Bromelain bei Nervenschmerzen: Studienlage und Anwendung

Bromelain, ein Enzymkomplex aus der Ananas, wird traditionell in der Medizin eingesetzt. Dieser Artikel beleuchtet die Studienlage zur Anwendung von Bromelain bei Nervenschmerzen, seine Wirkungsweise, Anwendungsgebiete und weitere Aspekte.

Was ist Bromelain?

Bromelain ist ein Enzymkomplex, der hauptsächlich aus zwei Eiweiß-spaltenden Enzymen besteht und aus der Ananas-Pflanze (Ananas comosus) gewonnen wird, insbesondere aus dem Stamm und der Frucht. Es wird seit Jahrhunderten in der traditionellen Medizin Süd- und Zentralamerikas genutzt und hat in der modernen Medizin und Naturheilkunde zunehmend an Bedeutung gewonnen. Chemisch besteht Bromelain aus proteolytischen Enzymen, die Proteine abbauen können, was es zu einem wertvollen Werkzeug bei entzündlichen und verdauungsbezogenen Beschwerden macht. Für die Herstellung von Arznei- oder Nahrungsergänzungsmitteln wird Bromelain vor allem aus dem Stamm der Ananas gewonnen, da sich dort die höchste Menge des Enzyms findet. Für die Gewinnung werden frische Stämme (normalerweise Nebenprodukte der Ananasernte) geschält, zerkleinert und zu einem Saft gepresst. Aus dem Ananas-Extrakt wird dann das Bromelain gewonnen. Durch diesen ressourcenschonenden Prozess wird eine nachhaltige Nutzung der Ananaspflanze verwirklicht.

Wirkungsweise von Bromelain

Untersuchungen zufolge besitzt das Enzymgemisch Bromelain verschiedene Wirkungen. Es hemmt Schwellungen (Ödeme) nach Verletzungen oder Operationen und beeinflusst die Blutgerinnung, indem es unter anderem die Blutungszeit verlängert und das Zusammenlagern der Blutplättchen (Thrombozyten) verhindert.

Außerdem weist Bromelain entzündungshemmende Eigenschaften auf und kann aufgrund seiner eiweißspaltenden Fähigkeiten die Verdauung unterstützen (etwa bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, die normalerweise Verdauungsenzyme produziert). Darüber hinaus wurde die Bromelain-Wirkung auf verschiedene Arten von Krebs und entzündlichen Enddarmveränderungen, die mögliche Krebsvorstufen darstellen, untersucht. Dabei konnte ein positiver Effekt festgestellt werden. Als alleinige Therapie bei Krebs kommt der Ananas-Wirkstoff jedoch nicht in Frage.

Bromelain hemmt die Freisetzung entzündungsfördernder Zytokine und moduliert die Aktivität von Immunzellen wie Neutrophilen und Makrophagen. Dies führt zu einer Reduktion von Entzündungsreaktionen, was Bromelain zu einer vielversprechende Option bei chronischen entzündlichen Erkrankungen wie Arthritis oder Colitis ulcerosa macht.

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Die entzündungshemmenden und analgetischen Eigenschaften von Bromelain machen es effektiv bei der Schmerzlinderung. Studien zeigen, dass es Schmerzen bei Arthrose-Patienten reduziert und nach chirurgischen Eingriffen wie Weisheitszahnentfernungen hilfreich ist.

Als proteolytisches Enzym unterstützt Bromelain den Abbau von Proteinen in kleinere Peptide und Aminosäuren, was die Verdauung erleichtert. Es ist besonders nützlich bei Verdauungsstörungen wie Insuffizienz der Bauchspeicheldrüse, wo die Enzymproduktion eingeschränkt ist.

Bromelain fördert die Wundheilung, indem es abgestorbenes Gewebe abbaut und die Durchblutung verbessert. Es wird topisch bei schweren Verbrennungen eingesetzt, um nekrotisches Gewebe zu entfernen, und oral, um postoperative Schwellungen zu reduzieren.

Damit Enzyme im Allgemeinen, und Bromelain im Speziellen, ihre Wirkung im Körper entfalten können, müssen die Enzyme aus dem Verdauungstrakt in den Körper aufgenommen werden. Dafür müssen die Enzympräparate zwischen den Mahlzeiten eingenommen werden. Die Enzyme gelangen dann über den Verdauungstrakt in den Dünndarm, wo sie über die Darmzellen in das Blut aufgenommen werden. Auf diesem Weg wirken sie systemisch im Körper und können direkt an den Ort des Entzündungsgeschehens transportiert werden.

Im Blut wirken die oralen Enzymkombinationen dann über ein Protein namens Alpha-2-Makroglobulin. Enzyme, wie Bromelain binden an dieses Protein und führen dadurch zu einer Änderung seiner Struktur (Konformationsänderung). Diese strukturelle Änderung bewirkt, dass Alpha-2-Makroglobulin sogenannte Zytokine (Botenstoffe des Immunsystems) abfangen kann. Besonders bei entzündlichen Prozessen kommt es, als natürlicher Bestandteil der immunologischen Prozesse, zur Bildung dieser Botenstoffe. Dabei ist es von enormer Bedeutung, dass die entzündlichen Vorgänge genau reguliert werden. Denn nehmen diese in die eine oder andere Richtung Überhand, kann der Heilungsprozess gestört werden.

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Enzyme, wie Bromelain greifen genau an diesem Punkt an und fördern die Regulierung der entzündlichen Vorgänge und unterstützen so die Heilung.

Nach Aufnahme in den Blutkreislauf kann sich Bromelain im Körper verteilen. Sein Abbau erfolgt in der Leber - wie schnell, ist unklar. Einen Einfluss auf die Abbaugeschwindigkeit haben vermutlich die individuelle Konstitution und der Gesundheitszustand eines Menschen.

Anwendungsgebiete von Bromelain

Bromelain findet in der Medizin zahlreiche spezifische Anwendungen, die durch klinische Studien gestützt werden.

Bromelain wird in Deutschland und Österreich als Begleittherapie bei Schwellungszuständen nach Operationen und Verletzungen, insbesondere der Nase und der Nasennebenhöhlen, eingesetzt. In der Schweiz wird der Wirkstoff als ergänzende Behandlung bei Weichteilentzündungen mit ausgeprägter Ödembildung verwendet. In Kombination mit weiteren Enzymen wird Bromelain darüber hinaus unter anderem bei oberflächlichen Venenentzündungen, rheumatischen Erkrankungen sowie Entzündungen des Harn- und Geschlechtstrakts eingesetzt. Zudem kommt er in speziellen Verbrennungskliniken bei starken Verbrennungen in Form eines Gels zum Einsatz, um den Verbrennungsschorf auf den Wunden abzulösen. Manchmal wird Bromelain auch zur Verdauungsförderung gegeben (als Nahrungsergänzungsmittel).

Klassische Anwendungsbeispiele sind:

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  • Entzündliche Gelenkschmerzen bei aktivierter Arthrose, z.B. in Hüfte, Knie, Fußgelenken, Hand oder Arm
  • Verletzungen und Sportschäden, wie Prellungen, Verstauchungen, Zerrungen oder Überlastungsschäden und Muskelkater
  • Entzündungen des Harn- und Geschlechtstrakts (Urogenitaltrakt), wie unkomplizierte Blasenentzündung oder Prostatitis
  • Oberflächliche Venenentzündung (Thrombophlebitis)
  • Unterstützung der Heilung nach Operationen

Einige spezifische Anwendungsgebiete sind:

  • Sinusitis: Studien zeigen, dass Bromelain die Symptome lindert, indem es Entzündungen reduziert und die Drainage der Nasennebenhöhlen verbessert.
  • Postoperative Schwellungen: Nach chirurgischen Eingriffen, insbesondere in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, treten häufig Schwellungen auf, die Schmerzen verursachen und die Heilung verzögern. Bromelain wird in der postoperativen Phase eingesetzt, um diese Schwellungen zu reduzieren.
  • Arthrose: Klinische Studien belegen, dass Bromelain Schmerzen und Steifheit bei Arthrose-Patienten, insbesondere im Kniegelenk, lindert.
  • Verbrennungen: In spezialisierten Verbrennungszentren wird Bromelain topisch angewendet, um abgestorbenes Gewebe bei schweren Verbrennungen zu entfernen. Dies fördert die Wundheilung und reduziert das Risiko von Infektionen.
  • Bromelain kann die Thrombozytenaggregation hemmen, was das Risiko von Blutgerinnseln und kardiovaskulären Ereignissen wie Schlaganfällen oder Herzinfarkten verringern könnte.
  • Bromelain wird bei Verdauungsproblemen wie Magenbeschwerden, Durchfall oder Enzymmangel eingesetzt.
  • Bromelain hat entzündungshemmende und antibakterielle Eigenschaften, die bei Hautproblemen wie Akne oder Ekzemen hilfreich sind.
  • Vorläufige Studien deuten darauf hin, dass Bromelain ein Potenzial in der Krebsbehandlung und -prävention haben könnte. In-vitro-Studien zeigen, dass Bromelain die Proliferation von Krebszellen hemmen und die Apoptose (programmierter Zelltod) induzieren kann.

Bromelain bei Nervenschmerzen

Die Studienlage zur direkten Anwendung von Bromelain bei Nervenschmerzen ist begrenzt. Allerdings deuten die entzündungshemmenden und schmerzlindernden Eigenschaften von Bromelain darauf hin, dass es potenziell bei bestimmten Arten von Nervenschmerzen hilfreich sein könnte, insbesondere wenn diese durch Entzündungen verursacht werden.

Da Bromelain entzündungshemmende Eigenschaften besitzt, könnte es bei Nervenschmerzen helfen, die durch Entzündungen verursacht werden. Bei Nervenkompressionen, wie beispielsweise beim Karpaltunnelsyndrom, könnte Bromelain helfen, die Schwellung und Entzündung um den Nerv zu reduzieren und somit die Schmerzen zu lindern. Studien haben gezeigt, dass Bromelain bei Arthrose-Patienten Schmerzen und Steifheit lindern kann. Da Arthrose auch Nervenschmerzen verursachen kann, könnte Bromelain hier ebenfalls eine unterstützende Wirkung haben.

Es ist wichtig zu beachten, dass weitere Forschung erforderlich ist, um die Wirksamkeit von Bromelain bei Nervenschmerzen genauer zu untersuchen und die optimalen Dosierungen und Anwendungsformen zu bestimmen.

Anwendung von Bromelain

Die gängigste Anwendung von Bromelain erfolgt als magensaftresistente Tablette mindestens eine halbe Stunde bis Stunde vor einer Mahlzeit. Die Magensaftresistenz ist notwendig, damit das Protein nicht schon im Magen verdaut wird. Die Tablette löst sich also erst im Darm auf, und das freigesetzte Bromelain kann von dort aus ins Blut aufgenommen werden.

Die Aufnahme von Proteinen durch die Darmschleimhaut ist eher ungewöhnlich und kommt selten vor, wurde aber für den Wirkstoff Bromelain in Studien nachgewiesen. Über das Blut kann er seine Wirkorte wie die Nasennebenhöhlen erreichen.

Die Dosierung der verschiedenen Präparate variiert. Befolgen Sie daher die Dosieranweisung der Packungsbeilage oder Ihres Arztes. Die Deutsche Kommission E empfiehlt 80-320 mg täglich, aufgeteilt auf zwei bis drei Dosen (Mount Sinai).

Zum Abtragen von Verbrennungsschorf wird der Wirkstoff lokal auf die Verbrennung als Gel aufgetragen und dort für einige Stunden belassen. Danach reinigt der Arzt die Wunde vorsichtig.

Für eine optimale Dosierung von Bromelain sollte Wobenzym bei anhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden als Kur von 6 bis 8 Wochen mit 2 × 3 Tabletten täglich eingenommen werden.

Generell gilt, dass Wobenzym so lange eingenommen wird, bis die Beschwerden vollständig abgeklungen sind. Sollte nach 2 Wochen keine Besserung aufgetreten sein, sollte jedoch vor der weiteren Einnahme mit einem Arzt gesprochen werden, um die Therapie gegebenenfalls anzupassen.

Worauf muss man bei der Einnahme achten?

Ohne ärztliche Rücksprache (als Selbstmedikation) sollte Bromelain nur wenige Tage eingenommen werden. Unter ärztlicher Aufsicht kann der Wirkstoff auch längerfristig angewendet werden.

Bromelain darf nicht eingenommen werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der anderen Bestandteile des Medikaments
  • Besondere Vorsicht ist geboten, wenn gleichzeitig blutgerinnungshemmende oder thrombozytenaggregationshemmende Arzneistoffe eingenommen werden (z.B. Phenprocoumon, Warfarin, Acetylsalicylsäure = ASS, Prasugrel).

Durch seine Wirkung auf die Blutgerinnung kann Bromelain die Blutungsneigung erhöhen. Das gilt umso mehr, wenn zusätzlich Blutgerinnungshemmer (Antikoagulantien wie Warfarin) oder Thrombozytenaggregationshemmer (wie ASS, Prasugrel) eingenommen werden.

Bromelain kann die Aufnahme anderer Wirkstoffe im Darm fördern, wenn diese gleichzeitig eingenommen werden. Ebenso werden die Konzentrationen von Antibiotika (Tetracycline und andere) im Blut und Urin erhöht, wodurch die Spiegel im Körper stärker als gewünscht schwanken können. Das kann den Erfolg der antibiotischen Therapie einschränken.

Die Altersbeschränkung ist Präparate-abhängig. Zum Teil wird die Einnahme für Kinder unter 12 Jahren nicht empfohlen, zum Teil für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Erkundigen Sie sich im Zweifelsfall bei Ihrem Arzt oder Apotheker.

Hinweise für schädigende Effekte von Bromelain bei Schwangeren und Stillenden sind nicht bekannt. Da für die Anwendung von Bromelain in der Schwangerschaft und Stillzeit jedoch keine ausreichenden Daten vorliegen, wird die Einnahme nicht empfohlen. Bei der Anwendung des Gels zur Entfernung von Verbrennungsschorf sollten stillende Mütter ab dem ersten Tag der Anwendung das Stillen für mindestens vier Tage unterbrechen.

Nebenwirkungen von Bromelain

Bromelain ist in der Regel gut verträglich. Bei jedem zehnten bis hundertsten Behandelten treten Hautausschläge, asthmaähnliche Beschwerden und allergische Reaktionen auf. Sollte dies der Fall sein, muss die Therapie sofort unterbrochen und ein Arzt verständigt werden.

Gelegentlich (also bei jedem hundertsten bis tausendsten Patienten) treten als Nebenwirkungen Verdauungsstörungen, Magenbeschwerden und Durchfall auf.

Bei der Einnahme von Bromelain kann es zu möglichen Nebenwirkungen kommen. Gelegentliche Nebenwirkungen können Magen-Darm-Beschwerden, wie Blähungen, Übelkeit oder Durchfall sein. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Allergien auf Ananas bekannt sind. In diesem Fall wird von der Einnahme von Bromelain-Präparaten abgeraten, da es zu allergischen Reaktionen wie Hautausschlägen oder Atemnot kommen kann. Werden blutverdünnende Medikamente eingenommen, muss aufgrund der gerinnungshemmenden Eigenschaften von Bromelain vor der Einnahme mit dem behandelnden Arzt gesprochen werden.

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