Ein Schlaganfall ist ein Notfall, bei dem jede Minute zählt. Er entsteht durch eine plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn, meist verursacht durch Blutgerinnsel, die eine Arterie verstopfen. Je länger die Unterbrechung andauert, desto mehr Hirnzellen sterben ab, was zu potenziell schwerwiegenden Folgen führt. In den letzten Jahren haben sich jedoch innovative Katheterverfahren als vielversprechende Optionen zur Behandlung von Schlaganfallpatienten etabliert.
Die "Lazarus"-OP: Ein minimalinvasiver Ansatz
Die sogenannte "Lazarus"-OP stellt eine effektive und minimalinvasive Methode zur Behandlung von Schlaganfällen dar. Das Prinzip ähnelt der Beseitigung einer Verstopfung in einem Abflussrohr.
Der Eingriff
Bei diesem Verfahren wird ein langer Katheter über einen kleinen Schnitt in der Hüfte eingeführt. Unter ständiger Kontrolle durch Kontrastmittel, die den Ärzten die Navigation erleichtern, wird der Katheter durch die Hauptschlagader bis zum Gefäßverschluss im Gehirn vorgeschoben. Dort angekommen, wird der Verschluss entweder direkt gegriffen und herausgezogen oder abgesaugt.
Erfahrung ist entscheidend
Obwohl der Eingriff an sich einfach erscheint, erfordert er jahrelange Erfahrung und Expertise. Da diese Methode erst seit einigen Jahren angewendet wird, gibt es noch nicht viele Fachärzte, die sie beherrschen.
Sofortige Wirkung
Der Erfolg der Operation ist oft unmittelbar spürbar. Patienten, die vor dem Eingriff schwere Symptome wie Sprachstörungen oder Lähmungen aufwiesen, können kurz nach der Operation wieder sprechen und ihre Gliedmaßen bewegen. Studien deuten darauf hin, dass der Eingriff selbst nach längerer Zeit nach dem Schlaganfall noch positive Auswirkungen haben kann.
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Kathetergestützter Verschluss des Herzohrs zur Schlaganfallprävention
Vorhofflimmern, eine häufige Herzrhythmusstörung, erhöht das Schlaganfallrisiko erheblich. Bei Patienten mit Vorhofflimmern, die keine Blutverdünner vertragen, kann ein kathetergestützter Verschluss des linken Herzohrs eine alternative Präventionsmaßnahme darstellen.
Das Herzohr und seine Rolle bei Vorhofflimmern
Das Herz verfügt über zwei Herzohren, kleine Ausstülpungen an den Vorhöfen. Bei Vorhofflimmern kann das Blut in den Vorhöfen nicht mehr optimal fließen, was zur Bildung von Blutgerinnseln, insbesondere im linken Herzohr, führen kann. Diese Gerinnsel können in den Blutkreislauf gelangen und einen Schlaganfall verursachen.
Das Verfahren
Bei diesem Eingriff wird unter örtlicher Betäubung ein Katheter über die Leiste in den rechten Vorhof eingeführt. Anschließend wird die Scheidewand punktiert, um zum linken Herzohr zu gelangen. Dort wird ein kleiner Schirm aus Nickel und Titan platziert, der den Eingang des Herzohrs abdichtet und so die Ansammlung von Gerinnseln verhindert.
Vorteile
Die mechanische Abdichtung des linken Herzohres senkt das Schlaganfallrisiko deutlich, insbesondere bei Patienten, die keine blutverdünnenden Medikamente vertragen.
Mechanische Thrombektomie: Ein Katheter "fischt" das Blutgerinnsel
Die mechanische Thrombektomie ist ein minimalinvasiver Kathetereingriff, bei dem große Blutgerinnsel, die einen Schlaganfall verursachen, zerstört oder aus dem Gefäß "gefischt" werden.
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Der Eingriff
Über ein Gefäß im Arm oder der Leiste wird ein dünner Schlauch (Katheter) bis zum Blutgerinnsel vorgeschoben. Je nach Lage und Größe des Gerinnsels kann es dann abgesaugt oder mit einem Stent-Retriever erfasst und herausgezogen werden.
Kombinationstherapie
Um eine bestmögliche Wiederherstellung des Blutflusses zu gewährleisten, wird die Thrombektomie in der Regel mit einer medikamentösen Thrombolyse kombiniert.
Revolution in der Schlaganfallbehandlung
Studien aus dem Jahr 2015 zeigten die Effektivität und Zuverlässigkeit der mechanischen Thrombektomie, was zu einer Art "kleinen Revolution" in der Akuttherapie bei Schlaganfall führte. Dies ist vor allem auf technische Fortschritte bei den Kathetern zurückzuführen.
Die Rolle der Stroke Unit
Die Thrombektomie wird idealerweise in einer Stroke Unit durchgeführt, einer spezialisierten Station für die Behandlung von Schlaganfallpatienten. Hier arbeiten Neurologen und Neuroradiologen interdisziplinär zusammen.
Zeitfenster und Patientenauswahl
Die Thrombektomie zeigt die besten Ergebnisse, wenn sie so schnell wie möglich nach dem Auftreten der Symptome durchgeführt wird. Während die Thrombolyse nur innerhalb der ersten viereinhalb Stunden wirksam ist, kann die Thrombektomie in bestimmten Fällen auch später noch sinnvoll sein. Die Entscheidung hierüber wird individuell nach einer Untersuchung mittels Computertomographie oder Magnetresonanztomographie getroffen.
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Katheterverfahren bei Hirnblutungen
Neben der Behandlung von ischämischen Schlaganfällen können Katheterverfahren auch bei Hirnblutungen eingesetzt werden. In manchen Fällen reißt ein Hirngefäß an einer geschwächten Stelle (Aneurysma). Mittels eines Katheter-Eingriffs können Neuroradiologen das Aneurysma mit feinen Platindrähten ausfüllen, so dass kein Blut mehr in die Aussackung fließen kann.
Aktuelle Studien belegen den Erfolg der Katheterbehandlung
Internationale Studien unter Leitung des UKE und des Universitätsklinikums Heidelberg haben gezeigt, dass die Katheterbehandlung auch bei schweren Schlaganfällen Erfolge erzielt. Bei einem Teil der behandelten Patienten konnte durch das Verfahren der Tod oder eine Pflegebedürftigkeit verhindert werden.
Die TENSION-Studie
Die TENSION-Studie untersuchte die Wirksamkeit einer Katheterbehandlung bei Patienten mit einem akuten ischämischen Schlaganfall, dem ein großer Gefäßverschluss zugrunde lag. Die Ergebnisse zeigten, dass die zusätzliche Katheterbehandlung im Vergleich zur medikamentösen Standardtherapie zu einem deutlich besseren klinischen Ergebnis führte. Der Anteil an Patienten, die in Folge des Schlaganfalls gestorben sind oder pflegebedürftig wurden, war in der Kathetergruppe um fast 20 Prozent reduziert.
Die WAKE-UP-Studie
Die WAKE-UP-Studie zeigte, dass auch Patienten, die im Schlaf einen Schlaganfall erleiden und die Symptome erst nach dem Aufwachen feststellen, von einer Thrombolyse profitieren können. Mittels MRT-Diagnostik konnten geeignete Patienten für die Thrombolyse ausgewählt werden, auch ohne den genauen Zeitpunkt des Schlaganfalls zu kennen.
Was tun bei Verdacht auf Schlaganfall?
Bei plötzlich auftretenden neurologischen Ausfallserscheinungen ist schnelles Handeln gefragt. Achten Sie auf folgende Anzeichen:
- Face (Gesicht): Hängt ein Mundwinkel herab?
- Arms (Arme): Kann der Betroffene beide Arme nach vorne strecken und die Handflächen nach oben drehen?
- Speech (Sprache): Kann der Betroffene einen Satz nachsprechen?
Wenn eines dieser Anzeichen zutrifft, rufen Sie sofort den Notruf!
Einschränkungen der Katheterbehandlung bei kleineren Gefäßverschlüssen
Während die endovaskuläre Therapie bei großen Gefäßverschlüssen im Gehirn als wirksam gilt, haben Studien gezeigt, dass sie bei Verschlüssen kleinerer bis mittlerer Hirngefäße im Durchschnitt keinen wesentlichen Vorteil gegenüber der medikamentösen Behandlung bietet. Bei diesen Patienten reicht oft eine medikamentöse Behandlung aus.
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