In unserer schnelllebigen Zeit, in der die Anforderungen im Beruf und die Verpflichtungen im Privatleben stetig steigen, suchen viele Menschen nach natürlichen Wegen, um ihre Nerven zu beruhigen und ihr seelisches Gleichgewicht wiederherzustellen. Johanniskraut, eine seit Jahrhunderten bekannte Heilpflanze, bietet hier eine vielversprechende Unterstützung.
Was ist Johanniskraut?
Das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist eine Pflanze aus der Familie der Johanniskrautgewächse (Hypericaceae). Es wächst bevorzugt an sonnigen Standorten wie Wegrändern und Wiesen und kann bis zu einem Meter hoch werden. Seinen Namen verdankt es der Tatsache, dass seine Blätter wie durchlöchert (perforiert) erscheinen, wenn man sie gegen das Licht hält, und dass es um den Johannistag (24. Juni) herum blüht.
Die traditionelle Verwendung von Johanniskraut
Schon vor 2000 Jahren wussten die Menschen um die Heilkraft des Johanniskrauts. Anfänglich wurde es vor allem äußerlich zur Wundbehandlung eingesetzt, im Mittelalter entdeckte man dann seine Wirkung auf das Gefühlsleben. Damals galt es als starkes Mittel gegen negative Gedanken und wurde als „die Sonne der Seele“ bezeichnet.
Die Inhaltsstoffe und ihre Wirkung
Die positiven Effekte des Johanniskrauts sind auf seine wertvollen Inhaltsstoffe zurückzuführen, die vor allem in den Blüten und Blättern der oberen Triebspitzen konzentriert sind. Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen gehören:
- Hypericin: Dieser Inhaltsstoff ist für die Rotfärbung verantwortlich, die beim Zerdrücken der Blütenblätter austritt. Es wirkt entspannend auf den Nervenhaushalt und hat antivirale Eigenschaften.
- Hyperforin: Dieser Inhaltsstoff beeinflusst die Neurotransmission und trägt zur antidepressiven Wirkung bei.
- Flavonoide: Diese Inhaltsstoffe wirken antioxidativ und entzündungshemmend.
- Ätherische Öle: Sie wirken äußerlich kühlend und schmerzlindernd, innerlich entfalten sie eine beruhigende Wirkung.
- Gerbstoffe: Unterstützen die Verdauung und Hautgesundheit.
Diese Inhaltsstoffe wirken synergistisch, um die stimmungsaufhellende und ausgleichende Wirkung des Johanniskrauts zu erzielen.
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Die Wirkung von Johanniskraut auf die Nerven und die Psyche
Johanniskrautpräparate zeichnen sich durch ihre zweifache Wirksamkeit aus: Sie wirken ausgleichend und gleichzeitig stimmungsaufhellend. Auf diese Weise unterstützt das Echte Johanniskraut bei einem seelischen Tief nicht nur dabei, wieder zur Ruhe zu kommen und dadurch besser zu schlafen, sondern auch dabei, zu neuer Lebensfreude und Energie zu finden.
Stimmungsaufhellende Wirkung
Die stimmungsaufhellende, aktivierende und ausgleichende Wirkung von Johanniskraut hat sich vor allem bei der Linderung von depressiven Verstimmungen bewährt. Hochdosierte Johanniskraut-Präparate werden sogar als wirksame Hilfe bei leichten bis mittelschweren Depressionen durch den Arzt verordnet. Johanniskraut kann bei folgenden Beschwerden für Besserung sorgen:
- Unruhe und Nervosität
- Konzentrationsstörungen
- Mangelnde Lebensfreude
Hochdosierte Johanniskraut-Präparate können helfen, das seelische Tief zu überwinden und wieder zu gewohnter Leichtigkeit zurückzukehren. Sie wirken stimmungsaufhellend und sorgen dadurch für mehr Elan und Lebensfreude, gleichzeitig lindern sie innere Unruhe und Anspannung. So fällt es leichter, zur Ruhe zu kommen und die Belastungen des Alltags abfallen zu lassen.
Beruhigende Wirkung
Neben seiner stimmungsaufhellenden Wirkung hat Johanniskraut auch eine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem. Es kann helfen, innere Unruhe, Nervosität und Schlafstörungen zu reduzieren. Dies ist besonders wertvoll für Menschen, die unter Stress, Burnout-Symptomen oder Angstzuständen leiden.
Weitere positive Effekte
Darüber hinaus kann Johanniskraut auch bei folgenden Beschwerden Linderung verschaffen:
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- Mentale Erschöpfungszustände
- Leichte Magen-Darm-Beschwerden
- Leichte Hautentzündungen und Wunden (äußerlich angewendet)
Johanniskraut in der modernen Medizin
In der modernen Medizin wird Johanniskraut vor allem als pflanzliches Antidepressivum bei leichten bis mittelschweren Depressionen eingesetzt. Studien haben gezeigt, dass Johanniskrautpräparate in einigen Fällen sogar eine vergleichbare Wirkung wie synthetische Antidepressiva haben können. Allerdings ist es wichtig zu beachten, dass Johanniskraut bei schweren Depressionen nicht ausreichend wirksam ist und eine ärztliche Behandlung erforderlich macht.
Johanniskraut vs. andere pflanzliche Stimmungsaufheller
Johanniskraut ist nicht die einzige Pflanze mit stimmungsaufhellender Wirkung. Hier ein Vergleich mit anderen bekannten Alternativen:
- Ashwagandha: Besonders gut gegen Stress und Angst, aber nicht direkt antidepressiv.
- Rosenwurz (Rhodiola rosea): Steigert Energie und Konzentration, wird oft bei Erschöpfung eingesetzt.
- Safran: Zeigt in Studien antidepressive Effekte, ist aber deutlich teurer als Johanniskraut.
- Baldrian & Passionsblume: Fördern Entspannung, wirken aber nicht so stark stimmungsaufhellend wie Johanniskraut.
Johanniskraut ist besonders für Menschen geeignet, die ihre Stimmung langfristig stabilisieren wollen, während andere Pflanzen oft eher kurzfristige Effekte haben.
Johanniskraut und Angstgefühle
Johanniskraut kann auch bei Angstgefühlen helfen. Es beeinflusst sowohl die serotonerge als auch die noradrenerge Neurotransmission und greift in die synaptische Kommunikation der Gamma-Amino-Buttersäure ein. Daher ist es nicht überraschend, dass Johanniskrautextrakt bei depressiven Patienten mit komorbider Angst nicht nur gute Effekte auf die depressive, sondern auch auf die ängstliche Symptomatik zeigt.
Darreichungsformen und Dosierung
Johanniskraut ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich:
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- Kapseln oder Tabletten: Für eine einfache, standardisierte Dosierung.
- Tinkturen oder Tropfen: Für eine flexible Dosierung.
- Tees: Sanfte, natürliche Aufnahme.
- Öl: Ideal für äußerliche Anwendungen bei Hautproblemen.
Die empfohlene Tagesdosis hängt von der Form des Präparats ab. Bei Johanniskraut-Extrakt (Kapseln/Tabletten) liegt sie in der Regel zwischen 300 und 900 mg pro Tag, aufgeteilt in 1-3 Dosen. Bei Johanniskraut-Tee werden 2-3 Tassen täglich empfohlen (1 Teelöffel getrocknetes Kraut pro Tasse). Johanniskraut-Öl kann äußerlich nach Bedarf angewendet werden.
Es ist wichtig, Johanniskraut-Präparate konsequent über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen einzunehmen, damit sich das innere Gleichgewicht wieder einstellen kann. Die Betroffenen finden zurück zu mehr Lebensfreude und können am Alltag wieder aktiver teilnehmen. Wie viele andere pflanzliche Arzneimittel sind Johanniskraut-Präparate gut verträglich und für eine längerfristige Anwendung über Monate hinweg geeignet. Anders als bei chemischen Antidepressiva sind keine Gewöhnungseffekte zu erwarten. Johanniskraut-Präparate verursachen tagsüber keine Sedierung oder andere Überhangeffekte.
Worauf sollte man beim Kauf achten?
Ein gutes Johanniskraut-Produkt zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:
- Standardisierte Hypericin- und Hyperforin-Gehalte für eine gesicherte Wirkung.
- Bio-Qualität ohne Pestizide und Zusatzstoffe.
- Dunkle Glasflaschen für Öle, um die Lichtempfindlichkeit zu berücksichtigen.
- Laborgeprüfte Qualität und Herkunftsnachweis.
Vorsicht geboten ist bei Johanniskraut-Zubereitungen, die in Drogeriemärkten angeboten werden. Sie sind oft sehr niedrig dosiert und/oder enthalten Johanniskraut aus China, dessen Wirksamkeit bislang nicht medizinisch erwiesen ist.
Nebenwirkungen und Wechselwirkungen
Ebenso wie chemische Antidepressiva kann Johanniskraut Nebenwirkungen hervorrufen, allerdings weniger häufig. Dennoch gibt es ernstzunehmende Warnhinweise, die Sie vor der Einnahme beachten sollten:
- Erhöhte Lichtempfindlichkeit: Johanniskraut kann eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht verursachen (photosensibilisierende Wirkung). Daher sollten besonders hellhäutige Personen auf die Anwendung von Johanniskraut verzichten beziehungsweise die Sonne meiden.
- Weitere Nebenwirkungen: Darüber hinaus sind für Johanniskraut Nebenwirkungen wie allergische Hautreaktionen, Müdigkeit, Unruhe und Magen-Darmbeschwerden beschrieben worden (allerdings selten).
- Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten: Johanniskraut hat die Eigenschaft, manche Stoffwechselprozesse in unserem Körper zu beschleunigen. Dadurch können die Wirkstoffspiegel bestimmter anderer Arzneimittel schneller abgebaut werden. Dies kann zu einer Abschwächung ihrer Wirkung führen. Dies betrifft unter anderem die Pille und andere hormonelle Verhütungsmittel, Blutverdünner, Mittel gegen Asthma, Mittel gegen Herzrhythmusstörungen, Mittel gegen erhöhte Blutfettwerte und Herzmedikamente aus der Gruppe der Digitalispräparate. Keinesfalls darf die Heilpflanze angewendet werden, wenn Sie folgende Medikamente erhalten: das Immunsystem unterdrückende Substanzen (Immunsuppressiva wie Cyclosporin), Krebsmedikamente aus der Gruppe der Zytostatika, bestimmte HIV-/Aids-Medikamente.
Wichtig: Vor der Einnahme von Johanniskraut, insbesondere in Kombination mit anderen Medikamenten, sollte unbedingt ein Arzt oder Apotheker konsultiert werden, um mögliche Wechselwirkungen abzuklären.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Wenn Sie bemerken, dass Ihre depressive Verstimmung auch durch den Einsatz von pflanzlichen Arzneimitteln oder anderen Bewältigungsstrategien nicht besser oder sogar schlimmer wird und in eine Depression münden könnte, nehmen Sie Kontakt zu Ihrem Arzt auf. Er wird mit Ihnen gemeinsam die richtige Form der Behandlung finden.
Menschen, die länger als zwei Wochen depressive Symptome an sich bemerken, sollten einen Psychiater oder Psychotherapeuten aufsuchen oder sich diesbezüglich mit dem Hausarzt besprechen. Eine Depression ist keine vorübergehende schlechte Laune und kein seelischer „Durchhänger“, sie ist eine stark beeinträchtigende Krankheit, die in sämtliche Bereiche des alltäglichen Lebens vordringt und ohne professionelle Hilfe kaum überwindbar ist.
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