Katheter Leiste Gehirn Komplikationen: Ein umfassender Überblick

Die interventionelle Behandlung von Gefäßerkrankungen im Gehirn hat sich in den letzten Jahren als eine wichtige Alternative zur offenen Operation etabliert. Dabei werden Katheter über die Leiste eingeführt, um minimal-invasiv Aneurysmen zu behandeln oder Gefäßmalformationen zu verschließen. Obwohl diese Verfahren im Allgemeinen als sicher gelten, sind sie nicht frei von Risiken und potenziellen Komplikationen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Aspekte von Katheter-basierten Eingriffen im Gehirn, einschließlich der Anwendungsbereiche, der Verfahren selbst und der möglichen Komplikationen, die auftreten können.

Interventionelle Behandlung von zerebrovaskulären Erkrankungen

Die interventionelle Neuroradiologie bietet eine Vielzahl von minimal-invasiven Behandlungsmöglichkeiten für Erkrankungen der hirnversorgenden Gefäße. Dazu gehören:

  • Aneurysmen: Gefäßaussackungen (Aneurysmen) der hirnversorgenden Arterien sind mit einer Häufigkeit von ca. 3% der Normalbevölkerung eine häufige Erkrankung. Sie stellen eine Schwachstelle der Gefäßwand dar und können spontan oder unter ungünstigen Umständen platzen. Die Folge ist eine lebensbedrohliche Hirnblutung, eine sogenannte Subarachnoidalblutung mit hoher Morbidität und Mortalität. Durch den Einsatz nichtinvasiver diagnostischer Verfahren zur Gefäßdarstellung, allen voran der MRT, werden zunehmend häufiger auch asymptomatische Aneurysmen als Zufallsbefunde entdeckt. Damit ist häufig eine Behandlung möglich, bevor es zu einer Aneurysmaruptur kommt. Neben der offenen Operation (Clipping) hat sich die endovaskuläre Katheterbehandlung schon langjährig als primäre Behandlungsoption etabliert. In der Regel wird dabei das Aneurysma minimal-invasiv von der Leiste aus mit kleinen Platinspiralen ausgefüllt (Coilembolisation). Bei Aneurysmen mit breiter Basis (Aneurysmaeingang) ist es manchmal erforderlich, zusätzlich eine kleine Gefäßstütze (Stent) oder vorübergehend einen Ballon zu verwenden, um die Spiralen sicher an Ort und Stelle einzubringen. Ausgewählte Aneurysmen können auch allein mit speziellen Implantaten, sogenannten Flussmodulierenden Stents (Flow-Diverter) oder speziellen weichen „Aneurysma-Körbchen“, behandelt werden, ohne dass dabei ein Einsatz von Coils erforderlich ist. Die Entscheidung, welche Therapie bei individuellen Patientinnen bzw. Patienten Aneurysma die beste Behandlungsstrategie darstellt, wird idealerweise basierend auf hochaufgelösten 3D-Aufnahmen getroffen. Üblicherweise erfolgt dies im Vorfeld als diagnostische Katheterangiographie.

  • Arteriovenöse Malformationen (AVM): Zerebrovaskuläre Gefäßmalformationen (Durafistel, AV-Malformation) sind seltene Erkrankungen des Gehirns oder Rückenmarks und können erworben oder angeboren sein. Es handelt es sich hierbei um pathologische Verbindungen zwischen dem arteriellen und venösen Gefäßsystem. Eine endovaskuläre Therapie kann nötig werden, wenn klinische Beschwerden (z.B. epileptische Anfälle, pulssynchrones Ohrgeräusch, etc.) aufgetreten sind. Auch bei Zufallsbefunden, kann eine präventive Behandlung sinnvoll sein, um bei Gefäßmalformationen mit erhöhtem Risikoprofil mögliche sekundäre Komplikationen - hier insbesondere eine Hirnblutung - zu verhindern. Das endovaskuläre Behandlungsspektrum bei arteriovenösen Gefäßmalformationen ist bezüglich Materialien und Methoden umfangreich und teilweise komplex. Überwiegend kommen dabei endovaskuläre Flüssigembolisate (spezielle Gewebekleber), im Einzelfall kombiniert mit Coils oder partikulären Embolisaten, zum Einsatz. Häufig kann damit als alleinige Therapie ein vollständiger Verschluss der Malformation erreicht werden (kurativer Ansatz). Nicht immer ist mit der Embolisation allein ein vollständiger Verschluss zu erzielen. Eine Teilembolisation kann aber häufig eine nachfolgende Operation erleichtern oder die Effektivität einer Bestrahlungstherapie erhöhen. Daher kooperiert die Neuroradiologie eng mit Neurochirurgie, Strahlentherapie, Neurologie und Anästhesie, um jeweils interdisziplinär allen Patientinnen bzw. Patienten das Beste (multimodale) Behandlungskonzept anbieten zu können.

  • Chronische Subdurale Hämatome (cSDH): Chronische subdurale Hämatome (cSDH) sind Einblutungen in einen Raum zwischen harter Hirnhaut (Dura) und Gehirn direkt unter dem Schädelknochen. Das Krankheitsbild betrifft vornehmlich ältere Menschen und stellt mit einer Inzidenz von ca. 15 Patientinnen bzw. Patienten auf 100.000 Einwohnerinnen bzw. Einwohner pro Jahr eine der am häufigsten neurochirurgisch behandelten Erkrankungen dar. Dabei wird über ein kleines Bohrloch die Blutung entlastet. Allerdings ist das Rezidivrisiko für ein erneutes Subduralhämatom mit ca. 40% sehr hoch, so dass nicht selten eine erneute Operation erforderlich wird. Mit der Embolisationsbehandlung steht hier eine sehr wirkungsvolle und gleichzeitig technisch einfache und schonende Behandlungsmethode zur Verfügung. Dabei wird von der Leiste aus die mittlere Hirnhautarterie sondiert und mit kleinen Partikeln, Spiralen oder einem flüssigen Embolisat verschlossen (verödet), so dass das subdurale Hämatom quasi „ausgetrocknet“ wird. Das Rezidivrisiko chronischer Subduralhämatome lässt sich damit deutlich reduzieren. Die Dauer dieser minimal-invasiven Behandlungsform beträgt ca. 30 Minuten und ist vielfach ohne Narkose möglich.

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  • Verengungen (Stenosen) der Halsschlagadern und der übrigen hirnversorgenden Gefäße: Über einen Katheter können diese ohne Operation aufgedehnt und mittels einer Gefäßprothese (Stent) geschient werden.

  • Akuter Schlaganfall: Mechanische Thrombektomie: Große Gerinnsel werden mithilfe eines minimalinvasiven Kathetereingriffes zerstört oder aus dem Gefäß "gefischt". Die Thrombektomie wird bestenfalls in der Stroke Unit (Schlaganfallstation) eines Krankenhauses von einem interdisziplinären Team durchgeführt. Zentral sind die Bereiche Neurologie und Neuroradiologie. Bei der Behandlung mittels Thrombektomie wird über ein Gefäß im Arm (Arteria radialis) oder der Leiste (Arteria femoralis) ein dünner Schlauch (Katheter) eingeführt und über das Gefäßsystem voran geschoben. Die Spitze des Katheters wird im verschlossenen Gefäß bis zum Thrombus, also an das Blutgerinnsel, herangeführt. Je nach Lage und Größe des Gerinnsels im Blutgefäß kann es dann über den Katheter abgesaugt oder mit einem Stent, also einem feinen Drahtnetz, das aus dem Katheter entfaltet werden kann, erfasst und herausgezogen werden. Weil bei diesem Verfahren der Stent das Gerinnsel quasi einfängt und herauszieht, wird neben Stent auch der Begriff "Stent Retriever" verwendet. Für die bestmögliche Rekanalisation des Blutgefäßes wird in der Regel die Thrombektomie mit der medikamentösen Thrombolyse kombiniert.

Das Verfahren: Katheteruntersuchung der Hirngefäße

Bei der Katheterangiographie, auch als zerebrale Angiographie bekannt, wird ein Katheter in ein Blutgefäß, typischerweise in der Leiste oder im Arm, eingeführt und bis zu den Blutgefäßen im Gehirn vorgeschoben. Durch den Katheter wird Kontrastmittel injiziert, um die Blutgefäße auf einem Röntgenbild sichtbar zu machen. Dieses Verfahren ermöglicht es, Verengungen, Verschlüsse, Aussackungen (Aneurysmen) oder andere Anomalien der Blutgefäße im Gehirn zu erkennen.

Ablauf der Untersuchung

  1. Vorbereitung: Die Leiste des Patienten wird rasiert und desinfiziert. Anschließend wird der Patient keimfrei (steril) abgedeckt.
  2. Lokale Betäubung: Die Leiste wird örtlich betäubt.
  3. Punktion der Arterie: Der Radiologe punktiert die Arterie in der Leiste mit einer Nadel und legt einen Draht als Führungshilfe in das Gefäß.
  4. Einführung des Katheters: Über den Draht wird ein dünner Plastikschlauch (Katheter) in die Bauchschlagader eingeführt.
  5. Positionierung des Katheters: Der Katheter wird über einen langen Führungsdraht über die absteigende Schlagader bis in den Aortenbogen vorgeschoben, von wo aus die Gefäße zum Hals sowie zum linken oder rechten Arm abgehen.
  6. Kontrastmittelgabe: Wenn das zu untersuchende Gefäß gefunden ist, wird über den Katheter (mehrfach) das Kontrastmittel gespritzt.
  7. Röntgenaufnahmen: Vor und während der Kontrastmittelgabe werden Aufnahmeserien mit dem Röntgenapparat angefertigt. Ggf. ist dabei eine Untersuchung bei unterschiedlicher Kopfhaltung notwendig, um z.B. bewegungsbedingte Veränderungen zu erkennen.
  8. Abschluss der Untersuchung: Nach Abschluss der Untersuchung wird der Katheter entfernt, die Einstichstelle abgedrückt bis sie nicht mehr blutet und anschließend ein Druckverband angelegt.
  9. Bettruhe: Nach der Untersuchung müssen Sie in der Klinik für sechs Stunden mit dem Verband strenge Bettruhe einhalten, um eine Nachblutung zu vermeiden.

Mögliche Empfindungen während der Untersuchung

Während der Einspritzung des Kontrastmittels kann ein Wärme- oder Spannungsgefühl am untersuchten Körperabschnitt oder an inneren Organen auftreten. Es handelt sich hierbei um eine vorübergehende und ungefährliche Empfindung. Die Kontrastmittelgabe spüren Sie durch ein Wärmegefühl im Kopf, oft auch durch Blitze hinter den Augen oder ein kurzzeitiges Schwindelgefühl.

Vorbereitung auf die Untersuchung

  • Ein bis zwei Tage vor der Angiographie muss die Blutgerinnung überprüft werden. Bei einer ambulanten Untersuchung lassen Sie die Werte bitte von Ihrem Hausarzt bestimmen und bringen Sie sie zusammen mit evtl. vorhandenen Röntgenbildern mit.
  • Klären Sie die Einnahme regelmäßig einzunehmender Medikamente (z.B. Herz- oder Diabetesmedikamente) ab.
  • Falls nicht anders angeordnet, nehmen Sie 2 Stunden vor der Untersuchung keine festen Speisen mehr zu sich. Nicht erlaubt sind Alkohol oder Milch.
  • Für Frauen vor der Menopause: liegt evtl. eine Schwangerschaft vor?

Nach der Untersuchung

Achten Sie auf Veränderungen Ihres Allgemeinbefindens (z.B. Niesreiz, Hautjucken, Erbrechen, Durchfall, Augen- oder Kopfschmerzen) oder auftretenden Nachblutungen. Nach einer ambulanten Untersuchung halten Sie sich bitte genau an die ärztlichen Anordnungen, lassen Sie sich nach Hause fahren.

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Komplikationen bei Katheter-basierten Eingriffen

Obwohl Katheter-basierte Eingriffe im Allgemeinen als sicher gelten, sind sie nicht ohne Risiken. Die Wahrscheinlichkeit und Schwere von Komplikationen hängen von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Art des Eingriffs, die Erfahrung des behandelnden Arztes und der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten.

Allgemeine Komplikationen

  • Blutungen: Arterielle Blutungen stellen nach wie vor die häufigste Komplikation nach vaskulären Interventionen dar. Viele Patienten stehen unter einer dualen Thrombozytenaggregationshemmung, was die Blutungswahrscheinlichkeit erhöht. Eine Gefäß- oder Organperforation kann bereits durch einen Führungsdraht erfolgen und zu einer schwerwiegenden Blutung führen. Stärkere Gefäßverkalkungen schränken die Dehn- und Komprimierbarkeit von Gefäßen ein. Besonders tückisch sind hierbei Blutungen, die sich nach retroperitoneal ausdehnen und erst verzögert symptomatisch werden. Bei größeren Blutungen sind eine rasche Kreislaufstabilisierung und die Gabe von Bluttransfusionen erforderlich. Gegebenenfalls müssen eine operative Revision der Gefäßläsion sowie eine Drainage des Hämatoms erfolgen, um den Kreislauf zu stabilisieren und einem Kompartmentsyndrom vorzubeugen.

  • Verschlüsse: Verschlüsse im Punktionsbereich werden heute seltener als früher beobachtet. Diese Verschlüsse können durch dicklumige Katheter oder Schleusen bedingt sein, die so das stenosierte Gefäßlumen verlegen. Darüber hinaus kann es zu einer Abhebung von Plaques und zu einer lokalen Dissektion kommen und dadurch kann sich das Gefäß sekundär verschließen. Fehlplatzierte Verschlusssysteme können zu einer Verlegung der punktierten Arterie führen und eine chirurgische Revision erfordern. Ferner ist trotz ausreichender Heparinisierung eine parietale Thrombosierung möglich, insbesondere bei der Punktion von sehr kleinlumigen Arterien. Akute thrombembolische Verschlüsse, die im Rahmen von Interventionen auftreten, lassen sich mit einer hohen technischen Erfolgsquote durch eine lokale Fibrinolyse- Behandlung oder eine Katheter-assistierte mechanische Thrombektomie behandeln. Führen diese Maßnahmen nicht zum Erfolg, so muss in Abhängigkeit von der Schwere der Ischämie eine operative Revaskularisation erfolgen.

  • Gefäßverletzungen: Diese Komplikationen können sowohl am Punktionsort als auch im Bereich der Intervention oder distal davon, dann z. B. durch eine Drahtperforation bedingt, entstehen. Sie sind in der Frühphase meist mit einem begleitenden Weichteilhämatom verbunden. Klinisch werden die Veränderungen durch eine Weichteilschwellung, lokalen Druckschmerz und bei einer AV- Fistel durch einen entsprechenden Auskultationsbefund und die Zeichen der kardialen Belastung aufgrund des Links-Rechts-Shunts erkennbar. Zur Diagnosesicherung reicht häufig die Duplexsonographie aus, bei fraglichen Befunden sollte auf eine CT-Angiographie zurückgegriffen werden.

  • Venöse Komplikationen: Werden zentrale Venen durch Katheter oder Führungsdrähte verletzt, kann es schnell zu einer hämo-dynamisch relevanten Blutung kommen. Kritisch sind dabei insbesondere Einblutungen in die Thorax- und Bauchhöhle. Bei ungünstiger Lage kann eine Perikardtamponade resultieren. Venöse Gefäßverschlüsse können z. B. durch Fehlpunktionen und Fehlsondierungen im Rahmen von arteriellen Interventionen entstehen. Ferner kann es an der Punktionsstelle durch Hämatome zu einer Kompression der benachbarten Vene kommen. Darüber hinaus kann es insbesondere bei Einsatz von mechanischen, externen Kompressionshilfen zu einer vollständigen Verlegung z. B. der V. femoralis mit sekundärem thrombotischem Verschluss kommen.

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  • Fehlplatzierungen: Diese können primär oder sekundär entstehen. Im Rahmen einer endovaskulären Ausschaltung eines Bauchaortenaneurysmas kann es leicht zu einer akzidentellen Verlegung bzw. Überstentung des Abganges einer Nierenhauptarterie kommen. Dies lässt sich nur durch eine exakte interventionelle Diagnostik und subtile Bildgebung im Rahmen der Intervention vermeiden. Auch im Bereich der Aortenbifurkation muss auf eine exakte Platzierung von Stents geachtet werden, um den Zustrom zur gegenseitigen Beckenachse nicht zu verlegen. Meist werden diese Patienten erst sekundär symptomatisch.

  • Materialfehllagen: Gefürchtet sind Materialfehllagen, z. B. im Rahmen von Embolisationsbehandlungen. Die Migration von Embolisationsmaterial, das z. B. im Rahmen von einer Endoleak-Behandlung eingebracht wird, kann zu einer schweren Ischämie des Myelons mit permanenter Querschnittssymptomatik führen. Ferner kann es zu einem Bruch von Draht- oder Schleusenmaterial kommen. Stentmaschen können sich unzureichend entfalten oder zentral in das Gefäßlumen hineinragen. Bei dem Versuch, entsprechende Fehllagen zu korrigieren, kann es zu einer Verkeilung kommen, so dass eine perkutane Entfernung nicht mehr möglich ist.

  • Fehlfunktionen von Implantaten: Echte Fehlfunktionen wurden in der Vergangenheit mehrfach beobachtet. Dies betraf z. B. die primäre Dichtigkeit von Stentgraftmaterialien durch eine fehlerhafte Verarbeitung oder die Unmöglichkeit Stentgrafts freizusetzen, da das Material im Trägersystem verklemmt bzw. verklebt war.

  • Herzrhythmusstörungen: Durch Drahtmanipulationen, insbesondere bei der Verwendung von steifen Austauschdrähten kann es zu einer direkten Irritation des Myokards mit Herzrhythmusstörungen kommen. Ferner ist zu bedenken, dass die Patienten gelegentlich dehydriert zur Intervention vorgestellt werden und damit die generelle Thromboseneigung steigt. Darüber hinaus darf die psychische Anspannung der Patienten, insbesondere bei Eingriffen in Lokalanästhesie, nicht unterschätzt werden.

  • Neurologische Komplikationen: Bei allen Interventionen im Bereich der hirnversorgenden Gefäße kann es aufgrund von thrombembolischen Ereignissen zu einer Minderperfusion des ZNS kommen. Hierbei ist zu bedenken, dass im Aortenbogen häufig instabile Plaques vorliegen, die leicht mobilisiert werden können. Es kann bereits bei geringgradigen Kathetermanövern ausgelöst werden. Ferner ist zu bedenken, dass in den Kathetern Thromben entstehen bzw. es bei der Kontrastmittelinjektion zu einer Einbringung von kleinen Luftblasen kommen kann, die wiederum zu einer peripheren Minderperfusion führen. Auch kann es durch das Einbringen von Schleusen zu einer partiellen Verlegung von abgehenden Hirngefäßen kommen. Dies muss insbesondere beachtet werden, wenn zur Therapie von Gefäßen im Becken- und Beinbereich ein Zugang über supraaortale Gefäße, z. B. die A. radialis oder die A.

  • Pleuraverletzung: Bei Zugängen über die Halsgefäße kann es leicht zu einer Pleuraverletzung mit daraus resultierendem Pneumothorax kommen. Ferner können steife Wechseldrähte bei ungünstiger Konstellation auch zu einer Verletzung der A. subclavia oder der A. thoracica interna führen. Einblutungen in die Pleurahöhle sind die Folge.

  • Infektionen und Abszesse: Infektionen und Abszesse nach perkutanen vaskulären Interventionen treten deutlich seltener auf im Vergleich zu offenen operativen Vorgehen.

  • Postimplantationssyndrome: Zu Beginn der Therapie mit beschichteten Nitinolstents wurden häufiger Postimplantationssyndrome beobachtet.

Spezifische Komplikationen bei der Angiographie

  • Schlaganfall: In durchschnittlich 0,3% der Untersuchungen muß mit einem Schlaganfall durch Bildung von Blutgerinnseln gerechnet werden, was zum Beispiel Sprachstörungen oder Lähmungen, eventuell auch dauerhaft, zur Folge haben kann.
  • Allergische Reaktionen: Selten treten Überempfindlichkeitsreaktionen wie Brech-, Nies-, Juckreiz oder Hautausschläge auf, die durch das Kontrastmittel hervorgerufen werden. Extrem selten können bleibende Durchblutungsstörungen, Nervenlähmungen o.ä.

Klassifizierung von Komplikationen

Gemäß den Empfehlungen der SCVIR (Society for Vascular and International Radiology) werden Komplikationen bezüglich ihres Schweregrades wie folgt klassifiziert:

  • Grad 1: Geringfügige Komplikationen, die keine Therapie erfordern oder durch einfache Maßnahmen wie lokale Kompression behoben werden können.
  • Grad 2: Mäßige Komplikationen, die eine spezifische Therapie erfordern, aber nicht lebensbedrohlich sind.
  • Grad 3: Schwere Komplikationen, die eine intensivmedizinische Behandlung oder eine Operation erfordern und potenziell lebensbedrohlich sind.
  • Grad 4: Tod aufgrund der Komplikation.

Risikofaktoren für Komplikationen

Verschiedene Faktoren können das Risiko von Komplikationen bei Katheter-basierten Eingriffen erhöhen:

  • Alter: Ältere Patienten haben ein höheres Risiko für Komplikationen aufgrund von Begleiterkrankungen und einer erhöhten Fragilität der Blutgefäße.
  • Begleiterkrankungen: Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenerkrankungen, Diabetes oder Gerinnungsstörungen haben ein erhöhtes Risiko für Komplikationen.
  • Rauchen: Rauchen schädigt die Blutgefäße und erhöht das Risiko von Blutungen und Thrombosen.
  • Adipositas: Übergewicht erhöht das Risiko von Komplikationen aufgrund von technischen Schwierigkeiten bei der Durchführung des Eingriffs.
  • Einnahme von Medikamenten: Die Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten erhöht das Risiko von Blutungen.

Maßnahmen zur Minimierung von Komplikationen

Um das Risiko von Komplikationen zu minimieren, sollten folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  • Sorgfältige Patientenauswahl: Die Indikation für einen Katheter-basierten Eingriff sollte sorgfältig geprüft werden, und der Eingriff sollte nur durchgeführt werden, wenn der Nutzen das Risiko überwiegt.
  • Erfahrene Operateure: Der Eingriff sollte von einem erfahrenen Arzt durchgeführt werden, der mit den Techniken und potenziellen Komplikationen vertraut ist.
  • Moderne Technologie: Der Einsatz moderner Kathetersysteme, Stents und Embolisationsmaterialien kann das Risiko von Komplikationen reduzieren.
  • Sorgfältige Überwachung: Der Patient sollte während und nach dem Eingriff sorgfältig überwacht werden, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
  • Optimale Vorbereitung: Vor dem Eingriff sollten Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Gerinnungsstörungen optimal eingestellt werden.
  • Thrombozytenaggregationshemmung: Bei Patienten, die eine Thrombozytenaggregationshemmung benötigen, sollte das Medikamentenregime sorgfältig angepasst werden, um das Blutungsrisiko zu minimieren.
  • Patientenaufklärung: Der Patient sollte umfassend über den Eingriff, die potenziellen Risiken und Komplikationen sowie die notwendigen Verhaltensmaßnahmen nach dem Eingriff aufgeklärt werden.

Prävention von hämorrhagischen Schlaganfällen bzw. Hirnblutungen

Hämorrhagische Schlaganfälle und Hirnblutungen sind lebensbedrohliche Ereignisse, bei denen ein Blutgefäß im Gehirn reißt und Blut in das umliegende Gewebe gelangt. Es gibt jedoch Schritte, die Sie unternehmen können, um das Risiko eines solchen Schlaganfalls zu reduzieren:

  • Bluthochdruckkontrolle: Die Kontrolle des Bluthochdrucks spielt eine entscheidende Rolle bei der Prävention hämorrhagischer Schlaganfälle bzw. Hirnblutugen. Ein unbehandelter hoher Blutdruck ist einer der Hauptauslöser für diese lebensbedrohlichen Ereignisse. Die regelmäßige Überwachung des Blutdrucks und die konsequente Einhaltung der ärztlichen Empfehlungen zur Bluthochdruckbehandlung können das Risiko erheblich reduzieren.

  • Gesunde Ernährung: Eine gesunde Ernährung spielt eine Schlüsselrolle bei der Vorbeugung von hämorrhagischen Schlaganfällen bzw. Hirnblutungen. Eine ausgewogene Ernährung mit geringem Gehalt an gesättigten Fettsäuren und Cholesterin unterstützt die Gesundheit der Blutgefäße. Der Verzehr von reichlich Obst, Gemüse und ballaststoffreichen Lebensmitteln fördert zudem die Gesundheit Ihres Herz-Kreislauf-Systems.

  • Verzicht auf Rauchen und Alkohol: Der Verzicht auf Rauchen und der maßvolle Umgang mit Alkohol sind entscheidende Schritte zur Vorbeugung hämorrhagischer Schlaganfälle. Das Rauchen erhöht das Risiko von Gefäßschäden und Bluthochdruck, was die Entstehung von Schlaganfällen begünstigen kann. Übermäßiger Alkoholkonsum wirkt sich negativ auf den Blutdruck aus und kann zudem die Blutgerinnung negativ beeinflussen, was das Risiko weiter steigern kannt.

  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität spielt eine entscheidende Rolle bei der Prävention von hämorrhagischen Schlaganfällen bzw. Hirnblutungen. Eine aktive Lebensweise fördert die Durchblutung, stärkt das Herz-Kreislauf-System und senkt den Blutdruck, was das Schlaganfallrisiko erheblich reduziert. Es wird empfohlen, mindestens 150 Minuten mäßige körperliche Aktivität pro Woche in Ihren Alltag zu integrieren.

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