Der kognitive Abbau im Alter stellt eine wachsende globale Herausforderung dar, insbesondere durch Demenzerkrankungen wie Alzheimer. Weltweit sind etwa 55 Millionen Menschen von Demenz betroffen, und die Suche nach präventiven Maßnahmen ist von großer Bedeutung. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung spielt dabei eine entscheidende Rolle für die kognitiven Fähigkeiten. Aktuelle Studien untersuchen den Einfluss von Ernährungsgewohnheiten, insbesondere den Konsum von Kaffee und Tee, auf das Demenzrisiko und die Gesundheit des Gehirns.
Grüntee-Konsum und Läsionen der weißen Substanz
Läsionen der weißen Substanz im Gehirn, die durch vaskuläre Veränderungen entstehen, stehen im Zusammenhang mit kognitiven Einschränkungen und Demenz. Die Japan Prospective Studies Collaboration for Aging and Dementia (JPSC-AD) führte eine großangelegte Studie mit 8.766 Teilnehmern ohne Demenz durch, um den Einfluss von Grüntee und Kaffee auf diese Läsionen sowie auf das Hippocampus- und Gesamthirnvolumen zu untersuchen. Die Teilnehmer wurden mittels MRT untersucht, und ihr Getränkekonsum wurde durch einen Ernährungsfragebogen erfasst.
Die Studie ergab, dass ein höherer Grüntee-Konsum mit einer signifikant geringeren Last von Läsionen der weißen Substanz korrelierte. Bei einem täglichen Konsum von mindestens 600 ml war die Last um bis zu 6% reduziert. Dieser Zusammenhang blieb auch nach Berücksichtigung von Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht, ApoE-ε4-Status und Hypertonie signifikant. Für Kaffee konnte kein vergleichbarer Effekt festgestellt werden.
Die neuroprotektiven Eigenschaften von Grüntee, wie antioxidative und entzündungshemmende Effekte, könnten eine Rolle bei der Reduktion von Läsionen der weißen Substanz spielen. Eine mögliche Erklärung ist die blutdrucksenkende Wirkung von Grüntee, die bekannte Risikofaktoren für vaskuläre Schäden adressiert. Es wurde jedoch kein signifikanter Zusammenhang zwischen Grüntee-Konsum und dem Hippocampus- oder Gesamthirnvolumen beobachtet.
Als Querschnittsstudie war es schwierig, eine kausale Beziehung zwischen dem Konsum von Grüntee und der Reduktion von Läsionen der weißen Substanz zu bestimmen. Zudem ist die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Populationen begrenzt, da die Studie ausschließlich in Japan durchgeführt wurde. Trotz dieser Einschränkungen zeichnet sich die Studie durch eine große Stichprobengröße aus, berücksichtigte viele Störfaktoren und zielte gezielt auf Personen ohne Demenz ab, um den Einfluss kognitiven Abbaus auf die Konsumgewohnheiten von Tee und Kaffee zu minimieren.
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Diese Studie legt nahe, dass regelmäßiger Konsum von Grüntee ein einfacher, präventiver Ansatz zur Reduktion von Läsionen der weißen Substanz sein könnte.
Kaffee- und Teekonsum im Allgemeinen und Demenzrisiko
Eine Metastudie chinesischer Forscher untersuchte den Zusammenhang zwischen moderatem Kaffeekonsum und dem Schutz vor Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen. Die Forscher werteten Daten von fast 400.000 Studienteilnehmern aus und fanden heraus, dass zweieinhalb Tassen Kaffee am Tag das Gehirn am besten schützen und das Demenzrisiko senken. Tee hat nach Angaben der Forscher einen ähnlichen Effekt. Allerdings war sowohl beim Kaffee- als auch beim Teekonsum der Schutz bei Männern stärker als bei Frauen. Die positive Wirkung von Kaffee und Tee könnte darauf beruhen, dass Koffein direkt an Nervenzellen andockt und so die kognitive Leistung verbessert.
Eine finnisch-schwedische Forscherteam rekrutierte die überlebenden Teilnehmer zweier bevölkerungsbasierter Kohortenuntersuchungstudien (North Karelia Project und FINMONICA-Studie) für ihre CAIDE-Studie. Alle waren im mittleren Lebensalter nach ihrem Kaffee- und Teekonsum gefragt worden. Nach einer durchschnittlichen Beobachtungsdauer von 21 Jahren hatten 61 von den 1409Teilnehmern zwischen 65 und 79 Jahren eine Demenz entwickelt, darunter 48 die Alzheimer-Krankheit. Die Kaffeetrinker machten wesentlich seltener Bekanntschaft mit Demenz - egal, ob Alzheimer’scher oder vaskulärer Genese.
Eine Studie, für die Daten aus der UK Biobank der Jahre 2006 bis 2020 genutzt wurden, hat ergeben, dass bei täglich zwei bis drei Tassen Kaffee oder vier bis sechs Tassen Tee das Risiko für Schlaganfall und Demenz am geringsten ist. Gegenüber Nicht-Kaffee- oder Tee-Trinkern war die Schlaganfallgefahr um 32 Prozent und die für Demenz um 28 Prozent reduziert.
Flavonoide und ihr schützender Effekt
Eine Forschungsgruppe aus Nordirland hat herausgefunden, dass vor allem die sogenannten Flavonoide - das sind sekundäre Pflanzenstoffe, die Früchten unter anderem ihre Farbe verleihen - das Demenzrisiko stark senken können. Gute Quellen sind etwa schwarzer oder grüner Tee, Beeren, Rotwein oder Zwiebeln.
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In der Studie der Queen’s University in Belfast, Nordirland, wurden mehr als 120.000 Menschen zwischen 40 und 70 Jahren bis zu fünfmal innerhalb der dreijährigen Untersuchungszeit zu ihrer Ernährung in den vorangegangenen 24 Stunden befragt. Die Nachbeobachtungszeit lief 9,2 Jahre. In dieser Zeit erkrankten rund 880 der Teilnehmer an einer Demenz.
Die Essgewohnheiten der Teilnehmenden unterschieden sich teilweise deutlich: Während manche nur 2,7 Portionen flavonoidreiche Lebensmittel zu sich nahmen, verzehrten die Männer und Frauen in der Spitzengruppe ganze sechs Portionen pro Tag. Eine Portion entsprach dabei einem Glas Wein, einer Tasse Tee oder einer Handvoll (80-100 g) Beeren. Studienteilnehmer, die mindestens sechs zusätzliche Portionen an Flavonoiden zu sich nahmen, hatten ein um 28 Prozent reduziertes Risiko, an einer Demenz zu erkranken.
Signifikant war der Effekt vor allem bei Personen, die ein hohes genetisches Risiko für eine Demenz-Erkrankung hatten. Bei ihnen bewirkte eine flavonoidreiche Ernährung eine Risiko-Reduktion um 43 Prozent. Auch bei Menschen mit depressiven Symptomen zeigte sich die positive Wirkung. Ihr Risiko halbierte sich mit einem Rückgang um 48 Prozent nahezu.
Ebenfalls eine signifikante Verringerung des Demenzrisikos zeigte sich bei Teilnehmenden, die täglich mindestens zwei Portionen der folgenden Nahrungsmittel zu sich nahmen: fünf Tassen Tee, ein Glas Rotwein sowie eine halbe Portion Beeren. Ihr Risiko reduzierte sich um 38 Prozent im Vergleich zu Personen, die diese Mengen nicht konsumierten. Besonders der regelmäßige Tee-Konsum war laut dem Forschungsteam mit einer signifikanten Risikominderung verbunden.
Grüner Tee und Kaffee enthalten Koffein, Polyphenole und Vitamine, denen neuroprotektive Eigenschaften nachgesagt werden. Erhöhter Tee-Konsum wurde bereits mit einer reduzierten jährlichen Hippocampus-Atrophie (Rückbildung) in Verbindung gebracht, regelmäßiger Kaffee-Konsum mit höherer kortikaler Dicke.
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Koffein und Alzheimer-Forschung
Prof. Dr. Christa E. Müller und Dr. David Blum forschen mit einem koffeinähnlichen Wirkstoff gegen Alzheimer. Das deutsch-französische Forscherduo hat einen koffeinähnlichen Wirkstoff entwickelt, der wesentlich leistungsstärker ist und weniger Nebenwirkungen hat als herkömmliches Koffein. Gegen Tau-Ablagerungen hat der Wirkstoff bereits seine Qualitäten bewiesen, jetzt soll er gegen Protein-Plaques aus Beta-Amyloid zum Einsatz kommen.
Wissenschaftliche Studien legen nahe, dass Kaffee- und Tee-Trinker in höherem Alter bessere Gedächtnisleistungen und ein verringertes Alzheimer-Risiko haben. Diese Beobachtung war Ausgangspunkt für die Forschung von Prof. Dr. Christa E. Müller von der Universität Bonn und ihrem französischen Kollegen Dr. David Blum von der Universität Lille. Das Duo entwickelte einen koffeinähnlichen Wirkstoff (MSX-3), der vielfach leistungsstärker als herkömmliches Koffein ist und dabei weniger Nebenwirkungen hat. Dieser Wirkstoff, ein sogenannter A2A-Adenosinrezeptor-Antagonist, überzeugte in einem Mausmodell mit genetisch veränderten Tieren, welche die bei Alzheimer typischen Tau-Ablagerungen aufweisen. Die Nager schnitten in Gedächtnistests deutlich besser ab als ihre unbehandelten Artgenossen. Die Alzheimer Forschung Initiative e.V. unterstützt dieses aussichtsreiche Projekt bereits seit 2011. Jetzt erfolgte eine Verlängerung um weitere zwei Jahre bis 2016.
Die Ergebnisse des Forscher-Duos zeigen, dass sich der von ihnen entwickelte Wirkstoff (MSX-3) tatsächlich positiv auf die giftigen Amyloid-Beta Plaques auswirkt. Die erhofften Auswirkungen des koffeinähnlichen Wirkstoffes ließen sich demnach bei beiden charakteristischen Merkmalen der Alzheimer-Krankheit beobachten. Gegen die Tau-Ablagerungen hatte der Wirkstoff, ein sogenannter A2A-Rezeptorantagonist, bereits ausgesprochen gute Ergebnisse erzielt.
Die Massenspektrometrie wurde genutzt um zu zeigen, wie erfolgreich der Wirkstoff in das Gehirn der genetisch veränderten Mäuse gelangte. Die Konzentrationen waren im Gehirn hoch genug, um die gewünschten A2A-Rezeptoren zu blockieren. Die selektive Blockade der A2A-Rezeptoren zeigte positive Auswirkungen auf das Gedächtnis der Mäuse.
Dadurch kann den A2A-Rezeptorantagonisten eine bedeutende Rolle bei der Alzheimer-Krankheit zugesprochen werden. Die vorangegangene Beobachtung, dass Koffein das Risiko an Alzheimer zu erkranken reduziert, konnte mit diesen Ergebnissen untermauert werden.
A2A-Rezeptorantagonisten könnten in Zukunft als wichtige, neue Arzneistoffen zur Behandlung von Alzheimer eingesetzt werden. Die erhaltenen Ergebnisse stellen eine Basis für zukünftige klinische Studien dar, die aufgrund der Datenlage gerechtfertigt sind.
Weitere präventive Maßnahmen
Neben der Ernährung spielen auch andere Faktoren eine wichtige Rolle bei der Prävention von Demenz. Körperliche Aktivität sowie kognitives Training sind von großer Bedeutung. Geistig anspruchsvolle Aufgaben, wie das Lösen von Kreuzworträtseln oder Erlernen einer Fremdsprache, können helfen, das Gehirn lange fit zu halten.
Das Vermeiden von Bluthochdruck sowie stabile Blutzuckerwerte spielen ebenfalls eine Rolle. Auch soziale Kontakte sind dabei nicht zu vernachlässigen: Kommunikation und Interaktion mit anderen Menschen schützt das Hirn vor geistigem Verfall.