Kontrastmittelgabe im Gehirn: Risiken und Sicherheitsaspekte

Die Verwendung von Kontrastmitteln ist in der modernen medizinischen Bildgebung, insbesondere bei Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT), weit verbreitet. Sie dienen dazu, Gewebe besser voneinander abzugrenzen und die Aussagekraft der Bilder zu erhöhen. Allerdings sind mit der Gabe von Kontrastmitteln auch potenzielle Risiken verbunden, die sorgfältig abgewogen werden müssen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Arten von Kontrastmitteln, ihre Anwendungsbereiche, die möglichen Risiken und Sicherheitsmaßnahmen sowie aktuelle Entwicklungen in der Kontrastmitteltechnologie.

Arten von Kontrastmitteln und ihre Anwendung

Je nach Art der Bildgebung und der zu untersuchenden Körperregion kommen unterschiedliche Kontrastmittel zum Einsatz.

Gadoliniumhaltige Kontrastmittel für MRT-Untersuchungen

In der Magnetresonanztomographie (MRT) werden häufig gadoliniumhaltige Kontrastmittel eingesetzt. Gadolinium ist ein Element der seltenen Erden mit besonderen paramagnetischen Eigenschaften. Es beeinflusst die Reaktion der Wasserstoffprotonen und verändert deren Relaxationszeit, was zu Unterschieden in der Bildgebung führt. Diese Kontrastmittel reichern sich in stark durchbluteten Geweben an, wie beispielsweise in Tumoren, wodurch diese besser sichtbar werden.

Jodhaltige Kontrastmittel für CT-Untersuchungen

Im Gegensatz zur MRT, die auf Magnetfeldern basiert, verwendet die Computertomographie (CT) Röntgenstrahlen. Daher kommen hier andere Kontrastmittel zum Einsatz. Jod wird verwendet, um Gewebe in CT-Aufnahmen besser zu differenzieren, da es eine hohe Absorptionsrate für Röntgenstrahlen aufweist und im CT-Scan heller erscheint. Jodhaltige Kontrastmittel werden vor allem zur Darstellung von Gefäßen verwendet. Für die Abbildung des zerebralen Blutflusses kann auch ein Xenon-basierter CT-Scan erfolgen, bei dem Xenongas über die Lunge aufgenommen wird.

Bariumhaltige Kontrastmittel für Röntgenuntersuchungen

Für Röntgenuntersuchungen des Magen-Darm-Trakts wird Bariumsulfat verwendet. Dieses Sulfat ist schwer löslich in Wasser und wird als Suspension oral verabreicht. In Kombination mit Kohlendioxid oder Luft wird eine Doppelkontrastuntersuchung durchgeführt, um den Magen-Darm-Trakt aufzublähen.

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Kontrastmittel im Ultraschall

In der Sonographie werden spezielle Kontrastmittel mit kleinen Gasbläschen (Microbubbles) verwendet, um die Abgrenzung des Gewebes zu verbessern. Diese Mikrobläschen erzeugen hohe Amplituden in der Ultraschalluntersuchung und heben sich deutlich von der Umgebung ab. Sie dienen zur besseren Differenzierung der Blutgefäße, beispielsweise bei herdförmigen Leberschädigungen oder urologischen Fragestellungen. Ein Vorteil dieser Mikrobläschen ist, dass sie nicht ins Gewebe eindringen, sondern über die Atemwege abgeatmet werden.

Mögliche Risiken und Reaktionen auf Kontrastmittel

Die Verabreichung von Kontrastmitteln ist nicht ohne Risiken. Unerwünschte Reaktionen können durch das Kontrastmittel selbst, einzelne Bestandteile der Lösung, den Abbauprozess oder Verletzungen des Gewebes entstehen.

Allergische Reaktionen und Überempfindlichkeit

Allergische Reaktionen auf Kontrastmittel sind selten, können aber im schlimmsten Fall bis zum anaphylaktischen Schock führen. Diese Reaktionen treten meist akut auf, innerhalb weniger Minuten bis zu einer Stunde nach der Verabreichung. Die Symptome reichen von leichten Hautreaktionen wie Quaddeln, Juckreiz und Erythemen bis zu schweren Reaktionen wie Bronchospasmen.

Nierenfunktionsstörungen durch Kontrastmittel

Jodhaltige Kontrastmittel können die Nierenfunktion beeinträchtigen, da die Jodverbindungen über die Nieren verstoffwechselt werden. Eine Kontrastmittel-induzierte Nephropathie (CIN) liegt vor, wenn das Serumkreatinin innerhalb von 48 bis 72 Stunden nach der Kontrastmittelgabe über festgelegte Grenzwerte steigt. Risikofaktoren für CIN sind bestehende Nierenfunktionsstörungen, hohe Kontrastmitteldosen und Begleiterkrankungen wie Diabetes. Eine weitere mögliche Komplikation ist die Nephrogene Systemische Fibrose (NSF), die jedoch erst Monate oder Jahre nach der Kontrastmittelgabe auftreten kann.

Toxische Effekte von Gadolinium

Gadoliniumhaltige Kontrastmittel sind in ihrer freien Form giftig. Daher wird Gadolinium an Trägersubstanzen gebunden, um zu verhindern, dass es sich frei im Körper bewegt und die Ausscheidung zu unterstützen. Studien deuten jedoch darauf hin, dass sich Gadolinium von einigen Trägersubstanzen abkoppeln und im Körper ablagern kann, was sich in Veränderungen der MRT-Aufnahmen bei wiederholter Kontrastmittelgabe zeigt. Ein mögliches Risiko ist die Entstehung der Nephrogenen Systemischen Fibrose (NSF), wobei die Häufigkeit je nach Präparat variiert.

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Wechselwirkungen mit Medikamenten und Vorerkrankungen

Die Gabe von Kontrastmitteln kann zu Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln führen. Bei jodhaltigen Kontrastmitteln ist zu prüfen, ob Patienten Metformin einnehmen. Vorerkrankungen wie eingeschränkte Nierenfunktion, Diabetes mellitus oder Herzinsuffizienz erhöhen das Risiko für unerwünschte Reaktionen wie CIN oder NSF. Auch die Einnahme nephrotoxischer Medikamente sowie Allergien und Asthma sind kritische Faktoren.

Kontraindikationen für Barium-basierte Kontrastmittel

Bariumsulfat-Suspensionen, die in Untersuchungen des Magen-Darm-Trakts verwendet werden, können bei Perforation des Magen-Darm-Trakts zu Entzündungen im Bauchraum führen. Bei Verstopfung kann das Kontrastmittel die Obstipation verschlimmern. Bei akuten Schüben von schweren chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sollte auf Barium-basierte Kontrastmittel verzichtet werden.

Sicherheitsmaßnahmen und Patientenaufklärung

Um die Risiken zu minimieren und die Sicherheit in der Radiologie zu gewährleisten, werden umfassende Sicherheitsprotokolle eingehalten.

Patientengespräch und Anamnese

Im Patientengespräch werden bereits bekannte Allergien, Asthma und Nierenfunktionsstörungen erfragt. Anhand dieser Angaben kann die Kontrastmittelgabe angepasst werden. Bei Verdacht auf eine verminderte Darmwandintegrität sollten bariumhaltige Kontrastmittel vermieden und stattdessen wasserlösliche jodhaltige Kontrastmittel verwendet werden.

Vorbereitung auf die Untersuchung

Patienten sollten alle relevanten Labor- und Untersuchungsergebnisse, insbesondere zur Nierenfunktion (Kreatinin- und TSH-Wert), bereithalten.

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Maßnahmen zur Risikominimierung

Zur Verringerung des Risikos unerwünschter Reaktionen spielen die Dosierung und die Gabe von niedrig-osmolaren Röntgenkontrastmitteln eine Rolle. Einige Kontrastmittelpräparate werden aufgrund des NSF-Risikos nicht mehr verwendet. Bei Einnahme von Medikamenten, die mit dem Kontrastmittel in Wechselwirkung treten, erhalten Patienten besondere Empfehlungen. Im Fall von Metformin sollte die Einnahme 48 Stunden vor der Kontrastmittelgabe abgesetzt werden. Auch die Einnahme von Diuretika ist zu prüfen, da es hier zu einer Dehydratation kommen kann, was das Risiko für unerwünschte Reaktionen erhöht.

Aktuelle Entwicklungen in der Kontrastmitteltechnologie

Die Medizin sucht kontinuierlich nach Alternativen zu bekannten Kontrastmitteln, um Nebenwirkungen, insbesondere Nierenschäden, zu minimieren. Ein möglicher Ansatz ist die Verbesserung der Qualität der Messverfahren. Es wird auch untersucht, inwiefern Maltit, ein Zuckeralkohol, als Kontrastmittel in der Kernspintomographie eingesetzt werden kann. Die Forschung konzentriert sich auf die Entwicklung von Kontrastmitteln mit einem niedrigen Risiko für unerwünschte Reaktionen.

Gadolinium-Ablagerungen im Gehirn: Ein europäisches Risikobewertungsverfahren

Studien haben gezeigt, dass sich Spuren von Gadolinium im Gehirn von Patienten ablagern können, die MRT-Untersuchungen mit gadoliniumhaltigen Kontrastmitteln erhalten haben. Ein europäisches Risikobewertungsverfahren soll nun klären, ob diese Ablagerungen gesundheitsschädlich sind, ob alle Kontrastmittel gleichermaßen betroffen sind und welche Konsequenzen sich für die klinische Praxis ergeben. Freies Gadolinium ist hoch toxisch, da es die Funktion von Kalzium beeinträchtigen kann. In chemisch gebundener Form ist es nach bisherigem Wissensstand jedoch gut verträglich. Es wird jedoch vermutet, dass Gadolinium in kleinen Mengen aus dem Kontrastmittel freigesetzt wird und sich in freier Form im Gehirn ablagert.

Empfehlungen von Expertengremien

Verschiedene Expertengremien haben Empfehlungen zum Umgang mit Gadolinium-basierten Kontrastmitteln veröffentlicht. Die Deutsche Röntgengesellschaft (DRG) betont die Bedeutung der Nutzen-Risiko-Abwägung. Der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner (BDN) rät, vorerst auf mehrere serielle MRT-Untersuchungen eines Patienten zu verzichten und den Nutzen wiederholter Kontrastmittel-MRTs zu überdenken. Sie empfehlen, gadoliniumhaltige Kontrastmittel nur einzusetzen, wenn es aus medizinischen Gründen erforderlich ist, und den Einsatz eines makrozyklischen statt eines linearen Kontrastmittels zu erwägen.

Stellungnahme des Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC)

Das PRAC der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat empfohlen, die Zulassung für lineare Gadolinium-haltige Kontrastmittel zu widerrufen, mit Ausnahme von Primovist® für bestimmte Fragen der Leberbildgebung und Magnevist® für die intraartikuläre Injektion. Grund für die Entscheidung sind Studien, die über Gadolinium-Ablagerungen im Gehirn nach serieller Gabe von Gadolinium-haltigen Kontrastmitteln berichteten. Tierexperimente haben gezeigt, dass ein geringer Anteil der intravenös injizierten Gadolinium-haltigen Kontrastmittel unmittelbar nach der Injektion über den Plexus Choroideus und den Liquor in das Gehirn gelangt. Makrozyklische Kontrastmittel binden das Gadolinium fester, wodurch dieser Effekt weniger auftritt.

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