Stimmbandlähmung: Ursachen, Diagnose und Behandlungsansätze

Stimmstörungen, auch Dysphonien genannt, sind durch Heiserkeit und eine eingeschränkte stimmliche Leistungsfähigkeit gekennzeichnet. Die Prävalenz von Stimmstörungen im allgemeinen Patientenkollektiv beträgt etwa 1 %, wobei eine Lebenszeitprävalenz von etwa 30 % besteht. Eine Stimmbandlähmung, auch bekannt als Rekurrensparese, ist eine der möglichen Ursachen für Heiserkeit. Dabei ist die Beweglichkeit eines oder beider Stimmbänder eingeschränkt oder aufgehoben.

Was ist eine Stimmbandlähmung?

Eine Stimmbandlähmung entsteht, wenn der Nerv, der die Stimmbänder versorgt (Nervus laryngeus recurrens), geschädigt ist. Dies führt dazu, dass sich die Stimmbänder nicht mehr richtig bewegen können und die Stimme beeinträchtigt ist. Die Begriffe Stimmband und Stimmlippe werden oft gleichbedeutend verwendet, obwohl es sich um unterschiedliche Strukturen handelt. Zum Sprechen benötigen Menschen zwei Stimmlippen, die sich waagerecht im Kehlkopf befinden. Jede Stimmlippe besteht aus drei Schichten: Schleimhaut, elastische und kollagene Fasern (die eigentlichen Stimmbänder) und Muskulatur. Beim Atmen sind die Stimmlippen entspannt, und die Stimmritze ist breit, damit die Luft ein- und ausströmen kann. Beim Sprechen werden die Stimmlippen angespannt, die Stimmritze ist verengt, und der Luftstrom aus der Lunge versetzt die Stimmlippen in Schwingung.

Ursachen einer Stimmbandlähmung

Die Ursachen einer Stimmbandlähmung sind vielfältig. Der Nervus laryngeus recurrens, der die Stimmbänder steuert, hat einen weiten Verlauf von seinem Ursprung bis zu den Stimmbändern. Krankhafte Prozesse in verschiedenen Regionen können diesen Nerv schädigen und zu einer Lähmung führen.

Häufige Ursachen sind:

  • Operationen: Insbesondere Operationen an der Schilddrüse, der Halswirbelsäule oder im herznahen Bereich können den Nervus recurrens verletzen. Auch Eingriffe im Brustkorb können den Nerv schädigen.
  • Tumore: Tumore im Hals- oder Brustbereich können auf den Nerv drücken oder in ihn einwachsen und so seine Funktion beeinträchtigen.
  • Neurologische Erkrankungen: Schlaganfälle, Multiple Sklerose oder andere neurologische Erkrankungen können die Nervenbahnen schädigen, die die Stimmbänder steuern.
  • Infektionen: Virale oder bakterielle Infektionen können zu Entzündungen der Nerven führen und eine Stimmbandlähmung verursachen.
  • Idiopathische Lähmung: In einigen Fällen lässt sich keine eindeutige Ursache für die Stimmbandlähmung finden. Man spricht dann von einer idiopathischen Recurrensparese. In solchen Fällen ist eine umfassende Bildgebung entlang des gesamten Verlaufs des Nervus recurrens erforderlich.
  • Internistische Erkrankungen: Sehr selten ist die Heiserkeit auf Manifestationen internistischer Erkrankungen des Larynx zurückzuführen (Tabelle 1).

Symptome einer Stimmbandlähmung

Die Symptome einer Stimmbandlähmung hängen davon ab, ob ein oder beide Stimmbänder betroffen sind und in welcher Position sich das gelähmte Stimmband befindet.

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Einseitige Stimmbandlähmung:

  • Heiserkeit: Dies ist das Hauptsymptom, da sich die Stimmritze aufgrund des gelähmten Stimmbands nicht richtig schließt. Die Stimme klingt heiser, leise und kraftlos.
  • Kurzatmigkeit: Viele Patienten klagen über Atemnot beim Sprechen oder bei körperlicher Belastung. Sie können den Atem nicht mehr richtig dosieren und müssen häufiger Atem holen.
  • Verschlucken: Durch die beeinträchtigte Funktion der Stimmbänder kann es zu Problemen beim Schlucken von Speisen oder Flüssigkeiten kommen. Es entsteht ein Hustenreiz.
  • Eingeschränkte stimmliche Belastbarkeit: Der Stimmklang ist oft zu hoch, lange Gespräche sind anstrengend, und das Singen ist beeinträchtigt.

Beidseitige Stimmbandlähmung:

  • Atemnot: Da sich die Stimmbänder in einer Position befinden, die die Atemwege verengt, kommt es zu Atemproblemen. Die Atemnot kann sich bei Belastung oder Infekten verstärken. In schweren Fällen kann sie auch in Ruhe auftreten.
  • Stridor: Beim Einatmen ist typischerweise ein pfeifendes oder ziehendes Atemgeräusch (Stridor) hörbar.
  • Stimme: Die Stimme ist meist besser als bei der einseitigen Lähmung, da die Stimmbänder einander näher sind.

Diagnose einer Stimmbandlähmung

Bei Verdacht auf eine Stimmbandlähmung ist der Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO-Arzt) der richtige Ansprechpartner.

Die Diagnose umfasst in der Regel folgende Schritte:

  1. Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten, einschließlich der aktuellen Beschwerden, möglicher Auslöser und Vorerkrankungen.
  2. Klinische Untersuchung: Der Arzt untersucht den Halsbereich und beurteilt die Beweglichkeit und Struktur der Stimmlippen mithilfe eines Laryngoskops (Kehlkopfspiegel) oder eines Endoskops.
  3. Stroboskopie: Mit dieser Untersuchung werden die Schwingungen der Stimmbänder sichtbar gemacht, um ihre Funktion genauer beurteilen zu können.
  4. Ultraschalluntersuchung des Halses: Hiermit können strukturelle Veränderungen im Halsbereich, insbesondere der Schilddrüse, festgestellt werden.
  5. Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT): Diese bildgebenden Verfahren können Veränderungen im Hals, Brustkorb oder Gehirn aufzeigen, die für die Stimmbandlähmung verantwortlich sein könnten.
  6. Blutuntersuchung: Hiermit können Infektionen oder andere Erkrankungen festgestellt werden, die als Ursache in Frage kommen.
  7. Panendoskopie: In unklaren Fällen kann eine Panendoskopie in Vollnarkose durchgeführt werden, um die Schleimhaut des Rachens und Kehlkopfs zu untersuchen und Gewebeproben zu entnehmen.

Behandlung einer Stimmbandlähmung

Die Behandlung einer Stimmbandlähmung richtet sich nach der Ursache, dem Schweregrad der Lähmung und den individuellen Beschwerden des Patienten.

Konservative Therapie:

  • Behandlung der Grunderkrankung: Wenn die Stimmbandlähmung durch eine bestimmte Erkrankung verursacht wird, muss diese zunächst behandelt werden.
  • Stimmtherapie (Logopädie): Eine logopädische Behandlung ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Durch gezielte Übungen kann die Stimme verbessert und gekräftigt werden. Bei einer einseitigen Lähmung kann die gesunde Stimmlippe trainiert werden, um die Funktion der gelähmten Seite teilweise zu übernehmen.
  • Reizstromtherapie: Diese Therapie kann begleitend zur Stimmtherapie eingesetzt werden, um die Muskulatur der Stimmbänder zu stimulieren und die Regeneration des Nervs zu fördern.
  • Stimmschonung: Patienten sollten ihre Stimme schonen, indem sie nicht schreien, flüstern oder sich räuspern. Langes Schweigen sollte jedoch vermieden werden, da dies zu einem Rückgang der Muskelmasse führen kann.
  • NOVAFON Schallwellengerät: Viele Fachärzte und Logopäden berichten von Patienten, bei denen mit dem Einsatz des NOVAFON Schallwellengerätes eine deutliche Besserung der stimmlichen Fähigkeiten erzielt wurde. In manchen Fällen kann die Stimme durch die regelmäßige Anwendung eines NOVAFON Schallwellengerätes sogar gänzlich wiederhergestellt werden.

Operative Therapie:

Wenn die konservativen Maßnahmen nicht ausreichend helfen, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden.

  • Stimmlippenaugmentation (Stimmlippenunterfütterung): Bei diesem Eingriff wird die gelähmte Stimmlippe durch Injektion verschiedener Substanzen (z.B. Hyaluronsäure, Eigenfett) aufgepolstert, um den Stimmbandschluss zu verbessern.
  • Thyroplastik: Hierbei wird das Knorpelskelett des Kehlkopfs von außen eröffnet und ein Implantat eingesetzt, um die gelähmte Stimmlippe in die Mitte zu verlagern.
  • Reinnervation: In speziellen Fällen kann eine Reinnervation der Stimmlippe durchgeführt werden, bei der ein benachbarter Spendernerv in den Kehlkopf verpflanzt wird, um die geschädigten Nerven und Muskeln neu zu stimulieren.
  • Kehlkopfschrittmacher: Eine relativ neue Methode ist der Kehlkopfschrittmacher, der den Kehlkopfnerv gezielt stimuliert und die Öffnung der Stimmlippe bewirkt.
  • Tracheotomie: Bei beidseitigen Stimmbandlähmungen mit schwerer Atemnot kann eine Tracheotomie (Luftröhrenschnitt) erforderlich sein, um die Atemwege zu sichern.

Prognose einer Stimmbandlähmung

Die Prognose einer Stimmbandlähmung hängt von der Ursache und dem Ausmaß der Nervenschädigung ab. Wenn der Nerv nur beschädigt ist, besteht eine gute Chance auf Erholung. In vielen Fällen regeneriert sich der Nerv innerhalb von Monaten bis Jahren vollständig oder teilweise. Durch eine konsequente Therapie können die Symptome gelindert und die Stimmfunktion verbessert werden. Wenn der Nerv jedoch vollständig durchtrennt ist, ist die Lähmung in der Regel dauerhaft. In diesen Fällen können operative Maßnahmen helfen, die Stimmfunktion zu verbessern oder die Atemwege zu sichern.

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Schwerbehinderung

Bleibende Stimmbandlähmungen können das alltägliche Leben stark beeinträchtigen und zu langfristiger oder dauerhafter Arbeitsunfähigkeit führen. Abhängig vom Ausmaß der Symptome kann ein Schwerbehindertenausweis beantragt werden.

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