Migräne ist mehr als nur ein Kopfschmerz. Sie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft heftige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, die von einer Reihe anderer Symptome begleitet werden können. Die rbb Abendschau widmet sich diesem Thema, um Betroffenen und Interessierten einen umfassenden Überblick zu bieten.
Was ist Migräne?
Migräne ist eine komplexe Erkrankung, die sich durch plötzliche Attacken von Kopfschmerzen äußert. Während dieser Attacken ziehen sich viele Betroffene am liebsten zurück. Zum pochenden Schmerz auf einer Kopfseite kommen oft Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit, Sehstörungen oder Schwindel hinzu. Charakteristisch für Migräne ist, dass sie meist nur auf einer Kopfhälfte auftritt und der Schmerz pochend, pulsierend oder stechend sein kann. Eine Attacke kann mindestens vier Stunden lang anhalten. Am häufigsten sind Menschen zwischen 35 und 45 Jahren betroffen, danach nehmen Schwere und Häufigkeit der Attacken tendenziell ab.
Ursachen und Auslöser
Die Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig erforscht. Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass bestimmte Erbfaktoren das Gehirn und das Nervensystem der Betroffenen besonders empfindlich auf äußere und innere Reize reagieren lassen.
Genetische Veranlagung
Migräne ist vererbbar. Eine große Studie aus dem Jahr 2013 analysierte die Daten aus 29 Genom-Studien mit rund 60.000 Migränepatienten. Dabei wurden knapp 30 genetische Faktoren für Migräne in zwölf Hirnregionen entdeckt. Die Forscher erhoffen sich davon neue, individuelle Therapien.
Hormonelle Einflüsse
Frauen sind deutlich häufiger von Migräne betroffen als Männer. Dies liegt oft an den hormonellen Schwankungen, die mit dem Menstruationszyklus verbunden sind. Diese Schwankungen sind jedoch nicht die Ursache der Migräne, sondern lediglich ein Triggerfaktor, der eine Attacke auslösen kann, vorausgesetzt, eine Frau hat eine Veranlagung zu Migräne.
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Triggerfaktoren
Es gibt viele verschiedene Triggerfaktoren, die eine Migräneattacke auslösen können. Diese können von Patient zu Patient unterschiedlich sein. Dazu gehören:
- Biologische Faktoren: Hormonschwankungen
- Umwelteinflüsse: Wetterwechsel, Lärm, Gerüche
- Psychologische Faktoren: Stress
- Ernährung: Obwohl wissenschaftlich nicht eindeutig belegt, werden bestimmte Lebensmittel wie Schokolade, Käse und Zitrusfrüchte oft als Trigger genannt. Auch der Geschmacksverstärker Glutamat (China-Restaurant-Syndrom) wird diskutiert.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Erwartungshaltung der Betroffenen ebenfalls eine Rolle spielen kann. Manchmal ist nicht das Lebensmittel selbst der Auslöser, sondern der Heißhunger darauf bereits Teil eines Anfalls.
Migräne mit Aura
Einige Migränepatienten erleben vor dem eigentlichen Kopfschmerz neurologische Ausfallserscheinungen oder Störungen, die als Aura bezeichnet werden. Dies können visuelle Störungen wie Blitze oder Flimmern, sensible Störungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle oder auch Sprachstörungen sein. Am häufigsten tritt jedoch Migräne ohne Aura auf.
Migräne und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Neuere Forschungsergebnisse deuten auf einen Zusammenhang zwischen Migräne und einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hin. Eine Studie der Charité Berlin und der Harvard Medical School in Boston untersuchte Langzeitdaten von über 115.000 Menschen, darunter knapp 18.000 Migränepatienten. Die Ergebnisse zeigten, dass Migränepatienten ein doppelt so hohes Schlaganfallrisiko haben. Auch das Herzinfarktrisiko war bei Migränepatientinnen um fast 40 Prozent erhöht.
"Unsere Auswertung legt nahe, dass Migräne als ein wichtiger Risikomarker für Herz-Kreislauf-Erkrankungen betrachtet werden muss, insbesondere bei Frauen", erklärt Studienleiter Prof. Tobias Kurth von der Charité. Interessanterweise war das erhöhte Risiko unabhängig davon, ob der Migränepatient vor den Anfällen eine Aura sieht oder nicht.
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Diagnose
Um Migräne eindeutig zu diagnostizieren, ist ein Besuch bei einem Facharzt sinnvoll. Der Arzt wird eine ausführliche körperliche und neurologische Untersuchung durchführen, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen. In der Regel sind keine weiteren apparativen Untersuchungen wie Röntgenaufnahmen oder MRT erforderlich, es sei denn, es gibt Verdachtsmomente auf ernste Ursachen.
Es ist wichtig, dass Patienten ihren Kopfschmerz beim Arztbesuch möglichst detailliert beschreiben können. Fragen, die der Arzt stellen könnte, sind:
- Wie fühlt sich der Schmerz an (pochend, pulsierend, stechend, dumpf)?
- Wo tritt der Schmerz auf (einseitig, beidseitig, Stirn, Schläfen, Hinterkopf)?
- Wie lange dauert eine Attacke?
- Welche Begleiterscheinungen treten auf (Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit, Geräuschempfindlichkeit, Sehstörungen)?
- Gibt esTriggerfaktoren?
- Wie oft treten die Kopfschmerzen auf?
Therapie
Die Therapie der Migräne zielt darauf ab, die Häufigkeit und Intensität der Attacken zu reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die je nach Schweregrad der Erkrankung und individuellen Bedürfnissen des Patienten eingesetzt werden können.
Nicht-medikamentöse Therapie
Bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken können nicht-medikamentöse Maßnahmen oft ausreichend sein, um die Schmerzen zu lindern. Dazu gehören:
- Reizarme Umgebung: Rückzug in ein abgedunkeltes Zimmer, Ohrstöpsel gegen Lärm
- Entspannungstechniken: Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, autogenes Training, Yoga
- Kühlende Kompressen oder leichte Massagen
- Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
- Regelmäßige Mahlzeiten
- Ausdauersport: Regelmäßige körperliche Aktivität kann helfen, Stress abzubauen und die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren.
- Biofeedback-Training: Hierbei lernen Patienten, Körperfunktionen wie den Durchmesser der Schläfenarterie bewusst zu beeinflussen.
- Kognitive Verhaltenstherapie: Diese Therapieform hilft Patienten, besser mit Stress und anderen Triggerfaktoren umzugehen.
- Kopfschmerz-Tagebuch: Das Führen eines Tagebuchs kann helfen, Triggerfaktoren zu identifizieren und den Verlauf der Migräne zu dokumentieren.
Medikamentöse Akuttherapie
Bei mittelschweren bis schweren Migräneattacken ist oft eine medikamentöse Behandlung erforderlich. Hierfür stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung:
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- Antiemetika: Bei Übelkeit und Erbrechen können Antiemetika mit den Wirkstoffen Metoclopramid oder Domperidon helfen.
- Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelschweren Attacken können Schmerzmittel wie Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS) oder Ibuprofen eingesetzt werden.
- Triptane: Bei schweren Attacken werden spezifische Migränemittel aus der Stoffgruppe der Triptane verschrieben. Diese wirken, indem sie die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Freisetzung von Entzündungsstoffen hemmen.
- Kombinationspräparate: Es gibt auch Kombinationspräparate, die Paracetamol oder ASS mit Koffein kombinieren.
Es ist wichtig zu beachten, dass alle Schmerzmittel und Triptane bei zu häufiger Einnahme zu einem schmerzmittelinduzierten Kopfschmerz führen können. Daher sollten diese Medikamente nicht an mehr als neun Tagen pro Monat eingenommen werden.
Medikamentöse Prophylaxe
Wenn Migräneattacken sehr häufig auftreten und die Lebensqualität stark beeinträchtigen, kann eine medikamentöse Prophylaxe sinnvoll sein. Hierbei werden Medikamente eingenommen, um die Häufigkeit und Intensität der Attacken zu reduzieren. Zu den in der Migräneprophylaxe eingesetzten Medikamenten gehören:
- Betablocker
- Antidepressiva (trizyklische Antidepressiva)
- Antiepileptika
- Botulinumtoxin A (Botox): Botox ist zur Behandlung der chronischen Migräne zugelassen, wenn andere prophylaktische Medikamente nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden. Eine Migräne gilt als chronisch, wenn ein Patient an mindestens 15 Tagen im Monat unter Kopfschmerzen leidet und davon an mindestens acht unter Migräne. Botox wird in die Muskeln im Kopf- und Nackenbereich gespritzt und kann die Häufigkeit der Migräneattacken reduzieren. Mögliche Nebenwirkungen sind Schmerzen an der Injektionsstelle und in seltenen Fällen eine vorübergehende Lidschwäche.
- Gepante: Gepante sind eine neue Medikamentenklasse, die als effektive und flexible Therapieoption in Tablettenform gegen Migräne gilt.
Multimodaler Ansatz
Gerade bei Patienten, die unter chronischer Migräne leiden, ist ein multimodaler Ansatz wichtig. Das bedeutet, dass nicht nur der Arzt Medikamente verschreibt, sondern auch Psychologen und Physiotherapeuten in die Therapie miteinbezogen werden.
Spannungskopfschmerz
Neben der Migräne ist der Spannungskopfschmerz eine weitere häufige Kopfschmerzform. Im Gegensatz zur Migräne ist der Spannungskopfschmerz meist dumpf-drückend und beidseitig. Die Schmerzen werden oft als Gefühl eines zu engen Helms oder einer Schraubzwinge um den Kopf beschrieben. Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Licht- oder Geräuschempfindlichkeit treten in der Regel nicht auf.
Ursachen und Therapie des Spannungskopfschmerzes
Spannungskopfschmerzen entstehen häufig durch Stress, Muskelverspannungen oder Fehlhaltungen. Die Therapie zielt darauf ab, die Auslöser zu beseitigen und die Muskulatur zu entspannen. Dazu können folgende Maßnahmen helfen:
- Entspannungstechniken
- Wärmeanwendungen
- Massagen
- Physiotherapie
- Schmerzmittel: Bei Bedarf können Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen eingenommen werden.
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