Oberbauchbeschwerden, auch als Dyspepsie bezeichnet, sind ein weit verbreitetes Problem. Rund 20 Prozent der Menschen in Deutschland leiden darunter, wobei Frauen etwas häufiger betroffen sind als Männer. Die Symptome können vielfältig sein und reichen von Völlegefühl und Übelkeit bis hin zu stechenden Schmerzen. Da im Oberbauch zahlreiche Organe liegen, ist es wichtig, die Ursache der Beschwerden abzuklären, um eine gezielte Behandlung einzuleiten.
Was sind Oberbauchschmerzen?
Als Oberbauch wird der Bereich zwischen Bauchnabel und Rippenbögen bezeichnet. Schmerzen in diesem Bereich können akut oder chronisch sein und werden oft von weiteren Symptomen wie Durchfall, Verstopfung, Völlegefühl oder Übelkeit begleitet. Die genaue Lage des Schmerzes kann ein Hinweis auf die mögliche Ursache sein. Fachleute teilen den Oberbauch in einen linken, mittleren und rechten Teil ein, die fließend ineinander übergehen.
Symptome von Oberbauchschmerzen
Die Art und Intensität der Oberbauchschmerzen können je nach Ursache variieren. Folgende Schmerzarten werden unterschieden:
- Somatische Schmerzen: Werden als brennend, schneidend oder stechend beschrieben, sind gut lokalisierbar und nehmen in Ruhe ab. Sie treten beispielsweise bei einer akuten Gallenblasenentzündung auf.
- Viszerale Schmerzen: Sind eher dumpf, drückend oder bohrend, schlecht lokalisierbar und verstärken sich in Ruhe. Ein unspezifisches Druckgefühl im Oberbauch, das mit Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen einhergeht, kann zum Beispiel auf ein Magengeschwür hindeuten.
- Kolikartige Schmerzen: Äußern sich krampfartig und wellenförmig. Sie entstehen, wenn sich die glatte Muskulatur von Hohlorganen rhythmisch verkrampft - beispielsweise bei einer Gallenkolik. Hierbei ist der Abfluss der Gallenwege, etwa durch Gallensteine, gestört.
Weitere mögliche Symptome bei Oberbauchschmerzen sind:
- Appetitlosigkeit
- Übelkeit und Erbrechen
- Völlegefühl
- Blähungen
- Sodbrennen
- Aufstoßen
- Mundgeruch
- Fader Geschmack im Mund
- Belegte Zunge
- Früh einsetzendes Sättigungsgefühl
- Rückenschmerzen
- Durchfall
Mögliche Ursachen für Jucken und Taubheitsgefühl am Oberbauch
Oberbauchschmerzen können vielfältige Ursachen haben. Hier eine Übersicht über einige mögliche Auslöser, geordnet nach der Lokalisation der Schmerzen:
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Schmerzen im rechten Oberbauch:
- Gallensteine: Können den Abfluss der Galle behindern und zu kolikartigen Schmerzen führen.
- Entzündungen der Gallenblase (Cholezystitis): Verursachen oft starke, stechende Schmerzen.
- Entzündungen der Leber (Hepatitis): Können mit Müdigkeit, Gelbsucht und Oberbauchschmerzen einhergehen.
- Leberzirrhose: Eine chronische Lebererkrankung, die zu Vernarbung des Lebergewebes führt.
- Lebertumor: Kann Druck auf die Leber ausüben und Schmerzen verursachen.
Schmerzen im mittleren Oberbauch:
- Magenschleimhautentzündung (Gastritis): Verursacht oft Völlegefühl, Übelkeit und Schmerzen.
- Magengeschwür (Ulcus ventriculi): Kann zu brennenden Schmerzen führen, die sich nach dem Essen verstärken.
- Refluxkrankheit (GERD): Bei der Magensäure in die Speiseröhre zurückfließt und Sodbrennen verursacht.
- Reizmagen (funktionelle Dyspepsie): Verursacht unspezifische Oberbauchbeschwerden ohne organische Ursache.
- Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis): Kann sehr starke, gürtelförmige Schmerzen verursachen.
Schmerzen im linken Oberbauch:
- Pfeiffersches Drüsenfieber (Mononukleose): Kann zu einer Vergrößerung der Milz und Schmerzen im linken Oberbauch führen.
- Milzruptur: Ein Notfall, der mit lebensbedrohlichen inneren Blutungen einhergeht.
Weitere Ursachen:
- Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Können Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall verursachen.
- Reizdarmsyndrom (IBS): Eine funktionelle Darmerkrankung, die mit Bauchschmerzen, Blähungen und Veränderungen des Stuhlgangs einhergeht.
- Fibromyalgie: Chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen, die auch den Oberbauch betreffen können.
- Herzinfarkt: Stechende, in den Oberbauch ausstrahlende Schmerzen können - besonders bei Frauen - auch ein Hinweis auf einen Herzinfarkt sein.
Juckreiz am Oberbauch
Juckreiz am Oberbauch kann ein Symptom für eine Lebererkrankung sein. Wenn sich die Gallenflüssigkeit in der Leber und schließlich auch ins Blut zurückstaut, kann ein quälender Juckreiz entstehen. Er wird durch Gallensäuren und andere Gallen-Bestandteile verursacht, die sich infolge der Stauung im Blut anhäufen und daraufhin in der Haut ablagern. Der Juckreiz ist am stärksten in den Handflächen und an den Fußsohlen, in schweren Fällen kann er auch den ganzen Körper betreffen. Häufig ist der Juckreiz nachts am beschwerlichsten.
Taubheitsgefühl am Oberbauch
Ein Taubheitsgefühl am Oberbauch kann verschiedene Ursachen haben, darunter:
- Nervenschäden: Nervenschäden können durch Verletzungen, Operationen oder Erkrankungen wie Diabetes verursacht werden.
- Einklemmung von Nerven: Nerven können durch Muskeln, Bänder oder Knochen eingeklemmt werden.
- Durchblutungsstörungen: Durchblutungsstörungen können dazu führen, dass Nerven nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden.
- Medikamente: Einige Medikamente können als Nebenwirkung Taubheitsgefühle verursachen.
- Vitaminmangel: Ein Mangel an bestimmten Vitaminen, wie z.B. Vitamin B12, kann zu neurologischen Symptomen wie Taubheitsgefühlen führen.
- Typ-A-Gastritis: Bei einer Typ-A-Gastritis produziert der Magen weniger Magensäure. Das verursacht in manchen Fällen Verdauungsbeschwerden. Außerdem hat diese Gastritis-Form einen Vitamin B12-Mangel zur Folge, der eine sogenannte perniziöse Anämie auslöst, eine spezielle Form von Blutarmut. Spezifische Symptome sind dann unter anderem: Missempfindungen (z.B. Taubheitsgefühl, Kribbeln in Armen und Beinen).
Diagnose von Oberbauchschmerzen
Die Diagnosestellung beginnt immer mit einem ausführlichen Gespräch (Anamnese), in dem die konkreten Beschwerden, die Krankheitsgeschichte, Essgewohnheiten und eventuell eingenommene Medikamente erfragt werden. Danach erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei welcher der Bauchraum abgetastet und abgehört wird.
Je nach Verdachtsdiagnose werden weitere Untersuchungen durchgeführt, wie zum Beispiel:
- Blutuntersuchungen: Zur Überprüfung der Leberwerte, Entzündungswerte und anderer Parameter.
- Stuhl- und Urinuntersuchungen: Zum Ausschluss von Infektionen oder anderen Erkrankungen.
- EKG: Zum Ausschluss von Herzproblemen.
- Ultraschalluntersuchung (Sonographie): Zur Beurteilung der Organe im Oberbauch.
- Magenspiegelung (Gastroskopie): Zur Untersuchung der Magenschleimhaut und Entnahme von Gewebeproben.
- MRT (Magnetresonanztomographie) oder CT (Computertomographie): Zur detaillierten Darstellung der Organe im Oberbauch.
- Laparoskopie: In seltenen Fällen wird eine Bauchspiegelung durchgeführt, um die Ursache der Beschwerden zu finden.
Behandlung von Oberbauchschmerzen
Die Behandlung von Oberbauchschmerzen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Einige allgemeine Maßnahmen, die bei vielen Arten von Oberbauchbeschwerden helfen können, sind:
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- Ernährungsumstellung: Vermeiden Sie fettige, stark gewürzte und blähende Speisen. Essen Sie langsam und in kleinen Portionen.
- Stressreduktion: Stress kann sich negativ auf die Verdauung auswirken. Entspannungsübungen oder Yoga können helfen, Stress abzubauen.
- Vermeidung von Alkohol, Nikotin und Koffein: Diese Substanzen können die Magenschleimhaut reizen und die Beschwerden verschlimmern.
- Medikamente: Je nach Ursache der Beschwerden können verschiedene Medikamente eingesetzt werden, wie z.B. Säurehemmer (Antazida), Antibiotika (bei einer Helicobacter pylori-Infektion) oder Schmerzmittel.
Spezifische Behandlungen für bestimmte Ursachen von Oberbauchschmerzen sind:
- Gallensteine: Können durch eine Operation (Cholezystektomie) entfernt werden.
- Magengeschwür: Wird mit Säurehemmern und Antibiotika behandelt, um die Helicobacter pylori-Infektion zu bekämpfen.
- Leberzirrhose: Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Zirrhose und kann Medikamente, Ernährungsumstellung und in schweren Fällen eine Lebertransplantation umfassen.
- Bauchspeicheldrüsenentzündung: Erfordert oft einen Krankenhausaufenthalt und eine intensive medizinische Betreuung.
Vorbeugung von Oberbauchschmerzen
Einige Maßnahmen, die helfen können, Oberbauchschmerzen vorzubeugen, sind:
- Ausgewogene Ernährung: Essen Sie viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukte. Vermeiden Sie fettige, stark gewürzte und blähende Speisen.
- Langsames Essen und ausreichendes Kauen: Dies hilft, die Verdauung zu erleichtern.
- Regelmäßige Bewegung: Bewegung fördert die Verdauung und kann Stress abbauen.
- Vermeidung von Alkohol, Nikotin und Koffein: Diese Substanzen können die Magenschleimhaut reizen und die Beschwerden verschlimmern.
- Stressmanagement: Lernen Sie, mit Stress umzugehen, z.B. durch Entspannungsübungen oder Yoga.
- Vermeidung bekannter Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Wenn Sie wissen, dass Sie bestimmte Lebensmittel nicht vertragen, sollten Sie diese meiden.
Bauchfellentzündung (Peritonitis) als Ursache von Oberbauchschmerzen
Eine Bauchfellentzündung, auch Peritonitis genannt, kann ebenfalls Oberbauchschmerzen verursachen. Sie wird oft von Bakterien infolge einer Magen-Darm-Erkrankung ausgelöst. Ursachen für die Entstehung einer Bauchfellentzündung können unterschiedlichster Natur sein.
Ursachen der Bauchfellentzündung
- Primäre Bauchfellentzündung (Durchwanderungsperitonitis): Hier dringen die auslösenden Keime durch die Wände des Darmes und lösen die Bauchfellentzündung aus.
- Sekundäre Bauchfellentzündung: Kommt vor allem im Zusammenhang mit Magengeschwüren, Blinddarm- und Gallenblasenentzündungen vor.
- Chemisch toxische Auslöser: In diesem Fall gelangen zum Beispiel Galle oder Blut in die Bauchhöhle, meist im Zusammenhang mit Organerkrankungen.
Symptome der Bauchfellentzündung
- Bauchschmerzen: Oft sehr intensiv.
- Abwehrspannung: Die Bauchmuskulatur spannt sich reflektorisch an.
- Aufgeblähter Bauch: Die Bauchdecke kann vorgewölbt sein.
- Fieber und Schüttelfrost: Der Körper versucht, die Infektion zu bekämpfen.
- Schnellerer Herzschlag: Als Reaktion auf die Entzündung.
- Verstopfung: Kann auftreten, ist aber nicht immer der Fall.
Diagnose und Behandlung der Bauchfellentzündung
- Anamnesegespräch: Der Arzt erfragt die Krankheitsgeschichte und die aktuellen Beschwerden.
- Bildgebende Verfahren: Ultraschall, CT und Röntgen können helfen, die Entzündung zu lokalisieren.
- Blutuntersuchungen: Können Entzündungszeichen zeigen.
- Explorative Laparoskopie: In manchen Fällen ist eine Bauchspiegelung notwendig, um die Diagnose zu sichern.
Die Behandlung besteht meist aus:
- Antibiotika: Um die bakterielle Infektion zu bekämpfen.
- Drainagesysteme: Um die Infektion aus dem Körper zu leiten.
- Spülung des Bauchraums: Um Bakterien und Eiter zu entfernen.
- Intensivstation: Bei lebensbedrohlichen Zuständen.
Vorbeugung der Bauchfellentzündung
Es gibt keine Möglichkeit, einer Bauchfellentzündung lückenlos vorzubeugen. Allerdings können Menschen, die in der Vergangenheit bereits eine primäre Entzündung entwickelt haben, präventiv und über einen längeren Zeitraum ein Antibiotikum einnehmen. Außerdem gibt es auch einige Erkrankungen, bei denen das Risiko, eine Bauchfellentzündung zu entwickeln, so hoch ist, dass direkt präventiv gehandelt wird. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn eine schwere Lebererkrankung vorliegt.
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Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Es ist wichtig, einen Arzt aufzusuchen, wenn die Oberbauchschmerzen plötzlich auftreten, sehr stark sind oder länger als ein paar Tage anhalten. Auch bei zusätzlichen Symptomen wie Fieber, Erbrechen, Blut im Stuhl oder Gelbsucht sollte man umgehend einen Arzt aufsuchen.
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