Neurologische Behandlungen: Kontraindikationen und umfassende Betrachtung

Die neurologische Rehabilitation ist ein vielschichtiger Prozess, der darauf abzielt, Patienten nach neurologischen Erkrankungen oder Verletzungen wieder zu einem möglichst selbstständigen Leben zu verhelfen. Dabei kommen verschiedene Therapieansätze zum Einsatz, die jedoch nicht für jeden Patienten geeignet sind. Dieser Artikel beleuchtet die Kontraindikationen verschiedener neurologischer Behandlungen und gibt einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Rehabilitationsphasen und Therapieformen.

Neurologische Rehabilitation: Ein ganzheitlicher Ansatz

Die ELBLAND Rehabilitationsklinik Großenhain verfolgt in der neurologischen Rehabilitation einen ganzheitlichen, bio-psycho-sozialen Ansatz. Dies bedeutet, dass gesundheitliche Störungen und funktionelle Beeinträchtigungen der Patienten immer im Kontext ihrer Individualität, Persönlichkeit, Betroffenheit und sozialen Bezüge betrachtet werden. Ziel ist es, den Betroffenen zu befähigen, adäquat und selbstbestimmt mit ihrer Krankheit und deren Folgen umzugehen und ihre Rolle in Familie, Gesellschaft und Beruf wieder ausüben zu können.

Rehabilitationsphasen

Die Kliniken Schmieder behandeln alle Schweregrade neurologischer Erkrankungen in den Phasen A bis D/E.

  • Phase A (Akutbehandlung): Unmittelbar nach einem Unfall oder einer Erkrankung erfolgt die Akutbehandlung, oft unter intensivmedizinischen Bedingungen. Die ersten Stunden und die Versorgung des Patienten sind von großer Bedeutung, da die Vitalfunktionen oft erheblich eingeschränkt sind. Eine schnelle und fachlich qualifizierte Behandlung ist entscheidend.
  • Phase B (Frührehabilitation): In der Frührehabilitation werden schwerstgeschädigte Patienten behandelt und rehabilitativ gefördert. Diese Patienten sind oft nicht kooperationsfähig oder können nicht verbal kommunizieren, beispielsweise aufgrund von Sprech- und/oder Sprachstörungen. Viele benötigen intensivmedizinische Überwachung und Behandlung. Ziel ist es, die Patienten ins bewusste Leben zurückzuholen und die Grundlage für eine kooperative Mitarbeit im Rehabilitationsprozess zu schaffen.
  • Phase C (Postprimäre Rehabilitation): Im Mittelpunkt steht die Förderung der Alltagskompetenzen. Die Patienten sind kooperationsfähig und medizinisch stabil, benötigen aber noch erhebliche pflegerische Betreuung.
  • Phasen D/E (Reintegration): Die Wiedereingliederung in Alltag, Gesellschaft und Beruf wird vorbereitet. Die Patienten sind alltagspraktisch weitestgehend selbstständig. Es geht um die Prüfung der Arbeits- und Berufskompetenz, das Training mentaler und psychischer Funktionen sowie die soziale und Freizeitkompetenz.

Behandlungsspektrum

Das Zentrum für ambulante Rehabilitation (ZaR) zeichnet sich durch seine Interdisziplinarität aus. Neben neurologischen Erkrankungen werden auch internistische und orthopädische Erkrankungen unter höchsten Sicherheitsmaßstäben behandelt. Das Behandlungsspektrum umfasst:

  • Behandlung von akuten sowie postakuten Hirnschädigungsfolgen
  • Behandlung von entzündlichen Erkrankungen des Nervensystems
  • Behandlung von Bewegungsstörungen

Erworbene Hirnschädigungen:

  • Schlaganfall
  • Hirnblutung
  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Hirn- und Hirnhautentzündungen
  • Gehirntumoren nach Operation oder Bestrahlung
  • Hypoxische Hirnschädigung
  • Operationen an den hirnversorgenden Gefäßen

Entzündliche Erkrankungen des Zentralen Nervensystems:

  • Multiple Sklerose

Erkrankungen des Rückenmarks:

  • Tumoren
  • Entzündungen
  • Querschnittlähmungen

Degenerative Erkrankungen des Zentralen Nervensystems:

  • M. Parkinson

Neuro-Muskuläre Erkrankungen:

  • Post Polio-Syndrom
  • Myasthenia gravis
  • ALS

Muskuläre Erkrankungen:

  • Muskeldystrophien

Erkrankungen des peripheren Nervensystems:

  • Polyneuropathien
  • Traumatische und sonstige erworbene Schädigungen von Nervenwurzeln und peripheren Nerven

Chronische Schmerzen:

  • Kopfschmerzen (Spannungskopschmerz, Analgetika-induz. Kopfschmerz, Migräne)

Neurologisch-Psychosomatische Erkrankungen:

  • Schwindel
  • Konversionen
  • Psychische Störungen im Zusammenhang mit chronischen neurologischen Erkrankungen

Kontraindikationen in der neurologischen Rehabilitation

Nicht alle Patienten sind für alle Therapieformen geeignet. Es gibt bestimmte Kontraindikationen, die beachtet werden müssen, um die Sicherheit und den Erfolg der Behandlung zu gewährleisten.

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Allgemeine Kontraindikationen

Eine stationäre neurologische Rehabilitation ist in der Regel nicht indiziert bei Patienten, die:

  • An einer rasch progredienten und nicht oder kaum beeinflussbaren Grunderkrankung leiden.
  • Keine realistische Aussicht auf eine zumindest passagere Besserung des Gesundheitszustandes oder der Behinderung besteht (z.B. fortgeschrittene und rasch progrediente ALS, fortgeschrittene Demenz).
  • Eine ausgeprägte Tendenz zur Selbst- oder Fremdgefährdung aufweisen.
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren (in der ELBLAND Rehabilitationsklinik Großenhain).

In Einzelfällen kann eine kurzzeitige Aufnahme dennoch sinnvoll sein, um den Betroffenen und ihren Bezugspersonen Anleitungen und Strategien zum Umgang mit der Erkrankung zu geben und geeignete Hilfsmittel zu erproben.

Krankengymnastik am Gerät (KGG): Spezifische Kontraindikationen

Die Krankengymnastik am Gerät (KGG) ist eine aktive physiotherapeutische Behandlungsform, die an speziellen Rehabilitationsgeräten durchgeführt wird, um Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination gezielt zu verbessern. Es gibt jedoch auch hier Kontraindikationen:

  • Akute Entzündungen, z. B. Rheumaschübe oder Infekte
  • Frakturen oder nicht stabilisierte Operationsergebnisse
  • Kardiovaskuläre Risiken, wie instabile Hypertonie oder kürzlich erfolgter Herzinfarkt
  • Schwere Osteoporose mit Frakturgefahr
  • Schwindelzustände oder neurologische Erkrankungen mit erhöhtem Sturzrisiko
  • Psychische Erkrankungen, die die Mitarbeit erschweren

Vor Beginn der KGG ist daher eine ärztliche Abklärung sowie eine ausführliche physiotherapeutische Eingangsuntersuchung unerlässlich.

Botulinumtoxin: Kontraindikationen und Nebenwirkungen

Botulinumtoxin ist ein Exotoxin des Bakteriums Clostridium botulinum und wird zur Behandlung verschiedener neurologischer Erkrankungen eingesetzt, beispielsweise bei Bewegungsstörungen. Es wirkt, indem es die Freisetzung des Botenstoffes Acetylcholin blockiert, was zu einer schlaffen Lähmung des Muskels führt.

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Kontraindikationen:

  • Erkrankungen des neuromuskulären Übergangs (z.B. Myasthenia gravis)

Nebenwirkungen:

Da Botulinumtoxin innerhalb von drei Monaten vom Körper abgebaut wird, sind alle Nebenwirkungen reversibel. Es kann zu Lähmungen kommen, wenn das Toxin durch Diffusion an Muskeln gelangt, an denen eine Wirkung unerwünscht ist. Systemische Nebenwirkungen sind selten.

Neuere Daten zeigen, dass fast 16% der Patienten über alle Indikationen hinweg neutralisierende Antikörper entwickeln können, was zu einer abgeschwächten Wirkung führen kann. Fast 6% entwickeln ein vollständiges antikörpervermitteltes Therapieversagen.

Fallbeispiele und spezielle Patientengruppen

Frührehabilitation Phase B

In der Frührehabilitation Phase B werden insbesondere Patienten mit schweren und schwersten Hirnschädigungen aufgenommen, die qualitativ oder quantitativ schwer bewusstseinsgestört sind. Diese Patienten sind oft nicht kooperationsfähig oder können nicht kommunizieren. Viele tragen eine Trachealkanüle zur Risikoreduktion von Lungenentzündungen aufgrund von Schluckstörungen und werden über Ernährungskatheter ernährt. Motorisch sind sie oft durch Halbseitenlähmungen oder Lähmungen aller Extremitäten stark eingeschränkt und inkontinent.

Hauptziel ist es, die Patienten ins bewusste Leben zurückzuholen und die Grundlage für eine kooperative Mitarbeit zu schaffen. Dazu gehören:

  • Erreichen von Wachheit und Orientierung
  • Kreislaufstabilität und Belastbarkeit
  • Erarbeitung von Kommunikationsstrategien
  • Entwöhnung von der Trachealkanüle
  • Verbesserung der Schluckstörung und oraler Kostaufbau
  • Erlangung erster Selbsthilfefähigkeiten

Patienten mit internistischen und orthopädischen Erkrankungen

Das ZaR bietet aufgrund seiner interdisziplinären Ausrichtung auch die Möglichkeit, Patienten mit internistischen und orthopädischen Erkrankungen in Kombination mit neurologischen Erkrankungen zu behandeln. Dies ermöglicht eine umfassende und sichere Therapie unter Berücksichtigung aller relevanten gesundheitlichen Aspekte.

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Bedeutung einer sorgfältigen Anamnese und Diagnostik

Vor jeder neurologischen Behandlung ist eine sorgfältige Anamnese und Diagnostik unerlässlich. Dies dient dazu, die individuellen Bedürfnisse und Kontraindikationen des Patienten zu erkennen und einen optimalen Therapieplan zu erstellen. Eine umfassende Untersuchung umfasst:

  • Ärztliche Untersuchung: Erhebung der Krankengeschichte, neurologische Untersuchung, Beurteilung des allgemeinen Gesundheitszustandes.
  • Physiotherapeutische Eingangsuntersuchung: Beurteilung der motorischen Fähigkeiten, Koordination, Muskelkraft und Beweglichkeit.
  • Ergotherapeutische Untersuchung: Beurteilung der alltagspraktischen Fähigkeiten und der kognitiven Funktionen.
  • Logopädische Untersuchung: Beurteilung der Sprach-, Sprech- und Schluckfunktionen.
  • Psychologische Untersuchung: Beurteilung der psychischen Verfassung und der kognitiven Fähigkeiten.

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