Karate bei Parkinson: Eine vielversprechende Therapieoption

Die Diagnose "Parkinson" ist für Betroffene oft ein Schock. Doch es gibt Wege, um die körperliche und geistige Beweglichkeit trotz der Krankheit zu erhalten oder sogar wiederzugewinnen. Eine dieser vielversprechenden Therapieoptionen ist Karate.

Karate als Gesundheitssport und Therapie

Karate ist längst als Gesundheitssport anerkannt und wird nun auch vermehrt als Therapie bei Parkinson eingesetzt. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Karate eine der besten Sportarten und -therapien für diese Erkrankung ist.

Die positiven Effekte von Karate sind vielfältig:

  • Koordination: Karate fördert die Koordination von Bewegungen und hilft, diese zu verbessern.
  • Gleichgewicht: Durch gezielte Übungen wird der Gleichgewichtssinn trainiert und die Standsicherheit erhöht.
  • Schnelligkeit: Karate schult die Reaktionsfähigkeit und steigert die Schnelligkeit von Bewegungen.
  • Kraft: Das Training stärkt die Muskulatur des gesamten Körpers.
  • Dynamik: Karate fördert die dynamische Ausführung von Bewegungen.
  • Standsicherheit: Durch das Training wird die Stabilität im Stand verbessert.
  • Konzentration: Karate erfordert hohe Konzentration und schult die Aufmerksamkeit.
  • Selbstbewusstsein: Das Erfolgserlebnis beim Erlernen neuer Techniken stärkt das Selbstbewusstsein.
  • Bewegungsradius: Karate erweitert den Bewegungsradius und verbessert die Flexibilität.

Karate fordert und fördert den gesamten Körper, vom Kopf bis zu den Füßen. Es verbindet in besonderer Form körperliche und geistige Aktivität - gerade das, was bei Parkinson gestört ist.

Persönliche Erfahrungen und Initiativen

Jörg Reuß, ein erfolgreicher Karateka mit eigener Parkinson-Diagnose, hat es sich zur Aufgabe gemacht, über die positiven Auswirkungen von Karate bei Parkinson zu informieren. Er möchte Menschen, die an Parkinson erkrankt sind, für diesen Sport gewinnen, da er selbst erlebt hat, wie hilfreich das Karate-Training sein kann.

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"Als Betroffener weiß ich, wie sich diese Krankheit anfühlt und was sie mit einem macht. Als Karateka und erfolgreicher Trainer kann ich anderen Betroffenen helfen, etwas gegen die schleichende Unbeweglichkeit zu tun", so Jörg Reuß.

Er plant, in seiner Sportschule eine spezielle Parkinson-Gruppe aufzubauen und Karate-vs-Parkinson-Seminare anzubieten, um Betroffene und andere Karate-Dojos und Verbände aufzuklären.

Wissenschaftliche Studien und Erfolge

Die Idee, Karate als Therapie bei Parkinson einzusetzen, ist nicht neu. In Bremerhaven trainieren bereits 15 Parkinson-Patienten unter medizinischer Aufsicht, um ihre Psychologie, Motorik, Gleichgewichtssinn und Koordination zu verbessern.

Als Vorbild dient die Studie der Universität Regensburg in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Karateverband (DKV), die große Erfolge im Kampf gegen die Parkinson-Krankheit belegt.

In Regensburg tanzen und trainieren Parkinson-Erkrankte Karate, um ihre Kognition und Motorik zu verbessern oder zu halten und ihre Lebensqualität zurückzugewinnen. Die Studie zeigt, dass Karate und Tanzen in besonderer Form körperliche und geistige Aktivität verbinden - gerade das, was bei den Betroffenen gestört ist.

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Karate im Alter und bei Bewegungseinschränkungen

Karate ist nicht nur für jüngere Menschen geeignet. Studien haben gezeigt, dass Karate auch im Alter und selbst mit einer Bewegungsstörung gut zu praktizieren ist. Einzelne positive, statistisch signifikante Effekte wurden nachgewiesen, zum Beispiel bezogen auf die kognitive Verarbeitungsgeschwindigkeit und die Balance.

Qualitätssiegel und Zertifizierungen

Karate als gesundheitserhaltende oder gesundheitsfördernde Sportart ist durch das Qualitätssiegel "SPORT PRO GESUNDHEIT" zertifiziert. Hierbei handelt es sich um die höchste Auszeichnung, die der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) an Vereine vergibt, die sich in besonderem Maße dem Gesundheitssport widmen.

Das bundesweit anerkannte Qualitätssiegel wurde auf Basis klar definierter und vereinbarter Qualitätskriterien von der Bundesärztekammer und dem DOSB entwickelt.

Budomotion: Haltung und Bewegung

Das Programm "Budomotion - Haltung und Bewegung" erhielt zudem die höchste Auszeichnung der Zertifizierungsstelle der Krankenkassen sowie der "Zentralen Prüfstelle Prävention". Das Programm wurde mit dem Titel "Deutscher Standard Prävention" bedacht.

Die Rolle des Deutschen Karateverbandes (DKV)

Der DKV nimmt eine wichtige Rolle bei der Förderung von Karate als Gesundheitssport ein. Er bietet spezielle Aus- und Weiterbildungen für Übungsleiter an und unterstützt Vereine bei der Umsetzung von gesundheitsorientierten Karate-Angeboten.

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