kombination von Joghurt und Honig bietet mehrere gesundheitliche Vorteile, die über die Einzelwirkungen der beiden Lebensmittel deutlich hinausgehen:
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- Verbesserte probiotische Wirkung: Honig fördert das Wachstum und die Überlebensfähigkeit von probiotischen Kulturen im Joghurt, was die positiven Effekte auf die Darmgesundheit verstärken kann.
- Verbesserte antioxidative Kapazität: Die Zugabe von Honig erhöht die antioxidative Aktivität des Joghurts, was zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress beiträgt.
- Teilweise verbesserte Blutzuckerregulation: In einer Humanstudie konnte Joghurt mit Honig, insbesondere mit einem speziell präparierten Walnusshonig, den morgendlichen Blutzuckerspiegel signifikant senken.
- Teilweise antibakterielle Wirkung: Joghurt mit Honig zeigte eine verstärkte antibakterielle Aktivität gegen einige schädliche Bakterien wie Escherichia coli.
- Verbesserte sensorische Eigenschaften: Honig wirkt als funktioneller Zusatzstoff und kann die sensorischen Eigenschaften (Geschmack, Konsistenz) des Joghurts verbessern.