Herzrhythmusstörungen sind ein weit verbreitetes Problem, das von harmlosen Symptomen bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen reichen kann. Eine besondere Form dieser Störungen, die sogenannte kreisende Erregung (Reentry), spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung verschiedener Arten von Herzrhythmusstörungen. Dieser Artikel beleuchtet die Definition, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von kreisenden Erregungen im Herzen, insbesondere im Zusammenhang mit Kammerflimmern und anderen supraventrikulären Tachykardien.
Einführung in Herzrhythmusstörungen
Herzrhythmusstörungen, auch Arrhythmien genannt, sind Unregelmäßigkeiten im Herzschlag. Das Herz kann zu schnell (Tachykardie), zu langsam (Bradykardie) oder unregelmäßig schlagen. Diese Störungen können in den Vorhöfen (Atrien) oder den Kammern (Ventrikeln) des Herzens entstehen. Die elektrischen Impulse, die den Herzschlag steuern, werden normalerweise vom Sinusknoten erzeugt und über spezifische Leitungsbahnen durch das Herz geleitet. Wenn dieser Prozess gestört ist, kann es zu Arrhythmien kommen.
Supraventrikuläre Tachykardien: Schnelle Herzrhythmusstörungen aus den Vorhöfen
Supraventrikuläre Tachykardien (SVT) sind schnelle Herzrhythmusstörungen, die ihren Ursprung in den Herzvorhöfen haben. Betroffene leiden oft unter Herzrasen, Schwindel, Luftnot, Brustschmerzen und innerer Unruhe bis hin zum Bewusstseinsverlust. Obwohl SVTs selten lebensbedrohlich sind, können sie die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Zu den häufigsten Formen von SVTs gehören:
AVNRT (AV-Knoten-Reentry-Tachykardie)
Die AVNRT ist eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen bei jungen, herzgesunden Menschen. Sie basiert auf einer veränderten oder zusätzlichen elektrischen Verbindung zwischen Herzvorhof und Herzkammer. Durch diese Besonderheit können elektrische Impulse nicht nur vom Vorhof in die Kammer, sondern auch wieder zurück in den Vorhof wandern. Dies führt zu einer kreisenden Erregung (Reentry) mit sehr hohen Herzfrequenzen von bis zu 200 Schlägen pro Minute.
AVRT (AV-Reentry-Tachykardie) und WPW-Syndrom
Die AVRT tritt bei Vorliegen einer zusätzlichen Leitungsbahn auf, was als Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW-Syndrom) bekannt ist. Auch hier entsteht eine kreisende Erregung, da die zusätzlichen Bahnen eine Rückleitung der elektrischen Impulse in den Vorhof ermöglichen.
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Typisches Vorhofflattern
Vorhofflattern entsteht durch eine elektrische Kreiserregung (Reentry) um die Trikuspidalklappe (Herzklappe der rechten Herzvorkammer) herum. Der Puls ist oft erhöht, aber regelmäßig, und die Herzfrequenz liegt meist bei etwa 150 Schlägen pro Minute. Bei Anstrengung kann die Frequenz jedoch auf über 250 Schläge pro Minute ansteigen und lebensbedrohlich werden.
Vorhofflimmern
Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung, die in den Vorhöfen entsteht. Dabei entstehen unterschiedlich große kreisende Erregungen in den Vorhöfen, was zu chaotischen elektrischen Signalen führt. Der AV-Knoten übernimmt die Kontrollfunktion und lässt nur einen Teil dieser Signale zu den Kammern durch. Das Herz schlägt unregelmäßig und oft zu schnell. Vorhofflimmern ist nicht unmittelbar gefährlich, sollte aber ärztlich abgeklärt werden, da es schwerwiegende Folgen wie Schlaganfall oder Herzschwäche haben kann.
Atriale Tachykardien
Atriale Tachykardien können sowohl bei Herzgesunden als auch bei Patient:innen mit Herzerkrankungen auftreten, beispielsweise nach Herzoperationen.
Kammerflimmern: Eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung
Kammerflimmern ist eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung, die durch ungeordnete elektrische Impulse in den Herzkammern verursacht wird. Diese Impulse führen dazu, dass sich die Herzmuskelzellen unkoordiniert zusammenziehen, was einen effektiven Herzschlag verhindert und den Blutfluss zum Gehirn und anderen Organen unterbricht. Unbehandelt führt Kammerflimmern innerhalb weniger Minuten zum Tod.
Entstehung von Kammerflimmern
Normalerweise werden die einzelnen Zellen des Herzmuskels in einer genau abgestimmten Reihenfolge elektrisch erregt, um eine koordinierte Kontraktion zu gewährleisten. Die elektrische Erregung stammt von rhythmussgebenden Herzmuskelzellen und breitet sich in immer gleicher Weise über den gesamten Herzmuskel aus. Gesunde Herzmuskelzellen verfügen über Schutzfunktionen, die sicherstellen, dass die Erregung im richtigen Tempo und in die richtige Richtung weitergeleitet wird.
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Bestimmte Umstände können jedoch den Ablauf der elektrischen Erregung stören. Wenn die Erregung anders wandert als vorgesehen, können Teile der Herzkammer zu früh aktiviert werden, was zu ventrikulären Extrasystolen (Extraschlägen der Herzkammer) führt. Einzelne Extrasystolen sind meist ungefährlich, aber kritisch wird es, wenn diese in sensible Phasen des Erregungszyklus fallen.
Kreisende Erregungen und Kammertachykardien
In kritischen Situationen können Extraschläge in sensible Phasen des Erregungszyklus fallen und einen eigenen, zu schnellen Herzrhythmus in den Herzkammern auslösen. Sogenannte "kreisende Erregungen" können ganze Serien von Extraschlägen auslösen, was zu Kammertachykardien führt - einem zu schnellen Herzschlag, der in der Herzkammer entsteht.
Folgen von Kammertachykardien
Wenn das Herz deutlich zu schnell schlägt, hat dies zwei wesentliche Folgen:
- Verminderte Blutversorgung: Dem Herzmuskel fehlt die Zeit, sich zwischen den Schlägen ausreichend mit Blut zu füllen, wodurch weniger Blut weiter transportiert wird. Dies führt zu einer Unterversorgung des Herzens selbst mit Sauerstoff und Nährstoffen.
- Erhöhter Energieverbrauch: Der Herzmuskel verbraucht deutlich mehr Energie als bei normaler Herzfrequenz.
Diese Faktoren führen dazu, dass sich die Störungen am Herzmuskel verstärken und der Kammerrhythmus außer Kontrolle geraten kann. Die Kammertachykardie kann in ein Kammerflattern und schließlich in Kammerflimmern übergehen.
Kammerflattern und Kammerflimmern
Beim Kammerflimmern werden die einzelnen Zellen zwar noch elektrisch aktiviert und ziehen sich zusammen, aber die Kontraktionen sind nicht mehr aufeinander abgestimmt. Dies führt zu einem Zittern ("Flimmern") des Herzmuskels, der sich nicht mehr richtig zusammenziehen kann. Das Blut in den Herzkammern wird nicht mehr weitergepumpt, was einem funktionellen Herzstillstand entspricht. Bleibt das Kammerflimmern unbehandelt, erschöpft sich der Herzmuskel und bleibt schließlich stehen (Asystolie).
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EKG-Darstellung von Kammerflimmern
Im Elektrokardiogramm (EKG) sind Kammertachykardien als Serien von "breiten Kammerkomplexen" sichtbar. Beim Kammerflattern zeigt das EKG eine haarnadelförmige Kurve mit einer Frequenz von etwa 250 bis 320 Schlägen pro Minute. Beim Kammerflimmern sind unregelmäßige Zacken mit einer Frequenz von über 320 Schlägen pro Minute zu erkennen. Die Übergänge zwischen Kammerflattern und Kammerflimmern sind fließend.
Ursachen von Kammerflimmern
Kammerflimmern wird fast immer durch eine Schädigung des Herzmuskels verursacht. Die häufigste Ursache ist die koronare Herzerkrankung (KHK) oder ein akuter Herzinfarkt. Weitere Ursachen können sein:
- Entzündung des Herzmuskels (Myokarditis)
- Schwere Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
- Massive Veränderungen in der Zusammensetzung der Blutsalze (insbesondere Kalium und Magnesium)
- Erkrankungen des Reizleitungssystems (z. B. Long-QT-Syndrom)
- Stromunfälle
Oft müssen mehrere Faktoren zusammenkommen, damit Kammerflimmern entsteht. Betroffen sind in der Regel Menschen über 60 Jahre mit bekannten Risikofaktoren. In seltenen Fällen tritt Kammerflimmern auch bei jüngeren, scheinbar gesunden Menschen auf, beispielsweise beim Sport. Bei etwa der Hälfte dieser Betroffenen wird später eine bis dahin unerkannte Herzerkrankung festgestellt.
Symptome von Kammerflimmern
Das Leitsymptom von Kammerflimmern ist eine innerhalb weniger Sekunden eintretende Bewusstlosigkeit ohne Puls und Atemtätigkeit.
Vorboten und Warnsignale
Häufig tritt Kammerflimmern ohne Vorwarnung auf. Es können jedoch auch Warnzeichen vorhanden sein, die auf die zugrundeliegende Herzerkrankung hinweisen, wie z. B.:
- Linksseitige Brustschmerzen (als Vorbote eines Herzinfarkts)
- Wiederkehrende Schwindelattacken oder Ohnmachtsanfälle (bei Kammertachykardien)
- Atemnot bei geringer Anstrengung
- Spürbares Herzrasen
Bei solchen Symptomen ist eine ärztliche Untersuchung empfehlenswert, um die Ursachen abzuklären und das Risiko für bedrohliche Herzrhythmusstörungen zu beurteilen. Bei Symptomen, die auf einen Herzinfarkt hindeuten, sollte sofort der Notarzt gerufen werden.
Sofortmaßnahmen bei Kammerflimmern: Reanimation
Kammerflimmern ist immer eine unmittelbar lebensbedrohliche Situation, die sofortige Wiederbelebungsmaßnahmen (Reanimation) erfordert. Helfer sollten keine Zeit mit der Pulssuche verschwenden, da dies selbst für medizinisches Personal schwierig sein kann und wertvolle Zeit kostet.
- Prüfen: Ist der Betroffene ansprechbar und atmet er normal?
- Herzdruckmassage: Bei Bewusstlosigkeit und fehlender oder nicht normaler Atmung (z. B. schnappend mit langen Pausen) sofort mit der Herzdruckmassage beginnen.
- Beatmung: Mund-zu-Mund-Beatmung kann durchgeführt werden, wenn sie in einem Erste-Hilfe-Kurs erlernt wurde. Wichtig ist jedoch eine rasche und kontinuierliche Herzdruckmassage.
- Notruf: So früh wie möglich den Notarzt unter 112 alarmieren.
Die Herzdruckmassage gewährleistet einen minimalen Blutfluss zum Gehirn und kann das Überleben ermöglichen. Jede Minute zählt, da Gehirnzellen bereits nach drei bis fünf Minuten ohne ausreichende Blutversorgung absterben.
Defibrillation mit AED
Kammerflimmern kann nur durch einen Elektroschock unterbrochen werden, der von einem Defibrillator abgegeben wird. Je schneller dies geschieht, desto besser sind die Überlebenschancen. Daher ist die Frühdefibrillation durch Rettungsdienste und Laien ein wichtiger Bestandteil der Reanimation.
Automatisierte Externe Defibrillatoren (AEDs) sind für die Anwendung durch medizinische Laien konzipiert und zeichnen sich durch eine hohe Sicherheit aus. Die Geräte geben Sprachanweisungen und unterstützen den Helfer bei der Reanimation. Nach Anbringen der Elektroden analysiert das Gerät automatisch das EKG und gibt nur dann einen Elektroschock ab, wenn ein defibrillierbarer Rhythmus vorliegt.
Auch wenn ein Defibrillator in der Nähe ist, ist eine unverzügliche Herzdruckmassage bis zu seinem Einsatz entscheidend. Während der Analyse und gegebenenfalls der Schockabgabe muss die Reanimation kurz unterbrochen werden, aber sobald der Defibrillator den Elektroschock abgegeben hat, muss die Herzdruckmassage sofort wieder aufgenommen werden - bis der Notarzt eintrifft oder der Betroffene wieder normal atmet bzw. zu sich kommt. Empfiehlt der automatische Defibrillator keinen Schock, muss weiterhin eine Herzdruckmassage erfolgen.
Maßnahmen zur Verhinderung von Kammerflimmern
Bei Menschen mit einem hohen Risiko für lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen kann ein implantierbarer Defibrillator (ICD) als Primärprävention sinnvoll sein. Die Implantation erfolgt in einer kleinen, risikoarmen Operation unter örtlicher Betäubung. Der ICD erkennt Kammerflimmern und unterbricht es durch einen sofortigen Elektroschock. Diese Therapie kann bei ausgeprägter Herzschwäche infrage kommen, die durch Medikamente nicht zu bessern ist. Auch Menschen, die ein Kammerflimmern überlebt haben, erhalten oft einen ICD als Sekundärprävention.
Darüber hinaus ist es wichtig, bestehende Krankheiten optimal zu behandeln, die das Risiko für Kammerflimmern erhöhen könnten.
Diagnostik von Herzrhythmusstörungen
Die Diagnose von Herzrhythmusstörungen umfasst verschiedene Methoden, um die Art und Ursache der Störung zu identifizieren:
- Anamnese: Eine ausführliche Krankengeschichte ist der Schlüssel zur Diagnose.
- Ruhe-EKG: Ein Elektrokardiogramm (EKG) zeichnet die elektrischen Aktivitäten des Herzens auf und kann Hinweise auf Rhythmusstörungen liefern.
- Langzeit-EKG: Ein Langzeit-EKG wird über 24 Stunden oder länger getragen, um Rhythmusstörungen aufzuzeichnen, die nicht im Ruhe-EKG sichtbar sind.
- Eventrekorder: Ein Eventrekorder wird implantiert, um selten auftretende Rhythmusstörungen aufzuzeichnen.
- Smartwatch-Analyse: Smartwatches können Herzrhythmusstörungen erkennen und EKGs ableiten.
- Elektrophysiologische Untersuchung (EPU): Bei einer EPU werden Katheter in das Herz eingeführt, um die elektrische Aktivität des Herzens zu messen und den Ursprungsort der Rhythmusstörung zu identifizieren.
Behandlungsmöglichkeiten von Herzrhythmusstörungen
Die Behandlung von Herzrhythmusstörungen zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, das Risiko von Komplikationen zu verringern und das normale Herzrhythmus wiederherzustellen. Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören:
- Medikamente: Antiarrhythmika können helfen, den Herzrhythmus zu stabilisieren. Betablocker, Kalziumkanalblocker und Digoxin werden zur Frequenzkontrolle eingesetzt. Antikoagulanzien werden verschrieben, um das Risiko von Blutgerinnseln und Schlaganfällen zu verringern, insbesondere bei Vorhofflimmern.
- Katheterablation: Bei der Katheterablation werden Katheter in das Herz eingeführt, um die Bereiche des Herzgewebes zu veröden, die die Rhythmusstörung verursachen. Dies kann mit Hochfrequenzstrom (Hochfrequenzablation) oder Kälte (Kryoablation) erfolgen.
- Implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD): Ein ICD ist ein Gerät, das unter die Haut implantiert wird und lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen erkennt und durch Elektroschocks beendet.
- Herzschrittmacher: Ein Herzschrittmacher ist ein Gerät, das implantiert wird, um das Herz zu stimulieren, wenn es zu langsam schlägt.
- Elektrische Kardioversion: Bei der elektrischen Kardioversion wird ein Elektroschock abgegeben, um das Herz wieder in den normalen Rhythmus zu bringen.
- Vagusmanöver: Techniken zur Stimulation des Vagusnervs, um die Herzfrequenz zu verlangsamen.
Vorhofflimmern: Diagnostik und Therapie
Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung, die mit zunehmendem Alter häufiger auftritt. Patienten bemerken einen unregelmäßigen Herzschlag, Luftnot und Leistungsschwäche. Die Ursachen sind vielfältig, oft lässt sich keine eindeutige Ursache finden. Grunderkrankungen wie Herzklappenfehler, Bluthochdruck oder koronare Herzerkrankung müssen konsequent behandelt werden.
Diagnostik von Vorhofflimmern
- Anamnese: Erfassung der Krankengeschichte und Symptome.
- EKG: Aufzeichnung der Herzaktivität.
- Langzeit-EKG: Überwachung des Herzrhythmus über einen längeren Zeitraum.
- Echokardiographie: Ultraschalluntersuchung des Herzens.
- Röntgen-, CT- und MRT-Aufnahmen: Detaillierte Bilder des Herzens.
- Belastungs-EKG: Beobachtung der Herzfrequenzen unter Belastung.
- Laborwerte: Bestimmung verschiedener Blutwerte.
Therapie von Vorhofflimmern
- Medikamentöse Therapie:
- Antikoagulation: Wichtigste Therapie zur Reduktion des Schlaganfallrisikos.
- Antiarrhythmika: Stabilisierung des Sinusrhythmus, oft dauerhafte Einnahme erforderlich.
- Ablationstherapie: Verödung von Gewebe im linken Vorhof, von dem das Flimmern ausgeht.
- Pulmonalvenenisolation: Isolation der Lungenvenen, da die Flimmerwellen hier ihren Ausgang nehmen.
- Kryo-Ablation: Vereisung des Gewebes mit einem Ballonkatheter.
- Hochfrequenzablation: Erhitzung des Gewebes mit einem Katheter.
- Vorhofohrokluder: Verschluss des Vorhofohrs, um die Bildung von Blutgerinnseln zu verhindern, insbesondere bei Kontraindikationen für Antikoagulanzien.
Wolff-Parkinson-White (WPW)-Syndrom
Das Wolff-Parkinson-White (WPW)-Syndrom ist eine seltene Erkrankung, bei der eine zusätzliche Leitungsbahn im Herzen vorhanden ist. Diese zusätzliche Bahn kann zu anfallsweisem Herzrasen führen.
Ursachen und Symptome
Menschen mit WPW-Syndrom haben eine zusätzliche Leitungsbahn (selten mehrere) für elektrische Impulse zwischen den Herzvorhöfen und Herzkammern. Diese Impulse können so den üblichen Weg umgehen, was zu einer plötzlich einsetzenden erhöhten Herzfrequenz führt.
Wenn die zusätzliche Leitungsbahn keine Beschwerden verursacht, bleibt das WPW-Syndrom oft unbemerkt. Treten Symptome auf, dann häufig bei körperlicher Anstrengung oder Stress.
Hauptsymptome sind:
- Starkes Herzklopfen
- Herzrasen
Mögliche Begleitsymptome sind:
- Schwindel
- Kurzatmigkeit
- Brustschmerzen
- Ohnmacht
Diagnose und Behandlung
Die entscheidende Untersuchung ist das EKG. Beim WPW-Syndrom zeichnet das EKG oft ein typisches Muster auf.
Bei einem WPW-Syndrom mit nur milden und gelegentlichen Symptomen, die von selbst abklingen, ist eine Behandlung nicht notwendig - wohl aber eine regelmäßige ärztliche Kontrolle.
Ansonsten ist zwischen der Behandlung akuter Episoden von Herzklopfen oder -rasen und einer langfristigen WPW-Syndrom-Therapie zu unterscheiden.
Akute Maßnahmen sind:
- Vagusmanöver
- Medikamente zur Verringerung der Herzfrequenz
Die häufigste Behandlungsmethode des WPW-Syndroms ist die Katheterablation.
Plötzlicher Herztod
Der plötzliche Herztod ist das Endstadium einer abrupten kardialen Dysfunktion, die in wenigen Minuten zu einem Kreislaufstillstand mit schwerer zerebraler Hypoxie führt, wenn keine sofortige Reanimation erfolgt. In etwa 40 % der Fälle ist eine unerkannte Ischämie die Ursache für einen plötzlichen Herztod.
Ursachen
Die Pathogenese des plötzlichen Herztods und des Herzstillstands umfasst ein breites Spektrum kardiovaskulärer und nicht-kardiovaskulärer Ursachen.
Kardiovaskuläre Ursachen:
- Koronare Herzerkrankung (KHK)
- Myokardinfarkt
- Kardiomyopathien (Herzmuskelerkrankungen)
- Herzklappenfehler
- Angeborene Herzfehler
- Erkrankungen des Reizleitungssystems (z. B. Long-QT-Syndrom)
Nicht-kardiovaskuläre Ursachen:
- Akute Elektrolytstörungen
- Drogenmissbrauch
- Medikamentenintoxikation
- Lungenembolie
- Stromunfälle
Risikofaktoren
- Vorherige Herzerkrankungen
- Familienanamnese mit plötzlichem Herztod
- Bestimmte Medikamente
- Drogenmissbrauch
- Elektrolytstörungen
Prävention
- Behandlung von Herzerkrankungen
- Vermeidung von Risikofaktoren
- Implantation eines ICD bei hohem Risiko