Kopfschmerzen und Sehstörungen: Ein neurologischer Blick auf Ursachen und Behandlung

Kopfschmerzen und Sehstörungen sind weit verbreitete Beschwerden, die oft in komplexer Weise miteinander verbunden sind. Während viele Ursachen harmlos sind, können sie auch auf ernstere neurologische Probleme hinweisen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Kopfschmerzen in Verbindung mit Sehstörungen, die Rolle des Neurologen bei der Diagnose und Behandlung sowie die verfügbaren Therapieansätze.

Neurologische Sehstörungen: Definition und Ursachen

Neurologische Sehstörungen sind Beeinträchtigungen des Sehvermögens, die nicht primär durch Augenerkrankungen verursacht werden, sondern auf Erkrankungen des Nervensystems zurückzuführen sind. Die Ursachen können vielfältig sein:

  • Entzündungen des Sehnervs oder des Gehirns: Diese können durch Infektionen oder Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose (MS) verursacht werden. Bei MS führen Entzündungen entlang der Sehbahn häufig zu einer Optikusneuritis, die sich durch einen plötzlichen einseitigen Sehverlust äußert - oft als eines der ersten Symptome.
  • Durchblutungsstörungen im Gehirn: Schlaganfälle oder Verletzungen können die Blutversorgung der für das Sehen zuständigen Hirnareale beeinträchtigen und zu Sehstörungen führen. Schlaganfälle, die die hintere Hirnzirkulation betreffen, verursachen häufig charakteristische Gesichtsfeldausfälle.
  • Vergiftungen: Alkohol oder Drogen können das Nervensystem schädigen und Sehstörungen verursachen.
  • Tumore: Tumore im Gehirn können auf die Sehbahn drücken oder diese direkt schädigen.
  • Folgeschäden einer Tumortherapie: Operation, Strahlen- oder Chemotherapie können das Nervensystem beeinträchtigen und Sehstörungen verursachen.
  • Stress und psychische Belastungen: In manchen Fällen können Stress und psychische Belastungen vorübergehende Sehstörungen auslösen.
  • Angeborene Krankheiten: Heredoataxien können neurologische Symptome einschließlich Sehstörungen verursachen.
  • Muskelkrankheiten: Bestimmte Muskelkrankheiten können die Augenmuskeln beeinträchtigen und zu Sehstörungen führen.
  • Migräne und epileptische Erkrankungen: Diese können meist nur vorübergehende Sehstörungen verursachen.

Symptome neurologischer Sehstörungen

Die Symptome neurologischer Sehstörungen können je nach Ursache und betroffenem Bereich des Nervensystems variieren. Häufige Symptome sind:

  • Unscharfes Sehen: Dies kann auf eine Schädigung des Sehnervs oder des Seh-Hirns (Occipital-Hirn) hindeuten.
  • Gesichtsfeldausfälle: Hierbei nehmen die Betroffenen Teile ihrer optischen Umgebung nicht mehr wahr. Es gibt dann keinen „schwarzen Fleck“ zu sehen, sondern der Gesichtsfeldteil ist einfach nicht da. In schweren Fällen erkennen die Patienten bei dieser neurologischen Sehstörung gar nichts mehr (sog. „Seelenblindheit“).
  • Doppelbilder: Diese treten bei Störungen in der Steuerung der Augenbewegungen auf.
  • Verschwommenes Sehen und Bildinstabilität: Auch diese Symptome können auf Störungen der Augenbewegungen hindeuten.
  • Lichtblitze, Flackern, Flimmern: Diese Symptome können auf eine Augenmigräne hindeuten.
  • Verlust des Farbsehens oder Kontrastempfindens: Auch dies kann auf eine Schädigung des Sehnervs hindeuten.
  • Oszillopsien: Scheinbewegungen der Umgebung bei Kopfbewegungen können ebenfalls auftreten.
  • Verändertes Empfinden: Zum Beispiel ein Unterschied in der Wahrnehmung von Licht, Schärfe oder Farbe, bei vorübergehender Abdeckung eines Auges.

Kopfschmerzen und Sehstörungen: Mögliche Zusammenhänge

Kopfschmerzen und Sehstörungen können gleichzeitig auftreten und verschiedene Ursachen haben. Einige der häufigsten Zusammenhänge sind:

  • Migräne: Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Bis zu 20 % der Patienten haben - meist vor dem Einsetzen der Schmerzen - eine sogenannte Aura in Form von Sehstörungen mit Flimmersehen, z. T. auch mit Sensibilitäts- oder Sprachstörungen. Bei der klassischen Migräne mit Aura treten häufig visuelle Phänomene wie Flimmerskotome, Zickzacklinien oder Gesichtsfeldausfälle auf, die vor den eigentlichen Kopfschmerzen auftreten.
  • Augenmigräne: Die Augenmigräne ist eine besondere Form der Migräne. Oft dauern Anfälle nur wenige Minuten an. Eine Augenmigräne kann zusätzlich zu den migränetypischen Kopfschmerzen auftreten, aber auch allein. Die Attacken unterscheiden sich dabei nicht nur von Mal zu Mal, sondern auch von Patient zu Patient. Die Augenmigräne zeichnet sich durch die Präsenz visueller Störungen aus, die normalerweise ein- oder beidseitig auftreten und etwa 10-30 Minuten dauern. Häufig beschriebene Wahrnehmungsstörungen sind: Lichtblitze, Flackern, Flimmern, Sehen von gezackten Linien, Einschränkungen des Gesichtsfeldes. Nicht als hauptsächliche Symptome, aber als Begleiterscheinung können auch Schmerzen in Form von Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel und Lichtempfindlichkeit auftreten. Bei einem sehr starken Anfall kommen neben den üblichen Begleiterscheinungen ebenso das Sehen von Doppelbildern und Halluzinationen vor.
  • Spannungskopfschmerzen: Die am weitesten verbreitete Kopfschmerzform ist der Spannungskopfschmerz. Viele Betroffene beschreiben den Schmerz als dumpf und drückend, ohne dass er sich durch Bewegung verstärkt. Die genaue Ursache ist nicht bekannt, jedoch scheinen Verspannungen der Nacken- und Schultermuskulatur sowie Stress eine wichtige Rolle zu spielen. In der Folge kommt es zu Augenbrennen und teils auch zu Kopfschmerzen.
  • Glaukom-Anfall: Starke Kopfschmerzen können bei einem akuten Glaukom-Anfall - einem augenärztlichen Notfall - vorkommen.
  • Riesenzellarteriitis: Auch eine Riesenzellarteriitis kann mit Kopfschmerzen und Sehstörungen einhergehen.
  • Computer Vision Syndrom (CVS): Durch die Digitalisierung ist die Bildschirmzeit stark angestiegen. Lange Zeiten vor dem PC können das Computer Vision Syndrom (CVS) auslösen, zu dessen Leitsymptomen Kopfschmerzen und Augenbrennen zählen.

Die Rolle des Neurologen

Ein Neurologe ist ein Spezialist für Erkrankungen des Nervensystems. Bei Kopfschmerzen in Verbindung mit Sehstörungen ist es wichtig, einen Neurologen aufzusuchen, um die Ursache der Beschwerden abzuklären. Der Neurologe wird eine gründliche Anamnese erheben, eine neurologische Untersuchung durchführen und gegebenenfalls weitere Untersuchungen veranlassen, wie z.B.:

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  • Messung der Augenbewegungen über eine Frenzelbrille: Spezielles Untersuchungsinstrument.
  • Videony stagmographie: Video-Aufzeichnung von Augenbewegungen.
  • Elektronystagmographie: Elektronische Aufzeichnung der Augenbewegungen mit Hilfe von aufgeklebten Elektroden.
  • Koordimetrie: Bestimmung von Augenfehlstellungen.
  • Perimetrie: Gesichtsfelduntersuchung.
  • Visuelle Explorationsmessung.
  • Visusmessung: Messung der Sehschärfe.
  • Computertomographie (CT) und Kernspintomographie (MRT): Bildgebende Verfahren, um das Gehirn darzustellen und mögliche Ursachen wie Tumore oder Entzündungen zu erkennen.
  • Elektroenzephalogramm (EEG): Messung der Gehirnströme, um epileptische Aktivität auszuschließen.

Anhand der Untersuchungsergebnisse kann der Neurologe die Diagnose stellen und eine geeignete Behandlung einleiten.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung von Kopfschmerzen und Sehstörungen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Einige allgemeine Maßnahmen, die helfen können, die Beschwerden zu lindern, sind:

  • Ruhe und Dunkelheit: Bei Migräne und Augenmigräne können Ruhe und Dunkelheit die Symptome lindern.
  • Kühle Tücher auf Stirn und Augen: Dies kann bei Kopfschmerzen und Augenmigräne helfen.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder Meditation können helfen, Stress abzubauen und Kopfschmerzen vorzubeugen.
  • Schmerzmittel: Bei Bedarf können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol eingenommen werden. Bei Migräne können auch Triptane helfen.
  • Vorbeugende Medikamente: Treten die Kopfschmerzen häufig auf, kann der Arzt vorbeugende Medikamente verschreiben.

Spezifische Behandlungen für neurologische Sehstörungen können sein:

  • Behandlung der Grunderkrankung: Bei Entzündungen, Durchblutungsstörungen oder Tumoren muss die zugrunde liegende Erkrankung behandelt werden.
  • Sehtraining: In der Reha-Klinik liegt der Schwerpunkt der Therapie auf dem gezielten Sehtraining, um das Sehvermögen wieder zu verbessern und/oder trotz Sehstörung die Umwelt besser wahrzunehmen. Im Visuellen Explorationstraining (VET) trainieren Sie gezielte Blickbewegungen und lernen so in den für Sie „blinden“ Bereich gezielt hinein zu sehen. Das Ziel des Trainings ist, dass Sie die raschen Blickbewegungen im Alltag nutzen, um die Gesichtsfeldausfälle auszugleichen. Mit der Visuellen Restitutionstherapie (VRT) trainieren Sie die Erweiterung des eingeschränkten Gesichtsfeldes.
  • Krankengymnastik für die Augen: Bei einigen Störungen der Augenmotorik hilft Ihnen die von uns entwickelte „Krankengymnastik für die Augen“. Sie kommen dann möglicherweise ohne Prismenbrille aus. Eine Prismenbrille korrigiert eine Winkelfehlsichtigkeit und wird bei Menschen, die schielen eingesetzt. Falls die Krankengymnastik für die Augen in Ihrem Falle nicht ausreicht, um die Sehstörungen zu beheben, überweisen wir Sie zu einem Augenarzt zur Prismenversorgung.
  • Medikamentöse Therapien: Je nach Ihrem Bedarf stellen wir für Sie ein Programm aus folgenden Maßnahmen und Trainings zusammen: medikamentöse Therapien psychologische Therapien Sport- und Bewegungstherapien - Physiotherapie Ergotherapien Entspannungstherapien Hirnleistungstherapien Balneo-physikalische Therapie (Heilbäder und Packungen) Hör-Therapien

Prävention

Einige Maßnahmen können helfen, Kopfschmerzen und Sehstörungen vorzubeugen:

  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann helfen, Verspannungen abzubauen und Kopfschmerzen vorzubeugen.
  • Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse kann helfen, den Körper gesund zu halten und Kopfschmerzen vorzubeugen.
  • Ausreichend Schlaf: Ausreichend Schlaf ist wichtig für die Regeneration des Körpers und kann helfen, Kopfschmerzen vorzubeugen.
  • Stressmanagement: Stress kann ein Auslöser für Kopfschmerzen sein. Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen.
  • Regelmäßige Pausen bei Bildschirmarbeit: Lange Bildschirmarbeit kann zu Augenbrennen und Kopfschmerzen führen. Regelmäßige Pausen und das bewusste Blinzeln können helfen, die Augen zu entlasten.
  • Korrekte Sehhilfe: Nicht oder falsch korrigierte Fehlsichtigkeiten können ein Grund für augenbedingte Kopfschmerzen sein.

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