Kaffee ist eines der beliebtesten Getränke weltweit und wird oft als Muntermacher konsumiert. Doch Kaffee kann mehr als nur wach machen. Studien deuten darauf hin, dass er auch positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben kann, insbesondere auf Leber und Gehirn.
Die gesundheitlichen Inhaltsstoffe von Kaffee
Kaffee enthält neben Koffein eine Vielzahl von gesunden Inhaltsstoffen, darunter Mineralstoffe wie Kalium sowie Aromastoffe, die für den Geschmack verantwortlich sind. Aufgrund seines hohen Gehalts an antioxidativen Inhaltsstoffen kann Kaffee dazu beitragen, chronische Entzündungen zu reduzieren. Die antientzündliche Wirkung von Koffein ist ein wichtiger Faktor für die positiven Effekte auf den Leberstoffwechsel.
Koffein: Wirkung auf das Nervensystem
Biochemisch wirken Koffein und koffeinähnliche Stoffe, indem sie die sogenannten Adenosinrezeptoren im zentralen Nervensystem blockieren. Die Rezeptoren binden im Normalfall Adenosin, ein Botenstoff, welcher vermehrt bei Müdigkeit und Energiemangel gebildet wird und die Ausschüttung von stimmungsaufhellenden Neurotransmittern, wie bspw. Dopamin verhindert. Durch die Blockade der Rezeptoren durch Koffein wird der Signalweg gestoppt und die Müdigkeitsinformation kann nicht weitergegeben werden. Erst nachdem Koffein abgebaut wurde, kann Adenosin wieder an die Rezeptoren docken und das Müdigkeitsgefühl kann vermittelt werden.
Koffein verhindert also kurzfristig das Müdigkeitsgefühl. Sobald das Koffein jedoch abgebaut wird, ist die Müdigkeit zurück. Koffein leistet also nur kurzfristig Abhilfe und ändert nichts an der Ursache für die Müdigkeit!
Weitere Auswirkungen von Koffein auf den Körper
Adenosin sorgt des Weiteren für eine Weitung der Blutgefäße und wirkt damit blutdrucksenkend. Kann sich das Adenosin durch Koffein nicht am Rezeptor binden, passiert genau das Gegenteil: Die Blutgefäße ziehen sich zusammen und der Blutdruck steigt. Koffein hat außerdem eine Wirkung auf die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin, welche angsttypische Reaktionen, wie erhöhter Herzschlag, Weitung der Pupillen und erhöhte Wachsamkeit, auslösen.
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Das mit der Nahrung aufgenommene Koffein stimuliert aber auch schon im Magen sogenannte Gastrinzellen, welche das Peptidhormon Gastrin freisetzen. Neben weiteren Einflüssen auf die Verdauung, stimuliert das Hormon die Magensäuresynthese und kann somit bei empfindlichen Menschen zu Sodbrennen führen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass durch Koffein der Blutdruck und Puls steigen, die Verdauung angeregt wird und es zu einer erhöhten Magensäuresynthese kommt, die Sodbrennen zur Folge haben kann.
Positive Effekte auf die Leber
Wissenschaftlich belegt ist die positive Wirkung von Kaffee auf den Leberstoffwechsel. Studien belegen, dass Menschen mit einer Fettleber von bis zu sechs Tassen Kaffee am Tag profitieren können, vorausgesetzt, ihre Fettleber rührt nicht von zu viel Alkoholkonsum und sie haben keine Fettstoffwechselstörung. Grund dafür ist die antientzündliche Wirkung von Koffein.
Kaffee soll auch das Risiko für chronische Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und verschiedene Krebsarten reduzieren. So konnten chinesische Forschende in einer Studie nachweisen, dass moderater Kaffeekonsum (drei Tassen täglich) das Risiko von Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Fettleibigkeit senkt.
Eine Untersuchung von 2024 fand heraus, dass regelmäßiger Kaffeekonsum die Vielfalt und Stabilität des Darmmikrobioms fördert. Kaffeetrinkende weisen eine erhöhte Anzahl nützlicher Bakterienstämme wie Lawsonibacter asachharolyticus, Alistipes und Faecalibacterium auf. Diese Mikroben sollen in einem Zusammenhang stehen mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf- und Lebererkrankungen. Kaffee erhöht zudem die Konzentration von Bifidobacterium, das die Verdauung unterstützt und Infektionen vorbeugen kann.
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Schutz vor Lebererkrankungen
Kaffee senkt das Risiko für viele Lebererkrankungen. So senkt Kaffeekonsum zum Beispiel das Risiko für diese vier Erkrankungen:
- Nicht-alkoholische Fettleber: Kaffeetrinker weisen in der Studie ein um 29 Prozent geringeres Risiko auf als Nicht-Kaffeetrinker.
- Alkoholbedingte Leberschäden: Diese gehen mit höheren Leveln der Leberenzyme AST, ALT und GGT einher. Bei Kaffeetrinkern sind diese Level deutlich niedriger.
- Chronische Hepatitis C: Bei Hepatitis-Patienten, die Kaffee trinken, zeigen die Daten eine Verlangsamung von Leberfibrose und -zirrhose.
- Hepatozelluläres Karzinom: Wer zwei Tassen Kaffee täglich zu sich nimmt, hat ein geringeres Risiko für Leberzellkrebs. Dieser betrifft besonders häufig Menschen, die an Hepatitis C erkrankt sind.
Fünf positive Wirkungen von Kaffee auf die Leber
Hinter der schützenden Kraft von Kaffee stecken bestimmte bioaktive Stoffe, unter anderem Koffein und Polyphenole. In der aktuellen, umfassenden Analyse haben die Forscher fünf dieser Wirkmechanismen auf molekularer Ebene untersucht:
- Antioxidative Wirkung: Kaffee enthält Antioxidantien wie Chlorogensäure und Polyphenole, die oxidativem Stress im Körper entgegenwirken. Oxidativer Stress gilt als Risikofaktor für zahlreiche Erkrankungen und insbesondere als Treiber für Leberschäden.
- Entzündungshemmung: Chronische Entzündungen bestehen bei fast allen Lebererkrankungen. Die bioaktiven Stoffe im Kaffee wirken antientzündlich und können so chronisch erhöhte Werte reduzieren.
- Antifibrotischer Effekt: Durch Leberschäden bildet sich typischerweise Narbengewebe am Organ - ein Prozess, der als Fibrose bezeichnet wird. Substanzen im Kaffee hemmen die Aktivierung der Zellen, die für die Narbenbildung verantwortlich sind und wirken auf diesem Wege antifibrotisch.
- Regulation des Stoffwechsels: Auch auf den Stoffwechsel haben die bioaktiven Substanzen aus dem Kaffee einen positiven Einfluss. Sie unterstützen den Körper bei der Verwertung von Fett und Zucker, was zum Beispiel vor Fettansammlungen in den Leberzellen schützt. Die Forscher fanden Hinweise, dass Kaffeetrinken durch diesen Mechanismus vor der chronischen Leberkrankheit MASLD schützt, die unter anderem durch eine Verfettung der Leber verursacht wird. Die Wahrscheinlichkeit einer MASLD-Erkrankung ist bei regelmäßigem Kaffeekonsum laut der Studie 29 Prozent geringer als bei Nicht-Kaffeetrinkern.
- Stärkung des Mikrobioms: Ein gesundes Mikrobiom ist entscheidend für die Lebergesundheit. Denn die Nähr- und Vitalstoffe aus der Nahrung werden nach dem Darm direkt in der Leber weiterverarbeitet. Ist das Mikrobiom im Darm im Ungleichgewicht, schwächt das die Barriere und es gelangen auch schädliche Bakterienbestandteile in die Leber. Kaffee kann die Darmflora stärken, da einige seiner Inhaltsstoffe die Vermehrung "guter" Darmbakterien unterstützen.
Positive Effekte auf das Gehirn
Das im Kaffee enthaltene Koffein wirkt vor allem im Gehirn. Es ist chemisch so ähnlich aufgebaut wie der Botenstoff Adenosin, der müde macht. Das Koffein blockiert die Andockstellen von Adenosin im Gehirn, daher hat Kaffee eine wachmachende Wirkung und verbessert die Konzentrationsfähigkeit. Diese Wirkung hält im Durchschnitt vier Stunden an.
Kaffee kann verschiedene positive Effekte auf das Gehirn haben. Eine wissenschaftliche Untersuchung ergab, dass Kaffee das Risiko für Demenzerkrankungen senken kann. Schon mehrfach wurde über geringe schützende Effekte vor Parkinsonerkrankungen berichtet. Laut einer niederländischen Studie hilft Kaffee auch, die neurologischen Parkinson-Symptome zu lindern. Außerdem soll Kaffee das Risiko für Depressionen senken, wie eine spanische Studie zeigt.
Mäßiger Kaffeekonsum kann Kopfschmerzen lindern. Darüber hinaus kann Koffein die Wirkung von Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure (Aspirin), Ibuprofen oder Paracetamol verstärken. Darum werden viele Schmerzmittel gezielt mit Koffein kombiniert.
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Koffein und das Gedächtnis
Koffein hält nicht nur wach und steigert die Konzentrationsfähigkeit, es verbesserte in einer Studie auch das Langzeitgedächtnis. Daniel Borota von der Johns Hopkins University in Baltimore und Mitarbeiter haben hierzu erstmals eine placebokontrollierte Studie durchgeführt.
Zu Beginn der Studie wurde den Probanden eine Reihe von Bildern von Gegenständen gezeigt. Damit sich ihr Gehirn damit beschäftigte, mussten sie die Gegenstände den Kategorien „drinnen“ und „draußen“ zuordnen. Erst nach dem Ende der Aufgabe erhielten sie eine Tablette, die entweder 200 mg Koffein oder ein Placebo enthielt.
Genau 24 Stunden später mussten die Teilnehmer einen Gedächtnistest bestehen. Dabei wurden ihnen nicht nur die gleichen und völlig andere Gegenstände wie am Vortag gezeigt, sondern auch ähnliche. Die Unterscheidung zwischen „gleich“ und „ähnlich“ gelang den Teilnehmern im „Koffein-Arm“ signifikant besser als in der Vergleichsgruppe.
Da die Unterscheidung zwischen „gleich“ und „ähnlich“ besonders hohe Anforderungen an das Erinnern stellt, sieht Yassa in der Studie einen Beweis dafür, dass Koffein tatsächlich eine Wirkung auf das Langzeitgedächtnis hat.
Kaffee und Schutz vor Demenz
Große longitudinale Studien fanden, dass Kaffeekonsum einen Schutzeffekt gegen Demenz und Alzheimerdemenz zeigt. In einer Studie wurden 1400 Menschen von der Mitte ihres Lebens bis in ein Alter von 65 bis 79 begleitet, durchschnittlich 21 Jahre lang. Die Personen, die im mittleren Alter mehr Kaffee tranken, zeigten ein geringeres Risiko, in ihrem Lebensabend an Demenz und Alzheimerdemenz zu erkranken. Bei drei bis fünf Tassen Kaffee pro Tag verringerte sich das Risiko für eine Demenzerkrankung um sage und schreibe 65%.
Kaffee und Parkinson
Die Datenlage für Parkinson ist zunehmend klar: höherer Kaffeekonsum ist konsistent assoziiert mit einem geringeren Risiko, an Parkinson zu erkranken. In einer Studie wurden 8000 japanischstämmige US-Amerikaner über 30 Jahre lang beobachtet. Ergebnis der Studie: die Kaffeetrinker hatten ein zwei bis dreimal geringeres Risiko, an Parkinson zu erkranken als die Nicht-Kaffeetrinker.
Eine aktuelle Großstudie wurde 2024 publiziert, in dieser wurden mehr als 184.000 Menschen aus sechs Ländern bis zu 20 Jahre lang beobachtet. Das Studienergebnis zeigte erneut, dass ein höherer Kaffeegenuss die Wahrscheinlichkeit senkt, an Parkinson zu erkranken. Verglichen mit Menschen, die gar keinen Kaffee trinken, zeigte sich, dass sich das Parkinson-Risiko um bis zu 37% reduzierte.
Entkoffeinierter Kaffee als Alternative?
Entkoffeinierter Kaffee bietet nahezu dieselben gesundheitlichen Vorteile wie koffeinhaltiger Kaffee, da die meisten Antioxidantien erhalten bleiben. Einer Untersuchung zufolge senkt entkoffeinierter Kaffee das Risiko für Typ-2-Diabetes, Lebererkrankungen und bestimmte Krebsarten ähnlich wie normaler Kaffee.
Risiken und Nebenwirkungen
Kaffee regt die Säureproduktion im Magen an und kann bei empfindlichen Menschen Sodbrennen oder Reflux verschlimmern. Manche Personen bekommen nach dem Genuss von Kaffee Magenschmerzen, Herzrasen oder Schweißausbrüche.
Nach dem Konsum von Kaffee kann es zu einem vorübergehenden Anstieg des systolischen und diastolischen Blutdrucks kommen. Regelmäßiger Kaffeekonsum führt jedoch zu einer Gewöhnung: Innerhalb von ein bis zwei Wochen nimmt die blutdrucksteigernde Wirkung ab oder verschwindet vollständig.
Wichtig zu wissen: Koffein beeinflusst auch die Wirkung anderer Medikamente wie Blutdrucksenker, Antidepressiva, Magensäurehemmer oder Schilddrüsentabletten. Dabei können die Wirkungen sowohl abgeschwächt als auch verstärkt werden. Generell gilt: Tabletten und Tropfen sollten immer nur mit Wasser eingenommen werden.
Empfohlene Menge
Wie viel Kaffee tatsächlich gesund für die Leber und den Rest des Körpers sind, hängt von individuellen Faktoren wie der Verträglichkeit ab. Wissenschaftler empfehlen grundsätzlich nicht mehr als 400 Milligramm Koffein täglich zu sich zu nehmen, was etwa drei bis vier Tassen entspricht.
Für Schwangere gilt ein maximaler Koffeinkonsum von 200 Milligramm pro Tag als unbedenklich - das entspricht etwa zwei Tassen Filterkaffee. Besser ist jedoch entkoffeinierter Kaffee, da das Koffein die Plazenta passiert und beim Kind zu Schlafproblemen und Wachstumsverzögerungen führen kann, da Babys Koffein nur langsam abbauen.