Das Klinikum Solingen hat sich auf die Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen spezialisiert, darunter Morbus Parkinson, verschiedene Formen von Demenzen und Polyneuropathie. Diese Erkrankungen stellen eine wachsende Herausforderung für das Gesundheitssystem dar, da sie oft chronisch verlaufen und die Lebensqualität der Betroffenen zunehmend beeinträchtigen. Parallel dazu hat sich die neurologische Versorgung im Kreis Mettmann durch die Kooperation des EVK Mettmann mit dem Städtischen Klinikum Solingen deutlich verbessert.
Parkinson-Komplexbehandlung im Klinikum Solingen
Für Patienten mit Morbus Parkinson bietet das Klinikum Solingen eine spezialisierte Parkinson-Komplexbehandlung an. Diese umfassende Betreuung erfolgt durch ein erfahrenes, multidisziplinäres Team aus Neurologen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und weiteren Fachkräften. Gemeinsam erstellen sie einen individuellen Behandlungsplan, der medikamentöse Therapien, physikalische Behandlungen und bei Bedarf auch chirurgische Optionen wie die Tiefe Hirnstimulation beinhaltet. Die Parkinson-Patienten werden in einem besonderen neurologischen Bereich betreut. Die Anwendung dieser Therapie soll möglichst früh bei Änderungen in der Befindlichkeit der Patienten erfolgen.
Diagnostik und Therapie von Demenzerkrankungen
Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt des Klinikums Solingen liegt in der Diagnostik und Therapie von Demenzerkrankungen. Durch den Einsatz moderner bildgebender Verfahren und neuropsychologischer Tests wird eine frühzeitige und präzise Diagnose angestrebt, um den optimalen Behandlungsansatz festlegen zu können.
Liquordiagnostik als zentrales Element
Ein zentrales Element der neurodegenerativen Behandlungsstrategie ist die Liquordiagnostik. Durch die Analyse der cerebrospinalen Flüssigkeit (Liquor) können wichtige Informationen über entzündliche, degenerative oder tumoröse Prozesse im Zentralnervensystem gewonnen werden. Am Klinikum Solingen wird eine ganzheitliche Betrachtungsweise neurodegenerativer Erkrankungen verfolgt.
Verbesserte neurologische Versorgung im Kreis Mettmann
Die Schließung der St. Lukas Klinik in Solingen-Ohligs, die mit ihrer Stroke Unit auch für die Versorgung von Schlaganfallpatienten im Kreis Mettmann zuständig war, hatte eine Lücke in der Versorgung hinterlassen. Um diese zu schließen, erhielt das EVK Mettmann bereits im Januar den Versorgungsauftrag für die Neurologie inklusive einer Stroke Unit. Als Chefarzt konnte Privat-Dozent Dr. med. Bert Bosche gewonnen werden. Er ist Facharzt für Neurologie mit den Zusatzqualifikationen Spezielle Neurologische Intensivmedizin und Rehabilitationswesen. Mit seiner Expertise und Erfahrung aus Unikliniken in Köln, Essen und Toronto baut er seit April die Neurologie und Stroke Unit in Mettmann auf.
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Für den Kreis Mettmann ist diese Entwicklung ein echter Gewinn, da es bisher für fast 500.000 Einwohner keine eigene Stroke Unit und Neurologie gab. Dr. Bosche legt großen Wert auf neurologische Diversität, wobei das Team die Expertise in verschiedenen Subspezifikationen der Neurologie abbilden soll.
Leistungsspektrum der Neurologie in Mettmann
Neben der Versorgung von Schlaganfall und Hirnblutungen sollen auch chronisch-entzündliche Erkrankungen des zentralen Nervensystems, wie Multiple Sklerose oder Parkinson, sowie Funktionsstörungen, die durch Erreger ausgelöst wurden (Meningitis oder Enzephalitis), behandelt werden. „Die Neurologie hat sich zum absoluten Vorteil für die Patienten weiterentwickelt, denn heute können wir nicht nur mittels klinisch-neurologischer Untersuchungen und bildgebenden Verfahren wie MRT oder CT Diagnosen stellen, sondern auch neurologisch bedingte Funktionsstörungen gut behandeln - durch Medikationen, Interventionen und rehabilitative Maßnahmen“, so PD Dr. med. Bosche.
Während ein Teil der neurologischen Erkrankungen genetisch bedingt ist, können andere Diagnosen, wie etwa Demenz und das Risiko einen Schlaganfall zu erleiden, durch den eigenen Lebensstil beeinflusst werden. Ein gesunder Lebensstil, zu dem Ausdauersport oder regelmäßige Bewegung genauso gehören, wie eine gesunde Ernährung, kann das Risiko minimieren.
Kooperation zwischen Mettmann und Solingen
Bei Notfällen mit Verdacht auf Schlaganfall wird in der Stroke Unit in Mettmann in bildgebenden Verfahren erfasst, ob und wie Gehirn und Gefäße betroffen sind. Kleinere Verschlüsse können mittels Thrombolyse direkt vor Ort behandelt werden. Werden größere Verschlüsse festgestellt, steht mit dem Städtischen Klinikum Solingen ein starker Kooperationspartner für neuroradiologische und neurochirurgische Interventionen zur Verfügung. Dr. med. Hannes Nordmeyer, Chefarzt der Neuroradiologie am Städtischen Klinikum Solingen, eröffnet große Gefäßverschlüsse durch eine sogenannte Thrombektomie minimal-invasiv mittels Katheter. Später kehren die in Solingen operierten Patienten in der Regel zur weiteren Behandlung in das EVK zurück. In der Neurochirurgie in Solingen sollen auch Patienten mit raumfordernden (schwellende) Hirninfarkten zusätzlich zur Therapie im EVK operativ versorgt werden.
Eine Teleradiologiestrecke zwischen Mettmann und Solingen sorgt dafür, dass Befunde direkt ausgetauscht werden können. Die Abstimmung der Behandlung erfolgt in Konferenzen. „Das ist fast so, als wenn die Neuroradiologie im Haus ist, als wenn Dr. Nordmeyer im Nachbarraum sitzt“, erklärt Dr. Bosche die Art der direkten Zusammenarbeit.
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Prof. Dr. med. Marcel Dihné, Chefarzt der Neurologie in Solingen, betont die Bedeutung der Kooperation und die Expertise von Dr. Bosche: „Ich bin sehr, sehr froh über die Verstärkung. Dr. Bosche ist ein ausgewiesener Experte.“
Fortschrittliche Schlaganfallbehandlung im Klinikum Solingen
Das Klinikum Solingen ist besonders stolz auf seine fortschrittlichen technischen Möglichkeiten in der Behandlung akuter Schlaganfälle, einschließlich der sogenannten mechanischen Thrombektomie. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Neuroradiologie steht dieses Verfahren an 365 Tagen im Jahr zur Verfügung. Damit können selbst große Blutgerinnsel, die hirnversorgende Gefäße verstopfen, mittels Katheter entfernt werden. Dies ermöglicht ein breites Spektrum an akuten Schlaganfallbehandlungen und gleichzeitig die Nutzung des kompletten Spektrums der diagnostischen Therapie, um individuelle Behandlungspläne zu erstellen. Die Diagnostik umfasst unter anderem die EEG (Elektroenzephalographie), inkl. LZ-EEG und Video-EEG für die Untersuchung von Bewusstseinsstörungen bzw.
Weitere Schwerpunkte der Neurologie im Klinikum Solingen
Neben der Parkinson-Komplexbehandlung und der Schlaganfallversorgung liegen weitere Schwerpunkte auf der Diagnostik und Therapie peripher neurologischer Erkrankungen wie Polyneuropathien und der Botulinumtoxinbehandlung.
Ergänzende Informationen zur Patientenversorgung
Die verschiedenen Kliniken und Krankenhäuser der St. Augustinus Gruppe in der Nähe von Solingen bieten eine umfassende medizinische Versorgung und Betreuung im Alter oder bei Behinderungen. Das Johanna Etienne Krankenhaus verfügt über 13 moderne Fachabteilungen, zehn Kompetenzzentren sowie eine Palliativstation. Das Alexius/Josef Krankenhaus ist eine psychiatrische Klinik, die sich um die seelische Gesundheit ihrer Patientinnen und Patienten kümmert. Die Niederrhein Klinik steht für wohnortnahe Rehabilitation im Rheinland. Das Memory Zentrum bei Neuss ist die zentrale Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten mit altersbedingten psychischen Erkrankungen.
Vorsorgemaßnahmen und Patientenverfügung
Unfall, Leiden, Krankheit, Sterben: Wie bestimme ich, was medizinisch unternommen werden soll, wenn ich entscheidungsunfähig bin? In Deutschland bedarf jeder medizinische Eingriff der Einwilligung des Patienten. Kann dieser seinen Willen nicht mehr selbständig artikulieren, dann wird er durch einen Betreuer oder Bevollmächtigten vertreten. Frau Schmid verwies in dem Zusammenhang ausdrücklich auf die Notwendigkeit zum Abschluss sowohl einer Vorsorgevollmacht als auch einer Patientenverfügung. Mit der Vorsorgevollmacht kann ich einer anderen Person das Recht einräumen, in meinem Namen stellvertretend zu handeln. Mit der gesetzlich geregelten Patientenverfügung kann ich für den Fall der späteren Entscheidungsunfähigkeit vorab schriftlich festlegen, ob ich in bestimmte medizinische Maßnahmen einwillige oder sie untersage. Der Arzt hat dann zu prüfen, ob meine Festlegung auf die aktuelle Lebens- und Behandlungssituation zutrifft. Mit Hilfe einer Patientenverfügung lege ich im Voraus fest, welche medizinischen Behandlungen ich wünsche, wenn ich nicht mehr in der Lage bin, mich selbst zu äußern. Eine eingehende Beratung, die wegen der Komplexität des Themas unbedingt zu empfehlen ist, wird z.B. Rechtlich fundierte Vordrucke erhält man bei der Stadt Solingen, Abt. Dienstleistungen (Sachgebietsleiter: Herr Gregor Carl).
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Forschung zu kognitiven Störungen bei Parkinson
Neben den typischen motorischen Beeinträchtigungen erfahren viele Parkinson-Patienten auch Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Und genau hier auf dem Gebiet der bislang nur eingeschränkt erforschten kognitiven Störungen setzen die Studien der Uni Köln an, mit dem Ziel, Möglichkeiten der Prävention und von nicht-medikamentösen Therapien für Parkinson-Patienten mit kognitiven Störungen und Demenz zu finden.