Krampfanfall durch Lokalanästhesie: Ursachen und Behandlung

Die Lokalanästhesie ist eine häufig verwendete Methode, um Schmerzen bei zahnärztlichen Eingriffen zu reduzieren. Vor allem die Einführung von Wirkstoffen vom Säureamid-Typ hat die lokale Betäubung sicherer und komplikationsärmer gemacht und gelten deshalb inzwischen als Goldstandard. Obwohl die Lokalanästhesie im Allgemeinen sicher ist, kann es in seltenen Fällen zu Komplikationen wie Krampfanfällen kommen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und Behandlung von Krampfanfällen, die durch Lokalanästhesie ausgelöst werden.

Ursachen von Krampfanfällen bei Lokalanästhesie

Krampfanfälle nach Lokalanästhesie sind selten, können aber verschiedene Ursachen haben:

  • Toxische Reaktionen: Eine zu hohe Dosis des Lokalanästhetikums oder eine versehentliche intravenöse Injektion kann zu einer hohen Konzentration des Wirkstoffs im Blut führen. Dies kann das zentrale Nervensystem beeinträchtigen und Krampfanfälle auslösen.
  • Allergische Reaktionen: In seltenen Fällen können Patienten allergisch auf das Lokalanästhetikum oder auf Inhaltsstoffe wie Methylparaben oder Sulfit reagieren. Allergische Reaktionen können sich als Krampfanfälle äußern.
  • Vasovagale Synkope: Angst vor der Behandlung oder dem Eingriff kann bei manchen Patienten zu einer vasovagalen Synkope führen. Dabei kommt es zu einem plötzlichen Blutdruckabfall und einer verminderten Durchblutung des Gehirns, was in seltenen Fällen Krampfanfälle auslösen kann.
  • Vorerkrankungen: Patienten mit Epilepsie oder anderen neurologischen Erkrankungen haben ein erhöhtes Risiko für Krampfanfälle nach Lokalanästhesie.
  • Zentrales anticholinerges Syndrom (ZAS): Fast alle in der Anästhesie verwendeten Medikamente können durch ihre direkte oder indirekte anticholinerge Wirkung ein ZAS auslösen. Das ZAS wird in der Regel nach Allgemeinanästhesien beobachtet, kann aber auch nach Lokalanästhesien auftreten, wenn adjuvant Sedativa angewendet wurden.

Symptome eines Krampfanfalls

Ein Krampfanfall kann sich durch verschiedene Symptome äußern:

  • Bewusstseinsverlust
  • Muskelzuckungen oder -krämpfe
  • Zungenbiss (lateraler Zungenbiss)
  • Atembeschwerden
  • Blaufärbung der Haut (Zyanose)
  • Inkontinenz

Behandlung eines Krampfanfalls

Die Behandlung eines Krampfanfalls nach Lokalanästhesie erfordert schnelles und entschlossenes Handeln:

  1. Sicherung der Vitalfunktionen:

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    • Überprüfen und sichern Sie die Atemwege. Entfernen Sie gegebenenfalls Fremdkörper aus dem Mund.
    • Verabreichen Sie Sauerstoff über eine Maske oder einen Beatmungsbeutel.
    • Überwachen Sie die Herzfrequenz und den Blutdruck.
  2. Unterbrechung des Anfalls:

    • Verabreichen Sie krampflösende Medikamente wie Benzodiazepine (z. B. Midazolam 1-3mg iv.).
    • Die Dosierung richtet sich nach dem Alter und Gewicht des Patienten.
  3. Behandlung der Ursache:

    • Bei einer toxischen Reaktion kann die Gabe von intravenösen Lipidemulsionen (Lipid Rescue) hilfreich sein. Diese binden das Lokalanästhetikum im Blut und reduzieren so dessen toxische Wirkung. Vorab Rücksprache mit Giftnotruf! Mögliche Nebenwirkungen: Nach Lipidgabe kann ECLS/Dialyse unmöglich sein (Filter/Kreislauf kann durch Lipide verlegt oder beschädigt werden), Fettembolie, Hypersensitivitätsreaktion, Messfehler bei Laborwerten, insb. Blutzucker, Magnesium, Kreatinin, Lipase, evtl. Blutgase.
    • Bei einer allergischen Reaktion verabreichen Sie Antihistaminika und Kortikosteroide. In schweren Fällen kann Adrenalin erforderlich sein.
    • Bei einer vasovagalen Synkope lagern Sie den Patienten flach und heben Sie die Beine an, um die Durchblutung des Gehirns zu verbessern.
  4. Weitere Maßnahmen:

    • Überwachen Sie den Patienten nach dem Anfall sorgfältig, um sicherzustellen, dass sich sein Zustand stabilisiert.
    • Dokumentieren Sie den Vorfall und die durchgeführten Maßnahmen.
    • Informieren Sie den Patienten und gegebenenfalls seine Angehörigen über den Anfall und die möglichen Ursachen.

Prävention von Krampfanfällen

Um Krampfanfällen nach Lokalanästhesie vorzubeugen, sollten folgende Maßnahmen beachtet werden:

  • Sorgfältige Anamnese: Erfragen Sie Vorerkrankungen, Allergien und Medikamente, die der Patient einnimmt.
  • Dosierung: Berechnen Sie die maximale Dosis des Lokalanästhetikums sorgfältig und überschreiten Sie diese nicht.
  • Injektionstechnik: Vermeiden Sie eine versehentliche intravenöse Injektion. Aspirieren Sie vor der Injektion, um sicherzustellen, dass Sie kein Blutgefäß getroffen haben. Injizieren Sie das Lokalanästhetikum langsam.
  • Notfallausrüstung: Stellen Sie sicher, dass in der Praxis Notfallmedikamente und -ausrüstung (Sauerstoff, Beatmungsbeutel, krampflösende Medikamente) vorhanden sind.
  • Schulung: Schulen Sie das Praxisteam regelmäßig in der Erkennung und Behandlung von Notfällen.
  • Alternativen zur Lokalanästhesie: Bei Angstpatienten können Alternativen zur Lokalanästhesie in Betracht gezogen werden, wie Lachgas, Dämmerschlaf (Analgosedierung) oder Hypnose.

Differenzialdiagnosen

Es ist wichtig, andere Ursachen für Bewusstseinsverlust und Krampfanfälle auszuschließen:

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  • Hypoglykämie: Insbesondere bei Diabetikern kann eine Unterzuckerung zu ähnlichen Symptomen führen.
  • Herzinfarkt: Brustschmerzen, Atemnot und Bewusstseinsverlust können auf einen Herzinfarkt hindeuten.
  • Schlaganfall: Plötzliche neurologische Ausfälle wie Sprachstörungen, Lähmungen oder Sehstörungen können auf einen Schlaganfall hindeuten.
  • Panikattacken: Angstzustände und Hyperventilation können ähnliche Symptome wie ein Krampfanfall verursachen.
  • Toxische Alkohole: Hoher Verdacht auf Intoxikation mit toxischen Alkoholen bei Vigilanzminderung plus Metabolische Azidose mit extrem vergrößerter Anionenlücke (>20mmol/l) und fehlender alternativer Erklärung und/oder Vergrößerte Osmolalitätslücke (>10 mosmol/kg) Häufig Nierenfunktionseinschränung

Toxidrome

Bei der Beurteilung von Patienten mit Krampfanfällen oder Bewusstseinsveränderungen kann die Einteilung in Toxidrome hilfreich sein. Toxidrome sind charakteristische Symptomkonstellationen, die auf bestimmte Substanzklassen hinweisen. Einige relevante Toxidrome sind:

  • Opioid-Toxidrom: Somnolenz bis Koma, Miosis, Bradypnoe, Bradykardie. Therapie: Naloxon.
  • Sedativ-hypnotisches Toxidrom: Somnolenz bis Koma, Mydriasis, Bradypnoe, Bradykardie. Therapie: Supportiv, ggf. Flumazenil bei Benzodiazepin-Intoxikation (Cave: Senkung der Krampfschwelle bei Mischintoxikationen).
  • Anticholinerges Toxidrom: Verwirrung, Halluzinationen, Mydriasis, trockene/warme Haut, Tachykardie, Harnverhalt. Therapie: Supportiv, ggf. Physostigmin bei Delir.

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