Zähneknirschen und -pressen, auch bekannt als Bruxismus, ist ein weit verbreitetes Problem, das viele Menschen betrifft. Oftmals geschieht dies unbewusst, insbesondere während des Schlafs, was zu einer Vielzahl von Beschwerden und langfristigen Schäden führen kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Bruxismus, um Betroffenen zu helfen, dieses Problem in den Griff zu bekommen.
Was ist Bruxismus?
Bruxismus ist der medizinische Fachbegriff für das unbewusste Knirschen oder Pressen der Zähne. Es handelt sich um eine Parafunktion, also eine Aktivität, die über die normale Funktion des Kauens hinausgeht. Man unterscheidet zwischen nächtlichem Bruxismus (Schlafbruxismus), der während des Schlafs auftritt, und diurnalem Bruxismus (Wachbruxismus), der tagsüber stattfindet. Viele Betroffene bemerken ihr Zähneknirschen oder -pressen erst, wenn Beschwerden auftreten oder der Zahnarzt darauf hinweist.
Ursachen von Bruxismus
Die Ursachen für Bruxismus sind vielfältig und oft nicht leicht zu identifizieren. Nach heutigem Stand der Wissenschaft gilt Bruxismus als multifaktoriell bedingt, was bedeutet, dass er auf einer Kombination verschiedener Faktoren beruht.
Genetische Veranlagung
Es gibt Hinweise darauf, dass eine gewisse genetische Veranlagung für das Zähneknirschen oder -pressen besteht. Diese gilt als einer der Risikofaktoren für Bruxismus. Allerdings ist noch unklar, wovon es abhängt, ob sich daraus tatsächlich ein Bruxismus entwickelt.
Psychische Ursachen
Psychischer Stress, Ängste und Depressionen können eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Bruxismus spielen, insbesondere beim nächtlichen Zähneknirschen. Ein hoher Stresslevel führt zu dauerhafter Anspannung, die sich im Körper manifestiert und durch Knirschen oder Pressen der Zähne abgebaut wird. Im übertragenen Sinne kauen wir nachts unsere Probleme durch.
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Körperliche Ursachen
Orthopädische Beschwerden wie ein Beckenschiefstand oder eine Fehlhaltung der Wirbelsäule können ebenfalls im Zusammenhang mit Bruxismus auftreten. Eine Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD), eine Funktionsstörung von Ober- und Unterkiefer, kann ebenfalls zu Bruxismus führen. Eine Verschiebung der Kiefergelenke bewirkt ein muskuläres Ungleichgewicht, das der Körper auszugleichen versucht, was zu Muskelverspannungen im gesamten Körper führen kann.
Co-Ursachen
Weitere Faktoren, die Bruxismus begünstigen können, sind der Konsum von Nikotin, Alkohol und Koffein. Diese Substanzen beeinflussen das zentrale Nervensystem und können dadurch den Bruxismus triggern. Auch Schlafstörungen, insbesondere solche, die mit Atemaussetzern einhergehen (Schlafapnoe), können Zähneknirschen fördern.
Symptome von Bruxismus
Die Symptome von Bruxismus können vielfältig sein und sich sowohl im Mund- und Kieferbereich als auch im restlichen Körper manifestieren.
Symptome im Mund- und Kieferbereich
- Abgenutzte Zähne: Durch das Knirschen und Pressen werden die Kauflächen und Zähne abgerieben, was zu abgeschliffenen Zahnoberflächen und einer Reduktion der Zahnhartsubstanz führen kann.
- Zahnschmerzen und -empfindlichkeit: Es können erste keilförmige Defekte im Bereich der Zahnhälse auftreten, die zu einer erhöhten Temperatur- und Säureempfindlichkeit führen.
- Kiefergelenkschmerzen: Akute Schmerzen in den Kiefergelenken, oft verbunden mit einem Druckgefühl im Kiefer, können auf Bruxismus hindeuten.
- Eingeschränkte Mundöffnung: Knirschen und Pressen sorgen dafür, dass Kaumuskeln und Kiefergelenke ständig unter Druck stehen, was zu Schwierigkeiten beim Öffnen des Mundes führen kann.
- Schäden an Zähnen und Zahnersatz: Durch den starken Druck können Risse im Zahn oder Brüche entstehen. Im schlimmsten Fall kann der Zahnnerv Schaden nehmen und der Zahn verloren gehen. Auch Füllungen, Kronen und Brücken können beschädigt werden oder sich lösen.
- Veränderungen der Mundschleimhaut: Zunge und Wangenschleimhaut können durch das dauerhafte Knirschen und Pressen verletzt werden.
Symptome im restlichen Körper
- Verspannungen und Schmerzen: Der Dauerdruck kann sich im Körper in Form von Verspannungen und Muskelverhärtungen manifestieren, die zu Kopf-, Rücken- oder Nackenschmerzen führen können.
- Ohrenschmerzen: Da das Kiefergelenk unmittelbar neben dem Ohrausgang liegt, können Schmerzen im Kieferbereich fälschlicherweise als Ohrenschmerzen wahrgenommen werden.
- Tinnitus und Schwindel: In einigen Fällen kann Bruxismus auch zu Tinnitus (Ohrgeräuschen) und Schwindel führen.
- Schlafstörungen: Die ständige Anspannung und die damit verbundenen Beschwerden können zu Schlafstörungen und einer erhöhten nervlichen Belastung führen.
Diagnose von Bruxismus
Die Diagnose von Bruxismus erfolgt in der Regel durch einen Zahnarzt. Dieser wird eine umfassende Untersuchung durchführen, um festzustellen, ob Anzeichen von Zähneknirschen oder -pressen vorhanden sind.
Anamnese
Zunächst wird der Zahnarzt eine ausführliche Anamnese erheben, um Informationen über die Beschwerden, Schlafgewohnheiten, Stresslevel und mögliche Risikofaktoren zu erhalten.
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Klinische Untersuchung
Bei der klinischen Untersuchung achtet der Zahnarzt auf:
- Abnutzungserscheinungen an den Zähnen
- Empfindlichkeit der Zähne
- Verspannungen der Kaumuskulatur
- Schmerzen im Kiefergelenk
- Einschränkungen der Mundöffnung
- Abdrücke der Zähne auf der Zunge oder Wangenschleimhaut
Weitere Diagnoseverfahren
In einigen Fällen können weitere Diagnoseverfahren erforderlich sein, um die Diagnose zu sichern und die Ursachen des Bruxismus zu ermitteln. Dazu gehören:
- Funktionsanalyse: Eine Funktionsanalyse dient dazu, die Funktion der Kiefergelenke und der Kaumuskulatur zu untersuchen.
- Schlafmedizinische Untersuchung: Bei Verdacht auf Schlafbruxismus kann eine schlafmedizinische Untersuchung durchgeführt werden, um die Muskelaktivität während des Schlafs zu überwachen.
Behandlung von Bruxismus
Da die Ursachen und Folgen von Bruxismus individuell sehr unterschiedlich sein können, gibt es kein allgemeingültiges Therapiekonzept. Die Behandlung zielt in erster Linie darauf ab, die Symptome zu lindern, die Zähne vor weiteren Schäden zu schützen und die Ursachen des Bruxismus zu behandeln.
Zahnschiene
Eine Aufbissschiene, auch Knirschschiene oder Okklusionsschiene genannt, ist das Mittel der Wahl, um die Zähne vor Abnutzung zu schützen und die Kiefermuskulatur zu entlasten. Die Schiene wird individuell für das Gebiss angepasst und besteht in der Regel aus hartem Kunststoff. Sie wird meist nachts getragen, kann aber auch tagsüber eingesetzt werden.
Es gibt verschiedene Arten von Aufbissschienen:
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- Harte Schienen: Harte Schienen werden für die Behandlung von Bruxismus empfohlen, da sie die Intensität des Knirschens reduzieren und die Bewegungsmuster des Unterkiefers umstellen können.
- Weiche Schienen: Weiche Schienen sind als Erste Hilfe für die Zähne zu verstehen und sollten nicht dauerhaft angewendet werden.
- Miniplastschienen: Miniplastschienen sind weiche Kunststoffüberzüge über den Zahnbogen, die vor allem nachts getragen werden.
Stressbewältigung und Entspannungstechniken
Da Stress eine der Hauptursachen für Bruxismus ist, ist es wichtig, Stress abzubauen und Entspannungstechniken zu erlernen.
- Entspannungsübungen: Autogenes Training, progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR), Achtsamkeitsübungen und Yoga können helfen, Anspannung abzubauen und das Stresslevel zu reduzieren.
- Psychotherapie: Bei Bruxismus, der mit psychischen Problemen wie Angststörungen oder Depressionen zusammenhängt, kann eine Psychotherapie sinnvoll sein.
- Biofeedback: Biofeedbackgeräte überwachen die Aktivität der Kaumuskulatur und geben akustische Signale oder Vibrationen ab, wenn Anspannung auftritt. Diese Signale sollen dem Betroffenen ermöglichen, Selbstkontrolle über den unbewussten Vorgang zu erlangen.
Physiotherapie
Physiotherapie kann helfen, Muskelverspannungen im Kiefer-, Nacken- und Schulterbereich zu lösen. Gezielte Gymnastik kann die Kaumuskulatur entspannen. Auch manuelle Therapie und Anwendungen mit Wärme oder Kälte können zur Linderung beitragen.
Medikamentöse Behandlung
Eine medikamentöse Behandlung von Bruxismus wird in der Regel nicht empfohlen. In einigen Fällen kann jedoch die Injektion von Botulinumtoxin Typ A (Botox) in die Kaumuskulatur helfen, die Muskelspannung zu reduzieren. Die Wirkung tritt nach wenigen Tagen ein und hält bis zu 6 Monate an.
Weitere Maßnahmen
- Anpassung von Zahnersatz: Wenn Bruxismus durch zu hohe Füllungen oder schlecht sitzenden Zahnersatz verursacht wird, sollten diese angepasst werden.
- Reduktion von Co-Faktoren: Der Konsum von Nikotin, Alkohol und Koffein sollte reduziert werden, da diese Substanzen Bruxismus begünstigen können.
- Schlafhygiene: Eine gute Schlafhygiene kann helfen, Schlafstörungen zu reduzieren und das Zähneknirschen zu verringern.
Bruxismus bei Kindern
Auch bei Kindern kann Zähneknirschen oder das Zusammenpressen der Zähne auftreten. Eltern sollten Rat und Hilfe bei einem Zahnarzt suchen, wenn sie Symptome bei ihren Kindern bemerken, da die bleibenden Zähne geschädigt werden können.
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