Katzen und ihre Auswirkungen auf das menschliche Gehirn: Studien und Erkenntnisse

Die Beziehung zwischen Mensch und Tier, insbesondere zu Katzen, ist seit langem Gegenstand von Interesse und Forschung. Was einst als subjektive Erfahrung galt - das beruhigende Schnurren, das langsame Blinzeln, die tröstende Anwesenheit einer Katze - wird nun zunehmend durch wissenschaftliche Studien untermauert. Diese Studien zeigen, dass der Kontakt mit Katzen messbare Veränderungen im menschlichen Gehirn auslösen kann, die sich positiv auf unsere psychische und physische Gesundheit auswirken.

Die Rolle von Oxytocin: Das "Kuschelhormon"

Forscher bezeichnen Oxytocin oft als das "Kuschelhormon". Es wird freigesetzt, wenn Eltern ihr Kind im Arm halten oder Freunde sich umarmen. Oxytocin stärkt soziale Bindungen, reguliert Gefühle und senkt Stress. Es dämpft das Hormon Cortisol und aktiviert das "Ruhe-und-Verdauungssystem" des Körpers. Eine Studie aus dem Jahr 2002 belegte bereits, dass sanfter Kontakt mit Katzen diesen Effekt auslöst. Beim Streicheln oder beim Hören des vertrauten Schnurrens steigen die Oxytocinwerte im Körper, während das Stressniveau sinkt.

Eine 2021 veröffentlichte Untersuchung in Japan zeigte, dass schon kurze Streicheleinheiten mit der Katze den Oxytocinspiegel im Speichel der Halter messbar erhöhen. Eine weitere Studie aus China von Februar 2025 brachte mehr Details ans Licht. Forscher untersuchten 15 Minuten lang das Zusammenspiel von Haltern und ihren Katzen zu Hause. Sicher gebundene Katzen suchten aktiv Nähe, etwa durch Schoßsitzen oder Anstupsen. Bei ihnen stiegen die Oxytocinwerte ebenso wie bei ihren Besitzern. Vermeidende Katzen hielten lieber Abstand und reagierten kaum hormonell. Ängstliche Katzen suchten zwar oft Kontakt, waren aber schnell überfordert. Für Halter bedeutet das: Nicht jede Katze reagiert gleich. Entscheidend ist, die Grenzen des Tieres zu respektieren.

Subtile Kommunikation: Katzensignale verstehen

Während Hunde ihre Zuneigung lautstark zeigen, kommunizieren Katzen subtiler. Das wohl bekannteste Signal ist das langsame Blinzeln. Auch das Schnurren ist mehr als ein Wohlfühlgeräusch. Studien deuten darauf hin, dass die tiefen Vibrationen nicht nur Katzen beruhigen, sondern auch Menschen.

All diese Gesten sind mehr als nur Alltagsmomente. Sie verändern unser Gehirn, stärken Vertrauen, senken Stress und bringen Ruhe.

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Psychische Gesundheit: Katzen als Puffer gegen Belastungen

Die kleinen Oxytocin-Schübe, die Katzen im Alltag auslösen, haben eine große Wirkung. Sie wirken wie ein Puffer gegen psychische Belastungen. Wer regelmäßig mit seiner Katze interagiert, kann Ängste besser bewältigen und depressive Verstimmungen lindern. Besonders für Menschen, die allein leben oder starkem Stress ausgesetzt sind, kann die Nähe einer Katze einen Teil der sozialen Unterstützung ersetzen, die sonst enge menschliche Beziehungen bieten. Das Vertrauen einer Katze gibt es nicht sofort. Es muss Schritt für Schritt wachsen - und genau darin liegt für viele Halter der besondere Reiz.

Tiergestützte Therapie: Katzen als Co-Therapeuten

In der tiergestützten Therapie werden unter anderem Hunde, Pferde und immer häufiger auch Katzen eingesetzt. Doch wie genau können Therapiekatzen kranken Menschen helfen und welche Voraussetzungen müssen Samtpfoten dafür mitbringen?

Katzen sind Balsam für die Seele. Einer Katze ist es egal, ob ein Mensch alt, krank oder behindert ist. Die Hauptsache ist, er behandelt sie gut. Eine Katze hat keine Hintergedanken, ihre Zuneigung ist immer ehrlich gemeint. Diese bedingungslose Akzeptanz ist Balsam für die Seele des Menschen - vor allem, wenn sie gelitten hat. Psychotherapeuten haben den positiven Effekt von Tieren auf Patienten mit psychischen Erkrankungen erkannt.

Allein durch ihre Anwesenheit in der Praxis haben Katzen auf viele Patienten eine beruhigende Wirkung. Die Mieze, die friedlich zusammengerollt auf der Couch im Therapieraum schläft oder einen neuen Patienten freundlich beschnuppert, trägt dazu bei, Ängste abzubauen und Vertrauen zu fassen. Außerdem dienen Katzen als „Eisbrecher“: Das Gespräch kommt leichter in Gang, wenn sich Therapeut und Patient erst einmal ganz unverfänglich über das Tier unterhalten können. Schwierige Themen lassen sich nach so einem Start eher ansprechen. Als besonders hilfreich haben sich die vierbeinigen Therapeuten bei Angsterkrankungen, Depressionen und Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) erwiesen.

Wissenschaftliche Beweise: Glückshormone und Stressreduktion

Der wohltuende Einfluss von Katzen auf die menschliche Seele lässt sich wissenschaftlich nachweisen. Forscher haben herausgefunden, dass das menschliche Gehirn beim Streicheln einer Katze vermehrt Glückshormone ausschüttet. Gleichzeitig wird die Produktion von Stresshormonen reduziert. Katzenschnurren senkt den Blutdruck und damit das Risiko, einen Herzinfarkt zu bekommen, wie eine Studie des Schlaganfallzentrums der Universität von Minnesota (USA) ergab. Das menschliche Gehirn reagiert auf Schnurren außerdem mit der Ausschüttung des Wohlfühlhormons Serotonin.

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Vor allem Kinder profitieren von einer tiergestützten Therapie. Kinder mit Autismus haben zum Beispiel oft Schwierigkeiten mit der zwischenmenschlichen Kommunikation. Sie neigen dazu, Aussagen wörtlich zu nehmen, und haben Probleme dabei, menschliche Gefühle zu interpretieren. Katzen nehmen die kleinen Patienten dagegen so, wie sie sind. Doppeldeutigkeit, Hintergedanken und Ironie sind ihnen fremd. Sie kommunizieren ihre Gefühle geradeheraus. Diese Eigenschaften machen den Kindern die Verständigung leichter und helfen ihnen, sich zu öffnen. Auch bei der Behandlung von Kindern, die am Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) leiden, werden Therapiekatzen eingesetzt. Die Miezen helfen ihnen, zur Ruhe zu kommen und ihre Aufmerksamkeit zu fokussieren.

Katzen im Alter: Eine Bereicherung für Senioren

Nicht nur für Personen mit psychischen Erkrankung, sondern auch für alte Menschen ist der Kontakt mit Katzen eine Bereicherung. Früher stand man Tieren in Seniorenheimen generell eher skeptisch gegenüber: Tiere machten zu viel Arbeit und galten als unhygienisch. Das hat sich geändert. Denn man hat erkannt, welche wohltuende Wirkung Tiere gerade auf alte Menschen haben.

Therapiekatzen im Seniorenheim bringen Abwechslung in den Alltag und sorgen für Gesprächsstoff unter den alten Leuten. Bewohnern, die unter Einsamkeit leiden, spenden die Tiere körperliche Nähe und Wärme. Katzen können stundenlang auf dem Schoß liegen und dösen - ideal für Menschen, die zum Beispiel im Rollstuhl sitzen. Bei dementen Heimbewohnern hat sich gezeigt, dass die Anwesenheit einer Samtpfote Aufmerksamkeit, Kommunikation und Empathie der Senioren verbessert.

Das Seniorenheim Catalina Springs Memory Care im US-amerikanischen Bundesstaat Arizona startete vor einigen Jahren ein besonderes Projekt: Die an Alzheimer erkrankten Bewohner kümmerten sich um Waisenkätzchen aus dem örtlichen Tierheim. Die Katzenbabys mussten mehrmals am Tag mit der Flasche gefüttert werden. Obwohl es zuerst Bedenken gab, ob sie der Aufgabe gewachsen wären, blühten die alten Leute bei der Pflege der Kitten regelrecht auf.

Anforderungen an Therapiekatzen: Charakter und Gesundheit

Welche Voraussetzungen muss nun eine Samtpfote mitbringen, um Therapiekatze zu werden? Alter, Rasse oder Geschlecht spielen hierbei keine Rolle. Ob sich eine Katze als Co-Therapeutin eignet, ist in erster Linie eine Frage des Charakters. Therapiekatzen sollten vor allem keine Angst vor Menschen haben. Sie sollten zudem schon von frühester Kindheit an den Kontakt mit Menschen gewohnt sein und sich in menschlicher Gesellschaft sehr wohl fühlen. Sehr wichtig: Therapiekatzen dürfen „ihren“ Patienten auf keinen Fall gefährlich werden. Auch wenn ein Schützling ungeschickt mit ihnen umgehen sollte, dürfen sie nicht beißen oder kratzen. Geeignet sind daher nur ausgesprochen menschenfreundliche und geduldige Katzen.

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Therapiekatzen, die verschiedene Einrichtungen besuchen, müssen mit Ortswechseln klarkommen und dürfen keine Scheu vor der Transportbox haben. Miezen, die als Co-Therapeuten „arbeiten“, müssen selbst gesund sein. Weil sie mit alten oder kranken Menschen in Berührung kommen, müssen sie regelmäßig entwurmt werden und alle notwendigen Impfungen erhalten haben. Darüber hinaus sollten sie nicht gebarft, also mit Rohfleisch gefüttert, werden. Die im rohen Fleisch enthaltenen Keime können für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem gefährlich werden.

Katzen und Demenz: Parallelen zur Alzheimer-Krankheit

Katzen können wie Menschen an Demenz leiden - und ihre Gehirne verändern sich dabei auf erstaunlich ähnliche Weise wie bei Alzheimer-Patienten. Das zeigt eine neue Studie. Für die Entwicklung neuer Therapien könnte gerade diese Ähnlichkeit entscheidend sein.

Vor allem ältere Katzen entwickeln die Krankheit. Sie miauen häufiger, wirken verwirrt oder schlafen unruhig. Symptome, die Forscher gut von Alzheimer beim Menschen kennen.

Wissenschaftler der Universität Edinburgh untersuchten in der Studie die Gehirne von 25 verendeten Katzen unterschiedlichen Alters - darunter auch Tiere mit eindeutigen Demenz-Anzeichen.

Die Forscher stießen dabei auf das Eiweiß Amyloid-Beta. Es lagerte sich in den Synapsen der Katzengehirne ab - jenen Verbindungen, über die Nervenzellen Signale weitergeben. Genau diese Ablagerungen sind auch ein typisches Merkmal der Alzheimer-Krankheit beim Menschen. „Die Ergebnisse zeigen klar, wie Amyloid-Beta zu Hirnfunktionsstörungen und Gedächtnisverlust führen kann“, erklären die Experten.

Die Forscher entdeckten auch, dass Stützzellen im Gehirn die betroffenen Synapsen regelrecht auffraßen. Ein Prozess, der in der Entwicklung normal ist, im Alter aber zum Verlust wichtiger Verbindungen beiträgt. Bei Menschen mit Alzheimer bedeutet der Verlust von Synapsen: Denken und Erinnern werden massiv beeinträchtigt.

Die Erkenntnisse könnten nicht nur Katzen helfen. Denn ihre Demenz ähnelt der des Menschen so stark, dass sie auch für die Entwicklung neuer Alzheimer-Therapien wichtig werden könnte.

Canine und feline kognitive Dysfunktion

Unsere Haustiere werden immer älter - ein positiver Effekt besserer medizinischer Vorsorge, Versorgung und Ernährung. Gleichzeitig nehmen typische Alters-Erkrankungen wie degenerative Erkrankungen des Nervensystems zu: Auch Hund und Katze leiden im Alter häufig an Demenzsymptomen, dem sogenannten felinen oder caninen kognitiven Dysfunktionssyndrom. Jeder dritte Hund im Alter von 12 Jahren und mehr als jeder zweite Hund im Alter von 15 Jahren ist betroffen.

Das kognitive Dysfunktionssyndrom ist keine normale Alterserscheinung, sondern eine ernstzunehmende Erkrankung, die voranschreitet und die Lebensqualität des betroffenen Tieres und seiner Menschen stark beeinträchtigen kann. „Die Früherkennung ist das A und O, um die canine und feline kognitive Dysfunktion effektiv zu behandeln. Leider erkennen viele Tierbesitzerinnen und Tierbesitzer die frühen Warnzeichen nicht. Wir wollen dies mit unserem Zentrum für geriatrische Hunde und Katzen verändern, um Menschen und Tieren zu helfen“, sagt Professor Dr. Holger Volk, Leiter der Klinik für Kleintiere. Dr. Nina Meyerhoff, Veterinärneurologin und Wissenschaftlerin in der Klinik für Kleintiere, fügt hinzu: „Die ersten Anzeichen der Erkrankung können ebenso wie der individuelle Verlauf beim Patienten sehr variabel sein. Es ist ein sehr komplexes Krankheitsgeschehen und die Diagnosestellung kann auf den ersten Blick schwierig erscheinen. Bei Tieren mit kognitiver Dysfunktion arbeiten die Nervenzellen nicht mehr einwandfrei. Die Beeinträchtigung kann ausgelöst werden durch Veränderungen des Gehirnstoffwechsels und der Botenstoff-Level im Gehirn, Gefäßveränderungen, Entzündungen sowie Ablagerung bestimmter Eiweiße. Erkrankungen anderer Organsysteme, wie Gelenks- und Zahnerkrankungen, mindern das Befinden der Patienten zusätzlich und können die neurologischen Symptome verstärken. Neben einem hohen Alter gibt es weitere Risikofaktoren wie idiopathische Epilepsie. Sie begünstigt die Entwicklung einer Demenz.

Mit verschiedenen prophylaktischen und therapeutischen Bausteinen kann die Lebensqualität der Patienten verbessert und das Voranschreiten der Krankheit verlangsamt werden. Wichtige Elemente sind die Therapie von Begleiterkrankungen, die Anpassung der Ernährung, verschiedene Ergänzungen (Supplemente, siehe Tabelle) für den Gehirnstoffwechsel, mentale Förderung sowie in einigen Fällen Medikamente. Angepasste Fütterungsansätze und Kombinationspräparate bewirkten in experimentellen Gruppen alter und dementer Hunde eine deutliche Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit. Sogenannte „Nutraceuticals“ oder Supplemente können die verschiedenen Prozesse der Gehirnalterung beeinflussen. Die von uns viel erforschten mittelkettigen Fettsäuren (MKT) dienen als alternative und effektive Energiequelle und verbessern so die mitochondriale Funktion, also die Funktion der „Energie-Kraftwerke“ der Nervenzellen. Auch wurden ein antikonvulsiver und anti-entzündlicher Effekt und Auswirkungen auf die Darmflora (Mikrobiom) beschrieben. Omega-3-Fettsäuren, B-Vitamine und Antioxidantien sowie mitochondriale Cofaktoren haben ebenfalls einen positiven Effekt bei Patienten mit kognitiver Dysfunktion. Die optimale Kombination verschiedener Ansätze für den vierbeinigen Patienten sollte immer individuell ausgelotet und im Verlauf auch an veränderte Bedürfnisse angepasst werden.

Toxoplasmose: Ein Parasit im Gehirn und seine möglichen Auswirkungen

Toxoplasma gondii ist ein Parasit, der weltweit verbreitet ist. Aktuellen Schätzungen zufolge trägt knapp ein Drittel der Menschheit den Mikroorganismus in sich. In manchen Regionen Afrikas sind es bis zu 90 Prozent der Bevölkerung, in Brasilien 80 Prozent und in Deutschland immerhin rund 50 Prozent. Die meisten Menschen bemerken die Infektion gar nicht. Nur bei einem von zehn treten unspezifische Beschwerden wie leichtes Fieber, Müdigkeit sowie Kopf- und Gliederschmerzen auf.

Der Mensch ist für den Parasiten ein Zwischenwirt. Vorrangig befällt T. gondii verschiedene Katzenspezies - nur in ihnen kann er sich geschlechtlich vermehren und seinen Lebenszyklus vollenden. Stubentiger scheiden nach der Ansteckung ein bis drei Wochen lang Parasiteneier aus, manche Wildkatzen tun dies ihr Leben lang. Sobald diese in die Umwelt gelangen, reifen sie aus, verteilen ihre Sporen und verunreinigen damit Wasserquellen, Boden und Feldfrüchte. Neben Menschen befallen die Parasiten unter anderem Nagetiere, Hühner, Schweine und Rinder. Nicht durcherhitztes Fleisch dieser Tiere stellt für uns eine weitere Infektionsquelle dar. Hier zu Lande geht vermutlich sogar ein Großteil der Ansteckungen auf den Konsum von kontaminiertem Rohfleisch zurück.

Vom Magen-Darm-Trakt aus gelangt der Schmarotzer bis in unser Gehirn - und das, obwohl das Organ durch die Blut-Hirn-Schranke vor Krankheitserregern geschützt wird. Wie T. gondii das gelingt, ist noch unklar. Eine Theorie ist, dass er sich im Inneren von Immunzellen ins zentrale Nervensystem einschleust. Durch die Infektion werden sie beweglicher, und das befähigt sie mitunter, die Endothelzellschicht der Schutzbarriere zu durchwandern. Sind die Parasiten erst einmal im Gehirn angelangt, nisten sie sich in Neuronen und Gliazellen ein. Vor allem findet man sie in der Amygdala, dem Thalamus, dem Striatum, dem Hippocampus, dem Kleinhirn sowie in der Großhirnrinde.

Verhaltensänderungen durch Toxoplasmose?

Offenbar kann T. gondii seinen Zwischenwirt zu seinen Gunsten manipulieren. Sein Ziel: Dieser soll sich möglichst von einer Katze fressen lassen. Den Mechanismus haben Fachleute ausgiebig an Nagetieren untersucht. Infizierte Tiere wirken äußerlich gesund und fit. Sie verhalten sich jedoch anders als ihre nicht infizierten Artgenossen. Ein Team um Manuel Berdoy von der University of Oxford wies im Jahr 2000 die so genannte Fatal Feline Attraction bei Ratten nach. 23 Labornager, die mit T. gondii angesteckt worden waren, zeigten keine Scheu gegenüber dem Geruch von Katzenurin. Einige Tiere schien der Duft nun sogar anzuziehen.

In weiteren Studien stellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fest, dass Ratten und Mäuse mit Toxoplasmose aktiver waren als nicht infizierte Tiere. Sie hatten zudem weniger Angst vor neuen Reizen, reagierten langsamer und hielten sich lieber in offenem Gelände auf. All diese Verhaltensweisen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass sie einer Katze zum Opfer fallen.

Die Studien des Forschers Jaroslav Flegr zeigen, dass befallene Männer misstrauischer und laxer gegenüber gesellschaftlichen Normen sind. Frauen dagegen entwickeln sich genau entgegengesetzt. Sie werden warmherziger und folgsamer gegenüber Regeln. Beide Geschlechter neigen zu mehr Schuldgefühlen. Sie zweifeln mehr an sich, machen sich mehr Sorgen, sind unsicherer. Und sie schneiden in Reaktionstests deutlich langsamer ab als Nichtinfizierte.

Toxoplasmose und neuropsychiatrische Störungen

Mehrere Faktoren erschweren die Forschung zum Einfluss von Toxoplasmose auf menschliches Verhalten und Denken. Zum einen verbietet es die Ethik, Menschen gezielt mit einem nicht behandelbaren Parasiten zu infizieren. Fachleute sind daher auf serologische Untersuchungen angewiesen, die zeigen, welche Testpersonen Antikörper gegen T. gondii gebildet haben - sich also bereits infiziert haben. Sie vergleichen dann das Verhalten von seropositiven und seronegativen Menschen. Solche Versuche liefern nur Korrelationen; aus den Ergebnissen kann man keine Rückschlüsse auf Ursache-Wirkungs-Beziehungen ziehen. Des Weiteren kommen verschiedene Arbeitsgruppen häufig zu widersprüchlichen Schlussfolgerungen. Wie und ob sich eine Infektion bemerkbar macht, scheint sich von Person zu Person zu unterscheiden.

Eine aktuelle Studie werteten Arjen Sutterland und seine Kollegen von der Universität Amsterdam 24 Arbeiten über den Zusammenhang zwischen T. gondii und unnatürlichen Toden aus. Ihrer Analyse zufolge könnten bis zu 17 Prozent der Verkehrsunfälle und 10 Prozent aller Suizidversuche auf das Konto des Parasiten gehen. Die Autoren merken jedoch an, dass die meisten Arbeiten den Einfluss der Lebensumstände nicht miteinbezogen hatten. Menschen aus ärmeren Haushalten kommen nämlich häufiger durch Unfall und Suizid ums Leben und infizieren sich zugleich eher mit T. gondii. Es sei also nicht auszuschließen, dass es sich um Scheinkorrelationen handelt.

Die Parasiten wirken auf verschiedene Arten auf das Wirtshirn ein - etwa indem sie das Immunsystem aktivieren oder die Hirnstruktur sowie die Ausschüttung von Neurotransmittern verändern. Ähnliche Prozesse treten bei einer Reihe neuropsychiatrischer Erkrankungen auf, was den Verdacht nahelegt, dass der Parasit auch die psychische Gesundheit beeinträchtigen könnte.

So erkranken Menschen, die T. gondii in sich tragen, fast dreimal so häufig an der psychischen Störung Schizophrenie. Ob Katzenhalter häufiger betroffen sind, wird kontrovers diskutiert. Für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Schizophrenie und Toxoplasmose spricht, dass die Infektion häufig dem Krankheitsausbruch vorangeht.

Darüber hinaus gibt es Hinweise auf eine Verbindung zur bipolaren Störung und Depression.

Domestikation und Gehirnveränderungen bei Katzen

Die Anpassung an ein Leben mit Menschen hat Verhalten, Aussehen und Anatomie von Hauskatzen nachhaltig verändert. An charakteristischen Merkmalen wie weißen Fellflecken und zutraulichem Verhalten (geringere Stressreaktion gegenüber Menschen) lassen sich Haus- und Wildtier leicht voneinander unterscheiden.

Eine Publikation aus dem Jahre 1972 verglich Gehirnvolumina zwischen Wild- und Hauskatzen und zeigte, dass Hauskatzen kleinere Gehirne als ihre Vorfahren (Nordafrikanische Falbkatzen) haben. Tatsächlich konnten die ForscherInnen bestätigen, dass Hauskatzen kleinere Gehirnvolumina als ihre wildlebenden Vorfahren aufweisen.

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