Jonathan Heimes: Ein Kämpfer gegen den Hirntumor und eine Inspiration für Viele

Jonathan Heimes, von Freunden und Familie liebevoll Johnny genannt, war mehr als nur ein Name. Er war ein Symbol für Hoffnung, Stärke und unerschütterlichen Lebenswillen. Seine Geschichte ist eine von Rückschlägen und Triumphen, von Krankheit und Lebensfreude, von Verlust und bleibendem Vermächtnis. Heimes' Kampf gegen den Krebs und sein Engagement für andere Betroffene haben ihn zu einer Inspiration für viele Menschen gemacht.

Die Diagnose und der erste Kampf

Im Alter von 14 Jahren erhielt Jonathan Heimes die niederschmetternde Diagnose: ein bösartiger Hirntumor. Für den jungen, talentierten Tennisspieler bedeutete dies das abrupte Ende seiner sportlichen Träume. Doch Johnny wäre nicht Johnny, wenn er sich seinem Schicksal einfach ergeben hätte. Nach einer sechsstündigen Operation und zwei Wochen im Koma kämpfte er sich zurück ins Leben. Er musste vieles neu lernen, da seine linke Körperhälfte beeinträchtigt war. Doch sein Lebensmut und seine positive Einstellung halfen ihm, diese Herausforderungen zu meistern.

"Ich erinnere mich noch, dass wir vom ersten Arzt zunächst mal weggeschickt wurden. Ich war völlig fertig, konnte kaum noch stehen und hatte Kopfschmerzen. Aber der Arzt sagte zu meinem Vater, dass ich nur mal richtig ausschlafen sollte. Glücklicherweise sind wir dann auf Empfehlung meines Onkels noch zu einem anderen Arzt gegangen. Und der hat noch am selben Abend den Tumor entdeckt," erinnert sich Heimes.

Rückschläge und neue Ziele

So wie Johnny erkranken jedes Jahr rund 1800 Kinder neu an Krebs. Die Zahl ist seit Jahren konstant. Die Überlebenschancen haben sich aber dank des medizinischen Fortschritts immer weiter verbessert.

Fünf Jahre nach seiner ersten Diagnose schien der Krebs besiegt. Doch das Schicksal hatte andere Pläne. Mit 18 Jahren kehrte der Krebs zurück, diesmal in Form von Metastasen in der Wirbelsäule. Eine weitere Operation folgte, doch diesmal mit verheerenden Folgen: Jonathan war querschnittsgelähmt.

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Trotz dieses erneuten Rückschlags verlor Johnny nie seinen Lebensmut. Er akzeptierte seine neue Situation und suchte nach neuen Zielen. "Als mir beispielsweise gesagt wurde, dass ich nicht mehr laufen könnte, habe ich mir überlegt, was ich stattdessen machen sollte. Ich habe dann angefangen, zu schreiben. Jeder kann doch schreiben. Sogar Lothar Matthäus hat ein Buch geschrieben. Da dachte ich mir: Dann kann ich jetzt auch ein Buch schreiben", sagte er.

Er begann, seine Erfahrungen und Gedanken aufzuschreiben, und veröffentlichte schließlich zwei Bücher über seinen Kampf gegen den Krebs. Seine Bücher wurden zu einem Spiegelbild seines unbändigen Willens und seiner positiven Lebenseinstellung.

"Du musst kämpfen": Ein Lebensmotto wird zur Bewegung

Inspiriert von einer SMS seines Freundes, die ihm während seines Krankenhausaufenthalts Mut zusprach ("4:6, 4:5, 15:40. Zwei Matchbälle gegen dich. Du musst kämpfen! Es ist noch nichts verloren"), entwickelte Jonathan Heimes das Motto "Du musst kämpfen!". Dieser Satz wurde zu seinem persönlichen Leitspruch und sollte auch andere Menschen ermutigen, nicht aufzugeben.

Gemeinsam mit einem Freund startete er die Spendenaktion "Du musst kämpfen! Es ist noch nichts verloren". Bei Spielen seines Lieblingsvereins, dem SV Darmstadt 98, verkauften sie Armbändchen mit diesem Aufdruck gegen Spenden. Die Einnahmen gingen an den Verein "Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt", der Johnny während seiner Krankheit unterstützt hatte.

Die Aktion wurde zu einem großen Erfolg und erlangte schnell überregionale Bekanntheit. Sogar die Fußballnationalmannschaft trug die Armbändchen bei einem Länderspiel. Bis zu seinem Tod wurden bis zu einer Million an die Kinderkrebsstation gespendet.

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"Aber vor allem will ich durch die ganze Öffentlichkeitsarbeit ein bisschen was zurückgeben. Der Verein „Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt“ hat mich während meiner Krankheit immer unterstützt und mir Mut gegeben. Und nun möchte ich mich einfach bedanken, will mit der Aktion „Du musst kämpfen“ Gelder sammeln, damit der Verein auch anderen Menschen helfen kann", erklärte Heimes.

Im Februar 2015 gründeten Johnny und seine Freunde die gemeinnützige Gesellschaft "Du musst kämpfen", die Vereine und Projekte für eine Supportive Sporttherapie in der Krebstherapie von Kindern und Jugendlichen unterstützt.

Der SV Darmstadt 98 und das Fußballmärchen

Die Spendenaktion "Du musst kämpfen" wurde eng mit dem SV Darmstadt 98 verbunden. Die Mannschaft und die Fans identifizierten sich mit Johnnys Kampfgeist und seinem unerschütterlichen Optimismus.

In der Saison 2013/14 trugen die Spieler des SV Darmstadt 98 die "Du musst kämpfen"-Armbändchen als Zeichen der Solidarität mit Jonathan Heimes. Die Mannschaft schaffte in dieser Saison den Aufstieg in die 2. Bundesliga, was von vielen als ein kleines Fußballwunder angesehen wurde.

Ein Jahr später gelang den "Lilien" sogar der Durchmarsch in die 1. Bundesliga. Das bekannteste Bild von der Aufstiegsparty zeigt Jonathan Heimes auf der Bühne, gemeinsam mit den Spielern feiernd. Der damalige Kapitän Aytac Sulu sagte auf der Bühne: "Ohne ihn wären wir gar nicht hier. Johnny bleibt immer im Herzen von Darmstadt."

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Das Vermächtnis von Jonathan Heimes

Am 08. März 2016 verstarb Jonathan Heimes im Alter von 26 Jahren an den Folgen seiner Krebserkrankung. Sein Tod löste große Trauer aus, doch sein Vermächtnis lebt weiter.

Für seine Initiativen wird Jonathan bis heute geehrt. In der Saison 2016/17 verzichtete der Weltkonzern Merck auf seine Namensrechte für das Stadion, sodass es ein Jahr lang "Jonathan-Heimes-Stadion" hieß. Es war das erste Mal, dass ein Verein sein Stadion nach einem Fannamen umbenannte. Damit aber der Name für immer mit dem SVD verbunden bleibt, heißt die renovierte Südtribüne nun "Jonathan-Heimes-Tribüne".

Auch an seinem ersten Todestag ehrte der SV Darmstadt Johnny. Der Sponsor Software AG verzichtete am 08. März 2017 auf seine Namensrechte auf den Trikots, denn die Lilien liefen in Sonder-Trikots gegen den FSV Mainz 05 auf. Auf der Brust stand nun "DUMUSSTKÄMPFEN" und das Geld der limitierten Trikots ging teilweise an die "Du musst kämpfen GmbH".

Nun wird die Brandisstraße in Bessungen zu „Jonathan-Heimes-Straße“ umbenannt. Eine Geste, die er nur noch “von oben” mitbekommt. Aber eine Geste, die das Vermächtnis von Heimes für die ganze Stadt, aber auch für ganz Deutschland zeigen soll.

Johnny gilt bis heute als eine Symbolfigur für die Stadt, für die Mannschaft, für die Krebsstation. Dreimal wurde er von Krebs zurückgeworfen, doch er besiegte ihn jedes Mal. Sein Optimismus und sein Kämpferherz inspirierten einige. Ein Junge, der nie aufgab. Ein Junge, der anderen krebskranken Kindern half. Ein Junge, der viel zu früh gehen musste.

Begegnung mit Maximilian Beister: Zwei Kämpfer im Gespräch

Die Geschichte von Jonathan Heimes berührt viele Menschen. Auch der Fußballprofi Maximilian Beister zeigte sich tief beeindruckt von Johnnys Lebensmut und Stärke. In einem Interview sprachen die beiden über ihre persönlichen Kämpfe und Herausforderungen.

Beister, der selbst mit einer schweren Kreuzbandverletzung zu kämpfen hatte, sagte: "Natürlich relativiert sich der Kampf um mein Comeback, wenn es wie bei Johnny um den Kampf auf Leben und Tod geht. So eine Geschichte lässt einen demütig werden. Das erinnert einen daran, wie gut es uns doch eigentlich geht."

Heimes entgegnete: "Ja, das Leben ist schön, wunderschön. Das darf man nie vergessen. Und ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich auf den Moment freue, an dem mir gesagt wird, dass ich wieder gesund bin. Ich möchte wieder Alltag haben, ich möchte wieder laufen lernen. Und ich möchte wieder das Gefühl haben, einfach nur gesund zu sein. Für dieses Gefühl würde ich alles geben."

Das Gespräch zwischen Heimes und Beister verdeutlicht, dass es unterschiedliche Arten von Kämpfen gibt. Doch egal, ob es sich um eine schwere Krankheit oder eine Sportverletzung handelt, es ist wichtig, niemals aufzugeben und immer nach vorne zu schauen.

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