Migräne und Kieferverspannung: Ein unterschätzter Zusammenhang

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch starke, oft einseitige Kopfschmerzen auszeichnet und mit Symptomen wie Übelkeit, Lichtempfindlichkeit und Sehstörungen einhergehen kann. Viele Menschen leiden unter diesen Symptomen, ohne die wahre Ursache zu kennen. Ein entscheidender Faktor, der oft übersehen wird, ist die Verbindung zwischen Migräne und Kieferverspannungen. Als ganzheitlicher Ansatz betrachtet man den menschlichen Körper nicht als eine Ansammlung isolierter Teile, sondern als ein eng miteinander verbundenes System, in dem Störungen in einem Bereich Auswirkungen auf andere haben können. Der Zustand der Zähne und des Kiefers spielt dabei eine zentrale Rolle, die häufig unterschätzt wird. Mit einem ganzheitlichen Ansatz, der den Menschen als Ganzes betrachtet, können wir jedoch viele Ursachen gezielt behandeln und den Patienten eine erhebliche Verbesserung ihrer Lebensqualität ermöglichen.

Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD): Eine häufige Ursache für Kieferverspannungen und Migräne

Die Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) ist eine Fehlfunktion des Kiefergelenks und der Kaumuskulatur. Craniomandibuläre Dysfunktion bedeutet wörtlich übersetzt so viel wie Kopf-Unterkiefer-Fehlfunktion - also eine Fehlfunktion im Bereich der Kiefergelenke. Zähne, Kiefer, Kiefergelenke und Kaumuskulatur sind dabei im Ungleichgewicht. Die CMD bleibt jedoch häufig nicht auf die Zähne, Kiefer und Kaumuskeln beschränkt, sondern kann sich auch auf andere Körperregionen auswirken. Man schätzt, dass bis zu 60 Prozent aller Menschen zumindest zeitweise unter CMD leiden. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer.

Ursachen der CMD

Die Ursachen für CMD sind vielfältig. Stress, Fehlstellungen der Zähne oder Zähneknirschen (Bruxismus) können CMD auslösen. Häufig stecken jedoch Zahnfüllungen oder Zahnersatz dahinter, die nicht exakt eingeschliffen wurden. Stimmt die Bisshöhe nicht mehr, sind die Zähne nicht mehr korrekt verzahnt. Das wirkt sich auf die Kiefergelenke aus. Weitere Ursachen können Verletzungen oder angeborene Fehlstellungen sein, die sich auf die Kieferstellung auswirken, oder auch eine kieferorthopädische Therapie, die fehlerhaft ist oder das korrekte Aufeinanderbeißen der Zähne nicht ausreichend oder sogar von vornherein gar nicht berücksichtigt, weil sie sich nur auf die Ästhetik der Frontzähne beschränkt.

All diesen Ursachen gemeinsam ist, dass sie das Zusammenspiel von Zähnen, Kiefergelenk und Kaumuskulatur stören. Dies kann lange Zeit unbemerkt bleiben, weil der Kauapparat die Fehlbelastung kompensiert. Kommen weitere Faktoren wie etwa Stress oder Alters- und Abnutzungserscheinungen hinzu, kann die CMD jedoch Beschwerden verursachen.

Symptome der CMD

Typische CMD-Beschwerden sind:

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  • Kopfschmerzen - sowohl Spannungskopfschmerzen als auch Migräne
  • Schmerzen im Bereich des Kiefergelenks und der Kaumuskeln
  • Knacken oder Reiben im Kiefergelenk beim Kauen, beim Öffnen, Schließen oder Bewegen der Kiefer
  • Zahnschmerzen
  • Erhöhte Empfindlichkeit der Zähne
  • Bewegungseinschränkungen des Unterkiefers
  • Mundöffnungsschmerzen
  • Verspannungen im Bereich von Schulter und Nacken
  • Probleme mit der Halswirbelsäule
  • Gesichtsschmerzen
  • Tinnitus und Schwindel
  • Zähneknirschen, tagsüber oder nachts, oder ein Aufeinanderpressen der Zähne

Der Zusammenhang zwischen CMD und Migräne

Die Kiefergelenke haben eine enge örtliche Beziehung zu wichtigen Strukturen des Schädels. Ist das Zusammenspiel zwischen Zähnen, Kiefergelenk und Kaumuskeln aus dem Gleichgewicht, versucht die Muskulatur, der Fehlstellung durch eine erhöhte Spannung entgegenzuwirken. Dadurch können Kopfschmerzen entstehen. Da Kau- und Nackenmuskulatur eng miteinander verbunden sind, kommt es häufig auch zu schmerzhaften Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich, die wiederum Kopfschmerzen auslösen können. Auch Zähneknirschen (Bruxismus) wird durch eine craniomandibuläre Dysfunktion begünstigt. Die Kräfte, die dabei auf die Zähne wirken, sind enorm: Messungen haben ergeben, dass beim Zähneknirschen Belastungen von mehreren hundert Kilogramm pro Quadratzentimeter im Spiel sein können - und das über Stunden hinweg. Zum Vergleich: Beim Kauen wirken gerade einmal 30 kg, und das über den Tag verteilt nur für insgesamt 15 Minuten. Man kann sich also gut vorstellen, warum Zähneknirschen in Zusammenhang mit CMD ein erhöhtes Kopfschmerzrisiko mit sich bringt. Da Zähneknirschen nicht nur als Folge, sondern auch als Ursache der CMD in Verdacht steht, handelt es sich hier möglicherweise um einen Teufelskreis.

Zähneknirschen (Bruxismus): Eine häufige Ursache für Kopfschmerzen und Migräne

Viele Menschen knirschen oder pressen ihre Zähne unbewusst, vor allem nachts. In unserer modernen Gesellschaft sind Kopfschmerzen und Migräne ein weit verbreitetes Leiden. Was viele nicht wissen: Oft sind chronische Kopfschmerzen oder Migräne eng mit Zähneknirschen und -pressen, auch bekannt als Bruxismus, verbunden.

Warum Zähneknirschen zu Migräne und Kopfschmerzen führt

Zähneknirschen geschieht oft unbewusst, meist in der Nacht, kann aber auch tagsüber auftreten. Dabei reiben die Zähne aufeinander oder es wird übermäßig Druck auf den Kiefer ausgeübt. Dieser übermäßige Druck belastet nicht nur die Zähne und das Zahnfleisch, sondern auch die Kiefermuskulatur, die Kopf- und Nackenmuskulatur sowie das Kiefergelenk. All diese Strukturen sind eng miteinander verbunden. Wenn die Muskulatur durch das ständige Knirschen oder Pressen überlastet wird, kann dies zu Verspannungen führen, die sich bis in den Kopf ausbreiten und dort Kopfschmerzen oder sogar Migräneattacken auslösen können. Der Druck, der auf das Kiefergelenk ausgeübt wird, kann zudem das Gelenk entzünden, was zu noch mehr Beschwerden führt.

Schienentherapie: Eine effektive Lösung bei Kopfschmerzen durch Zähneknirschen

Die Schienentherapie ist eine bewährte Methode, um das Zähneknirschen und die damit verbundenen Beschwerden zu behandeln. Diese Behandlung hat sich als sehr wirksam erwiesen, um die Symptome von Bruxismus zu lindern und die Kopfschmerzen zu reduzieren. Eine Aufbissschiene - oft auch Knirschschiene genannt - ist eine maßgefertigte Kunststoffschiene, die über die Zähne gesetzt wird. Sie wird in der Regel nachts getragen und sorgt dafür, dass die Zähne nicht mehr direkt aufeinander reiben können. Die Schiene verteilt den Druck gleichmäßig und entlastet so die Kiefergelenke und die Muskulatur. Diese Entlastung der Muskulatur führt häufig bereits nach kurzer Zeit zu einer deutlichen Reduktion der Kopfschmerzen und Verspannungen. Auch das Risiko von Zahnschäden, wie beispielsweise Risse im Zahnschmelz oder Abnutzungserscheinungen, wird durch die Schiene erheblich verringert.

Kopfschmerzen verhindern: Wie die Schienentherapie vorbeugend wirkt

Die Schienentherapie dient nicht nur der Behandlung bestehender Beschwerden, sondern kann auch vorbeugend wirken. Viele Patienten, die zu Bruxismus neigen, bemerken erst spät die Auswirkungen des Zähneknirschens. Regelmäßige Kopfschmerzen, Nackenschmerzen und Verspannungen werden oft als normale Erscheinung angesehen, die man einfach hinnehmen muss. Doch genau hier setzt die Schiene an. Durch das regelmäßige Tragen der Schiene, besonders in der Nacht, wird die Belastung des Kiefers deutlich reduziert. Die Muskeln entspannen sich, und die häufigen Spannungen, die oft zu Kopfschmerzen führen, lassen nach. Wer bereits frühzeitig eine Schiene nutzt, kann damit verhindern, dass sich die Symptome verschlimmern oder langfristige Schäden am Kiefergelenk entstehen.

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Der Behandlungsablauf einer Schienentherapie

  1. Erstuntersuchung: Zu Beginn steht ein ausführliches Gespräch und eine gründliche Untersuchung der Zähne und des Kiefers. Hierbei prüft der Zahnarzt, ob Zähneknirschen oder Pressen vorliegt und ob bereits Symptome wie Verspannungen oder Kieferschmerzen bestehen.
  2. Abdrucknahme: Wenn der Verdacht auf Bruxismus besteht, nimmt der Zahnarzt einen Abdruck der Zähne. Diese Abdrücke werden anschließend ins Labor geschickt, wo eine individuell angepasste Schiene angefertigt wird, die perfekt auf die Zahnreihen abgestimmt ist.
  3. Anpassung der Schiene: Sobald die Schiene fertiggestellt ist, wird sie in der Praxis angepasst. Der Zahnarzt prüft, ob sie bequem sitzt und ob alle Kontaktpunkte stimmen. Sollte es nötig sein, werden kleine Anpassungen vorgenommen, um den bestmöglichen Tragekomfort zu gewährleisten.
  4. Tragegewohnheiten und Nachkontrollen: Der Patient erhält genaue Anweisungen, wann und wie lange er die Schiene tragen sollte. In der Regel wird sie nachts getragen, kann aber auch tagsüber verwendet werden, wenn der Patient zu Anspannung im Kiefer neigt. Regelmäßige Nachkontrollen helfen dem Zahnarzt, den Erfolg der Therapie zu überwachen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen.

Migräne und Kiefer - eine oft unterschätzte Verbindung

Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung mit vielfältigen Auslösern. Neben hormonellen Faktoren, Stress oder genetischer Veranlagung können auch mechanische Ursachen im Kieferbereich eine Rolle spielen. Zahnfehlstellungen und eine fehlerhafte Bisslage führen häufig zu einer ungleichmäßigen Belastung von Kiefergelenken und Muskulatur. Diese Fehlbelastungen können sich über Muskelketten bis in den Kopf- und Nackenbereich fortsetzen. Verspannte Kaumuskulatur, Fehlkontakte der Zähne und eine instabile Kieferposition stehen daher bei vielen Patientinnen und Patienten in engem Zusammenhang mit wiederkehrenden Migräneattacken.

Wie Zahnfehlstellungen Kopfschmerzen auslösen können

Bei einem nicht korrekt aufeinander abgestimmten Ober- und Unterkiefer kommt es zu permanenten Ausgleichsbewegungen. Die Kaumuskulatur arbeitet dabei unter Daueranspannung, um den Biss zu stabilisieren. Diese chronische Überlastung kann Triggerpunkte auslösen, die Schmerzen in Schläfen, Stirn oder Hinterkopf verursachen. Besonders häufig betroffen sind Patientinnen und Patienten mit sogenannter Craniomandibulärer Dysfunktion (CMD). Typische Begleiterscheinungen sind Kieferknacken, eingeschränkte Mundöffnung, Nackenverspannungen und Druckgefühle im Kopfbereich. Migräneartige Beschwerden können dabei sowohl einseitig als auch beidseitig auftreten.

Diagnostik: Wann sollte der Kiefer überprüft werden?

Wenn Migräne regelmäßig auftritt und klassische Auslöser ausgeschlossen wurden, lohnt sich ein Blick auf die Kieferfunktion. Dazu erfolgt eine umfassende Funktionsdiagnostik, bei der Zahnstellung, Bisslage, Kieferbewegungen und Muskelaktivität genau analysiert werden. Digitale 3D-Scans, manuelle Funktionsprüfungen und gegebenenfalls ergänzende bildgebende Verfahren helfen, Fehlkontakte und Fehlbelastungen sichtbar zu machen. Ziel ist es, festzustellen, ob die Migräne durch eine mechanische Überlastung des Kausystems mitverursacht wird.

Kieferorthopädische Therapie als Teil der Migränebehandlung

Wird ein Zusammenhang zwischen Zahnfehlstellung und Migräne festgestellt, kann eine kieferorthopädische Behandlung zur Entlastung beitragen. Durch gezielte Korrektur der Zahnstellung und Stabilisierung der Bisslage wird die Muskelspannung reduziert und das Kiefergelenk entlastet. Je nach Befund kommen unterschiedliche Maßnahmen infrage: Aligner, feste Zahnspangen oder funktionelle Schienen zur Entspannung der Muskulatur. Oft erfolgt die Behandlung in enger Zusammenarbeit mit Hausärzten, Neurologen oder Physiotherapeuten, um eine ganzheitliche Therapie zu ermöglichen.

Realistische Erwartungen an die Behandlung

Nicht jede Migräne hat ihren Ursprung im Kiefer. Dennoch berichten viele Patientinnen und Patienten nach einer erfolgreichen kieferorthopädischen Korrektur über eine deutliche Reduktion von Häufigkeit und Intensität der Kopfschmerzen. Die Kieferorthopädie ersetzt keine neurologische Migränetherapie, kann aber einen entscheidenden Beitrag leisten, wenn Fehlstellungen als mitauslösender Faktor identifiziert wurden.

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Was ist CMD und wie wirkt sie sich auf den Kopf aus?

Die Craniomandibuläre Dysfunktion beschreibt eine Funktionsstörung im Kausystem, also im Bereich des Kiefergelenks und der umgebenden Muskulatur. Wenn das Kiefergelenk nicht richtig funktioniert, kann dies weitreichende Auswirkungen haben. CMD kann Schmerzen im Kiefer verursachen, aber auch Probleme, die weit über den Mundbereich hinausgehen und den gesamten Kopf betreffen.

Die Muskulatur des Kiefers ist eng mit den Muskeln im Gesicht, Kopf und Nacken verbunden. Ist das Kiefergelenk durch Fehlfunktionen oder Fehlstellungen belastet, überträgt sich diese Spannung auf benachbarte Muskelgruppen. Dies kann zu Verspannungen im Kopfbereich führen und Kopfschmerzen oder Migräne auslösen.

Warum CMD Kopfschmerzen und Migräne auslösen kann

CMD und Kopfschmerzen sind eng miteinander verknüpft, da der Kiefer durch verschiedene Mechanismen Einfluss auf den Kopfbereich nehmen kann. Hier sind die Hauptursachen, wie CMD zu Kopfschmerzen oder Migräne führt:

  1. Muskelverspannungen durch Fehlfunktionen: CMD verursacht oft Muskelverspannungen im Kiefer- und Nackenbereich. Diese Verspannungen strahlen häufig in den Kopf aus und führen zu Kopfschmerzen. Besonders betroffen sind die Schläfenmuskeln, die bei Menschen mit CMD oft schmerzhaft verhärtet sind. Langfristige Verspannungen in diesen Muskeln können sogar Migräneanfälle auslösen.
  2. Nervenreizungen: Das Kiefergelenk liegt in der Nähe wichtiger Nerven, die für die Kopf- und Gesichtsmuskulatur zuständig sind. Wenn CMD zu einer Überbeanspruchung des Kiefergelenks führt, können diese Nerven gereizt werden und Kopfschmerzen verursachen, die als stechend oder drückend empfunden werden.
  3. Fehlstellungen im Kiefer: Zahnfehlstellungen oder ein asymmetrischer Biss können CMD begünstigen und das Gleichgewicht im Kausystem stören. Diese Dysbalance überträgt sich auf die gesamte Kopf- und Nackenregion, was zu einer Überbelastung der Muskulatur und Migräne führen kann.

Symptome von CMD und Kopfschmerzen

Kopfschmerzen, die durch CMD ausgelöst werden, zeigen sich oft in bestimmten Regionen und werden durch bestimmte Aktivitäten verstärkt. Hier sind typische Anzeichen, die auf CMD als Auslöser hindeuten können:

  • Spannungskopfschmerzen: Diese Kopfschmerzen entstehen durch Verspannungen im Kiefer und Nacken und werden häufig als drückend oder ziehend beschrieben.
  • Migräneanfälle: Migräne durch CMD ist oft durch einseitige, pulsierende Schmerzen und eine hohe Lichtempfindlichkeit gekennzeichnet.
  • Kieferschmerzen und Knacken: Begleitend zu Kopfschmerzen können Schmerzen im Kiefer und ein Knacken oder Knirschen beim Öffnen und Schließen des Mundes auftreten.
  • Nacken- und Schulterverspannungen: Viele Patienten mit CMD klagen über Verspannungen in Nacken und Schultern, die ebenfalls Kopfschmerzen verstärken können.

Behandlungsmöglichkeiten bei CMD-bedingten Kopfschmerzen

Die gute Nachricht ist, dass CMD und die damit verbundenen Kopfschmerzen behandelbar sind. Ein ganzheitlicher Ansatz, der auf die Ursachen abzielt, ist jedoch entscheidend. Hier sind die bewährtesten Therapieoptionen:

  1. Aufbissschienen zur Entlastung des Kiefergelenks: Eine individuell angepasste Aufbissschiene entlastet das Kiefergelenk und verhindert, dass die Zähne nachts aufeinandergepresst werden. Sie schützt die Zähne vor Abrieb und hilft, die Muskulatur zu entspannen, was Kopfschmerzen lindern kann.
  2. Physiotherapie und Entspannungsübungen: Physiotherapie ist besonders hilfreich, um die Muskulatur im Kiefer- und Nackenbereich zu lockern. Therapeuten können gezielte Übungen zeigen, die den Muskeltonus senken und Verspannungen lösen. Auch einfache Entspannungsübungen wie progressive Muskelentspannung oder Atemtechniken können den Stress reduzieren, der oft CMD-Symptome verstärkt.
  3. Kieferorthopädische Maßnahmen bei Fehlstellungen: Wenn eine Zahnfehlstellung die Ursache für CMD ist, kann eine kieferorthopädische Behandlung helfen, den Biss zu korrigieren und die Spannung im Kiefer zu reduzieren. Dadurch werden die Kiefergelenke entlastet und das Risiko für Kopfschmerzen sinkt.
  4. Stressmanagement und Psychotherapie: Stress ist ein häufiger Auslöser und Verstärker von CMD. Durch Techniken zur Stressbewältigung wie Yoga, Meditation oder Atemübungen lässt sich der Stresspegel senken und die Muskelspannung verringern.

Die Rolle des Trigeminusnervs

Der Schlüssel zum Verständnis des Zusammenhangs zwischen Migräne und CMD liegt im Trigeminusnerv. Dieser fünfte Hirnnerv ist für die Gefühlswahrnehmung im Gesicht sowie für die Steuerung der Kaumuskulatur verantwortlich. Bei einer Migräne ist dieses trigeminale System übererregt. Die chronische Reizung kann das Nervensystem sensibilisieren. Ziel der Therapie ist es, die chronische Reizung des Trigeminusnervs zu unterbinden.

Diagnose der CMD

Weil sowohl die Symptome als auch die Ursachen vielfältig sind - und auch weil das Krankheitsbild nicht sehr bekannt ist - denken die behandelnden Ärzte oft nicht an eine CMD. Die Patienten landen mit ihren Beschwerden eher beim Orthopäden, Physiotherapeuten, Osteopathen, HNO-Arzt oder Neurologen, obwohl die Ursachen im Bereich der Kiefergelenke und somit der Zahnheilkunde liegen. Oft haben die Patienten bereits eine lange Odyssee von Arzt zu Arzt hinter sich, wenn sie einem Zahnarzt oder Fachzahnarzt für Kieferorthopädie ihre Beschwerden schildern. Dabei kann dieser eine CMD relativ leicht feststellen und behandeln.

Beim Verdacht auf eine craniomandibuläre Dysfunktion führt der Zahnarzt oder Fachzahnarzt für Kieferorthopädie zunächst eine sogenannte manuelle Funktionsanalyse durch - eine gründliche Untersuchung des Zahn-, Kiefer- und Kopfbereichs. Er überprüft, ob das Kiefergelenk in seiner Beweglichkeit eingeschränkt ist und ob die Kontakte der aufeinanderbeißenden Zähne stimmen. Durch Abtasten lässt sich ermitteln, ob die Muskeln, die am Kauvorgang beteiligt sind, verhärtet oder druckschmerzhaft sind. Neben der manuellen Untersuchung kommen auch instrumentelle Funktionsanalysen zum Einsatz. Das sind spezielle Messverfahren, mit deren Hilfe man die Lage und die Bewegungen der Kiefergelenke in bestimmten Belastungssituationen dreidimensional darstellen und analysieren kann. Dies erfolgt z. B. mit Hilfe von Gipsmodellen und einem Artikulator: einem Gerät, das die Gelenkbewegungen des Patienten simuliert. Aber auch hochpräzise computergestützte Verfahren, die Kieferbewegungen und Kaudruck digital darstellen, sind inzwischen verfügbar. Eine MRT-Diagnostik kann bei bestimmten Fragestellungen zusätzliche Hinweise geben.

Bei der Diagnostik geht es auch darum, mögliche Ursachen der CMD festzustellen. Deshalb sind z. B. auch Befunde vom Orthopäden oder von anderen Fachärzten wichtig, die etwa Rückschlüsse auf Wirbelsäulenprobleme geben. Der Zahnarzt oder Fachzahnarzt arbeitet wenn nötig eng mit den anderen beteiligten Fachrichtungen zusammen und nimmt ggf. eine koordinierende Funktion ein - z. B. wenn neben der zahnärztlichen oder fachzahnärztlichen Behandlung noch Physiotherapie oder Osteopathie angezeigt ist. Insbesondere, wenn Schmerzen chronisch geworden sind und sich verselbständigt haben oder wenn in großer Regelmäßigkeit Schmerzmittel eingenommen werden, ist es oft sinnvoll, einen Schmerzmediziner hinzuziehen.

Weitere Faktoren, die Migräne beeinflussen können

Neben CMD und Zähneknirschen gibt es weitere Faktoren, die Migräne beeinflussen können:

  • Schlaganfallrisiko: Es gibt Hinweise, dass vor allem die Migräne mit Aura einen eigenständigen Risikofaktor für einen Schlaganfall darstellt. Besonders ernst zu nehmen ist die Schlaganfallgefahr bei Menschen mit Migräne mit Aura, wenn zusätzliche Risikofaktoren vorliegen, also wenn diese rauchen oder bei Frauen, die die Pille einnehmen.
  • Entzündungen im Zahnbereich: Entzündungen im Zahnbereich, wie Wurzelspitzenentzündungen oder Zahnfleischentzündungen, können durch die Freisetzung entzündungsfördernder Substanzen Migräne fördern.

Was Sie selbst tun können

Zunächst gilt es, sich bewusst zu machen, in welchen Situationen Sie besonders dazu neigen, Ihre Zähne aufeinanderzubeißen, weil Sie gestresst oder angespannt sind. Im nächsten Schritt können Sie versuchen, zwischendurch immer wieder bewusst lockerzulassen. Weil man das im Alltag oft vergisst, können kleine Erinnerungsbotschaften hilfreich sein. Kleben Sie sich z. B. ein Post-it oder einen Klebepunkt als Reminder zum Lockerlassen an den Bildschirm oder ins Cockpit Ihres Autos.

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