Kopfschmerzen, Migräne und Schlafposition: Ein umfassender Überblick

Schlaf und Kopfschmerzen, einschließlich Migräne, stehen in einer komplexen, wechselseitigen Beziehung. Zahlreiche Studien und Befragungen belegen, dass schlechte Schlafqualität Kopfschmerzen und Migräneanfälle begünstigen kann. Umgekehrt können Kopfschmerzen den Schlaf stören. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Schlaf, Schlafposition und verschiedenen Arten von Kopfschmerzen, um Betroffenen ein besseres Verständnis und Lösungsansätze zu bieten.

Schlaf und Kopfschmerzen: Eine wechselseitige Beziehung

Eine im Auftrag von Sanofi durchgeführte Umfrage unter 3.051 deutschen Kopfschmerz- und Migränepatienten ergab, dass über die Hälfte der Befragten eine schlechte Schlafqualität als Ursache ihrer Beschwerden angab. Damit rangiert schlechter Schlaf nach Stress (63 Prozent) an zweiter Stelle der genannten Ursachen. Neuere Studien bestätigen diesen Zusammenhang.

Japanische Forscher veröffentlichten im Fachmagazin „Frontiers in Neurology“ eine Studie, die den „Zusammenhang zwischen migränebedingter Behinderung und der Belastung durch multiple Schlafprobleme“ belegt. Bei 87 Prozent von 215 Migränepatienten wurden verschiedene Schlafprobleme festgestellt, darunter das Restless-Legs-Syndrom, Schlaflosigkeit, übermäßige Tagesmüdigkeit, Schlafapnoe und REM-Schlafstörungen.

Eine chinesische Studie aus dem Jahr 2022, ebenfalls in „Frontiers in Neurology“ erschienen, kam zu dem Schluss, dass „eine schlechte Schlafqualität signifikant mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Migräne und migränebedingten Belastungen verbunden“ ist. Die Forschenden untersuchten 131 Migränepatienten und 70 gesunde Personen mithilfe des Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI). Sie stellten fest, dass das Migräne-Risiko bei schlechter Schlafqualität fast viermal so hoch ist wie bei Personen mit guter Schlafqualität.

Auch eine größere Studie mit über 17.000 Teilnehmern in Japan bestätigte diesen Trend. Über 50 Prozent der Befragten gaben an, zeitweise migränebedingte Schlafprobleme zu haben.

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Bekannte Komorbiditäten: Kopfschmerz und Schlafstörungen

Schlafstörungen und Kopfschmerzen sind bekannte Komorbiditäten, d.h. sie treten häufig gemeinsam auf. Viele Betroffene können aufgrund von Kopfschmerzen nicht schlafen, während bei anderen Kopfschmerzen oder Migräneattacken durch schlechten Schlaf entstehen. Dieses Phänomen beschränkt sich nicht nur auf Migräne. Auch für Spannungskopfschmerzen gibt es einschlägige Studien.

Eine Studie im „Journal of facial pain and headache“ fand einen Zusammenhang zwischen Spannungskopfschmerzen und Schlaflosigkeit. Eine indische Vergleichsstudie zeigte, dass es einen Zusammenhang zwischen der Zunahme des Schweregrads der Behinderung und der schlechten Schlafqualität sowie der erhöhten Schmerzintensität der Kopfschmerzen gibt - unabhängig von der Art der Kopfschmerzen.

Norwegische Forschende konnten in einer Studie mit Krankenschwestern einen direkten Zusammenhang zwischen Nachtschichten und Kopfschmerzen zeigen. Der Wechsel von der Nachtarbeit und die Verringerung der Anzahl der Nachtschichten waren mit weniger Kopfschmerzen verbunden.

Mögliche Mechanismen des Zusammenhangs

Die genauen Ursachen für den Zusammenhang zwischen Schlaf und Kopfschmerzen sind noch nicht vollständig geklärt. Experten vermuten jedoch einige Mechanismen. Bei Schlafapnoe, von der bis zu 54 Prozent der Betroffenen unter Kopfschmerzen leiden, können diese durch den nächtlichen Sauerstoffmangel entstehen. Der Kohlendioxidgehalt des Bluts steigt durch die nächtlichen Atemaussetzer, was unter anderem einen Anstieg des intrakraniellen Drucks (Druck innerhalb der Schädelhöhle) bewirkt.

Kopfschmerzarten und ihre Besonderheiten

Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, das in verschiedenen Formen auftreten kann:

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  • Spannungskopfschmerzen: Diese Art von Kopfschmerz äußert sich in der Regel durch drückende, dumpfe oder ziehende Schmerzen, die meist den ganzen Kopf bzw. beide Gesichtshälften betreffen. Durch Bewegung und körperliche Aktivitäten lassen die Beschwerden häufig nach. Ursachen können Muskelverspannungen, psychische Belastungen, Stress, Schlafstörungen, eine schlechte Körperhaltung oder Zähneknirschen sein.
  • Migräne: Migräne zeichnet sich durch hämmernde, pochende oder pulsierende Schmerzen aus, die sich meist auf eine Gesichtshälfte und den Bereich hinter dem Auge konzentrieren. Migräne-Attacken können vier Stunden bis drei Tage dauern und sowohl tagsüber als auch nachts auftreten. Oft wird Migräne von Übelkeit und Erbrechen begleitet.
  • Cluster-Kopfschmerzen: Diese Art von Kopfschmerz tritt mehrmals pro Tag - auch während der Nacht - in Episoden mit einer Dauer von 15 bis 180 Minuten auf und konzentriert sich einseitig meist rund um ein Auge bzw. hinter einem Auge herum. Der Schmerz äußert sich in einem unerträglichen, bohrenden Stechen. Cluster-Kopfschmerzen zählen zu den schlimmsten Kopfschmerzen und sind kaum zu ertragen.

Kopfschmerzen im Liegen: Ursachen und Warnzeichen

Kopfschmerzen, die im Liegen auftreten oder sich verschlimmern, können verschiedene Ursachen haben. In den meisten Fällen sind sie harmlos und auf Muskelverspannungen zurückzuführen. Es gibt aber auch Situationen, in denen Kopfschmerzen im Liegen ein Warnzeichen für eine ernstzunehmende Erkrankung sein können.

Mögliche Ursachen für Kopfschmerzen im Liegen:

  • Muskelverspannungen: Verspannungen im Nackenbereich und der Halswirbelsäule, z. B. im Rahmen des HWS-Syndroms, können Kopfschmerzen im Liegen verursachen. Eine verspannte Nackenmuskulatur kann den Hinterkopf druck- und berührungsempfindlich machen.
  • Bandscheibenvorfall: Ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule kann ebenfalls unangenehme Hinterkopfschmerzen auslösen.
  • Migräne: Migräne-Attacken beginnen oft aus dem Schlaf heraus und lösen Kopfschmerzen im Liegen aus, die so stark sind, dass Betroffene davon wach werden.
  • Schlafapnoe: Durch den Sauerstoffmangel und erhöhten Druck über Nacht können Kopfschmerzen ausgelöst werden.
  • Zähneknirschen: Zähneknirschen kann zu Verspannungen in Kiefergelenken führen, die Kopfschmerzen auslösen können.
  • Flüssigkeitsmangel: Kopfschmerzen können ein Symptom von Flüssigkeitsmangel sein.
  • Ernsthafte Erkrankung: In seltenen Fällen können Kopfschmerzen im Liegen auf einen Hirntumor hindeuten.

Warnzeichen für einen Hirntumor:

  • Plötzlich auftretende, attackierende Kopfschmerzen im Liegen, die während der Nacht oder am Morgen aus dem Schlaf auftreten und sich im Liegen verschlimmern
  • Schmerztabletten bringen kaum Linderung
  • Die Kopfschmerzen bessern sich tagsüber, ehe sie sich im Liegen erneut bemerkbar machen
  • Übelkeit am Morgen
  • Müdigkeit
  • Schlechtere Auffassungsgabe
  • Sprach- und Geruchsstörungen
  • Verschwommenes Sehen
  • Ausfälle im Sichtfeld

Wichtig: Wenn Sie plötzlich auftretende, starke Kopfschmerzen im Liegen haben, die sich mit Schmerzmitteln kaum bessern und immer wiederkehren, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen, um die Ursache abklären zu lassen.

Was tun gegen Kopfschmerzen im Liegen?

Die Behandlung von Kopfschmerzen im Liegen richtet sich nach der Ursache. Bei harmlosen Verspannungen können folgende Maßnahmen helfen:

  • Bewegung: Sport und viel Bewegung wie längere Spaziergänge können Verspannungen lösen.
  • Dehnübungen: Leichte Dehnübungen können die Muskulatur lockern.
  • Schmerzmittel: Bei Bedarf können Schmerzmittel eingenommen werden.
  • Wärme: Zur Linderung von Spannungskopfschmerzen wird Wärme empfohlen.
  • Kühlen: Bei Kopfschmerzen, die als Folge von zu langer Arbeit am Bildschirm auftreten, hilft hingegen meist Kühlen besser.
  • Pfefferminzöl: Die ätherischen Inhaltsstoffe in Pfefferminzöl bewirken direkt auf die Haut aufgetragen, eine Schmerzblockade und Entspannung der Muskulatur.
  • Entspannungstechniken: Die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson kann Betroffenen dabei helfen, Verspannungen bewusst wahrzunehmen.

Bei Migräne können entsprechende Schmerzmittel helfen. Speziell entwickelte Migränemedikamente wie Triptane verengen die Hirngefäße und hemmen die Freisetzung entzündungsfördernder Botenstoffe.

Die richtige Schlafposition

Über die ideale Schlafposition gibt es unterschiedliche Meinungen. Während lange Zeit eine flache, horizontale Lage als optimal galt, empfehlen einige Schlafexperten mittlerweile eine leicht schräge Liegeposition.

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Schlafen in Schräglage: Vorteile und Möglichkeiten

In einer geraden Flachlage vermindert sich die auf den Körper wirkende Schwerkraft, was zu einem erhöhten Druck im Gehirn führen kann. Eine leicht schräge Liegeposition - eine Erhöhung um wenige Grad (3,5-5,5°) genügt - kann für eine günstigere Schwerkraft-Einwirkung und dadurch für erheblich gesünderen Schlaf sorgen. Der Kopf wird über dem Herzen gelagert, sodass das Herz wie gewohnt gegen die Schwerkraft anpumpen muss, um Blut zum Herzen zu befördern.

Möglichkeiten, eine schräge Schlaflage zu erreichen:

  • Bett aufbocken: Für einen ersten Testlauf können Sie Ihr Bett oder Ihren Lattenrost mit wenigen geeigneten Hilfsmitteln etwas aufbocken.
  • Keilmatratze: Mit einer Keilmatratze erreichen Sie einfach und effektiv eine passende Schräglage.

Wichtig: Achten Sie beim schräg schlafen darauf, sich nicht zu steil zu betten und geben Sie sich etwas Zeit, um sich an die neue Position zu gewöhnen.

Weitere Faktoren für einen gesunden Schlaf

Neben der Schlafposition gibt es weitere Faktoren, die einen gesunden Schlaf fördern und somit Kopfschmerzen vorbeugen können:

  • Regelmäßiger Tagesablauf: Ein geregelter Tagesablauf mit festen Schlafzeiten kann den Biorhythmus stabilisieren.
  • Stressreduktion: Stress kann Kopfschmerzen und Schlafstörungen begünstigen. Entspannungstechniken und Stressmanagement können helfen, Stress abzubauen.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann sich positiv auf den Schlaf auswirken.
  • Ausreichend trinken: Achten Sie darauf, über den Tag verteilt ausreichend Wasser oder ungesüßte Tees zu trinken.
  • Ergonomisches Kissen: Ein ergonomisch geformtes Kissen kann verhindern, dass die Halswirbelsäule komprimiert wird oder in ein Überstreckungsmuster verfällt.
  • Schlafhygiene: Achten Sie auf eine angenehme Schlafumgebung, z. B. ein abgedunkeltes, kühles Schlafzimmer und eine bequeme Matratze.

Apps und weitere Hilfsmittel

Es gibt verschiedene Apps, die Betroffenen helfen können, ihre Kopfschmerzen und Migräne zu dokumentieren und Auslöser zu identifizieren. Eine solche App ist z. B. M-sense Migräne, eine digitale Gesundheitsanwendung (DiGA), die vom Arzt verschrieben werden kann.

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