Sexualkopfschmerzen: Ursachen, Symptome und Behandlung

Sexualkopfschmerzen sind eine spezielle Form von Kopfschmerzen, die im Zusammenhang mit sexueller Aktivität auftreten. Sie können sowohl während des Geschlechtsverkehrs als auch beim Masturbieren oder bei anderen sexuellen Handlungen auftreten. Obwohl sie beängstigend sein können, sind sie in den meisten Fällen harmlos, aber ein Arztbesuch ist ratsam, um ernsthafte Ursachen auszuschließen.

Was sind Sexualkopfschmerzen?

Sexualkopfschmerzen sind Kopfschmerzen, die ausschließlich während der sexuellen Aktivität auftreten. Bereits Hippokrates beschrieb im alten Griechenland Kopfschmerzen, die durch „unvernünftige Verrichtungen“ wie maßlosen Geschlechtsverkehr hervorgerufen würden.

Früher wurden zwei verschiedene Formen unterschieden:

  • Präorgasmuskopfschmerz: Ein dumpfer, drückender Schmerz, dessen Intensität mit steigender Erregung langsam zunimmt. Er kann sich vom Nacken und Hinterkopf über den gesamten Kopf bis zur Stirn ausbreiten.
  • Orgasmuskopfschmerz: Ein plötzlich einschießender, explosionsartiger Schmerz, der im Moment des Orgasmus auftritt und als blitzartig beschrieben wird.

Die Unterscheidung zwischen Prä- und Orgasmuskopfschmerz ist jedoch nicht mehr aktuell, da Studien gezeigt haben, dass sich die beiden Formen nicht eindeutig voneinander abgrenzen lassen. Stattdessen werden sie unter dem Begriff "primärer Kopfschmerz bei sexueller Aktivität" zusammengefasst.

Wie häufig sind Sexualkopfschmerzen?

Etwa einer von 100 Menschen erlebt im Laufe seines Lebens einmal Sexualkopfschmerzen. Männer sind zwei bis drei Mal häufiger betroffen als Frauen. Migränepatienten haben ebenfalls ein höheres Risiko, Sexualkopfschmerzen zu entwickeln. Das Alter spielt auch eine Rolle: Sexualkopfschmerzen treten meist bei Personen zwischen 20 und 45 Jahren erstmals auf.

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Bei den meisten Betroffenen treten die Kopfschmerzen nur über einen relativ kurzen Zeitraum von mehreren Wochen bis Monaten auf und verschwinden anschließend wieder. Es besteht aber die Möglichkeit, dass sie nach einer beschwerdefreien Zeit wiederkehren.

Symptome von Sexualkopfschmerzen

Die Symptome können sich in unterschiedlichen klinischen Erscheinungsbildern äußern:

  • Plötzlich auftretende, heftige Kopfschmerzen beim Orgasmus: Betroffene beschreiben den Schmerz als blitzartig und einschießend. Die Schmerzattacke dauert zwischen einer Minute und drei Stunden.
  • Dumpfer, drückender Schmerz, der mit steigender Erregung zunimmt: Dieser Schmerz kann sich vom Nacken und Hinterkopf über den gesamten Kopf bis zur Stirn ausbreiten.
  • Anhaltende Kopfschmerzen nach dem Sex: Die Kopfschmerzen bleiben als leichter, dumpfer Schmerz in der Nackenregion spürbar.

Symptome wie Übelkeit, Sehstörungen, Erbrechen und Lichtüberempfindlichkeit sind keine typischen Symptome von Sexualkopfschmerzen und können auf eine andere Ursache hinweisen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen für Sexualkopfschmerzen sind bislang weitgehend ungeklärt. Es gibt jedoch verschiedene Theorien:

  • Gestörte Stressverarbeitung im Gehirn: Ähnlich wie bei Migränepatienten reagiert der Körper auf belastende Situationen mit Kopfschmerzen. Sex kann für den Körper positiver Stress sein, da Herzfrequenz und Blutdruck ansteigen.
  • Erhöhter Blutdruck: Der Blutdruck ist erregungsbedingt erhöht, wodurch die Schmerzen entstehen. Möglicherweise weiten sich auch die Blutgefäße in der Situation nicht ausreichend.
  • Muskelverspannungen: Kopf- und Nackenmuskulatur weisen eine erhöhte Muskelspannung auf und verspannen sich beim Orgasmus. Diese Verspannung drückt wiederum auf die Nervenstränge, was Schmerzen hervorruft.
  • Medikamente: Einige ACE-Hemmer, die Anti-Babypille und Erektionshilfen wie Viagra können Sexualkopfschmerzen triggern.

Verschiedene Risikofaktoren begünstigen Sexualkopfschmerzen:

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  • Erhöhter Blutdruck
  • Vermehrter Stress
  • Männliches Geschlecht
  • Müdigkeit
  • Häufiger Sex innerhalb kurzer Zeit
  • Migräne
  • Alter zwischen 20 und 45 Jahren

Diagnose von Sexualkopfschmerzen

Wer beim Sex vermehrt Kopfschmerz-Symptome bemerkt, sollte sich ärztlich untersuchen lassen. Ein Facharzt für Neurologie ist der richtige Ansprechpartner.

Anamnese

Die aktuellen Beschwerden und Vorerkrankungen (Anamnese) liefern wichtige Informationen:

  • Treten die Kopfschmerzen nur beim Geschlechtsverkehr oder auch in anderen Situationen auf?
  • Wo genau sind die Schmerzen lokalisiert?
  • Treten außer den Schmerzen noch andere Beschwerden auf, zum Beispiel Missempfindungen oder Sprachstörungen?
  • Liegt Bluthochdruck vor?
  • Leidet der Patient unter Migräne?
  • Werden Medikamente eingenommen?

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung überprüft man gegebenenfalls die Funktionsfähigkeit von Großhirn und Hirnstamm mit einfachen Tests. Die Untersuchung ist vor allem wichtig, um gefährliche Ursachen wie eine Gefäßmissbildung (Aneurysma) oder einen Gehirntumor auszuschließen.

Weitere Untersuchungen

Die Diagnose „Sexualkopfschmerz“ ist eine Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, dass sie nur gestellt wird, wenn andere schwerwiegende Erkrankungen ausgeschlossen werden können. Um das zu tun, sind in der Regel bildgebende Verfahren wie Computertomografie (CT), Angiografie oder Magnetresonanztomografie (MRT) notwendig. Treten gleichzeitig andere Symptome wie Bewegungs- oder Sprachstörungen, ein verändertes Gefühl im Gesicht, Bewusstseins- oder Verhaltensveränderungen auf, muss man in jedem Fall einen Notarzt rufen, da dies auf eine Hirnblutung hindeuten kann.

Ein Kopfschmerz-Tagebuch kann helfen, einen Rhythmus oder auslösende Faktoren zu erkennen.

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Behandlung von Sexualkopfschmerzen

Oft verschwinden Sexualkopfschmerzen mit der Zeit von alleine wieder. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern:

  • Verhaltensänderungen:
    • Eine eher passive Rolle beim Sex einnehmen.
    • Sexuelle Aktivität abbrechen, wenn die Kopfschmerzen einsetzen.
    • Stress mit gezielten Entspannungsübungen mindern.
    • Eine übermäßig schnell ansteigende sexuelle Erregung vermeiden. Ein ausgedehnteres Vorspiel mit Kuscheleinheiten hilft dabei, den Blutdruck nur langsam ansteigen zu lassen.
    • Positionen vermeiden, die die Schmerzen verschlimmern (z.B. Stehen oder Sitzen).
  • Medikamentöse Behandlung:
    • Akutbehandlung: Bei Bedarf können Schmerzmittel wie Indometacin oder Triptane eingenommen werden. Andere NSAR sind meist unwirksam.
    • Prophylaxe: Bei wiederkehrenden Attacken kann eine Prophylaxe mit Propranolol, Metoprolol, Atenolol, Topiramat oder dem CGRP-Antikörper Erenumab infrage kommen.
    • Einnahme von Schmerzmitteln vor dem Geschlechtsverkehr: Etwa eine Stunde vor dem Geschlechtsverkehr kann ein leichtes Schmerzmittel wie Indometacin eingenommen werden.
  • Serotonin: Beim Orgasmus schüttet der Körper das „Glückshormon“ Serotonin aus, dem ein schmerzstillender Effekt nachgesagt wird.

Es ist wichtig, die Behandlung mit einem Arzt abzusprechen.

Wann verschwinden Sexualkopfschmerzen?

Die Prognose bei Sexualkopfschmerzen ist normalerweise gut. Der Schmerz tritt meistens in kurzen Episoden auf und verschwindet nach einigen Wochen oder Monaten wieder. Es besteht aber die Möglichkeit, dass der Sexualkopfschmerz nach Jahren erneut auftritt. Eine chronische Verlaufsform ist äußerst selten.

Was lässt sich noch gegen Sexualkopfschmerzen tun?

  • Offene Kommunikation: Viele Betroffene verschweigen aus Scham ihre Sexualkopfschmerzen - auch vor ihrem Partner oder ihrer Partnerin. Eine offene Kommunikation kann helfen, Ängste und Missverständnisse abzubauen.
  • Kopfschmerztagebuch: Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, Auslöser und Muster zu erkennen.
  • Entspannungsübungen: Entspannungsübungen wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und Muskelverspannungen zu lösen.
  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann helfen, den Kreislauf zu stabilisieren und Verspannungen vorzubeugen.

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