Krampfanfälle nach Cannabiskonsum: Ursachen, Risiken und therapeutische Aspekte

Cannabis ist eine Pflanze mit über 400 bekannten Bestandteilen, sogenannten Cannabinoiden, von denen einige in der Medizin Anwendung finden. Während einige dieser Cannabinoide, insbesondere Cannabidiol (CBD), in der Behandlung bestimmter Epilepsieformen vielversprechend sind, gibt es auch Berichte über Krampfanfälle im Zusammenhang mit Cannabiskonsum, insbesondere im Zusammenhang mit synthetischen Cannabinoiden oder Verunreinigungen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Krampfanfällen im Zusammenhang mit Cannabiskonsum, einschliesslich möglicher Ursachen, Risiken und therapeutischer Überlegungen.

Cannabis und Epilepsie: Ein komplexes Verhältnis

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende Krampfanfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle werden durch plötzliche, unkontrollierte Entladungen von Nervenzellen im Gehirn verursacht. Die Behandlung von Epilepsie ist oft eine Herausforderung, und viele Betroffene sprechen nicht ausreichend auf herkömmliche Antiepileptika an. Dies hat zu einem wachsenden Interesse an alternativen Therapieansätzen geführt, insbesondere an der Verwendung von Cannabis.

Die potenziellen Vorteile von CBD bei Epilepsie

CBD, ein nicht-psychoaktives Cannabinoid, hat in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit als potenzielle Behandlung für Epilepsie erhalten. Es gibt mittlerweile Zulassungen für den Einsatz von Cannabidiol bei drei seltenen Epilepsieformen: dem Dravet-Syndrom, dem Lennox-Gastaut-Syndrom und strukturellen Epilepsien bei Tuberöser Sklerose. Studien haben gezeigt, dass CBD die Anfallshäufigkeit bei einigen Patienten reduzieren und den Gesamtzustand verbessern kann. In einer Studie verbesserte sich der Gesamtzustand in der Cannabidiol-Gruppe bei 62 % der Patient:innen, während es in der Placebo-Gruppe 34 % waren.

Es ist wichtig zu beachten, dass CBD in den meisten Studien zusätzlich zu herkömmlichen Antiepileptika eingesetzt wurde. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf mögliche Wechselwirkungen zwischen CBD und bestimmten Antiepileptika wie Rufinamid, Zonisamid, Topiramat und Eslicarbazepin. Daher sollte die Anwendung von CBD bei Epilepsie immer unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

Die kontroverse Rolle von THC

Im Gegensatz zu CBD ist die Rolle von Tetrahydrocannabinol (THC), dem psychoaktiven Hauptbestandteil von Cannabis, bei Epilepsie umstritten. Während einige Studien einen krampflösenden Effekt von THC nahelegen, konnten andere Studien diese Wirkung nicht bestätigen oder kamen sogar zu dem Schluss, dass THC Krampfanfälle begünstigen könnte. Es gibt Berichte, dass THC in seltenen Fällen Anfälle auslösen oder bestehende Epilepsien verstärken kann. Daher ist Vorsicht geboten, wenn THC-haltige Cannabisprodukte bei Epilepsie eingesetzt werden.

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Krampfanfälle nach Cannabiskonsum: Mögliche Ursachen

Obwohl Cannabis in einigen Fällen zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt wird, gibt es auch Berichte über Krampfanfälle, die nach Cannabiskonsum auftreten. Die Ursachen für diese Krampfanfälle können vielfältig sein:

Synthetische Cannabinoide

Synthetische Cannabinoide sind künstlich hergestellte Substanzen, die an den gleichen Rezeptoren im Gehirn wirken wie THC. Sie sind jedoch oft viel potenter als THC und können zu schwerwiegenden Nebenwirkungen führen, darunter Krampfanfälle, Psychosen, Herzrasen, Bluthochdruck und aggressives Verhalten. Der Konsum von synthetischen Cannabinoiden ist besonders riskant, da die Dosierung schwer vorherzusagen ist und die Substanzen oft in verunreinigten oder gefälschten Cannabisprodukten enthalten sind.

Ein Beispiel für einen solchen Fall ist der eines 18-Jährigen, der nach der Einnahme einer Droge, von der er dachte, sie sei LSD, einen Krampfanfall erlitt. Die Analyse ergab einen positiven Befund für das synthetische Amphetamin 2,5-Dimethoxy-4-chloramphetamin (DOC). Das Ärzteteam vermutete, dass DOC die Ursache für den Krampfanfall sein könnte, da weitere mögliche Auslöser ausgeschlossen werden konnten.

In den letzten Jahren hat die Zahl der Fälle von Vergiftungen durch synthetische Cannabinoide zugenommen. Insbesondere die Substanzen MDMB-4en-PINACA und ADB-BUTINACA sind häufig in positiven Proben nachweisbar. Die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) hat Warnmeldungen herausgegeben, die darauf hinweisen, dass Haschisch, Marihuana, E-Liquids und präparierte Papiere mit synthetischen Cannabinoiden verunreinigt sein können.

Verunreinigungen und andere Substanzen

Neben synthetischen Cannabinoiden können auch andere Substanzen, die in Cannabisprodukten enthalten sind, Krampfanfälle auslösen. Dazu gehören beispielsweise Pestizide, Schwermetalle oder andere Drogen. In dem oben genannten Fall des 18-Jährigen wurden im Urinscreening zwar Reste von Cannabis und Opioiden gefunden, doch seien diese Substanzen typischerweise nicht als Auslöser von Krampfanfällen bekannt. Erst die detaillierte Analyse mit Hilfe der Gaschromatographie brachte das Ärzteteam auf die Spur des synthetischen Amphetamins DOC.

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Individuelle Faktoren und Vorerkrankungen

Die Wahrscheinlichkeit, nach Cannabiskonsum einen Krampfanfall zu erleiden, hängt auch von individuellen Faktoren und Vorerkrankungen ab. Menschen mit einer bestehenden Epilepsie oder anderen neurologischen Erkrankungen haben ein höheres Risiko. Auch bestimmte genetische Veranlagungen oder Stoffwechselstörungen können die Anfälligkeit für Krampfanfälle erhöhen.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Cannabis kann mit verschiedenen Medikamenten interagieren und deren Wirkung verstärken oder abschwächen. Dies kann insbesondere bei Menschen mit Epilepsie problematisch sein, die Antiepileptika einnehmen. Wie bereits erwähnt, gibt es Hinweise auf mögliche Wechselwirkungen zwischen CBD und bestimmten Antiepileptika. Auch THC kann die Wirkung von Antiepileptika beeinflussen. Daher ist es wichtig, dass Menschen mit Epilepsie, die Cannabis konsumieren möchten, dies mit ihrem Arzt besprechen, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden.

Risikofaktoren und Prävention

Um das Risiko von Krampfanfällen nach Cannabiskonsum zu minimieren, sollten folgende Risikofaktoren und Präventionsmaßnahmen berücksichtigt werden:

  • Vermeidung von synthetischen Cannabinoiden: Der Konsum von synthetischen Cannabinoiden ist mit einem hohen Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen verbunden, darunter Krampfanfälle. Es ist wichtig, sich vor gefälschten oder verunreinigten Cannabisprodukten zu schützen und nur Produkte aus vertrauenswürdigen Quellen zu beziehen.
  • Vorsicht bei Vorerkrankungen: Menschen mit Epilepsie oder anderen neurologischen Erkrankungen sollten besonders vorsichtig sein, wenn sie Cannabis konsumieren. Sie sollten dies unbedingt mit ihrem Arzt besprechen, um mögliche Risiken und Wechselwirkungen zu vermeiden.
  • Aufklärung über Wechselwirkungen: Cannabis kann mit verschiedenen Medikamenten interagieren. Es ist wichtig, sich über mögliche Wechselwirkungen zu informieren und den Arzt über den Cannabiskonsum zu informieren.
  • Moderate Dosierung: Eine hohe Dosis von Cannabis, insbesondere von THC, kann das Risiko von Krampfanfällen erhöhen. Es ist ratsam, mit einer niedrigen Dosis zu beginnen und diese langsam zu steigern, um die individuelle Verträglichkeit zu testen.
  • Vermeidung von Mischkonsum: Der Konsum von Cannabis in Kombination mit anderen Drogen oder Alkohol kann das Risiko von Krampfanfällen erhöhen. Es ist ratsam, auf Mischkonsum zu verzichten.
  • Achtsamkeit auf Warnsignale: Bei Auftreten von Warnsignalen wie Schwindel, Verwirrtheit oder Muskelzuckungen sollte der Cannabiskonsum sofort beendet und ein Arzt aufgesucht werden.

Cannabis und Narkose: Eine wichtige Überlegung vor Operationen

Regelmäßiger Cannabiskonsum kann die Wirkung von Narkosemitteln bei operativen Eingriffen beeinflussen. Studien haben gezeigt, dass Cannabis-Konsumenten möglicherweise eine höhere Dosis an Narkosemitteln benötigen, da ihre Leber aufgrund des häufigen Kontakts mit Suchtmitteln ihre Entgiftungsfunktion gesteigert hat und Narkosemittel schneller verstoffwechselt werden. Daher ist es wichtig, dass Patienten vor einer Operation ihren Cannabiskonsum ehrlich im Anästhesie-Vorgespräch angeben. Dies gilt auch für den Konsum von Beruhigungsmitteln (Tranquilizer) und anderen Psychopharmaka, da diese ebenfalls die Wirksamkeit von Narkosemitteln beeinflussen können.

Alkohol und Epilepsie: Ein gefährliches Duo

Alkohol ist ein bekannter Auslöser für Krampfanfälle bei Menschen mit Epilepsie. Studien haben gezeigt, dass regelmäßiger Alkoholkonsum das Risiko für Anfälle im Zusammenhang mit Alkohol deutlich erhöht. Ein riskantes Trinkverhalten, wie beispielsweise der Konsum von großen Mengen Alkohol auf einmal, sollte von Epilepsiepatienten vermieden werden. Es ist wichtig, dass Betroffene sich über die Risiken von Alkohol im Zusammenhang mit Epilepsie informieren und gegebenenfalls auf Alkohol verzichten.

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