MRT bei Migräne: Ursachenforschung und Diagnostik mittels Kontrastmittel

Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Phänomen, das die meisten Menschen gelegentlich erleben. In den meisten Fällen sind sie harmlos und klingen von selbst oder mit rezeptfreien Schmerzmitteln ab. Allerdings kann bei wiederkehrenden oder ungewöhnlich starken Kopfschmerzen die Sorge aufkommen, dass eine ernsthafte Erkrankung zugrunde liegt. Die Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes ist ein wichtiges diagnostisches Instrument, um die Ursachen von Kopfschmerzen abzuklären und zwischen harmlosen und potenziell gefährlichen Zuständen zu unterscheiden. Dieser Artikel beleuchtet die Rolle der MRT, insbesondere unter Verwendung von Kontrastmitteln, bei der Diagnostik von Migräne und anderen Ursachen von Kopfschmerzen.

Kopfschmerzen: Ein unspezifisches Symptom

Kopfschmerzen (Cephalgie) sind ein unspezifisches Symptom, das auf verschiedene Ursachen zurückzuführen sein kann. Schätzungsweise mehr als die Hälfte der Bevölkerung leidet mindestens einmal jährlich unter Kopfschmerzen. Im Allgemeinen lassen sich Kopfschmerzen in zwei Hauptkategorien einteilen: primäre und sekundäre Kopfschmerzen.

Primäre Kopfschmerzen

Primäre Kopfschmerzen sind eigenständige Krankheitsbilder, die nicht durch eine andere Erkrankung verursacht werden. Zu den häufigsten Formen gehören:

  • Migräne: Charakterisiert durch einseitige, oft pulsierende Kopfschmerzen, die vier bis 72 Stunden andauern können und häufig von Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet werden. Bei einigen Betroffenen treten neurologische Symptome (Aura) wie Sehstörungen, Kribbeln oder Sprachstörungen auf. Migräne betrifft etwa zwölf bis 14 Prozent der Bevölkerung, wobei Frauen häufiger betroffen sind.
  • Spannungskopfschmerzen: Diese äußern sich meist als dumpf drückende oder ziehende Schmerzen im gesamten Kopfbereich.
  • Clusterkopfschmerzen: Diese treten in Clustern auf, d. h. in Gruppen von Attacken über einen bestimmten Zeitraum, und sind von sehr starken, einseitigen Schmerzen begleitet.

Sekundäre Kopfschmerzen

Sekundäre Kopfschmerzen sind Symptome einer anderen Grunderkrankung. Mögliche Ursachen sind:

  • Infektionen (z. B. Meningitis, Enzephalitis)
  • Bluthochdruck
  • Gefäßveränderungen (z. B. Aneurysmen, Sinusvenenthrombose)
  • Raumforderungen (z. B. Tumore, Zysten)
  • Kopf- und/oder Halswirbelsäulen-Verletzungen (z. B. Schädelhirntrauma)
  • Die Zufuhr oder der Entzug bestimmter Substanzen wie Schmerzmittel, Östrogene zur Verhütung, Nitrate.
  • Erkrankungen des Schädels sowie von Hals, Augen, Ohren, Nase, Nasennebenhöhlen, Zähnen, Mund oder anderen Gesichts- oder Schädelstrukturen (z.B. Nasennebenhöhlenentzündung)
  • Psychiatrische Störungen

Wann ist eine MRT bei Kopfschmerzen erforderlich?

Die diagnostische Herausforderung besteht darin, dass die subjektiven Empfindungen der Patienten kein verlässlicher Indikator für die Schwere oder Ursache der Kopfschmerzen sind. Eine MRT des Kopfes wird in bestimmten Situationen durchgeführt, um ernsthafte Ursachen auszuschließen und eine sichere Diagnose zu stellen. Zu den Indikationen für eine MRT gehören:

Lesen Sie auch: Kernspintomographie des Rückenmarks ohne Kontrast

  • Atypischer Verlauf oder erstmaliges Auftreten von Kopfschmerzen nach dem 50. Lebensjahr
  • Fokal-neurologische Symptome (Ausfälle, die auf eine bestimmte Hirnregion hinweisen) oder epileptische Anfälle
  • Systemische Grunderkrankung wie eine bekannte Krebserkrankung
  • Deutliche Veränderung oder Verschlechterung eines bekannten Kopfschmerzmusters
  • Kopfschmerzen, die sich im Liegen verschlimmern oder durch Valsalva-Manöver (Drucktest gegen die verschlossene Mund- und Nasenöffnung) verstärken
  • Atypische Verläufe
  • Erstmals Auftreten im höheren Alter (über 50 Jahre)
  • Ungewöhnliche Begleitsymptome
  • Vorliegen von Red-Flag-Symptomen wie plötzliche, starke oder ungewohnte Schmerzen.

Die Rolle der MRT in der Kopfschmerzdiagnostik

Die MRT ist ein bildgebendes Verfahren, das hochauflösende Schnittbilder des Gehirns erzeugt. Im Gegensatz zur Computertomographie (CT) arbeitet die MRT ohne Strahlenbelastung und bietet eine bessere Darstellung von Weichteilen, Tumoren, entzündlichen Veränderungen und subtilen strukturellen Auffälligkeiten.

Vorteile der MRT gegenüber der CT

  • Bessere Weichteildarstellung: Die MRT ermöglicht eine detailliertere Beurteilung des Hirngewebes als die CT.
  • Keine Strahlenbelastung: Im Gegensatz zur CT verwendet die MRT keine ionisierende Strahlung.
  • Höhere Bildauflösung: Die MRT liefert hochauflösende Bilder, die feinste Veränderungen im Gehirn sichtbar machen können.

Der Einsatz von Kontrastmitteln

In vielen Fällen wird bei einer Kopf-MRT ein Kontrastmittel auf Gadoliniumbasis über einen Venenzugang verabreicht. Das Kontrastmittel reichert sich im Gewebe an und verbessert die Unterscheidung zwischen gesunden und krankhaften Strukturen. Dies ist besonders wichtig bei der Diagnose von Tumoren, Entzündungen und Gefäßveränderungen.

Ablauf einer Kopf-MRT

Vor der Untersuchung wird der Patientenstatus hinsichtlich Metallimplantaten, Herzschrittmachern oder anderen elektronischen Implantaten erhoben, um Wechselwirkungen mit dem starken Magnetfeld zu verhindern. Die eigentliche Untersuchung findet im röhrenförmigen Gehäuse (Gantry) des MRT-Gerätes statt. Die Kopf-MRT liefert hochaufgelöste Schnittbilder des Gehirns in verschiedenen Ebenen und ermöglicht die Beurteilung unterschiedlicher Strukturen und pathologischer Veränderungen. In den Aufnahmen heben sich die verschiedenen Gewebearten durch charakteristische Signalmuster in den unterschiedlichen MRT-Sequenzen (T1-gewichtete, T2-gewichtete und FLAIR-Sequenzen) ab, was eine präzise Differenzierung zwischen gesundem und auffällig verändertem Gewebe ermöglicht. Die Untersuchung dauert in der Regel 10-20 Minuten. Für Patienten mit Platzangst besteht die Möglichkeit einer leichten Sedierung oder Beruhigung.

MRT-Befunde bei verschiedenen Kopfschmerzursachen

Die MRT kann wichtige Hinweise auf die Ursache von Kopfschmerzen liefern. Im Folgenden werden einige typische MRT-Befunde bei verschiedenen Erkrankungen beschrieben:

Tumore und Raumforderungen

Hirntumore gehören zu den wichtigsten Verdachtsfällen, die mit der MRT untersucht werden. Primäre Hirntumore wie Gliome oder Meningeome sowie Metastasen lassen sich in der MRT charakteristisch darstellen. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Kontrastmittel, denn viele Tumore führen zu einer Störung der Blut-Hirn-Schranke (die normalerweise verhindert, dass Schadstoffe aus dem Blut ins Gehirn übertreten), sodass sich das Kontrastmittel im Tumorgewebe ansammelt und dieses hell erscheinen lässt.

Lesen Sie auch: Kontrastmittel-MRT des Rückenmarks

  • Hochmaligne Tumore (z. B. Glioblastome): Zeigen typischerweise eine ringförmige Kontrastmittelanreicherung um einen zentral minderdurchbluteten Kern herum, begleitet von einem ausgeprägten Hirnödem (Flüssigkeitseinlagerung) in der Umgebung.
  • Niedriggradige Tumore: Nehmen oft kein oder nur wenig Kontrastmittel auf, sind aber in T2-gewichteten Sequenzen als hellere Bereiche vom gesunden Hirngewebe abgrenzbar.
  • Metastasen: Erscheinen häufig als rundliche Herde mit kräftiger Kontrastmittelaufnahme und deutlichem Ödem.
  • Meningeome: Zeigen eine homogene, intensive Kontrastmittelanreicherung und liegen typischerweise direkt an der Schädelinnenseite.
  • Gutartige Raumforderungen (z. B. Zysten): Lassen sich mit der MRT darstellen und von soliden Tumoren unterscheiden.

Entzündliche Erkrankungen des Gehirns

Entzündungen des Gehirns und der Hirnhäute sind in der MRT durch charakteristische Befunde zu erkennen, die sich deutlich von Tumoren unterscheiden.

  • Meningitis (Hirnhautentzündung): Reicht sich das Kontrastmittel in den entzündeten Hirnhäuten an, was als sogenanntes „meningeales Enhancement“ (Aufhellung der Hirnhäute) sichtbar wird. Die Hirnhäute erscheinen verdickt und zeigen eine vermehrte Kontrastmittelaufnahme.
  • Enzephalitis (Entzündung des Gehirns): Zeigen sich in der MRT größere, umschriebene ödematöse Areale im Hirngewebe selbst, die in T2-gewichteten und FLAIR-Sequenzen hell erscheinen. Besonders charakteristisch ist die Herpes-simplex-Enzephalitis, bei der sich die Veränderungen typischerweise im Schläfenlappen (Temporallappen) und im unteren Stirnhirnbereich zeigen.
  • Multiple Sklerose: Zeigt zahlreiche helle (hyperintense) Läsionen in T2-gewichteten und FLAIR-Sequenzen, bevorzugt um die Hirnkammern (periventrikulär), im Balken (Corpus callosum, die Verbindung zwischen den beiden Hirnhälften) und im verlängerten Mark. Frische, aktive Entzündungsherde nehmen das verabreichte Kontrastmittel auf, während bei alten, abgeheilten Läsionen keine Kontrastmittelaufnahme erfolgt.

Gefäßveränderungen und Durchblutungsstörungen

  • Aneurysmen (Aussackungen der Hirnarterien): Sind in der MRT mittels spezieller Gefäßdarstellungen (MR-Angiographie) gut erkennbar. Aneurysmen erscheinen als rundliche oder sackförmige Erweiterungen an Verzweigungsstellen der Hirnarterien.
  • Subarachnoidalblutung (Blutung in den mit Hirnwasser gefüllten Raum zwischen Hirnhäuten und Gehirnoberfläche): Das Blut lässt sich in der Akutphase mit der CT besser darstellen, kann aber auch mit der MRT anhand spezifischer Signalmuster erkannt werden.
  • Schlaganfall (ischämischer Infarkt durch Durchblutungsstörungen): Zeigt sich in speziellen diffusionsgewichteten MRT-Sequenzen bereits wenige Stunden nach dem Ereignis als helles Areal.
  • Sinusvenenthrombosen (Gerinnsel in den großen Hirnvenen): Sind ebenfalls mit der MRT erkennbar: Die normalerweise signalarmen (dunklen) Venen erscheinen hell und zeigen nach der Kontrastmittelgabe charakteristische Füllungsdefektzeichen (das Gerinnsel nimmt kein Kontrastmittel auf, während die Venenwand aufleuchtet).

MRT bei Migräne

Die Diagnostik der Migräne erfolgt primär klinisch anhand der typischen Symptome und der Krankengeschichte. Bildgebende Untersuchungen mittels MRT werden im Fall der Migräne nur in bestimmten Situationen durchgeführt, wie bei atypischen Verläufen, erstmaligem Auftreten im höheren Alter, ungewöhnlichen Begleitsymptomen oder dem Vorliegen von Red-Flag-Symptomen.

Forscher haben auf MRT-Bildern von Migränepatienten signifikante Veränderungen in den perivaskulären Räumen (flüssigkeitsgefüllte Blasen, die Blutgefäße im Gehirn umgeben) einer Gehirnregion entdeckt, die als Centrum semiovale bezeichnet wird. Diese Veränderungen könnten auf eine glymphatische Störung im Gehirn hindeuten, einem System, das für die Beseitigung von Abfallprodukten aus dem zentralen Nervensystem zuständig ist.

Kontrastmittel bei MRT und CT: Wann sind sie notwendig?

Der Einsatz von Kontrastmitteln bei bildgebenden Verfahren wie der MRT oder CT ist nicht immer nötig. Entscheidend ist, welche Körperregion näher betrachtet werden soll oder ob die zu untersuchende Person an Erkrankungen leidet, für die der Einsatz von Kontrastmittel ein Risiko darstellt. Unverzichtbar ist Kontrastmittel derzeit bei einem MRT der Gefäße sowie bei einem MRT der weiblichen Brust (Mamma-MRT). Grundsätzlich finden viele MRT- und CT-Untersuchungen ohne die kontrastbildende Substanz statt und liefern dennoch aussagekräftige Bilder für die Diagnostik.

Arten von Kontrastmitteln

  • Gadolinium-Kontrastmittel: Werden vor allem in der MRT-Bildgebung verwendet. Sie reichern sich vermehrt in krankhaft veränderten Bereichen an und führen zu einer verbesserten Darstellung innerhalb des Gewebes.
  • Jodhaltige Kontrastmittel: Werden häufig für CT-Aufnahmen verwendet. Sie enthalten Jod, das Röntgenstrahlen besonders gut absorbieren kann und die Sichtbarkeit von Organen, Gewebestrukturen und Blutgefäßen auf Bildern erhöht.

Risiken und Nebenwirkungen von Kontrastmitteln

Kontrastmittel sind im Allgemeinen gut verträglich, können aber in seltenen Fällen Nebenwirkungen verursachen.

Lesen Sie auch: Die Bedeutung von Kontrastmitteln in der Epilepsie-MRT

  • Gadolinium-Kontrastmittel: Es gibt Bedenken hinsichtlich der Ablagerung von Gadolinium im Körper, insbesondere bei bestimmten linearen Kontrastmitteln. Daher werden heute vorzugsweise makrozyklische Kontrastmittel verwendet, die das Metall besser binden und im Körper nicht freisetzen.
  • Jodhaltige Kontrastmittel: Als Nebenwirkung jodhaltiger Kontrastmittel können bei manchen Menschen ein Hitzegefühl und ein bitterer Geschmack auftreten. Es kann auch zu allergischen Reaktionen kommen, die sich durch Rötungen, Juckreiz oder Übelkeit bemerkbar machen, und selten zu einem allergischen Schock.

tags: #kontrastmittel #mrt #migrane