Die Diagnose eines Hirntumors stellt für jeden Menschen eine einschneidende Erfahrung dar. Besonders hart trifft es jedoch Leistungssportler, deren Karriere und Lebensplanung plötzlich in Frage gestellt werden. Dieser Artikel beleuchtet anhand verschiedener Beispiele, wie Sportler mit dieser Herausforderung umgehen, welche Auswirkungen die Erkrankung auf ihre Karriere hat und welche Wege sie finden, um zurückzukehren oder neue Perspektiven zu entwickeln.
Antje Möldner-Schmidt: Vom Lymphdrüsenkrebs zum Karriereende
Die Hindernisläuferin Antje Möldner-Schmidt erlebte 2010 einen Schock, als sie die Diagnose Lymphdrüsenkrebs erhielt. Zu diesem Zeitpunkt gehörte sie zur Weltelite über 3000 Meter Hindernis. "Nach dem ersten Schock war mir klar, ich wollte schnell wieder angreifen", erzählte sie. Während der Behandlung musste sie jedoch monatelang auf Sport verzichten.
Trotz der schwierigen Umstände gelang Möldner-Schmidt ein beeindruckendes Comeback. 2012 wurde sie EM-Dritte und später sogar mit Silber geehrt, nachdem die Zweitplatzierte wegen Dopings disqualifiziert wurde. 2014 gewann sie in Zürich EM-Gold über die Hindernis-Strecke. "Das war der Moment an dem der ganze Stress abgefallen ist", sagte sie.
Letztendlich war es jedoch eine hartnäckige Fußverletzung, die Möldner-Schmidt dazu zwang, ihre Karriere zu beenden. Die Europameisterin von 2014 verkündete ihren Abschied vom Leistungssport, da die Verletzung eine Vorbereitung für die Olympischen Spiele in Tokio unmöglich machte. Sie empfiehlt Menschen, die selbst mit einer Krebserkrankung zu kämpfen haben, dass "Bewegung hilfreich sein kann, um Symptome während der Therapie zu lindern". Wichtig sei, sich nicht zu hohe Ziele zu stecken: "Kleine Erfolgserlebnisse zu haben, ist wichtig, was Sport und Therapie zusammen angeht."
Michael Smolik: Hirntumor stoppt Kampfkarriere
Auch im Kampfsport kommt es vor, dass eine Hirntumordiagnose Karrieren abrupt beendet. Der Kampfsportler Michael Smolik berichtete in einem Youtube-Video von seinen Symptomen wie Schwindel und Übelkeit. Auf Anraten seines Freundes Mo Abdallah unterzog er sich einer MRT-Untersuchung, bei der ein Hirntumor in der linken Hirnhälfte diagnostiziert wurde.
Lesen Sie auch: Synapse stürzt ab: Was tun?
Besonders schmerzlich für Smolik war, dass er seinen geplanten Kampf absagen musste. Er war sogar bereit, die Diagnose geheim zu halten, um kämpfen zu können. Die Ärzte rieten ihm jedoch dringend davon ab, da die Gefahr einer Hirnblutung zu groß war. Smolik wurde in einer Klinik in Heidelberg operiert, wobei er während des Eingriffs bei vollem Bewusstsein war, da nah am Sprachzentrum operiert wurde.
Åge Hareide: Trainerlegende erliegt Hirntumor
Nicht nur aktive Sportler, sondern auch Trainer können von einer Hirntumordiagnose betroffen sein. Der norwegische Fußballtrainer Åge Hareide, eine Legende in Skandinavien, starb im Alter von 72 Jahren an einem Hirntumor. Bei ihm war im Juli ein Hirntumor festgestellt worden. Er erhielt eine sechswöchige Strahlentherapie und nahm zusätzlich Chemotherapie-Tabletten, erlag der schweren Erkrankung jedoch nun. Hareide konnte zuletzt nur noch eingeschränkt sprechen und hatte auch motorische Probleme.
Hareide war Fußball-Meister in drei skandinavischen Ländern und coachte unter anderem die Nationalteams aus Norwegen, Dänemark und Island. Er gilt als eine der größten Trainerlegenden Skandinaviens.
Elena Semechin: Paralympische Schwimmerin kämpft gegen Erblindung
Die paralympische Schwimmerin Elena Semechin ist ein beeindruckendes Beispiel für Kampfgeist und Comeback-Qualitäten. Nach der Diagnose Hirntumor im Oktober 2021 kehrte sie schon während der Chemotherapie zurück ins Wasser. Bei der Weltmeisterschaft 2022 holte sie sensationell Silber. „Ich bin einfach nur unfassbar glücklich und auch erleichtert, dass ich hier stehe“, sagte die 30-Jährige. Nach ihrem Sieg in Paris 2024 wurde ihr dann sogar die Ehre zuteil, bei der Abschlusszeremonie als Fahnenträgerin Deutschlands zu fungieren.
Doch Semechin kämpft nicht nur gegen die Folgen des Hirntumors, sondern auch gegen eine fortschreitende Erblindung. Sie leidet an Morbus Stargardt, einer seltenen Erbkrankheit, die das Sehvermögen stark beeinträchtigt. Sie hat öffentlich ihre Angst vor einer möglichen vollständigen Erblindung geäußert. Sie will sich nun an eine Klinik mit Gentherapie in Tübingen wenden, um ihr „letztes Glück“ zu versuchen.
Lesen Sie auch: Alternativen zu NeuroNation
Dominic Matteo: Karriere mit Hirntumor
Der ehemalige Fußballspieler Dominic Matteo spielte zwischen 1992 und 2000 für den FC Liverpool. Erst zehn Jahre nach seinem Karriereende wurde bei ihm ein Hirntumor entdeckt. "Ich habe also meine ganze Karriere mit einem Hirntumor gespielt. Ohne den Krebs wäre ich vielleicht ein besserer Spieler gewesen", sagte Matteo.
Matteo musste sich einer komplizierten Operation unterziehen, bei der die Ärzte gut 90 Prozent des Tumors entfernen konnten. Allerdings musste er viele Dinge wieder neu lernen. Heute geht es ihm den Umständen entsprechend gut.
Herbert Scheller: Mainzer Fußballheld kämpft gegen Glioblastom
Auch im Amateurbereich kann eine Hirntumordiagnose das Leben von Sportlern verändern. Herbert Scheller, ein ehemaliger Spieler des FSV Mainz 05, erkrankte an einem Glioblastom, einem bösartigen Hirntumor. Der Tumor lähmte ihn binnen zwei Wochen halbseitig. Nach einer Operation machte er erste Fortschritte in der Reha, benötigt aber weiterhin pflegerische Unterstützung.
Pauline Petszokat: Leben mit den Folgen einer Hirntumor-OP
Pauline Petszokat, die Ehefrau des Sängers Oli.P., musste sich vor fünf Jahren einer komplizierten Hirn-Operation unterziehen. Der Tumor wurde bereits 2007 entdeckt, 2019 begann er zu wachsen und musste operiert werden. Allerdings konnte das Gewebe nicht vollständig entfernt werden, da der Tumor auf ihren Sehnerv und das Bewegungszentrum drückte. Sie sei jetzt Epileptikerin und müsse mit "ein paar Nervenschäden" leben. Dennoch hat sie beschlossen, nicht aufzugeben und "mittlerweile einen guten Weg gefunden, damit umzugehen".
Susi Erdmann: Vom Bob zum Tumor im Kopf
Susi Erdmann, eine der erfolgreichsten deutschen Bobfahrerinnen, erhielt nach ihrem Karriereende die Diagnose Hirntumor. Sie lebt mit einem Tumor an der Hirnanhangsdrüse. Nach einer Kernspintomographie habe sie dann die traurige Gewissheit erhalten: ein Tumor an der Hirnanhangsdrüse. "Ich war geschockt, aber die Ärztin sagte, der Tumor müsse nicht bösartig sein. Damit hatte sie Recht", sagte Erdmann. Dennoch habe sie Medikamente gegen die Geschwulst bekommen - mit unschönen Nebenwirkungen.
Lesen Sie auch: Leitfaden: Arbeitsunfähigkeit durch Polyneuropathie