Die Rolle des Gehirns im Kontext von Krebs und Bewegung: Ein umfassender Überblick

Das Gehirn, das komplexeste Organ des menschlichen Körpers, spielt eine zentrale Rolle bei der Steuerung von Bewegungen, der Verarbeitung von Sinnesinformationen und der Entstehung von Krebserkrankungen. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte der Gehirnfunktion im Zusammenhang mit Krebs, insbesondere die Auswirkungen von Krebserkrankungen und deren Behandlung auf das Gehirn, sowie die Rolle des motorischen Kortex bei der Bewegungskontrolle.

Der motorische Kortex und die Steuerung von Bewegungen

Forscher haben herausgefunden, dass der motorische Kortex eine entscheidende Rolle bei der Ausführung von korrigierenden Bewegungen spielt, die als Reaktion auf unerwartete und plötzliche Veränderungen der Sinneswahrnehmung erfolgen. Interessanterweise ist der motorische Kortex jedoch nicht für die gleichen Bewegungen erforderlich, wenn sie spontan ausgeführt werden. Dieses Phänomen manifestiert sich in Form von spezifischen Mustern unterschiedlich genutzter Nervenzellen im Kortex.

Bei Säugetieren werden Bewegungen durch neuronale Netzwerke gesteuert, die sich über das gesamte zentrale Nervensystem vom Kortex bis zum Rückenmark erstrecken. Verletzungen des motorischen Kortex beim Menschen können zu einem Verlust der Bewegungskontrolle führen.

Eine aktuelle Studie zielte darauf ab, herauszufinden, wie und unter welchen Bedingungen der motorische Kortex für die Kontrolle von Bewegungen benötigt wird. Die Forscher entwickelten eine Methode, mit der sie Mäuse trainieren konnten, sich in einem virtuellen Tunnel zu bewegen. Sie untersuchten auch, wie die Mäuse auf unerwartete Veränderungen in ihrer Umgebung reagieren und ihre Bewegungen korrigieren, zum Beispiel, wenn sich die Laufrichtung in der virtuellen Umgebung plötzlich verschiebt.

Durch die Aufzeichnung der neuronalen Aktivität im motorischen Kortex konnten die Forscher zeigen, dass sich die Aktivitätsmuster bei Mäusen, die ihre Bewegungen als Reaktion auf unerwartete visuelle Veränderungen korrigierten, von denen der Mäuse unterschieden, die dieselben Bewegungen spontan ausführten. Diese Erkenntnisse deuten darauf hin, dass der motorische Kortex eine spezifische Rolle bei der Verarbeitung unerwarteter sensorischer Rückmeldungen und der Anpassung von Bewegungen spielt.

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Hirnmetastasen bei Brustkrebs und neue Therapieansätze

Etwa jede sechste Brustkrebspatientin ist von HER2-positivem Brustkrebs betroffen. Im fortgeschrittenen Stadium dieser Erkrankung können sich häufig Tumore im Gehirn bilden. In den letzten Jahren wurden jedoch vielversprechende neue Medikamente gegen Brustkrebs entwickelt.

Ein internationales Forschungsteam mit deutscher Beteiligung hat in einer großen klinischen Studie ein solches Medikament namens "Enhertu" bei Patientinnen mit Hirnmetastasen getestet. Die Ergebnisse dieser Studie, die im Fachmagazin Nature veröffentlicht wurden, sind vielversprechend.

Die Studie umfasste mehr als 500 Patientinnen, von denen etwa die Hälfte Hirnmetastasen aufwies. Nach einem Jahr lebten noch 90 Prozent der Patientinnen, unabhängig davon, ob sie Hirnmetastasen hatten oder nicht. Besonders bemerkenswert war, dass bei Patientinnen ohne vorherige medikamentöse Behandlung über 80 Prozent der Tumoren schrumpften.

Das Medikament "Enhertu" ist seit Januar 2021 in der EU zugelassen und wird bereits in der Krebstherapie eingesetzt. Es handelt sich um ein sogenanntes Antikörper-Konjugat (ADC). Ein Bestandteil des Medikaments ist der Antikörper Trastuzumab, der an den HER2-Rezeptor auf den Tumorzellen andockt. An den Antikörper ist der Wirkstoff Deruxtecan gekoppelt.

"Enhertu" hat sich als wirksam bei der Behandlung von fortgeschrittenem Brustkrebs erwiesen, der bereits Metastasen im Gehirn gebildet hat. Obwohl die Nebenwirkungen ähnlich wie bei einer Chemotherapie sein können, darunter Blutbildveränderungen und Übelkeit, sind die behandelnden Ärzte sich einig, dass Antikörper-Konjugate einen Meilenstein in der Krebsforschung darstellen, insbesondere bei Brustkrebs mit Hirnmetastasen.

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Krebsstammzellen im Gehirn und neue Therapieansätze

Neue Nervenzellen entstehen aus Stammzellen, die sich in einer Nische des Gehirns befinden, der subventrikulären Zone. Diese Zone gilt auch als Ursprungsort von Glioblastomen, aggressiven Hirntumoren.

Forscher haben herausgefunden, dass Glioblastome aus verschiedenen Zelltypen und deren Vorstufen bestehen. Es gelang ihnen auch, Krebsstammzellen aus Glioblastomen zu isolieren. Diese Krebsstammzellen besitzen die Eigenschaften von Stammzellen, einschließlich der Fähigkeit zur Selbsterneuerung, was bedeutet, dass sie immer wieder neue Tumoren bilden können.

Ein wichtiger Forschungsbereich ist die Frage, wie sich eine normale Stammzelle, die für die Bildung neuer Zellen benötigt wird, in eine Krebsstammzelle verwandelt. Es wurde festgestellt, dass sich Tumorstammzellen im Gehirn einiger Schlüsselregulatoren bedienen, die normalerweise die Bildung neuer Nervenzellen im erwachsenen Gehirn steuern. Dazu gehören Ephrine, eine wichtige Stoffgruppe von Signalmolekülen im Gehirn, sowie ihre Rezeptoren auf den Stammzellen, die als Eph-Rezeptoren bezeichnet werden.

Forscher konnten in Glioblastomgewebe und in darin enthaltenen Krebsstammzellen den genetischen Bauplan sowohl für die Eph-Rezeptoren als auch für ihre Bindungspartner, die Ephrine, nachweisen. In ersten Versuchen im Reagenzglas gelang es ihnen, die Aktivität dieses Rezeptors zu drosseln. Dies führte dazu, dass sich die Krebsstammzellen nicht mehr selbst erneuerten und ihre Fähigkeit, Hirntumoren zu bilden, quasi "ausgetrocknet" war.

In Mäusen mit Glioblastomzellen des Menschen gelang es den Forschern, den EphA2-Rezeptor herunterzuregulieren und damit die Ausbreitung dieses tödlichen Tumors zu bremsen. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Hemmung der Aktivität von Eph-Rezeptoren ein vielversprechender Ansatz für die Behandlung von Glioblastomen sein könnte.

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Chemobrain: Kognitive Beeinträchtigungen nach einer Krebstherapie

Viele Krebspatienten haben nach einer Krebstherapie Schwierigkeiten, ihr gewohntes Leben wieder aufzunehmen. Selbst wenn sich der Körper von der Therapie erholt hat, nehmen viele Patienten eine veränderte geistige Leistungsfähigkeit wahr. Sie leiden unter Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen, und die Planung alltäglicher Aufgaben kann problematisch sein. Dieses Phänomen wird oft als "Chemobrain" bezeichnet.

Betroffene bemerken Chemobrain-Symptome zum Beispiel bei Einschränkungen ihrer Fähigkeiten in Bezug auf das Gedächtnis, das Lernen neuer Dinge, die Konzentration sowie das Planen und Treffen von alltäglichen Entscheidungen. Es kann ihnen schwerfallen, ein Problem zu erfassen, oder sie machen Fehler, die früher nie vorgekommen wären. In der Fachsprache spricht man von kognitiven Einschränkungen.

Da sich der Verlauf von Chemobrain nur schwer vorhersagen lässt, gibt es keine einheitliche Therapie. Es gibt jedoch verschiedene Ansätze, die die kognitiven Einschränkungen reduzieren können, wie z. B. Verhaltens- oder Bewegungstherapie, Achtsamkeitsübungen oder in manchen Fällen die Einnahme von Medikamenten.

Es ist wichtig, dass Betroffene das Gespräch mit ihrem Arzt suchen und über ihre Probleme berichten. Der Arzt kennt den Verlauf der Krebstherapie und kann gemeinsam mit dem Patienten mögliche Maßnahmen besprechen. Bei Bedarf kann der Patient auch an weitere Fachärzte überwiesen werden, etwa an Psychoonkologen.

Obwohl der Begriff Chemobrain den Anschein erweckt, dass die kognitiven Beschwerden eindeutig mit den Chemotherapie-Nebenwirkungen zusammenhängen, konnten Studienergebnisse keinen solchen Zusammenhang nachweisen. Experten gehen davon aus, dass es vielmehr eine Reihe von Faktoren sind, die diese Beschwerden auslösen können. Neben dem Einfluss verschiedener Krebstherapien können auch Fatigue (Müdigkeit), psychologische Faktoren wie Stress, Ängste und Sorgen sowie Begleiterkrankungen eine Rolle spielen.

Es gibt verschiedene Maßnahmen, mit denen Betroffene aktiv gegen ihre kognitiven Einschränkungen vorgehen können:

  • Beobachten Sie, zu welcher Tageszeit Ihre Konzentration am besten ist, und nutzen Sie diese Zeit für besonders herausfordernde Aufgaben.
  • Teilen Sie umfangreiche Aufgaben in viele kleine Aufgaben auf und lösen Sie diese Schritt für Schritt.
  • Bewegen Sie sich an der frischen Luft, sobald Sie sich nicht mehr gut konzentrieren können.
  • Planen Sie regelmäßige Pausen zwischen Ihren Aufgaben ein und nehmen Sie sich Zeit zum Essen und Trinken.
  • Nutzen Sie einen Notizblock und einen Kalender, um wichtige Dinge und Termine festzuhalten.

Darüber hinaus können allgemeine Maßnahmen wie eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf, regelmäßige Entspannungsphasen, körperliche Bewegung und die Reduzierung des Medienkonsums dazu beitragen, das Wohlbefinden und die Konzentrationsfähigkeit zu steigern.

Auch wenn die Ursache für die Gedächtnisprobleme bei Krebspatienten noch nicht eindeutig geklärt ist, ist es unumstritten, dass solche Probleme häufig auftreten. Studienergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass die Beschwerden nur über einen gewissen Zeitraum anhalten. Betroffene sollten ihre Probleme ernst nehmen und offen mit ihrem behandelnden Arzt darüber sprechen. Auch der Austausch mit anderen Krebspatienten kann hilfreich sein.

Der Welthirntumortag und die Bedeutung der Aufklärung

Der Welthirntumortag am 8. Juni ist ein internationaler Aktionstag, der auf die Situation von Hirntumorpatienten aufmerksam macht. Im Vergleich zu anderen Krebsarten gelten Hirntumoren als selten, was jedoch dazu führt, dass sie oft übersehen werden.

Allein in Deutschland erkranken jährlich mehr als 8.000 Menschen an einem primären Hirntumor. Weltweit kommen jeden Tag über 700 neue Fälle hinzu. Noch deutlich höher ist die Zahl der Menschen mit Hirnmetastasen, die sich als Folge anderer Krebsarten wie Lungen- oder Brustkrebs im Gehirn bilden.

Die Behandlung von Hirntumoren gehört zu den größten Herausforderungen der modernen Medizin. Aufgrund der sensiblen Lage im Gehirn, seiner komplexen Struktur und der oft aggressiven Tumorbiologie ist eine Heilung - insbesondere bei bösartigen Tumoren - nur selten möglich. Neurochirurgische Eingriffe, Chemotherapie, Strahlentherapie und zunehmend auch Immuntherapien kommen zum Einsatz.

Ein Ziel des Welthirntumortages ist es, Aufklärung zu fördern: über Symptome, Diagnosemöglichkeiten und Therapien. Gleichzeitig soll der Tag eine Plattform bieten, auf der Betroffene und Angehörige sichtbar werden, ihre Geschichten teilen und zeigen: Wir sind viele. Um wirksame Behandlungen zu entwickeln, braucht es gezielte Forschung - und Forschung braucht Ressourcen.

Die graue Schleife ist das internationale Symbol der Solidarität mit Hirntumorpatienten - vergleichbar mit der roten Schleife für HIV/Aids oder der rosa Schleife für Brustkrebs.

Die Bedeutung der Krebsschleifen

Krebsschleifchen sind mehr als nur bunte Bänder - sie sind Symbole der Unterstützung, des Mitgefühls, des Bewusstseins und des Kampfes gegen verschiedene Krebsarten. Das Tragen der farbigen Schleifchen an der Kleidung ist eine einfache, aber kraftvolle Geste, die zeigt, dass man sich für Krebsaufklärung stark macht.

Die Farben der Ribbons können je nach Krebsart variieren. Einige Beispiele sind:

  • Violett: Allgemeine Krebsaufklärung
  • Weiß: Lungenkrebs (steht für Reinheit, Hoffnung und Entstigmatisierung)
  • Orange: Nierenkrebs (Farbe der Lebensenergie und des Optimismus)
  • Rosa: Brustkrebs (Mitgefühl, Fürsorge und Sanftheit)
  • Grün: Leberkrebs, Gallengangs- und Gallenblasenkrebs (Leber als "grünes" Organ, Erneuerung und Ausgewogenheit)

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