Wer dauerhaft an seine Grenzen geht, bekommt irgendwann die Quittung: Nichts geht mehr. Die Konzentration leidet, der innere Antrieb schwindet. Alles scheint mühsamer als sonst. Das ist ein Warnzeichen Ihres Körpers, das signalisiert: Ich brauche Erholung. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Ursachen und Symptome von Erschöpfungszuständen und Nervenzusammenbrüchen und bietet praktische Ratschläge zur Prävention und Behandlung.
Vielfältige Ursachen von Erschöpfung
Woher eine körperliche und seelische Erschöpfung kommt, ist individuell verschieden. Oft hilft es, sich Zeit zu nehmen und den eigenen Alltag mit etwas Abstand zu betrachten, um herauszufinden, wo die persönlichen „Energiefresser“ lauern. Fest steht: In vielen Fällen sind es emotionale Faktoren, die Körper und Seele müde werden lassen - zum Beispiel Stress im Job, Termindruck, ständige Erreichbarkeit oder die Schwierigkeit, Beruf und Familie zu vereinbaren. Das alles verlangt uns enorm viel ab. Doch es gibt auch körperliche Ursachen wie zu viel oder zu wenig Bewegung sowie chronischer Schlafmangel. Zudem können Müdigkeit und Erschöpfung auch als Nebenwirkungen von Medikamenten auftreten - zum Beispiel bei bestimmten Mitteln gegen Heuschnupfen oder Antidepressiva. Auch bei einigen körperlichen und psychischen Erkrankungen gehört es zu den Begleiterscheinungen, dass sich die Betroffenen oft schon bei geringster Belastung erschöpft fühlen.
Erschöpfung nach COVID-19
Einige Menschen berichten, dass sie Wochen und Monate nach einer überstandenen Corona-Infektion noch total erschöpft sind, selbst wenn der Verlauf eher milde war. Experten sprechen in dem Zusammenhang auch vom Long-Covid-Syndrom oder von Post-Covid-Fatigue. Was genau hinter den Beschwerden steckt, ist noch unklar. Möglicherweise braucht der Körper mitunter so lange, bis er sich vollständig von der Erkrankung erholt hat. Es könnte jedoch auch mit dem Immunsystem zu tun haben, das „überreagiert“ oder an der Reaktivierung anderer Viren, die wir bereits im Körper tragen. Wissenschaftliche Untersuchungen dazu laufen derzeit. Erschöpfungssymptome sind jedoch nicht covidspezifisch. Sie können auch nach anderen Virusinfektionen auftreten.
Symptome und Anzeichen eines Nervenzusammenbruchs
Die Anzeichen und Symptome einer (länger andauernden) Erschöpfung sind vielfältig. Die einen sind extrem gereizt und können den Lärm auf der Baustelle nebenan kaum noch ertragen, die anderen sind andauernd müde, antriebslos und schon vom wöchentlichen Einkauf überfordert. Wieder andere sind unruhig, rastlos oder brechen in Tränen aus, weil der Kuchen für die Familie missraten ist.
Eine akute Belastungsreaktion äußert sich durch vielfältige Symptome. Folgende Anzeichen und Symptome sind typisch für einen Nervenzusammenbruch:
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- Veränderte Wahrnehmung (Derealisation, Depersonalisation): Der Patient nimmt die Umwelt oder sich selbst als fremd und unbekannt war.
- Bewusstseinseinengung: Die Gedanken des Patienten kreisen ausschließlich um wenige Themen - in dem Fall um die belastende Situation.
- Wiedererleben der Ausnahmesituation in Alpträumen oder Flash-Backs
- Erinnerungslücken
- Übererregung im Sinne von Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche, Schreckhaftigkeit, erhöhter Reizbarkeit
- Vermeidungsverhalten wie sozialer Rückzug
- Gefühlsstörungen (Affektstörung) wie Stimmungsschwankungen zwischen Aggression (z. B. geht ein Nervenzusammenbruch in einigen Fällen mit einem Wutausbruch einher), Angst und Trauer oder unangemessenes Weinen und Lachen
- Körperliche Symptome (z. B. Erröten, Schweißausbrüche, Herzrasen, Blässe, Übelkeit)
- Sprachloses Entsetzen: Der Patient kann Erlebtes nicht in Worte fassen und dadurch schlechter verarbeiten.
Mitunter bestehen wenige offensichtliche Symptome, bevor es zu einem Nervenzusammenbruch kommt. Manche Symptome eines Nervenzusammenbruchs beziehungsweise einer akuten Belastungsstörung ähneln denen einer Depression, sind aber davon abzugrenzen.
Was tun bei Erschöpfung und drohendem Nervenzusammenbruch?
Ein erster wichtiger Schritt: Akzeptieren Sie, dass Sie erschöpft sind. Als Nächstes können Sie sich daranmachen, die Energiereserven wieder aufzufüllen.
Selbsthilfestrategien zur Regeneration
- Viel bewegen: Machen Sie Sport, um Ihren Kreislauf in Schwung zu bringen. Suchen Sie sich etwas, das Ihnen Spaß macht und in Ihren Alltag passt - ob Spazierengehen, Yoga oder Fitness-Workout.
- Frische Luft tanken: Atmen Sie durch. Gehen Sie auf den Balkon, in den Park oder in den Wald. Hauptsache, raus! Denn frische Luft hilft beim Abschalten.
- Gesund essen: Brauchen Sie zwischendurch einen kleinen Snack, greifen Sie statt zu Keksen oder Schoko lieber zu Obst oder Nüssen.
- Ausreichend trinken: Trinken Sie täglich etwa zwei bis drei Liter Wasser, Fruchtsaftschorle oder ungezuckerten Tee. Denn ohne ausreichend Flüssigkeit geht nichts im Körper.
- Genug schlafen: Während des Schlafs regeneriert Ihr Körper. Etwa sieben bis acht Stunden pro Nacht halten Experten für optimal. Halten Sie sich möglichst an einen festen Schlafrhythmus. Tipp: Schreiben Sie alle Dinge, die wichtig sind oder erledigt werden müssen, am frühen Abend auf, damit der Kopf frei werden kann.
- Pausen einlegen: Gönnen Sie sich regelmäßig kleine Auszeiten - im Job, aber auch privat. Stellen Sie sich hin und schließen Sie die Augen. Atmen Sie bewusst ein und aus und spüren Sie in sich hinein. Oft helfen auch ein paar kleine Seufzer dabei, das eigene Stresslevel zu senken. Und schenken Sie sich ein Lächeln.
- Nette Leute treffen: Igeln Sie sich nicht ein. Suchen Sie den Kontakt zu Menschen, die Ihnen guttun, auch wenn es Ihnen vielleicht schwerfällt, sich aufzuraffen.
- Atem beobachten: Schließen Sie die Augen. Atmen Sie durch die Nase ein. Konzentrieren Sie sich darauf, wie der Atem durch ihre Nase in die Lungen strömt. Halten Sie kurz inne. Atmen Sie danach durch den Mund aus. Konzentrieren Sie sich auf den natürlichen Rhythmus des Atems, ohne ihn verändern zu wollen. Bleiben Sie mit den Gedanken beim Atem: Denken Sie an die Worte „Einat-men/Ausatmen“. Es ist völlig normal, wenn Sie abschweifen, das ist Teil der Übung. Beobachten sie wertfrei, dass es passiert. Wichtig ist: Üben Sie regelmäßig, am besten täglich. Am Anfang 1 Minute, nach ein paar Tagen 2 Minuten, danach 3 Minuten und so weiter. Steigern Sie sich langsam. Den Fortschritt bestimmen Sie!
- Gedankenstopp: Wenn Sie sich beim sorgenvollen Grübeln ertappen, beobachten Sie, welcher Gedanke Sie konkret belastet. Stellen Sie sich dann ein rotes Stoppschild vor und sagen Sie sich laut oder in Gedanken „Stopp“. Wenden Sie sich dann sofort etwas anderem (z.B. dem Atem, einem beruhigenden Gedanken) zu.
- Gefühle fokussieren: Konzentrieren Sie sich auf ein momentan vorherrschendes Gefühl (z.B. Angst). Fühlen Sie, wie es sich im Körper anfühlt, wo es zu spüren ist. Nehmen Sie das Gefühl wahr, ohne es zu beurteilen. Richten Sie Ihren Fokus aber auf die Beobachtung (da ist Angst), um sich nicht im Gefühl zu verlieren. Durch das Bewusstmachen des Gefühls, verhindern sie, dass sie zu stark blockiert werden. Wenn Sie abschweifen, kehren Sie gedanklich zu dem Gefühl zurück.
Unterstützung aus der Apotheke
Manchmal lässt sich eine anhaltende Erschöpfung nicht allein mit Bewegung, gesunder Ernährung und Entspannung bewältigen. Dann können zusätzlich pflanzliche Arzneimittel sowie bestimmte Vitamine und Mineralstoffe aus Ihrer Apotheke sinnvoll sein, um wieder zu Kräften zu kommen. Sprechen Sie uns an.
- Johanniskraut: Hoch genug dosiert, hilft es gegen depressive Verstimmungen und in belastenden Situationen. In Ihrer Apotheke bekommen Sie Tabletten oder Kapseln mit immer dem gleichen Wirkstoffgehalt, sodass eine Wirkung garantiert ist. Johanniskraut wird sehr gut vertragen, kann aber Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben.
- Baldrian, Hopfen und Melisse: Ihnen wird eine schlaffördernde und beruhigende Wirkung zugeschrieben.
- Passionsblume und Lavendel: Passionsblume und Lavendel wirken vor allem angstlösend, beruhigend und entspannend und lindern nervöse Reizbarkeit.
- Rosenwurz: Die Heilpflanze ist vor allem in Skandinavien und Russland bekannt.
- Vitamine und Mineralstoffe: Eine sinnvolle Kombination bestimmter Mikronährstoffe hilft dem Körper, neue Energie zu schöpfen und Belastungen besser auszuhalten. So tragen zum Beispiel Vitamin C, Vitamin E, Selen und Zink dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen und die körpereigene Immunabwehr zu stärken. Auch Magnesium spielt in zahlreichen Stoffwechselprozessen eine Rolle. Es ist nötig, damit Nerven-, Herz- und Muskelzellen optimal arbeiten. Die B-Vitamine, vor allem Vitamin B12, spielen bei erhöhter Belastung und Stress eine große Rolle für die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit. Da sie „Hand in Hand“ arbeiten, sollten sie am besten als Vitamin-B-Komplex eingenommen werden.
- Aromatherapie: Ein angenehmer Duft kann helfen, Stress besser zu ertragen. In Ihrer Apotheke finden Sie zum Beispiel verschiedene Anti-Stress-Roll-Ons, Sprays oder ätherische Öl-Mischungen, beispielsweise mit beruhigendem Lavendel und Sandelholz. Für mehr Energie und eine bessere Stimmung sorgen auch andere ätherische Öle wie etwa Bergamotte, Zitrone, Wildorange, Pfefferminz oder Weihrauch.
- Homöopathische Komplexmittel: Daneben kann es sinnvoll sein, das aus der Balance geratene Nervensystem mit einem homöopathischen Komplexmittel wie dystoLoges zu unterstützen. dystoLoges ist ein einzigartiger homöopathischer 5-fach-Komplex mit der Leitsubstanz Reserpinum aus der indischen Schlangenwurzel.
Professionelle Hilfe bei einem Nervenzusammenbruch
Viele Betroffene versuchen, allein fertig zu werden mit einem Nervenzusammenbruch. Hilfe nehmen nur einige in Anspruch. In der akuten Ausnahmesituation gibt es verschiedene Personengruppen, die ausgebildet sind, jemandem mit akuter Belastungsreaktion zu helfen. Dazu zählen vor allem Menschen, die als erste an den Ort eines traumatischen Ereignisses kommen: Notarzt, Polizisten, Feuerwehrmänner, Sanitäter oder Soldaten. Sie helfen allein schon durch die Tatsache, dass sie in der Lage sind, den Patienten in eine sichere Umgebung zu bringen. Im weiteren Verlauf wird der Patient zu einem Seelsorger, Psychotherapeuten oder Arzt geleitet.
Im ersten Schritt der Therapie steht die Kontaktaufnahme zu dem Patienten im Vordergrund. In einer sicheren Umgebung erhält der Betroffene Unterstützung. Erkennt die betreuende Person in ersten Gesprächen mit dem Patienten eine mögliche Gefahr der Selbsttötung (Suizidalität), veranlasst sie, dass der Patient stationär aufgenommen wird.
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Besteht keine akute Gefahr, erfolgt die Behandlung meistens ambulant. Sie besteht aus verschiedenen psychologischen Therapien wie:
- Verhaltenstherapie (Patienten sollen ein gestörtes Verhalten verlernen und ein neues lernen)
- Psychoedukation (Patienten sollen die akute Belastungsreaktion als Krankheit verstehen lernen und so besser bewältigen)
- EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing; durch bestimmte Augenbewegungen soll das Trauma neu erlebt und besser verarbeitet werden)
- Hypnose
Wenn der Patient zum Beispiel durch Schlafstörungen extrem belastet ist, verschreibt der Arzt gegebenenfalls kurzzeitig schlafanstoßende und dämpfende Medikamente wie Benzodiazepine, Z-Substanzen oder sedierende Antidepressiva.
Anlaufstellen für professionelle Hilfe
Wenn Sie sich aktuell selbst in einer psychischen Krise befinden oder eine Person kennen, bei der das der Fall ist, sollten Sie nicht zögern, professionelle Hilfe zu rufen. Anlaufstellen dafür sind zum Beispiel eine psychiatrische Praxis oder Klinik, der bundesweite Bereitschaftsdienst, die Telefonseelsorge oder die Nummer gegen Kummer für Jugendliche und Kinder.
Ärztliche Hilfsangebote
Können Sie einige der genannten Symptome bei sich beobachten, sollten Sie nicht zögern, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Nur so lässt sich klären, ob tatsächlich psychischer Dauerstress hinter den Beschwerden steckt oder möglicherweise eine organische Ursache vorliegt.
Erste Anlaufstelle ist in der Regel der Hausarzt. Je nach Befund kann dieser eine Überweisung an einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie ausstellen, insbesondere dann, wenn die psychische Belastung Ihren Alltag deutlich beeinträchtigt. In einer psychotherapeutischen Sprechstunde wird dann gemeinsam entschieden, welche Therapieform für Sie geeignet ist.
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Terminservicestelle der KVSA für Akutfälle
Handelt es sich um eine akute Belastungssituation, in der schnell psychotherapeutische Hilfe notwendig ist, hilft die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigungen innerhalb von fünf Wochen wird ein Erstgespräch bei einem zugelassenen Psychotherapeuten vermittelt, bei akuter psychischer Krise sogar innerhalb von drei Wochen. Erreichbar ist die Terminservicestelle unter der Telefonnummer 116 117 oder Sie nutzen die Online-Terminvereinbarung.
ME/CFS: Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom
In Deutschland leiden schätzungsweise 250.000 Menschen unter Myalgischer Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue-Syndrom, auch ME/CFS genannt. Die Dunkelziffer wird jedoch höher geschätzt. Diese komplexe neurologische Erkrankung tritt oft nach einem Virusinfekt wie etwa einer Grippe auf. Frauen erkranken häufiger als Männer.
Symptome von ME/CFS
Bei ME/CFS ist der Körper nicht mehr in der Lage, ausreichend Energie für physische oder kognitive Aktivitäten bereitzustellen. Vielen Betroffenen fällt es dann zunehmend schwer, ihre alltäglichen Aufgaben zu erfüllen, sie fühlen sich dauerhaft erschöpft. Selbst einfache Tätigkeiten, zum Beispiel zur Bäckerei zu gehen, werden oft zu unüberwindbaren Hindernissen.
Zudem verschlechtern sich die Beschwerden schon nach geringer körperlicher oder geistiger Anstrengung deutlich. Fachleute nennen dieses Leitsymptom Post-Exertional Malaise (PEM). Durch PEM können auch neue Symptome hinzukommen. PEM zeigt sich oft erst einige Stunden nach der Situation, die zur Überlastung führte, und kann mehrere Tage oder Wochen anhalten beziehungsweise den Gesundheitszustand langfristig verändern. Ist die Erkrankung stark ausgeprägt, können bereits alltägliche Aktivitäten wie Körperpflege oder minimale äußere Reize - etwa Licht oder Geräusche - PEM auslösen.
Weitere typische Beschwerden sind unter anderem:
- Erhöhte Infektanfälligkeit mit grippeähnlichen Symptomen wie Halsschmerzen, Fieber, geschwollene Lymphknoten und extreme Abgeschlagenheit sowie anhaltendes Krankheitsgefühl
- Herz-Kreislauf-Beschwerden wie Herzrasen, Schwindel und Blutdruckschwankungen
- Sprach-, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
- Muskel-, Gelenk- und Gliederschmerzen
- Schwere Schlafstörungen, Schlaf bessert die Symptome nicht
Die Symptome können im Verlauf der Erkrankung variieren, genau wie der Schweregrad der Erkrankung sich im Lauf der Zeit verändern kann.
Diagnose und Therapie von ME/CFS
Im Gespräch erfragt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt, unter welchen Symptomen Sie leiden. Anschließend erfolgen eine körperliche Untersuchung sowie eventuelle Labortests. Dabei werden zunächst verschiedene Ursachen für Ihre chronische Schwäche ausgeschlossen, beispielsweise eine Eisenmangelanämie, Tumorerkrankungen oder chronisch-entzündliche Erkrankungen. Diabetes mellitus, Leber- oder psychische Erkrankungen wie Depressionen können ebenfalls starke Erschöpfung und Müdigkeit auslösen.
Leiden Sie unter nächtlichen Atemaussetzern (Schlafapnoe), kann auch dies die Ursache für eine mangelnde Erholung sein. Da bestimmte Medikamente ebenfalls sehr müde machen können, wird eventuell Ihr Medikamentenplan geprüft.
Wurden andere Ursachen ausgeschlossen, kann die Diagnose ME/CFS beispielsweise anhand der kanadischen Konsenskriterien (Canadian Consensus Criteria - CCC) sowie mithilfe standardisierter Fragebögen gesichert werden.
Aktuell gibt es keine Therapie, die nachweislich gegen ME/CFS hilft. Hauptziel ist es daher, die Symptome zu behandeln und so Ihre Lebensqualität zu verbessern. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann Ihnen beispielsweise Medikamente verordnen, die Schmerzen verringern, Schlafstörungen lindern oder Ihren Kreislauf stabilisieren. Zusätzlich kann bei leichter bis moderater Erkrankungsform eine kognitive Verhaltenstherapie oder eine Ergotherapie Betroffenen dabei helfen, mit der Erkrankung im Alltag umzugehen.
Um PEM vorzubeugen, gibt es die sogenannte Pacing-Methode: Dabei werden anstehende Aktivitäten je nach individueller Belastbarkeit über den Tag verteilt. Betroffene können so lernen, ihre persönlichen Energiereserven einzuschätzen und eine Überlastung möglichst zu vermeiden. Nutzen Sie Hilfsmittel wie etwa ein Aktivitätsarmband oder ein Aktivitätstagebuch, um Ihre persönliche Belastungsgrenze zu finden.
Was können Sie tun, wenn Sie selbst betroffen sind?
Auch wenn es vielleicht schwerfällt: Akzeptieren Sie, dass Sie weniger belastbar sind, und erzwingen Sie nichts. Anstrengung kann Ihre Symptome sogar verschlimmern. Überprüfen Sie Ihre Lebensweise und Ihren Tagesablauf. Loten Sie dabei Ihre eigenen Leistungsgrenzen neu aus und richten Sie Ihr Tagespensum danach.
Mögliche Maßnahmen:
- Achten Sie auf einen geregelten Tagesablauf mit festen Mahlzeiten sowie Phasen für Aktivität und Erholung. Auch wenn Ruhe und Schlaf die Symptome nicht verbessern, empfinden viele Betroffene eine klare Tagesstruktur als wohltuend.
- Mit Entspannungsverfahren können Sie Ihren Alltag entschleunigen. Bewegung und Sport dagegen können die Beschwerden sogar verstärken.
- Nehmen Sie unterstützende Maßnahmen in Anspruch: Je nach Schweregrad können diese z. B. in flexiblen Arbeitsbedingungen, einer Reha oder Hilfe in Form von sozialrechtlichen Leistungen bestehen.
- Schließen Sie sich einer Selbsthilfeorganisation an.
Burnout-Syndrom
Auch wenn es bis heute keine einheitliche Definition des Burnout-Syndroms (Burnout, Burn-out) gibt, so beschreiben die meisten Experten den Burnout (engl. „Ausgebranntsein“) als einen Zustand der tiefgreifenden körperlichen, emotionalen und geistigen Erschöpfung. Diese Erschöpfung zeigt sich gleichermaßen auf der körperlichen wie auf der psychischen bzw. emotionalen Ebene und lässt sich auch durch Phasen der Ruhe und Ent-Spannung nicht mehr auflösen - sie hat sich verselbständigt und ist chronisch geworden. Ihr voraus gegangen ist ein längerer kräfteverzehrender Prozess, der von den Betroffenen oft als andauernde Stressbelastung beschrieben wird.
Ursachen des Burnout-Syndroms
Es gibt eine Vielzahl von möglichen Ursachen für die Entstehung eines Burnout-Syndroms. Oft liegt der Grund dafür in äußeren Lebensbedingungen und Situationen, etwa infolge einer (zu) hohen Arbeitsbelastung, ungünstigen Arbeitsbedingungen oder einem belastenden Arbeitsklima. Ebenso erhöhen Faktoren wie permanenter Zeitdruck, mangelnde Anerkennung durch Vorgesetzte, anhaltende Kränkungen, Konflikte mit Kollegen, Mobbing oder auch ein drohender Verlust der Arbeit das Risiko, an einem Burnout zu erkranken. Dies gilt umso mehr, wenn mehrere Rollen auf einmal zu erfüllen sind bzw.
Neben diesen situationsbedingten äußeren Ursachen können auch „innere“ Ursachen den Nährboden für die Entstehung eines Burnout-Syndroms bereiten. Diese „inneren“ Ursachen sind oft eng verknüpft mit der individuellen Persönlichkeitsstruktur. Es kann aber auch sein, dass es die Gedanken sind, die zu Stressverschärfern werden. Diesen liegen oft bestimmte Vorstellungen und Überzeugungen zugrunde, die aufgrund von früheren Erfahrungen mit ähnlichen Situationen entwickelt wurden. Einstellungen wie „Jeder muss mit mir zufrieden sein“ oder: „Wenn ich ‚nein’ sage, werde ich abgelehnt“, reichen meist bis in die Zeit der Kindheit zurück und haben sich als Glaubenssätze tief in die Seele eingegraben.
Symptome des Burnout-Syndroms
Nicht alle Burnout-Betroffene entwickeln die gleichen Symptome bzw. die gleiche Kombination von Beschwerden. Viele Betroffene haben das Gefühl, den täglichen Anforderungen des Tages nicht mehr gewachsen zu sein; sie fühlen sich ausgebrannt und chronisch überfordert. Die Betroffenen leiden unter einem Nachlassen ihrer Leistungsfähigkeit, wodurch es zum Beispiel immer häufiger zu Fehlern kommt. Auch fällt es zunehmend schwerer, Entscheidungen zu treffen und Eigeninitiative zu zeigen. Irgendwann wird alles nur noch als anstrengend erlebt; nichts macht mehr Freude. Es kann sein, dass der Betroffene nun sich selbst und seiner Umwelt gegenüber immer gleichgültiger wird. Letztlich können viele weitere Symptome Hinweise auf Burnout sein: Selbst auf den ersten Blick rein körperliche Beschwerden wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen.
Stiller Burnout
Während der klassische Burnout sich häufig durch eindrückliche Symptome mit schneller Entwicklung zeigt, ist ein „stiller Burnout“ die tückische, schleichende Variante. Bis er sich im umgangssprachlichen Nervenzusammenbruch Bahn bricht. Nicht jeder Burnout zeigt sich durch übersteigerten Arbeitsdrang mit perfektionistischen Ansprüchen, der alsbald durch den hohen Einsatz in sozialen Rückzug, massive Verhaltensänderungen und offensichtliche Erschöpfung wie chronische Müdigkeit mündet. Entsprechend verschleppen viele Betroffene ihren Burnout: Sie machen kurze, aber wenig erholsame Verschnaufpausen und danach weiter in ihrem Tagesprogramm. So gleiten sie langsam aber sicher in einen schweren Burnout, der dann nur scheinbar plötzlich und unerwartet mit einem vollständigen „Nervenzusammenbruch“ zu Tage tritt.
Hilfe bei Burnout
Bleibt der Burnout auch nach dem Nervenzusammenbruch unbehandelt, drohen starke körperliche Symptome, langfristige Arbeitsunfähigkeit und Depression. Eine Psychotherapie - ob in Form einer Verhaltenstherapie - und begleitende Verfahren können Sie aber auch aus den späten Phasen des Burnout herausholen.