Krampfanfall durch Flüssigkeitsmangel: Ursachen und Behandlung

Ein Krampfanfall, insbesondere ein epileptischer Anfall, kann beängstigend sein. Er entsteht durch eine übermäßige Entladung von Neuronen im Gehirn, was zu vorübergehenden Veränderungen der Wahrnehmung, Motorik, des Denkens, Fühlens oder Bewusstseins führen kann. Während epileptische Anfälle und nicht-epileptische Anfälle unterschieden werden, kann ein Flüssigkeitsmangel (Dehydration) in bestimmten Situationen eine Rolle bei der Auslösung von Krampfanfällen spielen. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Flüssigkeitsmangel, Elektrolytstörungen und Krampfanfällen, sowie die entsprechenden Behandlungsansätze.

Einführung in die Thematik

Obwohl Trinken für den Menschen lebenswichtig ist, wird es oft vergessen. Viele Leute trinken deutlich weniger als die empfohlene Menge von 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit pro Tag. Verspürt jemand Durst, besteht häufig schon eine leichte Dehydration (auch: Dehydratation), also ein Flüssigkeitsmangel. Bei starkem Flüssigkeitsmangel besteht die Gefahr einer Austrocknung (Exsikkose).

Ursachen von Flüssigkeitsmangel

Ursache für eine Dehydration ist nicht immer eine zu geringe Trinkmenge. Auch Durchfall, Erbrechen, übermäßiges Schwitzen, Diabetes mellitus oder Nierenerkrankungen können zu einem Flüssigkeitsmangel führen. Insbesondere geriatrische Patienten können von einer Exsikkose betroffen sein. Hauptursache ist meist ein vermindertes Durstgefühl. Außerdem können Menschen eine Austrocknung erleiden, wenn nicht ausreichend Getränke zur Verfügung stehen oder sie nicht mobil genug sind, um Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Andere trinken aufgrund von Schluckbeschwerden oder einer Harninkontinenz bewusst weniger. Auch in der Kindheit erlernte falsche Regeln können dazu führen, dass Senioren zum Beispiel beim Essen keine Flüssigkeit zu sich nehmen. Auch der Abbau von Muskelgewebe spielt eine Rolle bei der Exsikkose, weil dadurch der Wassergehalt im Körper sinkt. Hinzu kommen weitere Faktoren wie ein erhöhter Flüssigkeitsverlust, zum Beispiel durch entwässernde Medikamente (Diuretika), Fieber oder anhaltenden Durchfall. Kleinkinder haben vergleichsweise wenig Flüssigkeitsreserven. Daher kommt es bei länger andauernden Durchfallerkrankungen schnell zu einer Exsikkose.

Symptome von Flüssigkeitsmangel

Meist zeigt sich ein Flüssigkeitsmangel recht früh durch dumpfe Kopfschmerzen. Steht dem Körper zu wenig Wasser zur Verfügung, nimmt das Blutvolumen ab und die Blutgefäße ziehen sich zusammen. Dadurch wird das Gehirn schlechter mit Sauerstoff versorgt. Bei anhaltendem Flüssigkeitsmangel trocknen Haut und Schleimhäute aus. Wer wenig trinkt, dessen Urinproduktion nimmt ab. Das lässt sich nicht nur daran erkennen, dass man seltener zur Toilette muss, sondern auch an der Urinfarbe. Hoch konzentrierter Urin ist sehr dunkel bis rötlich. Bei langanhaltender Dehydration und Austrocknung (Exsikkose) kommt es schließlich zu Benommenheit, Bewusstseinsstörungen und Verwirrtheit. Auch Krampfanfälle sind eine mögliche Folge von Exsikkose. Sie treten vor allem auf, wenn viele Elektrolyte verloren gehen, etwa durch Erbrechen, Durchfall oder starkes Schwitzen. Schließlich kann es bei starker Austrocknung zu einem schnellen Herzschlag und zum Blutdruckabfall bis hin zum Kreislaufkollaps kommen.

Dehydration bei Babys und Kindern

Ein Flüssigkeitsmangel zeigt sich bei Säuglingen häufig durch eine eingefallene Fontanelle am Kopf, also er weichen Stelle am Schädel, an der die Knochen noch nicht vollständig zusammengewachsen sind. Auch eine lange trocken bleibende Windel ist ein Warnsignal.

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Der unzuverlässige Durst

Für gewöhnlich signalisiert der Körper mit Durst, dass er Flüssigkeit benötigt. Das funktioniert allerdings nicht bei allen Menschen zuverlässig. Älteren und pflegebedürftigen Menschen beispielsweise fehlt das Durstgefühl häufig, auch wenn bereits ein starker Flüssigkeitsmangel besteht. Deshalb ist es wichtig, auch bei fehlendem Durstgefühl auf eine ausreichende Trinkmenge zu achten.

Hautfaltentest

Die verminderte Elastizität und Spannung der Haut lässt sich mit einem einfachen Test feststellen: Zieht man an der Handoberfläche mit zwei Fingern eine Hautfalte hoch, sollte die Haut anschließend mehr oder weniger sofort wieder in ihre ursprüngliche Form zurückfinden.

Exsikkose

Bei einer Exsikkose handelt es sich um eine starke Austrocknung des Körpers durch Verlust von Körperwasser. Sie entsteht durch Dehydratation und tritt häufig bei älteren Menschen auf. Bei der hypotonen Dehydratation verliert der Organismus mehr Salz als Wasser. Bei der hypertonen Dehydratation geht hingegen mehr Wasser als Salz verloren.

Elektrolytstörungen als Folge von Flüssigkeitsmangel

Verändern sich gelöste Salze im Blut, kann es zu einer Elektrolytentgleisung kommen. Beschwerden sind dann beispielsweise Kopfschmerzen oder auch Krämpfe. Bei sehr starken Entgleisungen kann es zur Bewusstlosigkeit kommen. Die Störung der Blutsalze tritt häufig im Zusammenhang mit hohem Flüssigkeitsverlust des Körpers und einhergehenden Bewusstseinsstörungen auf. Auch Erschöpfung, Herzrhythmusstörungen, Bewusstseinseintrübungen oder Muskelkrämpfe können mit Elektrolytstörungen in Verbindung stehen. Eine Elektrolytstörung kann jedoch auch ein Symptom einer zugrundeliegenden Krankheit sein.

Die Rolle der Elektrolyte

Elektrolyte sind Blutsalze. Sie sind notwendig, damit die Organe richtig arbeiten können. Dabei ist wichtig, dass die einzelnen Blutsalze wie etwa Natrium, Kalium oder auch Kalzium weder zu hoch noch zu niedrig sind.

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Arten von Elektrolytentgleisungen

  • Hypernatriämie: Eine erhöhte Natriumkonzentration im Blut muss schnell durch Flüssigkeit gesenkt werden, die getrunken wird oder intravenös zugeführt wird.
  • Hyponatriämie: Ein Natriummangel wird mit einer physiologischen Kochsalzlösung ausgeglichen oder die Flüssigkeitszufuhr kontrolliert gesenkt. Der Ausgleich der Natriumwerte erfolgt langsam und unter regelmäßiger Laborkontrolle.
  • Hyperkaliämie: Ein erhöhter Kaliumwert führt zu einer mitunter lebensgefährlichen Störung. Dies ist ein besonderer Notfall und es werden sofort kaliumverteilende und kaliumsenkende Maßnahmen durchgeführt. Dazu wird eine Infusion gelegt und Medikamente zum Einnehmen gegeben.
  • Magnesiummangel: Ein Magnesiumpräparat kann einen Mangel fast immer ausgleichen.
  • Hypokalzämie: Ein Kalziummangel führt zu schwerwiegenden Störungen im Elektrolythaushalt.

Zusammenhang zwischen Flüssigkeitsmangel, Elektrolytstörungen und Krampfanfällen

Krampfanfälle können eine Folge von Exsikkose sein. Sie treten vor allem auf, wenn viele Elektrolyte verloren gehen, etwa durch Erbrechen, Durchfall oder starkes Schwitzen. Bei einem Flüssigkeitsverlust versucht der Körper, diesen zu kompensieren. Das bedeutet unter anderem, dass er weniger Schweiß und Speichel produziert. Auch Verstopfung, dickflüssiges Blut und ein niedriger Blutdruck sind typische Folgen einer Dehydratation. Außerdem können Arzneimittel schlechter vom Körper abgebaut werden. Generell nimmt die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit bei einer Exsikkose ab. Das kann schleichend oder plötzlich passieren. Ältere Menschen können durch diese Schwächung beispielsweise anfälliger für Stürze werden. Ein starker Flüssigkeitsverlust - ab etwa 5 Prozent des Körperwassers - kann zu schweren klinischen Symptomen (lebensbedrohlicher Schock/Kreislaufstörung) führen.

Behandlung von Flüssigkeitsmangel und Elektrolytstörungen

Besteht der Verdacht auf eine Elektrolytentgleisung, wird das Blut untersucht und analysiert, um den Nachweis zu erhalten. Die Behandlung ist abhängig von der Schwere und Ursache einer Elektrolytentgleisung. Oft reicht eine Ernährungsumstellung - die von einer Ernährungsberatung begleitet wird - und die Gabe einer Elektrolytlösung. Krankheitsbedingte und schwere Elektrolytstörungen müssen jedoch sofort behandelt werden, um schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden.

Behandlungsmethoden

  • Flüssigkeitszufuhr: Bei Dehydration ist die Zufuhr von Flüssigkeit essenziell. Dies kann oral oder intravenös erfolgen, abhängig vom Schweregrad der Dehydration.
  • Elektrolytausgleich: Je nach Art der Elektrolytstörung werden entsprechende Maßnahmen ergriffen, um die Elektrolytwerte zu normalisieren. Dies kann die Gabe von Natriumchlorid, Kalium oder Magnesium umfassen.
  • Behandlung der Grunderkrankung: Wenn die Elektrolytstörung oder Dehydration durch eine zugrundeliegende Erkrankung verursacht wird, muss diese behandelt werden.

Flüssigkeitszufuhr im Alter

Während bei jüngeren Personen, die zu wenig trinken, die Nieren oft verhindern, dass zu viel Wasser und Natrium ausgeschieden werden, ist das bei älteren Menschen oft nicht mehr möglich. verspüren viele von ihnen kaum Durst. Ein möglicher Grund dafür ist die Alterung der Sinneszellen. Im Mund befinden sich Sensoren, die dem Gehirn signalisieren, wenn wir etwas trinken. Das Gehirn registriert: In Kürze wird die benötigte Flüssigkeit im Blut ankommen; das Durstgefühl verschwindet. Bei älteren Menschen wird dieses Signal jedoch oft zu früh gesendet, nämlich dann, wenn noch gar nicht genug getrunken wurde. Wenn eine Person auf Dauer zu wenig trinkt, nimmt die Leistungsfähigkeit immer mehr ab. Das wiederum führt dazu, dass sich Betroffene weniger in der Lage fühlen zu trinken. Ältere und insbesondere pflegebedürftige Menschen haben ein erhöhtes Risiko, einen Flüssigkeitsmangel zu erleiden. Begünstigend wirken auch kognitive Störungen und Depressionen sowie Diuretika, Abführmittel und andere Medikamente. Fieber, Erbrechen, Durchfall, Inkontinenz, Nierenerkrankungen, Diabetes und Schluckstörungen gelten ebenfalls als Risikofaktoren. Auch Adipositas kann zu einem Flüssigkeitsmangel beitragen. Ein äußerer Einflussfaktor ist Hitze.

Differentialdiagnose von Krampfanfällen

Es ist wichtig, epileptische Anfälle von Gelegenheitskrämpfen abzugrenzen. Dies sind im Kindesalter z.B. Fieberkrämpfe und bei Erwachsenen Krämpfe bedingt durch Alkohol- oder Drogenabusus oder Dehydration.

Epilepsie

Epileptische Anfälle entstehen, wenn Nervenzellverbände übermäßig starke und synchronisierte, elektrische Entladungen entwickeln, was teilweise auch als „Gewitter im Gehirn“ bezeichnet wird. Ein einzelner epileptischer Anfall tritt bei 10% der Menschen einmal im Leben auf. Meist wird dies durch hohes Fieber in der Kindheit, eine nicht altersbedingte Stoffwechselentgleisung oder eine akute Hirnerkrankung, provoziert. Epileptische Anfälle dauern meist wenige Minuten. Eine Epilepsie hingegen betrifft 1% der Menschen. Sie zeichnet sich durch wiederholte, unprovozierte Anfälle aus.

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Arten von epileptischen Anfällen

  • Generalisierte Anfälle: Hier kommt es in beiden Gehirnhälften zu Anfallsaktivität. Diese kann ein kaum merkliches Innehalten bei Absence-Anfällen auslösen, Zuckungen am Körper bedingen (Myoklonien) oder auch zu gefährlichen Stürzen führen (etwa bei tonischen oder atonischen Sturz-Anfällen). Die ausgeprägteste Form ist der generalisierte, tonisch-klonische Anfall (französisch Grand Mal).
  • Fokale Anfälle: Hier beginnt die Anfallsaktivität in einem kleinen, umschriebenen Teil des Gehirns und löst Veränderungen in geistigen, emotionalen, motorischen oder sensorischen Funktionen aus, welche von dem entsprechenden Hirnteil kontrolliert werden.

Behandlung von Epilepsie

Die Ziele der Behandlung von Epilepsie sind die Kontrolle von Anfällen, die Minimierung von Nebenwirkungen und die Ermöglichung der Teilnahme am sozialen Leben. In der Akutbehandlung geht es darum, den epileptischen Anfall so schnell wie möglich zu beenden und die Sicherheit der Patient:innen zu gewährleisten. Dazu werden Notfallmedikamente aus der Gruppe der Benzodiazepine eingesetzt, die oral (zum Schlucken), intravenös (in eine Vene) oder bukkal (in den Mundraum) verabreicht werden. Anfallssupprimierende Medikamente, auch bekannt als Antiepileptika oder Antikonvulsiva, sind die Grundpfeiler der Epilepsiebehandlung.

Nicht-epileptische Anfälle

  • Psychogene, nicht epileptische Anfälle: Diese funktionelle neurologische Störung werden auch als dissoziative Anfälle bezeichnet. Es sind anfallsartige Ereignisse mit Bewegungen, Empfindungen oder Zuständen, die epileptischen Anfällen ähneln. Sie werden jedoch durch psychische Prozesse und nicht durch epileptische neuronale Störungen verursacht.
  • Anfallsartige Bewegungsstörungen: Hier treten plötzliche und vorübergehende Muskelkrämpfe, Lähmungen oder Verspannungen treten auf, welche keinen epileptischen Hintergrund haben.
  • Synkopen: Synkopen sind die weitaus häufigste Anfallserkrankung. Durch eine vorübergehende Minderdurchblutung des Gehirns kommt es zu einer kurzen Bewusstseinseinschränkung, teils mit Stürzen.

Erste Hilfe bei einem Krampfanfall

Am wichtigsten ist es, anfallsbedingte Verletzungen zu verhindern. Deshalb: Den Betroffenen aus etwaigen Gefahrenzonen wie Treppennähe, Straßenverkehr etc. bringen, scharfkantige Möbel entfernen, evtl. Brille abnehmen und etwas Weiches unter den Kopf schieben. Nicht versuchen, krampfende Gliedmaßen festzuhalten, festgehaltene Gegenstände mit Gewalt zu entfernen oder die Zähne auseinanderzubringen. Kleidung lockern, um die Atmung zu erleichtern. Möglichst während der gesamten Anfallsdauer beim Betroffenen bleiben. Ruhe bewahren. Ein epileptischer Anfall hört in der Regel von selbst wieder auf und schädigt das Gehirn nicht. Nach dem Anfall kann der Betroffene allerdings eine Zeit lang verwirrt sein. Wenn der Betroffene nach dem Anfall schläft, ihn in eine stabile Seitenlage bringen (um Speichelabfluss zu ermöglichen). Dauert der Anfall länger als 5 bis 10 Minuten oder treten mehrere Anfälle hintereinander auf, Notruf absetzen.

Prävention von Flüssigkeitsmangel

  • Ausreichende Flüssigkeitsaufnahme: Achten Sie darauf, täglich ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen, idealerweise 1,5 bis 2 Liter.
  • Regelmäßiges Trinken: Trinken Sie regelmäßig über den Tag verteilt, auch wenn Sie keinen Durst verspüren.
  • Anpassung der Trinkmenge: Passen Sie Ihre Trinkmenge an körperliche Aktivität, Umgebungstemperatur und gesundheitliche Bedingungen an.
  • Besondere Aufmerksamkeit für Risikogruppen: Achten Sie besonders auf ältere Menschen, Kinder und Menschen mit chronischen Erkrankungen.

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