Klopfen gegen Epilepsie: Wissenschaftliche Studien und alternative Therapieansätze

Epilepsie ist eine chronische Erkrankung, die durch wiederholtes Auftreten epileptischer Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch plötzliche Funktionsstörungen des Gehirns, die motorische, sensible oder vegetative Reiz- oder Ausfallerscheinungen verursachen können. Weltweit sind etwa 1 % der Bevölkerung von Epilepsie betroffen. In Deutschland gibt es schätzungsweise mehrere hunderttausend Betroffene. Die Diagnose wird in der Regel durch Anamnese, EEG und MRT gesichert.

Epilepsie: Definition und Anfallsformen

Epilepsie ist eine Krankheit, bei der es wiederholt zu kurzen, plötzlichen Funktionsstörungen des Gehirns kommt. Ein epileptischer Anfall ist definiert als eine kurzfristige, im EEG nachweisbare Bewusstseinsstörung mit nachfolgender Amnesie, die durch Schlafentzug und Hyperventilation provoziert werden kann (Absence). Es gibt verschiedene Arten von Anfällen, die sich in ihren Symptomen und Ursachen unterscheiden:

  • Fokale Anfälle: Diese Anfälle gehen von einer bestimmten Stelle (Herd) im Gehirn aus. Bei einem einfach-fokalen Anfall bleibt das Bewusstsein erhalten, während ein komplex-fokaler Anfall mit Bewusstseinsveränderungen und Automatismen einhergeht. Automatismen sind automatisch ablaufende Bewegungserscheinungen wie Nesteln, Zupfen, Klopfen oder Streicheln über ein Kleidungsstück.
  • Generalisierte Anfälle: Diese Anfälle resultieren aus einer Störung beider Hirnhälften. Es gibt keine Hinweise auf eine umschriebene örtliche Störung eines Teils des Gehirns. Ein Grand-mal-Anfall (GTKA) ist ein großer epileptischer Anfall mit einer kurzen tonischen und einer längeren klonischen Komponente, die mehrere Minuten dauern kann. Er geht mit Bewusstlosigkeit einher und kann durch eine Aura eingeleitet werden.
  • Spezielle Anfallsformen:
    • Blitz-Nick-Salaam-Anfall (BNS): Heute bekannt als West-Syndrom, tritt im Säuglings- und Kleinkindalter auf und ist durch infantile Spasmen gekennzeichnet.
    • Impulsiv Petit mal: Auch juvenile myoklonische Epilepsie oder Janz-Syndrom genannt, tritt in der Jugend auf.
    • Myoklonisch-astatischer Anfall: Auch Doose-Syndrom genannt, tritt im frühen Kindesalter auf.

Ursachen und Auslöser von Epilepsie

Die Ursachen für Epilepsie sind vielfältig. In einigen Fällen ist die Ursache unbekannt, während in anderen Fällen genetische Faktoren, Hirnschäden oder andere Erkrankungen eine Rolle spielen. Bestimmte Umstände können einen epileptischen Anfall auslösen, wie z. B. Schlafmangel, Alkoholgenuss, Flackerlicht, Stress, Überanstrengung oder fieberhafte Infekte. Auch das Auslassen oder Vergessen von Antiepileptika kann Anfälle provozieren.

Es gibt auch eine Korrelation zwischen geistiger Behinderung und Epilepsie. Menschen mit geistiger Behinderung sind häufiger von Epilepsie betroffen. Allerdings verursacht Epilepsie nur selten Defizite in Intelligenz oder Gedächtnis.

Behandlung von Epilepsie

Die Behandlung von Epilepsie zielt darauf ab, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die gängigste Behandlungsmethode ist die medikamentöse Therapie mit Antiepileptika, auch Antikonvulsiva genannt. Diese Medikamente vermindern die neuronale Aktivität und unterdrücken dadurch epileptische Anfälle oder verhindern deren Entstehung.

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In einigen Fällen können auch andere Behandlungsmethoden in Betracht gezogen werden, wie z. B.:

  • Chirurgische Eingriffe: Bei bestimmten Formen von Epilepsie, insbesondere bei fokalen Epilepsien, kann eine Operation zur Entfernung des Anfallsherdes im Gehirn in Erwägung gezogen werden.
  • Vagusnervstimulation (VNS): Bei diesem neurologischen Therapieverfahren wird der linke Vagus-Nerv elektrisch stimuliert, um die Anfallshäufigkeit zu reduzieren.
  • Ketogene Diät: Diese spezielle Diät, die reich an Fett und arm an Kohlenhydraten ist, kann bei einigen Kindern mit Epilepsie die Anfallshäufigkeit reduzieren.

Alternative und ergänzende Therapieansätze

Neben den konventionellen Behandlungsmethoden gibt es auch alternative und ergänzende Therapieansätze, die von einigen Menschen mit Epilepsie genutzt werden. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Ansätze nicht wissenschaftlich bewiesen sind und nicht als Ersatz für eine konventionelle Behandlung angesehen werden sollten. Einige dieser Ansätze sind:

  • Biofeedback: Dieses wissenschaftlich fundierte Verfahren ermöglicht es, körperliche Prozesse wie Herzfrequenz, Atemfrequenz, Blutdruck oder EEG-Signale in visueller oder akustischer Form rückzumelden. Dadurch können Patienten lernen, diese Prozesse bewusst zu beeinflussen.
  • Progressive Muskelentspannung/Muskelrelaxation: Dieses von E. Jacobson entwickelte aktive Entspannungsverfahren basiert auf der Wahrnehmung des Unterschieds zwischen willkürlich angespannter und entspannter Muskulatur. Es kann zur Beeinflussung von psychophysiologischen Anspannungszuständen eingesetzt werden.
  • Klopfen (Emotional Freedom Techniques, EFT): Klopftechniken sind ein relativ neuer Ansatz, der Elemente aus der traditionellen chinesischen Medizin (Akupressur) und der modernen Psychotherapie kombiniert. Dabei werden bestimmte Akupunkturpunkte am Körper beklopft, während gleichzeitig an belastende Gedanken oder Gefühle gedacht wird. Einige Therapeuten und Anwender berichten von positiven Erfahrungen bei der Behandlung von Angstzuständen, Stress und anderen psychischen Problemen.

Klopfen gegen Epilepsie: Der aktuelle Stand der Forschung

Die wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit von Klopftechniken bei Epilepsie ist begrenzt. Es gibt nur wenige Studien, die die Auswirkungen von Klopfen auf die Anfallshäufigkeit oder andere Aspekte der Epilepsie untersucht haben. Die vorhandenen Studien sind oft klein und haben methodische Einschränkungen, so dass keine eindeutigen Schlussfolgerungen gezogen werden können.

Einige Fallberichte und kleine Studien deuten darauf hin, dass Klopfen möglicherweise eine positive Wirkung auf die Reduktion von Stress und Angstzuständen bei Menschen mit Epilepsie haben könnte. Da Stress und Angst Anfälle auslösen können, könnte eine Reduktion dieser Faktoren potenziell auch die Anfallshäufigkeit beeinflussen. Es bedarf jedoch weiterer Forschung, um diese Hypothese zu bestätigen.

Die Polyvagal-Theorie und ihre Bedeutung für die Klopftherapie

Einige Befürworter von Klopftechniken argumentieren, dass die positiven Effekte auf die Regulation des autonomen Nervensystems zurückzuführen sind. Die Polyvagal-Theorie von Stephen Porges besagt, dass der Vagusnerv, ein wichtiger Teil des parasympathischen Nervensystems, eine zentrale Rolle bei der Regulation von Stress und Emotionen spielt.

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Die Theorie postuliert, dass der Vagusnerv in zwei Äste unterteilt ist: einen ventralen und einen dorsalen Ast. Der ventrale Vagusnerv ist myelinisiert und ermöglicht eine schnelle und flexible Reaktion auf soziale Interaktionen und Umweltreize. Er ist mit der Regulation der Herzfrequenzvariabilität (HRV) verbunden, einem Maß für die Anpassungsfähigkeit des autonomen Nervensystems. Der dorsale Vagusnerv ist nicht myelinisiert und ist für die Immobilisierung (das "Freezing") in lebensbedrohlichen Situationen verantwortlich.

Die Polyvagal-Theorie geht davon aus, dass Stress und Trauma zu einer Dysregulation des autonomen Nervensystems führen können, insbesondere zu einer Überaktivierung des dorsalen Vagusnervs. Klopftechniken könnten möglicherweise dazu beitragen, das autonome Nervensystem zu regulieren und den ventralen Vagusnerv zu aktivieren, was zu einer Reduktion von Stress und Angstzuständen führen könnte.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Polyvagal-Theorie in der wissenschaftlichen Gemeinschaft nicht unumstritten ist. Einige Wissenschaftler kritisieren die neurowissenschaftlichen Prämissen der Theorie und stellen die Bedeutung des dorsalen Vagusnervs für die Immobilisierung in Frage.

Was tun, wenn in meiner Anwesenheit jemand einen Anfall bekommt?

Es ist wichtig, Ruhe zu bewahren und nicht davonzulaufen. Entfernen Sie den Betroffenen gegebenenfalls aus einem Gefahrenbereich. Lösen Sie beengende Kleidungsstücke am Hals. Polstern Sie den Kopf. Unterdrücken Sie keine Krampferscheinungen, richten Sie den Betroffenen nicht auf, öffnen oder halten Sie keine verkrampften Hände fest, schieben Sie keine Gegenstände zwischen die Zähne. Unternehmen Sie keine Unterbrechungsversuche: Nicht schütteln, klopfen oder anschreien. Bringen Sie den Patienten nach dem Anfall in stabile Seitenlage, damit eventuell Speichel abfließen kann. Bieten Sie nach dem Anfall bzw. Wiedererlangen des normalen Bewusstseins Hilfe und Begleitung an. Registrieren Sie die Dauer des Anfalls. Zumeist sind Anfälle nach ein bis zwei Minuten vorbei.

Leben mit Epilepsie: Beruf, Freizeit und Familie

Menschen mit Epilepsie können ein erfülltes Leben führen, wenn sie die richtige Behandlung erhalten und bestimmte Vorsichtsmaßnahmen beachten.

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  • Beruf: Junge Menschen mit Epilepsie sollten sich frühzeitig mit der Berufswahl beschäftigen und sich von einem Sozialarbeiter in einer Epilepsieberatungsstelle oder in einem spezialisierten Epilepsiezentrum beraten lassen. Im Bewerbungsschreiben sollte die Epilepsie generell nicht erwähnt werden.
  • Führerschein: Die Regelungen bezüglich Führerschein und Epilepsie sind komplex und können sich ändern. Es ist ratsam, sich bei einer Epilepsieberatungsstelle oder einem Facharzt zu informieren.
  • Flugreisen: Nehmen Sie ausreichend Antiepileptika sowie eventuell erforderliche Notfallmedikamente im Handgepäck mit. Aus einer ärztlichen Bescheinigung sollte hervorgehen, welche Medikamente Sie in welcher Dosis einnehmen. Informieren Sie sich rechtzeitig über die Anforderungen der jeweiligen Fluggesellschaft für den Transport von Passagieren mit Epilepsie.
  • Alkohol: Gelegentlicher Konsum von Alkohol in niedrigeren Mengen erhöht nicht die Anfallsfrequenz. Patienten, die nach moderatem Alkoholkonsum Anfälle erlitten haben, sowie Patienten mit einer Suchterkrankung sollten Alkohol meiden.
  • Sport: Sport fördert die Gesundheit. Bei Anfallsfreiheit von mehr als 2 Jahren können Sie fast alle Sportarten ohne Risiko ausüben. Bei nicht anfallsfreien Patienten ist bei bestimmten Sportarten eine Beaufsichtigung notwendig.
  • Schwangerschaft: Wenn Sie während der Schwangerschaft Antiepileptika einnehmen, kann dies für Ihr Kind ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko darstellen. Dennoch ist es in den meisten Fällen ratsam, die Medikamente nicht abzusetzen, da unkontrollierte Anfälle ein Risiko für das Ungeborene darstellen. Frauen mit Epilepsie und Kinderwunsch bzw. Schwangerschaft empfehlen wir, sich an einen Facharzt zu wenden.

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