Die Borreliose ist eine heimtückische Multisystem-Erkrankung, die alle Organe befallen kann. Wird sie nicht rechtzeitig erkannt und ausreichend mit einem geeigneten Antibiotikum behandelt, kann sie zu lebenslangen chronischen Beschwerden führen. Die Diagnose der Borreliose gestaltet sich im Früh- und Spätstadium oftmals schwierig. Besonders wenn der Zeckenstich nicht sichtbar oder erinnerlich ist und die typischen Krankheitsmerkmale, wie die Wanderröte, im Frühstadium ausbleiben und das bunte Symptombild einer Spätphase nicht an eine Borreliose denken lässt.
Verlauf und Symptome der Borreliose
Eine Infektion verläuft in mehreren Krankheitsstadien, die fließend ineinander übergehen oder auch übersprungen sowie durch sehr lange freie Intervalle getrennt sein können. Diese freien Intervalle, in denen der Betroffene manchmal völlig beschwerdefrei sein kann, gehören zu den besonderen Charakteristika der Borreliose. Wegen der unglaublichen, häufig wechselnden Symptomvielfalt - welche viele andere Krankheiten imitieren kann - wird die Borreliose häufig als „der große Imitator“ bezeichnet. Die „typische“ Borreliose gibt es nicht.
Häufige Fehldiagnosen der Borreliose sind: Psychosomatische Störungen, Arthritis, Gelenkrheuma, Polyarthritis, Bursitis (Schleimbeutelentzündung), Bandscheibenvorfall, Bindehautentzündung, Entzündungen aller Augenteile, Gefäßbeschwerden (Thrombose), Hirnhautentzündung, Karpaltunnelsyndrom, Gelenkentzündungen (alle großen Gelenke, auch Kiefergelenk), Multiple Sklerose, Fibromyalgie, Sehnenscheidenentzündung, HWS-Syndrom (Hals-Wirbelsäulen-Syndrom) und Schlaganfall.
Stadium 1: Lokale Infektion
Im 1. Stadium - nach der Übertragung der Borrelien - kommt es zunächst zu einer lokalen Infektion der Haut. Nach einigen Tagen bildet sich um die Einstichstelle eine sich ringförmig ausbreitende Rötung (Erythema migrans, Wanderröte). Häufig tritt nur eine sehr diskrete Entzündungsreaktion auf, die vom Betroffenen übersehen wird. Die Wanderröte ist das einzige klinisch eindeutige Zeichen einer Borrelieninfektion im 1. Stadium und sollte als Beweis - auf Fotos - gesichert werden. Des Weiteren können Ansammlungen weißer Blutkörperchen (Knötchen, Lymphozytome) an Ohrläppchen, Brustwarze, Hoden, Ellenbogen und anderen Stellen auftreten. Die Wanderröte fehlt in ca. 50% der Fälle völlig und die Infektion bleibt oft unbemerkt.
Wenige Tage bis Wochen nach dem Stich beginnt die Krankheit mit unspezifischen grippeähnlichen Allgemeinsymptomen wie erhöhter Körpertemperatur, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Gelenkschmerzen, Muskel-, Bänder- und Faserschmerzen, Heiserkeit, Schweißausbrüche,Nachtschweiß, Nackensteifigkeit, Rückenschmerzen, Schluckbeschwerden, Übelkeit und Anderes. Diese Symptome werden häufig als einfache Sommergrippe fehlgedeutet. Wird mit dem Stich eine Blut- oder Lymphbahn getroffen, können diese Symptome vollständig fehlen und Tage/Wochen nach dem Stich ein Übertritt in das 2. Stadium erfolgen.
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Stadium 2 und 3: Streuung des Erregers
Im 2. und 3. Stadium - meist einige Wochen bis Monate, beim 3. Stadium auch Jahre, nach dem Stich - kommt es zur Streuung des Erregers. In diesen Stadien zeigt die Borreliose ihr wahres Gesicht und es kann ein völlig buntes Symptombild auftreten: Gelenkentzündungen, Gelenksteifigkeit, starkes Schwitzen (besonders nachts), Muskelschmerzen, Nervenschmerzen, Kopfschmerzen, Schmerzen in der Wirbelsäule, Gehirnfunktionsstörungen (Lähmungen, Doppelbilder, Verlust des Gehörs oder Geruchsinns, Verwirrtheit, Apathie, Sensibilitätsstörungen), Herz (Herzbeutelerguss, Herzentzündung, Herzrhythmusstörungen), Sprech-, Schreib-, Wortfindungsstörungen, Haut (Ekzeme, Entzündungen, Knötchen, Schwellungen, Mundschleimhaut-Entzündungen), Auge (Entzündungen an allen Teilen), Depression, Erschöpfung, Müdigkeitssyndrom, Fibromyalgien, Frösteln vor und nach Schweißausbrüchen, Gereiztheit, Gesichtsrötungen, Haarausfall, Halsschmerzen, Konzentrationsstörungen, Desorientierung, Lichtempfindlichkeit, Lymphknotenvergrößerung, Ohrgeräusche, Parkinson-Symptome, Persönlichkeitsveränderungen, Potenzstörungen, Psychische Störungen, Pulsfrequenzerhöhung, Schilddrüsenunter- oder -überfunktion, Schwindelattacken, Sehstörungen, Spasmen, Traurigkeit, Wundgefühl über den Rippen und andere.
Die Wanderröte, das Erythema chronicum migrans (ECM) kann auch - wie oben beschrieben - untypisch erscheinen. Nicht immer haben wir nach außen wandernde Ringe, oder die sind so groß über den Körper gewandert, dass man den Ring gar nicht erkennt. In einem eindrücklichen Fall wurde ein Patient extern deshalb auf Pilzbefall behandelt. Manchmal sieht man kaum Hauterscheinungen, oder nur eine diffuse Rötung (s. Bild aus meiner Praxis). In diesem Fall war 6 Wochen später erst der positive Befund im labor ersichtlich (Serum-Borrelien IgM-EIA 62,1 - norm bis 18 U/ml). Manchmal können auch 180 Tage vergehen, bis das Labor einen postiven Befund zeigt. Schwierig wird es, wenn im Serum trotz Borrelien-Befall keine Antikörper gefunden werden, was im Praxisalltag oft genug vorkommt. Die Ringe können auch multilokulär, d.h. an verschiedenen Stellen auftreten.
Die Neuroborreliose: Befall des Nervensystems
In etwa drei von 100 Fällen befallen die Bakterien im Verlauf der Erkrankung auch die Nerven und lösen eine Neuroborreliose aus. Als Folgen können unter anderem brennende Nervenschmerzen, Kribbeln und Lähmungen auftreten. Der Befall des Nervensystems kündigt sich gewöhnlich durch vor allem nächtliche starke Schmerzen an und zeigt sich bei der Mehrzahl der Betroffenen in einem ein- oder beidseitigen Gesichtsnervenbefall (Fazialisparese). Oft asymmetrische Lähmungen anderer Körperpartien durch eine Polyradikulitis (entzündliche Erkrankung der peripheren Nerven) können auftreten. Kinder entwickeln häufiger als Erwachsene eine nichteitrige Hirnhautentzündung (Meningitis) mit starken Kopfschmerzen und hohem Fieber.
Diagnose der Borreliose
Laboruntersuchungen des Blutes (Serologie) helfen in schwierigen Fällen die Diagnose zu sichern, sind jedoch aus verschiedenen Gründen nicht hundertprozentig sicher. Zu den Methoden der Borrelien-Labordiagnostik gehören u.a. der Borrelien-Suchtest (ELISA oder IFT) und der Borrelien-Bestätigungstest-Test (Western- oder Immunoblot). Ist dieser Test negativ, so kann trotzdem eine Borrelieninfektion vorliegen. Borrelien sind u.a. in der Lage sich vor dem Immunsystem zu tarnen. Auch eine frühe Gabe von Antibiotika nach einem Zeckenstich kann die Antikörperbildung unterdrücken, ist aber bei klinischen Verdacht einer Borreliose unbedingt notwendig. Auch der Einsatz von Kortison oder Immunsuppressiva kann den Test neg. beeinflussen. Nachgewiesenermaßen gibt es 27 Ursachen dafür, dass keine Antikörper messbar sind, obwohl eine Borrelieninfektion vorliegt. Des Weiteren kann der Suchtest durch Kreuzreaktion mit anderen Erregern auch falsch positive Ergebnisse liefern. Aus diesem Grund wird in der Praxis als Bestätigungstest immer ein Westernblot oder Immunoblot durchgeführt, in dem die einzelnen Oberflächenproteine der Borrelien und die jeweils gegen sie gerichteten Antikörper genauer aufgespalten werden. Dieser Test liefert zuverlässigere Ergebnisse und kann zusätzlich eine Auskunft über das Stadium der Borreliose geben. Aber auch hier kann es aus den o. g. Gründen zu einem falsch negativen Ergebnis kommen. Um der Borreliose auf die Spur zu kommen, ist das Gesamtbild aus Vorgeschichte, Verlauf, Krankheitssymptomen und Laborergebnissen zu betrachten.
Die Diagnose wird durch serologische bzw. bei klinischem Verdacht auf chronische Neuroborreliose durch die Analyse eines Liquor-/Serumpaares, evtl. durch den Lymphozytentransformationstest (LTT- Borrelien) gesichert. Bei der Acrodermatitis chronica atrophicans kann zusätzlich die histologische Untersuchung in Erwägung gezogen werden.
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Differentialdiagnosen
- Lyme-Arthritis: Rheumathoidarthritis, Fibromyalgie
- Chronische Neuroborreliose: Entzündliche neurologische Erkrankungen anderer Genese (z.B: viral, multiple Sklerose)
- ACA: Hautveränderungen infolge venöser Insuffizienz, Sklerodermie, Lichen sclerosus et atrophicus
Therapie der Borreliose
Die Therapie erfolgt stadien- und symptomgerecht mit wirksamen Antibiotika. Dabei gilt: Je früher therapiert wird, umso größer sind die Chancen auf eine vollständige Heilung. Der „Startschuss“ für eine Antibiotikum-Therapie im Frühstadium ist die Wanderröte oder das Auftreten der Allgemeinsymptome nach erinnerlichem Zeckenstich. Auch bei negativen Laborergebnissen um mögliche Spätfolgen zu vermeiden! Ein Hauptproblem bei der Therapie ist, dass die Borrelien sich in Körperregionen zurückziehen können und dort vom Antibiotikum schlecht erreichbar sind. Dadurch können ruhende Erreger (Persister) eine Therapie überdauern und später wieder aktiv werden. Deshalb sollte das verwendete Antibiotikum nicht unterdosiert und ausreichend lange verabreicht werden.
Bei diagnostizierter Borreliose werden für zwei bis vier Wochen Antibiotika wie Doxycyclin oder Amoxicillin verordnet, die meist zu einer vollständigen Genesung führen. Eine Antibiotika-Gabe als Prophylaxe empfiehlt das RKI ausdrücklich nicht, denn das Risiko für Nebenwirkungen wäre höher als ein möglicher gesundheitlicher Nutzen. Eine frühzeitige Behandlung einer Borreliose kann schwerwiegende Spätfolgen verhindern.
Therapieempfehlungen für das Frühstadium
Therapiedauer 21 Tage. Es sollte so lange behandelt werden, bis das Erythem abgeklungen ist, jedoch mindestens 21 Tage.
Wahl:
- Doxycyclin (ab 9. Lebensjahr)
- Erwachsene: 200 mg täglich
- Kinder > 9 Jahre: 1 - 2 mg/kg auf zwei Einzeldosen, maximal 2x 100 mg
- Amoxicillin (insbesondere bei Kindern und Schwangeren)
- Erwachsene: 3x 750 mg täglich
- Kinder: 50 mg/kg KG auf drei Einzeldosen, maximal 3x 750 mg
- Doxycyclin (ab 9. Lebensjahr)
Wahl:
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- Cefuroxim-Axetil
- Erwachsene: 2x 500 mg täglich
- Kinder: 30 mg/kg KG auf zwei Einzeldosen, max. 2 mal 500 mg
- oder Makrolide, wenn ß-Laktame und Doxycyclin nicht in Betracht kommen
- Cefuroxim-Axetil
Therapieempfehlungen für das disseminierte Stadium
Wir verweisen an dieser Stelle auf die aktuellen Empfehlungen der Fachgesellschaften.
Die Therapiekontrolle erfolgt in erster Linie klinisch. Bei Verdacht auf "Therapieversager" oder Re-Infektion ist ein Lymphozytentransformationstest für Borrelien (LTT-Borrelien) bzw. bei Neuroborreliosen erneute Untersuchung eines Liquor-/Serumpaares zu empfehlen. Der spezifische Antikörpernachweis im Blut ist für die Beurteilung des Therapieerfolges nicht geeignet, da die entsprechenden Antikörper über lange Zeit im Serum persistieren.
Therapieempfehlungen für das chronische Stadium
Wir verweisen an dieser Stelle auf die aktuellen Empfehlungen der Fachgesellschaften. Die Therapiekontrolle erfolgt in erster Linie klinisch (Hinweis: Besserung erfolgt meist langsam); bei Verdacht auf "Therapieversager" oder Re-Infektion ist eine Lymphozytentransformationstest (LTT- Borrelien) bzw. erneute Untersuchung eines Liquor-/Serumpaares zu empfehlen. Der spezifische Antikörpernachweis im Blut ist für die Beurteilung des Therapieerfolges nicht geeignet, da die entsprechenden Antikörper über lange Zeit im Serum persistieren.
Borreliose-Spätfolgen: Ein Überblick
Die Zuordnung der vielgestaltigen Symptomatik zu einer vor längerer Zeit stattgefundenen Borrelien-Infektion ist oft schwierig. Die Symptome beginnen ca. 4-6 Monate bis mehrere Jahre nach Initialinfektion.
Symptome der Lyme-Arthritis
Die "Lyme-Arthritis" manifestiert sich durchschnittlich mehr als 6 Monate nach Initialinfektion (Erythema migrans?, Zeckenstich?). Sie zeigt einen chronisch-rezidivierenden Verlauf und betrifft meist große Gelenke (oft Kniegelenk) mit Schwellung und Schmerzen.
Manifestationen der chronischen Borreliose/Neuroborreliose
- Enzephalomyelitis (neurologische Ausfälle, schleichende Verschlechterung des Zustandes)
- Enzephalopathie (Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Zephalgie, Tinnitus)
- Schlafstörungen, Depression, Reizbarkeit,chronische Müdigkeit
- Normaldruck-Hydrozephalus
- Zerebrale Vaskulitis, Hirninfarkt
- Chronische Radikuloneuropathie
Acrodermatitis chronica atrophicans (ACA)
Die "Acrodermatitis chronica atrophicans" (ACA) ist ein chronisch-entzündlicher, z.T. ödematöser Prozess meist an sonnenexponierten akralen Hautregionen (meist Hände). Dem chronisch-entzündlichen Stadium folgt das chronisch-atrophische Stadium (pergamentartige Haut mit typischem histologischen Befund). Begleitsymptome sind Hyperästhesie, Muskelschwäche, Muskelkrämpfe, solitäre oder multiple fibröse Knötchen, regionale oder generalisierte Lymphknotenschwellungen.
Chronische Augen-Borreliose
Eine chronische Augen-Borreliose manifestiert sich u.U. mit Hornhautstroma-Trübungen, marginale Keratitiden, Episkleritis, okuläre Myositis, Optikusatrophie.
Post-Lyme-Syndrom (PLS)
Es handelt sich um ein Syndrom, das nach z. T. mehrfach antibiotisch behandelter Borreliose persistiert. Pathogenetisch werden eine protrahierte (auto)immunologische Aktivierung und eine Borreliose-induzierte Vaskulitis diskutiert. PLS oder chronische Borreliose? Antibiotische Behandlung ja oder nein? Diese Fragen sind in der Fachwelt äußerst umstritten. Mit den bisher vorhandenen labordiagnostischen Möglichkeiten konnte dieser Streitpunkt bis jetzt nicht gelöst werden.
Die häufigsten Symptome sind: Müdigkeit, Erschöpfung, kognitive Defizite und Schlafstörungen, Neuropathien, Schmerzsyndrome. Diagnostisch hilfreich sind: Anamnese (bekannte Borreliose?) und serologische Untersuchungen (Nachweis von Antikörpern gegen Borrelia burgdorferi im Screeningtest, Immunoblot oder Borrelien recomBead TestZur differentialdiagnostischen Abgrenzung (v.a. zur Fibromyalgie oder unspezifischen Gelenks- und Systemerkrankungen) wird auch die HLA-DR-Subtypisierung berücksichtigt.
Ein zusätzlich möglicher Test zur Differenzierung ist der Lymphozytentransformationstest (LTT- Borrelien). Dieser fällt negativ aus, wenn keine aktive Borrelieninfektion vorliegt. Bei einem positiven LTT-Borrelien besteht der Verdacht, dass eine persistierende Borrelieninfektion besteht. Bisher gibt es keine allgemein anerkannten Daten, die unbedingt für eine Langzeit-Antibiotika-Therapie über mehrere Monate sprechen.
Prävention und Schutz vor Borreliose
"Zeckensaison" ist von April bis Oktober. Risikopersonen sind Menschen, die sich beruflich (z.B. Förster, Forstarbeiter, Gärtner) oder in ihrer Freizeit oft im Garten oder in der Natur aufhalten. In Deutschland enthalten ca. 10 % der Nymphen und 15 - 40 % der adulten Zecken Borrelien. Es kommt nach Stich einer infizierten Zecke in ca. 10 - 20 % zur Infektion. Ein hohes Übertragungsrisiko besteht, wenn die Zecke lange Blut gesaugt hat (> 24 Stunden) und der Zeckenstich in einer Region mit hoher Borreliose-Inzidenz erfolgte. Zeckenstiche bleiben oft unbemerkt, besonders wenn es sich um Larven oder Nymphen handelt. Borrelien-Infektionen können asymptomatisch (Erregerelimination = Spontanheilung) oder symptomatisch (Borreliose) verlaufen. Bei symptomatischen Infektionen kommt es in ca. 70 - 80 % der Fälle innerhalb von 14 bis zu 30 Tagen nach dem Zeckenstich zu einer lokalisierten Hautrötung an der Stichstelle (Erythema migrans). In 30 - 40 % der Fälle manifestiert sich die Borreliose erst im Disseminationsstadium der Infektion. Eine Borrelien-Infektion verleiht keine Immunität. Reinfektionen sind deshalb möglich. Eine prophylaktische Impfung steht bisher nicht zur Verfügung.
Schutzmaßnahmen
- Schutz vor Zeckenbissen: Einen sicheren Schutz gibt es nicht. Meiden Sie Unterholz und hohes Gras (auch im Winter bei milder Witterung). Geschlossene Kleidung und festes Schuhwerk bieten einen gewissen Schutz. Hosenbeine in die Socken stecken. Zecken trocknen schnell aus. Jäger schützen sich, indem sie ihre Kleidung einige Minuten in den Wäschetrockner legen - das überlebt keine Zecke auf der Kleidung. Die Tiere können stundenlang auf der Kleidung umherkrabbeln, bis sie stechen. Anti-Insektensprays auf Haut, Schuhen und Kleidung stösst sie für einige Stunden ab.
- Impfung: Gegen Hirnhautentzündung (FSME) kann man sich impfen lassen. Die Impfung ist empfehlenswert, wenn man in "Problemgebieten" viel im Freien ist. Der Impfschutz ist nach 3 Impfungen vorhanden; nach 3 Jahren sollte erneut geimpft werden. Gegen Borreliose kann man sich leider nicht impfen lassen; allerdings scheint das eincremen mit Insektenschutzmitteln manche Zecke vom Stechen abzuhalten.
- Selbstkontrolle: Nach einem Aufenthalt im Freien kann man sich selbst auf Zecken untersuchen. Wenn man sich am Abend nach einem Aufenthalt in der Natur selbst absucht und die Zecke entdeckt, ist die Gefahr gebannt! In den ersten 12-24 Stunden nach dem Zeckenstich hat meist noch keine Borrelienübertragung stattgefunden (das liegt daran, dass die Borrelien im Mitteldarm der Zecken leben. Sie werden erst im Verlauf des Blutsaugens der Zecke aktiviert, wandern dann in die Speicheldrüse der Zecke).
- Zeckenentfernung: Entdeckte Zecken sollten entweder mit dem Messer "abgeschabt", mit der Pinzette gerade herausgezogen oder gleich dem Arzt gezeigt werden, damit dieser sie entfernt. Danach wird die Stichstelle desinfiziert. Keinesfalls darf die Zecke gequetscht, mit Alkohol, Feuer, Klebstoff, Öl o.ä. traktiert werden. Im Todeskampf erbricht sie sonst noch viel mehr Erreger in die Stichwunde. Vermutlich werden die meisten Borrelieninfektionen durch falsche Zeckenentfernung erst provoziert.
- Arztkontrolle: Ein normaler Zeckenbiss kann dem Arzt zur Kontrolle gezeigt werden. Tritt aber ein Rötung an der Stichstelle auf, ist die Kontrolle durch den Hautarzt unerlässlich. Bei Infektionsverdacht sichert eine Blutuntersuchung die Diagnose (frühestens nach 2 Wochen, Kontrolle nach 4-6 Wochen sinnvoll).
- Zeckenuntersuchung: Man kann Zecken untersuchen lassen, ob sie Borrelien enthalten. Die entfernte Zecke sollte mit Tesa auf Pappe geklebt und komplett zum Arzt gebracht werden. Die Kosten der Untersuchung der Zecke selbst werden nicht von den Kassen getragen. Diese Untersuchung ist eigentlich auch wenig sinnvoll: selbst wenn die Zecke die Borrelien enthält, muss sie die Bakterien noch lange nicht übertragen haben. Eine infizierte Zecke ist noch kein Beweis, dass die Krankheit übertragen wurde.
Weitere Präventive Maßnahmen
- Wer im Garten arbeitet, im Wald oder auf Wiesen mit hohem Gras unterwegs ist, sollte zum Schutz vor Zecken geschlossene Schuhe, lange Hosen und möglichst auch langärmelige Oberbekleidung tragen.
- Auf heller Kleidung lassen sich Zecken besser erkennen und wieder abstreifen.
- Suchen Sie sich und Ihre Kinder danach gründlich auf Zecken ab und entfernen Sie diese umgehend.
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