Gliome sind die häufigsten primären Hirntumoren, die direkt von der Gehirnsubstanz ausgehen. Sie können im Gehirn, entlang des Rückenmarks oder des Sehnervs entstehen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klassifiziert Gliome in die Grade 1, 2, 3 und 4, wobei molekulare Biomarker zur präzisen Einstufung verwendet werden. Diese Einteilung ist entscheidend, da sie die Grundlage für individuell ausgerichtete Therapien bildet.
Was ist ein Astrozytom?
Ein Astrozytom ist ein Hirntumor, der zu den Gliomen gehört und aus dem Stützgewebe des Nervensystems (Gliazellen) hervorgeht. Der Name leitet sich von den Astrozyten ab, den Gliazellen, aus denen sich ein Astrozytom entwickelt. Astrozytome sind mit über 60 Prozent die häufigste Form von Gliomen und machen etwa 40 Prozent der Hirntumoren bei Kindern im Alter von fünf bis neun Jahren aus.
Formen und Abstufungen von Astrozytomen
Die WHO unterteilt Astrozytome in zwei Hauptformen mit vier Schweregraden:
- Gutartige bis niedrigmaligne Astrozytome:
- WHO-Grad 1: Pilozystisches Astrozytom
- WHO-Grad 2: Diffuses Astrozytom
- Hochmaligne Astrozytome:
- WHO-Grad 3: Anaplastisches Astrozytom
- WHO-Grad 4: Glioblastom
Behandlung und Prognose richten sich nach dieser Einteilung. Das Glioblastom ist mit jährlich drei Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner die häufigste Form von Astrozytom. Es tritt sechsmal häufiger auf als das diffuse Astrozytom und etwa zehnmal häufiger als das anaplastische oder pilozystische Astrozytom.
Pilozystisches Astrozytom (WHO-Grad 1)
Dieser Tumortyp ist der häufigste Hirntumor bei Kindern, kann aber auch bei jungen Erwachsenen auftreten. Er wächst meist im Bereich der vorderen Sehbahn, des Hypothalamus oder im Kleinhirn. Da er sich gut vom gesunden Hirngewebe abgrenzt und nur langsam wächst, gilt er als gutartig. Eine Umwandlung in eine bösartige Geschwulst ist extrem selten.
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Diffuses Astrozytom (WHO-Grad 2)
Dieser Tumortyp tritt vor allem bei Erwachsenen zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr auf. Er findet sich meist im Marklager des Großhirns und wächst unregelmäßig in das benachbarte Gewebe ein. Auch er vergrößert sich nur langsam. Das diffuse Astrozytom gilt als eingeschränkt gutartig oder niedriggradig bösartig, ist aber fast nie heilbar. Es kann im Laufe der Zeit in den anaplastischen Typ oder in ein Glioblastom übergehen.
Anaplastisches Astrozytom (WHO-Grad 3)
Ein anaplastisches Astrozytom betrifft meist Erwachsene zwischen 35 und 45 Jahren. Es besteht aus entarteten (anaplastischen) Zellen, die häufig relativ schnell wachsen. Dieser Tumor kann entweder aus dem diffusen Typ hervorgehen oder direkt entstehen. Meist entartet er nach einigen Monaten bis Jahren weiter und geht in ein Glioblastom über.
Glioblastom (WHO-Grad 4)
Das Glioblastom ist der häufigste Astrozytom-Typ. Es kann aus einem anderen Astrozytom hervorgehen, wobei der Altersgipfel der Betroffenen zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr liegt. Es kann sich aber auch ein primäres "de novo"-Glioblastom entwickeln, das vorwiegend ältere Menschen im sechsten bis siebten Lebensjahrzehnt betrifft. Das Glioblastom ist ein besonders aggressiv wachsendes Astrozytom.
Ursachen von Astrozytomen
Die genauen Ursachen für die Entstehung von Astrozytomen sind weitgehend unbekannt. Es wird vermutet, dass genetische Veränderungen in den Gliazellen eine Rolle spielen.
Risikofaktoren
Einige Faktoren können das Risiko für die Entwicklung eines Astrozytoms erhöhen:
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- Erbliche Krankheiten: Neurofibromatose Typ 1, tuberöse Sklerose, Li-Fraumeni-Syndrom und Turcot-Syndrom
- Starke Strahlung: Insbesondere ionisierende Strahlung
- Familiäre Vorbelastung: Erkranken Patienten jung an einem Hirntumor, ist das Risiko für Verwandte ersten Grades zu erkranken ebenfalls leicht erhöht. Da Hirntumoren aber sehr selten sind, ist das Risiko für Eltern und Geschwister von Hirntumorpatienten insgesamt gesehen immer noch sehr gering.
Es gibt jedoch keine überzeugenden Beweise dafür, dass Stress, ungewöhnliche seelische Belastungen oder Umwelteinflüsse wie elektromagnetische Felder oder die Nutzung von Mobiltelefonen Astrozytome auslösen.
Symptome von Astrozytomen
Die Symptome eines Astrozytoms hängen von der Lage, Größe und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab.
Häufige Symptome
- Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen (insbesondere bei erhöhtem Hirndruck)
- Sehstörungen (insbesondere bei Tumoren in der Nähe der Sehbahn)
- Hormonelle Störungen (insbesondere bei Tumoren im Bereich des Hypothalamus)
- Koordinationsprobleme, Sprachstörungen und Händezittern (insbesondere bei Tumoren im Kleinhirn)
- Neurologische Ausfälle wie Lähmungen, Gefühlsstörungen und epileptische Anfälle
- Persönlichkeitsveränderungen und Gedächtnisstörungen
Symptome durch Lage des Tumors
- Pilozytisches Astrozytom: Sehstörungen, hormonelle Störungen, Koordinationsprobleme
- Schnell wachsende Tumoren: Erhöhter Hirndruck, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen
Da die Symptome von Astrozytomen denen anderer Hirntumoren ähneln, ist eine genaue Diagnose entscheidend.
Diagnose von Astrozytomen
Bei Verdacht auf ein Astrozytom ist der Neurologe der richtige Ansprechpartner. Er wird die Krankengeschichte erheben und eine neurologische Untersuchung durchführen.
Diagnostische Verfahren
- Magnetresonanztomografie (MRT): Das wichtigste bildgebende Verfahren zur Darstellung von Astrozytomen. Oft wird ein Kontrastmittel verwendet, um den Tumor besser sichtbar zu machen.
- Computertomografie (CT): Kann als Alternative zur MRT eingesetzt werden, wenn diese nicht möglich ist.
- Biopsie: Entnahme einer Gewebeprobe zur mikroskopischen Untersuchung, um den Tumortyp und -grad zu bestimmen.
- Liquordiagnostik: Analyse der Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit, um andere Erkrankungen auszuschließen.
- Elektroenzephalografie (EEG): Messung der elektrischen Hirnströme.
Die bildgebenden Untersuchungen können einen Tumor im Gehirn sehr genau darstellen, ermöglichen aber keine ausreichend zuverlässige Diagnose. Es erfolgt immer eine für die Patientin oder den Patienten individuell passende Behandlung. Jeder einzelne Fall wird in den Kliniken in der interdisziplinären Tumorkonferenz thematisiert - von Experten der Neurologie, der Neurochirurgie, der Radiologie, der Onkologie und der Pathologie.
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Behandlung von Astrozytomen
Die Behandlung von Astrozytomen hängt von der Form, dem Grad, der Lokalisation und dem Ausmaß des Tumors sowie vom Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab.
Therapiemöglichkeiten
- Operation: Ziel ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen, ohne das umliegende gesunde Hirngewebe zu schädigen. Bei gutartigen Astrozytomen (WHO-Grad 1) kann eine vollständige Entfernung zur Heilung führen. Bei bösartigen Astrozytomen (WHO-Grad 3 und 4) ist eine vollständige Entfernung oft nicht möglich, daher zielt die Operation darauf ab, die Tumormasse zu verkleinern und den Hirndruck zu senken.
- Strahlentherapie: Wird eingesetzt, um verbliebene Tumorzellen abzutöten und das Wachstum des Tumors zu verlangsamen. Sie kann nach der Operation oder als primäre Behandlung bei inoperablen Tumoren eingesetzt werden.
- Chemotherapie: Kann in Kombination mit der Strahlentherapie oder als eigenständige Behandlung eingesetzt werden, um das Tumorwachstum zu kontrollieren.
- Tumortherapiefeld-Therapie (TTF): Eine nicht-invasive Therapie, bei der elektrische Wechselfelder die Zellteilung der Tumorzellen stören sollen. Sie wird nach der Operation und Bestrahlung in Kombination mit der Erhaltungschemotherapie eingesetzt.
- Brachytherapie: Dabei pflanzt der Arzt kleine radioaktive Körnchen (Seeds) in die betroffene Körperregion ein. Der Vorteil dieser Bestrahlungsform ist, dass sie den Tumor sehr gezielt trifft und weniger gesundes Gewebe schädigt.
Supportive Therapie
Zusätzlich zu den oben genannten Therapien gibt es eine Reihe von unterstützenden Maßnahmen, die dazu dienen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Dazu gehören:
- Kortikosteroide: Um Schwellungen im Gehirn zu reduzieren.
- Antiepileptika: Um Krampfanfälle zu kontrollieren.
- Schmerzmittel: Um Kopfschmerzen und andere Schmerzen zu lindern.
- Psychotherapie: Um den Patienten bei der Bewältigung der emotionalen Belastung durch die Erkrankung zu unterstützen.
- Seelsorge: Um spirituelle Unterstützung anzubieten.
Krankheitsverlauf und Prognose
Der Krankheitsverlauf und die Prognose eines Astrozytoms hängen im Wesentlichen von der konkreten Form des Astrozytoms ab.
- Pilozytisches Astrozytom (WHO-Grad 1): Bei vollständiger operativer Entfernung langfristig heilbar.
- Astrozytom mit WHO-Grad 2 oder 3: Deutlich schlechtere Prognose. Kehren oft wieder zurück (Rezidive). In einigen Fällen entarten Tumoren beider Formen bösartig und gehen in ein Glioblastom (WHO-Grad 4) über.
- Glioblastom (WHO-Grad 4): Schlechteste Prognose.
Dank guter unterstützender therapeutischer Maßnahmen hat sich die Lebensqualität von Erkrankten mit einem Astrozytom verbessert.
Vorbeugung von Astrozytomen
Da die Ursachen bislang nicht eindeutig geklärt sind, gibt es keine gesicherten Maßnahmen, mit denen sich einem Astrozytom vorbeugen lässt. Mediziner empfehlen, dass Personen, die Risikogruppen angehören, möglichst regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Gibt es beispielsweise bei mehreren Personen in der Familie eine risikosteigernde Erbkrankheit, lassen sich so Anzeichen für einen Hirntumor frühzeitig ausmachen und eine gegebenenfalls notwendige Behandlung einleiten.
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