Viele Frauen, die unter Migräne leiden, kennen die Unsicherheit beim Blick auf den Beipackzettel der Antibabypille. Ist die Pille wirklich die richtige Wahl, oder gibt es bessere Alternativen? Dieser Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen der Kombinationspille und Migräne, erklärt die Rolle von Östrogen, unterscheidet zwischen Migräne mit und ohne Aura und zeigt alternative Verhütungsmethoden auf.
Migräne als mögliche Kontraindikation für die Pille
Migräne kann eine Kontraindikation für die Einnahme der Pille darstellen. Es ist wichtig, die Zusammenhänge zwischen Migräne und dem weiblichen Zyklus zu verstehen, um die richtige Verhütungsmethode zu wählen.
Die Rolle von Östrogen bei Migräne
Viele Frauen bemerken, dass ihre Migräneattacken kurz vor, während oder nach der Menstruation auftreten. Dies liegt an den Hormonschwankungen im weiblichen Zyklus. Studien haben gezeigt, dass ein sinkender Östrogenspiegel Migräneattacken begünstigen kann. Entscheidend ist dabei nicht die absolute Höhe des Hormonspiegels, sondern dessen Veränderung.
In der ersten Hälfte des Zyklus steigt der Östrogenspiegel stetig an, nimmt dann leicht ab und steigt kurz vor der Periode wieder an. Kurz vor oder während der Regelblutung fällt der Östrogenspiegel stark ab, was häufig eine Migräneattacke auslösen kann.
Menstruelle und menstruationsassoziierte Migräne
Es gibt einen wissenschaftlich belegten Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Migräne und den verschiedenen Phasen des Menstruationszyklus. Eine Studie zeigte, dass Probandinnen in der Zyklusphase mit einem niedrigeren Östrogenspiegel signifikant mehr Attacken hatten. Um den Eisprung herum, wenn der Östrogenspiegel höher ist, treten oft weniger Attacken auf.
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Man unterscheidet zwischen zwei Formen:
- Menstruelle Migräne: Die Attacken treten in mindestens zwei Drittel der Menstruationszyklen ausschließlich kurz vor oder nach der Periode auf (5-10 % der Patient:innen mit Migräne).
- Menstruationsassoziierte Migräne: Die Attacken treten gehäuft in den Tagen rund um die Menstruation auf, aber auch in anderen Zyklusphasen.
Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, festzustellen, ob es sich um eine menstruelle oder eine menstruationsassoziierte Migräne handelt.
Neben dem sinkenden Östrogenspiegel gibt es weitere Einflussfaktoren, die mit Hormonen und deren Schwankungen zusammenhängen. Hormone wie Östrogen und Progesteron beeinflussen die Verarbeitung schmerzhafter Reize im Gehirn. Hormonell bedingte physische Veränderungen vor der Periode können Betroffene empfindlicher auf Stressfaktoren reagieren lassen. Oft ist es das Zusammenspiel mehrerer Faktoren, das eine Migräneattacke auslöst.
Migräne durch die Pille?
Früher wurde die Pille oft zur Migräneprophylaxe eingesetzt, da viele Attacken durch den Hormonumschwung kurz vor der Regelblutung ausgelöst werden. Heute betrachten Ärzt:innen dies differenzierter.
Mittlerweile raten sie eher von einer hormonellen Therapie mit Östrogen oder Hormonpflastern ab, da die Migräneattacke dadurch nur verschoben, aber nicht verhindert wird.
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Eine norwegische Studie mit 13.944 Frauen zeigte, dass Frauen, die östrogenhaltige orale Kontrazeptiva (Pille) einnahmen, durchschnittlich 1,4-mal häufiger Migräneattacken und 1,2-mal häufiger Spannungskopfschmerzen hatten als Frauen, die anders verhüteten. Es wurde kein signifikanter Zusammenhang zwischen der Höhe der Östrogendosis und der Kopfschmerzhäufigkeit gefunden.
Sowohl die normale Antibabypille (Kombinationspille mit Gestagen und Östrogen) als auch die niedrig dosierte Mikropille zeigten diese Anfälligkeit. Für die Minipille (reines Gestagenpräparat) wurde kein Zusammenhang mit Kopfschmerzen oder Migräne gefunden.
Wichtig: Wenn Kopfschmerzattacken erstmalig bei der Anwendung einer Pille auftreten, sollte das Präparat abgesetzt werden.
Menstruation und Migräne-Aura: Die Zusammenhänge
Bei der Wahl der Verhütungsmethode muss zwischen Migräne mit und ohne Aura unterschieden werden.
Migräne ohne Aura
Bei Migräne ohne Aura kann die Pille oft helfen, weitere Attacken abzuschwächen oder zu verhindern. Wichtig ist die Beachtung von Dosierung und Einnahmefrequenz, da Migräne ohne Aura häufig beim prämenstruellen Abfall des Östrogenspiegels getriggert wird. Kombinationspillen, die sowohl Östrogen als auch Gestagen enthalten, können eingenommen werden. Diese sollten niedrig dosiert sein und über einen längeren Zeitraum (bis zu 6 Monate) ohne Pillenpause eingenommen werden, um den Hormonabfall während der Pillenpause zu vermeiden.
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Durch den konstanten Östrogen- und Gestagenspiegel reduziert sich bei vielen Betroffenen die Attackenanzahl deutlich. Die Mikropille (Kombinationspille aus Gestagen und Östrogen) eignet sich, neben der östrogenfreien Minipille, am besten für die Langzeiteinnahme. Nach einem halben Jahr sollte jedoch eine 7-tägige Pillenpause eingelegt werden, die jedoch erneut Migräneattacken auslösen kann.
Migräne mit Aura
Bei Migräne mit Aura hat die Pille leider keinen positiven Effekt, da diese selten menstruell assoziiert ist. Die WHO rät Aura-Patient:innen mit Migräne sowohl von östrogenhaltigen als auch gestagenhaltigen Pillen in jedem Alter ab. Alternative Verhütungsmethoden sind hier besonders wichtig.
Schlaganfallrisiko
Migräne ist nicht nur Kopfschmerz, sondern ein Risikofaktor für Schlaganfälle und andere vaskuläre Ereignisse. Es besteht eine umfangreiche Evidenz, dass sowohl Migräne ohne Aura als auch Migräne mit Aura mit einem erhöhten Risiko für ischämische Schlaganfälle assoziiert sind.
Alternativen zur Pille für Patient:innen mit Migräne
Wenn Kopfschmerz- oder Migräneattacken unabhängig vom Zyklus auftreten, sollten alternative, hormonfreie Verhütungsmethoden in Betracht gezogen werden. Mögliche Alternativen sind:
- Kupfer- oder Gold-Spiralen
- Mechanische Verhütungsmittel (z.B. Kondome oder Diaphragma)
- Natürliche Verhütungsmethoden (NFP)
Die Natürliche Familienplanung (NFP) umfasst die Beobachtung zyklischer Temperaturschwankungen des Körpers, die Veränderung des Gebärmutterschleims und die Beobachtung des Gebärmutterhalses, um Rückschlüsse auf die fruchtbaren Tage zu erhalten. Zyklus-Apps oder Hormon- bzw. Temperaturcomputer können ebenfalls zur Berechnung des Eisprungs verwendet werden. Diese Methoden erfordern eine zuverlässige und sorgsame Anwendung sowie einen regelmäßigen Zyklus.
Wenn trotz Migräne hormonell verhütet werden soll, ist eine niedrig dosierte Pille mit dem Hormon Gestagen (z.B. Minipille) besser geeignet als Kombinationspillen mit Östrogen. Die Minipille wird ohne Pause eingenommen, wodurch der Hormonspiegel stabil bleibt.
Neue, nicht-medikamentöse Migräneprophylaxe
Der Zuckerstoffwechsel und starke Blutzuckerschwankungen können eine Rolle bei der Entstehung von Migräneattacken spielen. Eine Ernährung, die den Blutzucker niedrig und stabil hält, kann Migräneanfällen vorbeugen.
Die digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) sinCephalea bietet die Möglichkeit, mittels eines Blutzuckersensors die Reaktion des Blutzuckers auf Mahlzeiten und Lebensmittel zu testen. Im Anschluss erhält man individuelle Ernährungsempfehlungen, um Migräneattacken vorzubeugen. Die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen.
Fazit
Die aktuelle Studienlage gibt keine eindeutige Antwort auf die Frage, inwieweit die Pille die Migräne beeinflusst, da Migräne eine idiopathische Krankheit ist. Die Pille kann sich sowohl positiv, negativ als auch neutral auf die Häufigkeit und Schwere der Migräneattacken auswirken. Eine ausführliche Beratung durch Gynäkolog:innen und Neurolog:innen ist wichtig, um die geeignete Verhütungsmethode zu finden.
Wenn die Pille als Auslöser in Verdacht steht, sollte sie - wenn möglich - eine Zeit lang abgesetzt werden, um die Auswirkungen auf die Migräne zu beobachten. Viele Frauen berichten von einer deutlichen Verbesserung oder sogar dem Verschwinden ihrer Migräne nach dem Absetzen der Pille.
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