Rückenschmerzen sind ein weitverbreitetes Leiden, und Bandscheibenvorfälle stellen eine häufige Ursache dar. In manchen Fällen ist eine Operation unumgänglich, um die Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität wiederherzustellen. Doch auch nach einer Bandscheiben-OP können Komplikationen auftreten. Ein ungewöhnliches Symptom, das Patienten beunruhigen kann, sind blaue Füße. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für blaue Füße nach einer Bandscheiben-OP, gibt Hinweise zur Behandlung und zeigt, wie man vorbeugen kann.
Die Wirbelsäule und ihre Nerven
Um die Ursachen für blaue Füße nach einer Bandscheiben-OP zu verstehen, ist es wichtig, die Anatomie der Wirbelsäule und die Funktion der Spinalnerven zu kennen. Die Wirbelsäule besteht aus 33 bis 34 Wirbeln, zwischen denen sich Bandscheiben befinden. Diese Bandscheiben dienen als Puffer und ermöglichen die Beweglichkeit der Wirbelsäule.
Durch das Foramen intervertebrale (Zwischenwirbelloch) treten die Spinalnerven aus, die paarweise dem peripheren Nervensystem angehören und jeweils einem bestimmten Rückenmarkssegment zugeordnet sind. Sie versorgen den Körper mit sensorischen und motorischen Impulsen.
Ein Bandscheibenvorfall entsteht, wenn der Faserring einer Bandscheibe einreißt und der Gallertkern austritt. Dieser kann dann auf Nervenwurzeln oder das Rückenmark drücken und so Schmerzen, Taubheitsgefühle oder Lähmungen verursachen.
Mögliche Ursachen für blaue Füße nach Bandscheiben-OP
Blaue Füße nach einer Bandscheiben-OP können verschiedene Ursachen haben:
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- Hämatom (Bluterguss):
- Während der Operation können kleine Blutgefäße verletzt werden, wodurch Blut in das umliegende Gewebe austritt.
- Dieser Bluterguss kann sich aufgrund der Schwerkraft in tiefere Regionen, wie die Füße, verlagern und dort eine bläuliche Verfärbung verursachen.
- Blutverdünnende Medikamente, die nach der OP verabreicht werden, können das Risiko für Hämatome erhöhen.
- Nervenreizung oder -schädigung:
- Die Operation kann zu einer Reizung oder Schädigung von Nervenwurzeln führen, die für die Durchblutung und Sensibilität der Füße verantwortlich sind.
- Dies kann zu einer verminderten Durchblutung und somit zu einer bläulichen Verfärbung der Füße führen.
- Auch postoperative Schwellungen können auf die Nerven drücken und ähnliche Symptome verursachen.
- Gefäßkompression:
- In seltenen Fällen kann es während der Operation zu einer Kompression von Blutgefäßen kommen, die die Füße versorgen.
- Dies kann die Durchblutung beeinträchtigen und zu blauen Füßen führen.
- Thrombose:
- Eine Thrombose, also die Bildung eines Blutgerinnsels in einem Blutgefäß, kann ebenfalls die Ursache für blaue Füße sein.
- Dies ist besonders relevant, wenn die bläuliche Verfärbung plötzlich auftritt und mit Schmerzen und Schwellungen im Bein verbunden ist.
- Failed-Back-Surgery-Syndrom:
- In manchen Fällen kann es nach einer Bandscheiben-OP zum Failed-Back-Surgery-Syndrom (FBSS) kommen.
- Dieses Syndrom beschreibt anhaltende oder neu auftretende Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule nach einer oder mehreren Operationen.
- Obwohl FBSS meist mit Schmerzen im unteren Rücken assoziiert ist, können die Beschwerden auch in die Beine ausstrahlen und Durchblutungsstörungen verursachen, die zu blauen Füßen führen.
- Kaudasyndrom:
- Obwohl selten, kann ein Bandscheibenvorfall oder eine andere Ursache zu einer Schädigung der Nervenwurzeln des unteren Rückenmarks führen, was als Cauda-equina-Syndrom bezeichnet wird.
- Dies ist ein neurologischer Notfall, der neben starken Schmerzen auch zu Gefühlsstörungen, Lähmungen und Kontrollverlust über Blase und Darm führen kann.
- Eine Beeinträchtigung der Durchblutung der Füße kann ebenfalls auftreten und zu bläulichen Verfärbungen führen.
- Spinalkanalstenose:
- Eine Spinalkanalstenose, also eine Verengung des Wirbelkanals, kann ebenfalls zu einer Beeinträchtigung der Nervenfunktion und Durchblutung der Beine und Füße führen.
- Die Symptome können je nach Ort der Einengung variieren, aber blaue Füße können ein mögliches Anzeichen sein.
- Komplikationen durch Wundheilung:
- Eine Wirbelsäulenoperation kann sehr blutig sein, weshalb häufig ein kleiner Schlauch (Redon) in die Wunde eingelegt wird, damit das Blut abfließen kann.
- Wunden, die stark Flüssigkeit absondern (sezernieren), sind infektionsgefährdet, weil hier Keime und Bakterien von außen in den Rückenmarkskanal eindringen können.
- Eine Infektion in diesem Gebiet ist eine schwerwiegende Komplikation, die die Durchblutung beeinträchtigen und zu blauen Füßen führen kann.
Diagnose
Um die genaue Ursache für blaue Füße nach einer Bandscheiben-OP zu ermitteln, sind verschiedene diagnostische Maßnahmen erforderlich:
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird die Füße und Beine untersuchen, um die Durchblutung, Sensibilität und Beweglichkeit zu prüfen.
- Anamnese: Der Arzt wird Fragen zu den Begleitsymptomen, dem Zeitpunkt des Auftretens der blauen Füße und der Krankengeschichte stellen.
- Bildgebende Verfahren:
- Eine Kernspintomographie (MRT) kann durchgeführt werden, um den Zustand der Bandscheiben, Nervenwurzeln und des Rückenmarks zu beurteilen.
- Eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) kann helfen, Blutergüsse oder Thrombosen zu erkennen.
- In manchen Fällen kann eine Röntgenaufnahme sinnvoll sein, um knöcherne Veränderungen auszuschließen.
- Neurologische Untersuchung: Eine neurologische Untersuchung kann durchgeführt werden, um die Funktion der Nerven zu überprüfen.
- Gefäßuntersuchung: Eine Gefäßuntersuchung kann durchgeführt werden, um die Durchblutung der Beine und Füße zu beurteilen.
Behandlung
Die Behandlung von blauen Füßen nach einer Bandscheiben-OP richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache:
- Hämatom:
- Kühlen, Hochlagern und Kompression können helfen, die Schwellung zu reduzieren und den Bluterguss abzubauen.
- In manchen Fällen kann eine Punktion oder operative Entfernung des Hämatoms erforderlich sein.
- Nervenreizung oder -schädigung:
- Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente und Physiotherapie können helfen, die Beschwerden zu lindern und die Nervenfunktion zu verbessern.
- In manchen Fällen kann eine interventionelle Schmerztherapie mit Injektionen von Kortison und Betäubungsmitteln in die Nähe der gereizten Nervenwurzeln sinnvoll sein.
- Gefäßkompression:
- Eine operative Entlastung der komprimierten Blutgefäße kann erforderlich sein.
- Thrombose:
- Eine Behandlung mit blutverdünnenden Medikamenten ist notwendig, um das Blutgerinnsel aufzulösen und weitere Komplikationen zu verhindern.
- Failed-Back-Surgery-Syndrom:
- Die Behandlung des FBSS ist komplex und umfasst in der Regel eine Kombination aus Schmerzmitteln, Physiotherapie, psychologischer Betreuung und interventioneller Schmerztherapie.
- In manchen Fällen kann eine erneute Operation erforderlich sein, um Narbengewebe zu entfernen oder Nerven zu dekomprimieren.
- Kaudasyndrom:
- Eine sofortige Operation ist erforderlich, um die eingeengten oder geschädigten Nervenwurzeln zu entlasten und bleibende Schäden zu verhindern.
- Spinalkanalstenose:
- Konservative Therapien wie Physiotherapie und Schmerzmedikamente werden in der Regel zunächst eingesetzt.
- In manchen Fällen ist eine Operation erforderlich, um den Wirbelkanal zu erweitern und das Nervengewebe vom Druck zu befreien.
- Wundinfektion:
- Eine Wundinfektion muss umgehend mit Antibiotika behandelt werden.
- In manchen Fällen ist eine operative Wundspülung erforderlich.
Vorbeugung
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die helfen können, blauen Füßen nach einer Bandscheiben-OP vorzubeugen:
- Sorgfältige Operationsplanung: Eine detaillierte Diagnostik vor der Operation kann helfen, mögliche Ursachen für Komplikationen zu erkennen und zu vermeiden.
- Schonende Operationstechnik: Mikrochirurgische Eingriffe mit minimalinvasiven Techniken können das Risiko für Gewebeverletzungen und Blutungen reduzieren.
- Frühzeitige Mobilisierung: Eine frühzeitige Mobilisierung nach der Operation kann die Durchblutung fördern und das Risiko für Thrombosen reduzieren.
- Thromboseprophylaxe: Die Verabreichung von blutverdünnenden Medikamenten kann das Risiko für Thrombosen senken.
- Rauchverzicht: Rauchen beeinträchtigt die Durchblutung und Wundheilung und sollte vermieden werden.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen kann die Wundheilung fördern.
- Rückengerechtes Verhalten: Nach der Operation sollte auf ein rückengerechtes Verhalten geachtet werden, um die Wirbelsäule nicht unnötig zu belasten.
- Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung und gezielte Übungen können die Rückenmuskulatur stärken und die Stabilität der Wirbelsäule verbessern.
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