Nackenprobleme sind ein weit verbreitetes Leiden, das viele Menschen betrifft. Oftmals werden sie als isolierte Beschwerden betrachtet, doch die Auswirkungen können weitreichender sein und sogar das Gehirn beeinflussen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Nackenproblemen, von den Ursachen und Symptomen bis hin zu den Auswirkungen auf das Gehirn und den verfügbaren Behandlungen.
Einführung in Nackenprobleme
Nackenschmerzen sind eine Volkskrankheit, von der fast jeder einmal betroffen ist. In Deutschland berichten 45,7 % der Erwachsenen über mindestens einmaliges Auftreten von Nackenschmerzen innerhalb von 12 Monaten. Frauen sind mit 54,2 % deutlich häufiger betroffen als Männer mit 36,9 %. Nackenschmerzen und muskuläre Verspannungen sind auch häufig mit Kopfschmerzen und zervikalem Schwindel verbunden.
Ursachen von Nackenproblemen
Die Ursachen für Nackenprobleme sind vielfältig. Hier sind einige der häufigsten Ursachen:
- Muskuläre Verspannungen: Fehlender Stressabbau kann zu Muskelverspannungen führen. Sobald ein Mensch Stress empfindet, sendet das Gehirn Informationen an die Muskulatur, und diese spannt sich an. Bleibt die Stresssituation länger bestehen, bleibt auch die muskuläre Anspannung bestehen. Durch diese muskulären Dysbalancen können sich Folgeprobleme wie Fehlhaltungen und Haltungsschäden manifestieren. Diese wiederum führen zu weiteren Verspannungen und haben die Tendenz, chronisch zu werden.
- Fehlhaltungen und Fehlbelastungen: Durch die relativ enge Halswirbelsäule verlaufen diverse Nervenbahnen, Muskeln und Sehnen. Das fragile Gleichgewicht ist sehr störanfällig. Verursacht werden Probleme in der Halswirbelsäule häufig durch Fehlhaltungen und Fehlbelastungen (zum Beispiel bei der Büroarbeit) oder psychische Belastungen sowie durch Verschleiß oder Unfälle. Dies alles löst Verspannungen und unter Umständen mangelnde Durchblutung sowie Signal-Übermittlungsfehler an den Nervenbahnen aus.
- Verschleißerscheinungen: Mit zunehmendem Alter setzen zudem Abnutzungsprozesse ein, die alle Abschnitte der Wirbelsäule betreffen können. Auch das führt zu Schmerzen im Rücken.
- Bandscheibenprobleme: Die Veränderungen der Bandscheiben in gradueller Abstufung zum Bandscheibenvorfall stellen eine weitere Ursache für Rückenschmerzen dar.
- Psychische Faktoren: Ein weiterer häufiger Ursprung von psychischen Verspannungen ist unter anderem Unachtsamkeit. Der Mensch macht und denkt an immer mehrere Dinge gleichzeitig. Psychische Verspannungen können oft nur in Form von Schmerzen ausgedrückt werden. Leiden Menschen unter Depressionen, können sich diese auch in körperlichen Symptomen, wie zum Beispiel Rückenschmerzen, zeigen. Umgedreht können dauerhafte Rückenschmerzen auch zu einer Depression führen. Wichtig ist, sowohl die psychischen Ursachen als auch die körperlichen Beschwerden zu behandeln.
Symptome von Nackenproblemen
Die Symptome von Nackenproblemen können vielfältig sein und sich von Person zu Person unterscheiden. Hier sind einige der häufigsten Symptome:
- Nackenschmerzen: Dies ist das häufigste Symptom von Nackenproblemen. Die Schmerzen können dumpf, stechend oder brennend sein und sich auf andere Bereiche wie Schultern, Arme und Kopf ausbreiten.
- Nackensteifigkeit: Betroffene sind aufgrund von Schmerzen und Verspannungen der Nackenmuskulatur nicht mehr in der Lage, ihren Kopf aktiv zur Brust zu beugen.
- Kopfschmerzen: Nackenschmerzen mit Kopfschmerzen werden medizinisch als oberes Zervikalsyndrom bezeichnet. Es betrifft vor allem Menschen, die viel Zeit am Computer verbringen. Umgekehrt können Nackenschmerzen als Folge von Kopfschmerzen auftreten. Bei Verspannungen im Nacken kann der Schmerz bis in den Kopf ausstrahlen und Kopfschmerzen verursachen, die den Kopf helmartig bis zur Stirn umfassen.
- Schwindel und Benommenheit: Schwindel, Benommenheit, Sehstörungen oder sogar Übelkeit und ein allgemein komisches Gefühl im Kopf können von der Halswirbelsäule (HWS) her verursacht werden, falls dort Funktionsbeeinträchtigungen entstehen. Sowohl Schwindel als auch Benommenheit können von der Halswirbelsäule her verursacht werden. Dies kann zum einen daran liegen, dass Verspannungen auf die Nerven drücken und so Signale nicht richtig übermittelt werden können, was Schmerzen und eine gewisse Benommenheit auslösen kann. Zum anderen können auch Blutgefäße durch dauerhaften Druck in Mitleidenschaft gezogen oder teilweise abgedrückt werden, was ebenfalls zu Benommenheit und Schwindel führen kann.
- Kribbeln und Taubheitsgefühle: Funktionsbeeinträchtigungen in der Halswirbelsäule können sich sowohl durch Schmerzen als auch durch Kribbeln oder Taubheitsgefühle bemerkbar machen. Diese Symptome können sowohl im Kopf- und Nackenbereich als auch an Armen und Händen auftreten.
- Sehstörungen: Typisch für HWS Beschwerden ist ein vom Hinterkopf über den Schädel sich ausbreitender Kopfschmerz bis in die Stirn hinein. Es kann außerdem zu migräneartigen Symptomen kommen, die ebenfalls vom Nacken ausgehen. Ursache ist in der Regel eine Verspannung der Nerven im Nackenbereich sowie eine übermäßige Sensibilität der schmerzleitenden Nerven. Dies kann zu den beschriebenen Kopfschmerzen und darüber hinaus zu Sehstörungen, Übelkeit und vielen weiteren Beschwerden führen.
- Eingeschränkte Bewegungsfreiheit: Falls Verspannungen im Halswirbelbereich entstehen, kann dies sowohl zu Schmerzen als auch zu Bewegungseinschränkungen führen, die bis in Schultern, Arme und Rücken reichen können. Daher ist es sinnvoll, bei Bewegungsproblemen auf das HWS-Syndrom hin zu untersuchen.
- Tinnitus: Patienten mit Long Covid berichten von Brainfog bzw. Taubheit und Tinnitus im Kopf.
Auswirkungen von Nackenproblemen auf das Gehirn
Die Auswirkungen von Nackenproblemen auf das Gehirn sind vielfältig und können sich auf verschiedene Bereiche der kognitiven Funktion auswirken. Hier sind einige der wichtigsten Auswirkungen:
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- Gedächtnisstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten: Gedächtnisstörungen sowie Merkfähigkeitsstörungen können auf Durchblutungsstörungen des Gehirns zurückzuführen sein. Diese Durchblutungsstörungen wiederum können auf Verspannungen der Muskeln der Nacken- und Hinterkopfregion beruhen. Patienten mit Long Covid berichten von Brainfog bzw. Taubheit im Kopf. Manche Patienten beschreiben es wie ein nebliges Gefühl im Kopf, als sei der Kopf in einer Wolke, daher der Begriff "Brain Fog". Oft geht es mit einer verminderten Konzentration und Wachheit einher.
- Brain Fog: Ich leide seid Mai unter ein Benommenheit Gefühl Brain-frog so matschig im Kopf dieses syitompe habe mich in Mai 2020. Brainfog und Verspannungen im Nacken scheinen stark zusammenhängen.
- Eingeschränkte Selbstwahrnehmung und Orientierung im Raum: Wenn wir von Schwindel und Benommenheit sprechen, dann handelt es sich um eine Störung der Selbstwahrnehmung und der Orientierung im Raum. Die Wahrnehmung der Position des eigenen Kopfes ist eine der wichtigsten Funktionen der körperlichen Selbstwahrnehmung. Neben dem Gleichgewichtsorgan des Innenohrs und den Augen spielen Sensoren im Halsbereich nahe der Wirbelsäule eine wichtige Rolle.
- Psychische Auswirkungen: Dauerhafte Beeinträchtigungen können in schweren Fällen auch psychische Belastungen und Depressionen mit sich bringen.
Meningismus als Sonderfall
Unter Meningismus (früher auch: epidemische Genickstarre) versteht man eine schmerzhafte Nackensteifigkeit, die vor allem bei Erkrankungen der Hirnhäute auftritt. Die Betroffenen sind aufgrund von Schmerzen und Verspannungen der Nackenmuskulatur nicht mehr in der Lage, ihren Kopf aktiv zur Brust beugen.
Ursachen von Meningismus
Auslöser der Schmerzen bei einem Meningismus ist meistens eine Erkrankung der Hirnhäute, typischerweise eine Hirnhaut-Entzündung (Meningitis). Durch die Reizung der Hirnhäute entstehen Schmerzen und Meningismus-Symptome wie Nackensteifigkeit.
Neben einer Meningitis durch Erreger gibt es noch einige andere Auslöser, die potenziell die Hirnhäute reizen und in weiterer Folge einen Meningismus verursachen. Dazu gehören:
- Subarachnoidal-Blutung: Eine Art von Schlaganfall mit Einblutung zwischen der inneren und mittleren Hirnhaut.
- Meningeosis neoplastica: Absiedelung von Tumorzellen in den weichen Hirnhäuten.
- Sinus-Thrombose: Blutgerinnsel in den großen Blutabflüssen (Sinus) des Gehirns.
- Sepsis ("Blutvergiftung"): Ausbreitung von Bakterien oder Pilzen von einem Entzündungsherd in den gesamten Blutkreislauf, sodass sie verschiedene Organe (wie die Hirnhäute) befallen.
- Sonnenstich: Entzündungsreaktion der Hirnhäute durch längere direkte Sonnen-Einstrahlung auf Kopf und Nacken.
- Blei-Vergiftung: Mögliche Folgen sind unter anderem Krämpfe und Entzündungen der Hirngefäße (Blei-Enzephalopathie).
Symptome von Meningismus
Menschen mit einem Meningismus haben starke Schmerzen im Kopf- und Nackenbereich, wenn sie versuchen, ihren Kopf in Richtung Brustbein zu beugen. Deshalb vermeiden sie diese Bewegung. Außerdem verspannt sich die Nackenmuskulatur als Reaktion auf die Schmerzen, was die Kopfbeugung zusätzlich erschwert. Typischerweise leiden die Patienten zusätzlich unter Kopfschmerzen, Übelkeit und einer erhöhten Licht- sowie Geräusch-Empfindlichkeit (Photophobie beziehungsweise Phonophobie).
Diagnose und Behandlung von Meningismus
Besteht ein Verdacht auf Meningismus, fragt der Arzt zunächst, ob neben der Nackensteifigkeit noch weitere Beschwerden auftreten. Bei der körperlichen Untersuchung beugt der Arzt den Kopf des Betroffenen nach vorne, während dieser auf dem Rücken liegt. Er achtet darauf, ob die Kopfbeugung erschwert ist und ob der Patient Schmerzen angibt - dies sind Hinweise auf einen Meningismus.
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Die Behandlung richtet sich nach der jeweiligen Ursache. Eine Meningitis wird in der Regel im Krankenhaus behandelt. Oft ist der erste Schritt eine Antibiotika-Therapie direkt als Infusion in die Vene.
Behandlung von Nackenproblemen
Die Behandlung von Nackenproblemen zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit wiederherzustellen und die Ursachen der Beschwerden zu beheben. Hier sind einige der gängigsten Behandlungsansätze:
- Schmerzmittel: Bei akuten Schmerzen können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol eingenommen werden.
- Physiotherapie: Eine manuelle Therapie als Teil einer physiotherapeutischen Behandlung besteht in erster Linie aus Massagen, die Blockaden mithilfe von Druck und Dehnung auflösen sollen. Verspannte Muskeln und Sehnen können so gedehnt und entspannt werden. Gezielte Übungen, die am besten durch einen erfahrenen Physiotherapeuten erläutert werden, können helfen, HWS Beschwerden zu lindern.
- Wärme- und Kälteanwendungen: Wärme kann verspannte Muskeln und Sehnen lösen. Daher sollten Sie zunächst versuchen, den Halswirbelbereich zu wärmen. Legen Sie dazu eine Wärmflasche oder ein Körnerkissen in den Nacken. Auch Dehnübungen oder sanfte Massagen können zur Linderung der Beschwerden beitragen.
- Ergonomische Anpassungen: Eine ergonomische Arbeitsumgebung kann helfen, unnötige Belastungen der Halswirbelsäule zu vermeiden. Dies umfasst die richtige Höhe des Bildschirms, die Position des Stuhls und die Verwendung eines ergonomischen Bürostuhls.
- Stressbewältigung: Änderungen im Tagesablauf sind ebenfalls ratsam: Betroffene sollten langsamer und achtsamer mit Entspannungspausen umgehen. Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation oder Qigong sollten fest in den Alltag eingeplant werden.
- Atemmuskeltraining: Ziel des Atemmuskeltrainings bei Atemmuskelschwäche, Nackenverspannungen und zervikalem Schwindel ist es, durch eine Stärkung der Atemhauptmuskeln der Einatmung, die Atemhilfsmuskulatur am Hals zu entlasten. Grundlage für eine gesunde Atmung ist eine reine Nasen-Zwerchfellatmung in den Bauch, das heißt Einatmung und Ausatmung ausschließlich durch die Nase in allen Alltagssituationen.
- Stoßwellentherapie: Die Behandlung mit Stoßwellen hat sich bei HWS Beschwerden als sehr erfolgversprechend erwiesen. Mit einer Stoßwellentherapie können Triggerpunkte für Schmerzempfindungen gezielt aufgelöst sowie Verspannungen und eventuelle Entzündungen reduziert werden. Dies führt zu einer raschen Linderung der Beschwerden.
- Injektionen: Bei besonders starken Schmerzen können Injektionen mit schmerzstillenden Mitteln angezeigt sein. Diese werden entweder direkt in die Wirbelgelenke oder an die aus dem Spinalkanal herausragenden Nerven gesetzt. Die Injektion erfolgt dabei aus Sicherheitsgründen unter Röntgen- oder CT-Kontrolle.
- Operation: Eine Operation ist bei HWS Beschwerden nur selten notwendig. Falls sich jedoch mittel- bis hochgradige Lähmungserscheinungen zeigen, könnte es sich um einen zervikalen Bandscheibenvorfall handeln, der in manchen Fällen operativ behandelt werden muss.
Prävention von Nackenproblemen
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die ergriffen werden können, um Nackenproblemen vorzubeugen:
- Regelmäßige Bewegung: Gleichzeitig ist auch eine körperliche Aktivität sehr wichtig.
- Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Solltet ihr im Büro arbeiten, stellt sicher, dass euer Bildschirm auf Augenhöhe positioniert ist. Versucht, wenn möglich alle 30 - 60 Minuten kurz aufzustehen, macht eine leichte Dehnübung, kreist eure Schultern und dreht den Kopf sanft von einer Seite zu anderen.
- Stressmanagement: Inmitten des hektischen Alltags ist es zunächst entscheidend, aktive Pausen einzubauen, um akuten Stress zu reduzieren. Dabei müssen diese gar nicht besonders lange sein. Tipp: Eine einfache, aber effektive Methode ist die „4-7-8 Atemtechnik“. 4 Sekunden lang einatmen, 7 Sekunden den Atem anhalten und dann 8 Sekunden ausatmen.
- Gesunde Lebensweise: Nackenschmerzen zusammen mit Kopfschmerzen können nach übermäßigem Alkohol- und Nikotingenuss auftreten.
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